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BP und Transocean stehen erneut am Pranger

Das war zu erwarten, die USA verklagen nun die für die Ölkatastrophe der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko verantwortlichen Unternehmen auf entsprechenden Schadenersatz in Milliardenhöhe. Im Rahmen des „Oil Pollution Act“ und des „Clean Water Act“ soll nun der entstandene Schdaen geltend gemacht werden. Angaben über das Gesamtvolumen der Schäden in Folge der Ölkatastrophe wurden in der Klage nicht genannt. Das US-Justizministerium hat am Mittwoch eine Zivilklage gegen eine Tochter der britischen BP und mehrere Töchterunternehmen der Transocean Ltd eingereicht. Transocean war zur Zeit des Unglücks die Inhaberin und Betreiberin der gesunkenen Ölplattform Deepwater Horizon. Die Klage wurde bei einem Bundesgericht in New Orleans eingereicht.

Die US-Regierung ist der Auffassung das es sich bei dieser Ölkatastrophe um einen eklatanten Verstoß gegen Umweltgesetze und Sicherheitsregularien handelt, und damit die größte Naturkatastrophe in der Geschichte der USA verursacht wurde. Es ist wohl davon auszugehen, dass hier ein Exempel statuiert werden soll. Zwar geht es dem Justizminister Holder offiziell darum, dass nicht der Steuerzahler erneut zur Kasse gebeten wird um die entstandenen Schäden zu beseitigen, der langfristige Schaden für die gesamte Erdbevölkerung, und damit meine ich nicht nur die Menschen, ist derzeit aber noch gar nicht bezifferbar.

BP ist bereit für den offensichtlichen Teil dieses Schadens aufzukommen, und hat dies auch bewiesen, bei Transocean hingegen hat man sich bislang deutlich bedeckter gehalten. Zwar konnte sich der Aktienkurs seit der Katastrophe wieder deutlich erhöhen, ich sehe hier aber eine gewisse mittelfristige Gefahr, dass durch das große öffentliche Interesse hier letztlich ein Bauernopfer gefordert werden könnte. Sollte Transocean dann in ähnlichem Umfang zur Kasse gebeten werden wie BP dürfte es sehr eng für das Unternehmen werden, aber das kann bei solchen Prozessen ja noch Jahre dauern…

Beiersdorf – Gewinne erstmal abschminken

Die Aktie der Beiersdorf AG befindet sich seit zwei Tagen in einem für einen solchen Wert heftigen Abwärtsstrudel. Auch das heutige heftige Minus von sieben Prozent dürfte wohl als direkte Konsequenz aus der kürzlich ausgesprochenen Gewinnwarnung des Konzerns zu sehen sein. Der Konsumgüterkonzerns Beiersdorf hat für das kommende Jahr seine eigenen Erwartungen deutlich heruntergeschraubt und geht nun von einer deutlich niedrigeren operativen Rendite im Kosmetikgeschäft aus. Bereits vergangenen Freitag hatte Beiersdorf seine Gewinnprognose für dieses Jahr gesenkt.

Die Jahre 2010 und 2011 bezeichnete Finanzvorstand Bernhard Düttmann als Übergangsjahre. Beiersdorf rechnet 2011 mit einem Umsatz auf dem Niveau des Jahres 2010 und einem rückläufigen EBIT. Ursächlich hierfür sind die geplanten Ausgaben von 150 Mio EUR für die Neuausrichtung der Sparte Consumer. Im Jahr 2012 will der Hamburger Konsumgüterkonzern sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn wieder schneller als der Markt wachsen.

Charttechnisch sieht es nun erst einmal finster aus, heute wurde die Unterstützung bei 41,60 Euro ebenfalls unterschritten somit befindet sich der Wert  nun mit 40,60 Euro nur noch knapp über der „letzten“ Unterstützung bei 40,20 Euro. Hält auch diese nicht muss man sich wohl demnächst auf Kurse von 37,50 bzw. unter Umständen sogar 35,- Euro einstellen. Risikofreudige Investoren spekulieren bereits bei 40,- Euro auf einen Rebound, der allerdings bei der Nachrichtenlage nicht weiter als bis 42,- Euro führen sollte.

Solarunternehmen Systaic AG ist pleite

Die Systaic AG hat bereits gestern Insolvenz angemeldet. Damit bestätigen sich die jüngsten Aussagen von Solarworld Chef Asbeck über ein baldiges Sterben von Solarunternehmen in Deutschland.  Es sei ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft gestellt worden, teilte der Vorstand des Photovoltaik-Unternehmens aus Düsseldorf gestern mit. Die Systaic AG hatte bereits seit längerem einen finanziellen Engpass der nun dazu führte, das die Geschäfte nicht weiter betrieben werden können, obwohl man bis zuletzt intensiv versucht hat einen Ausweg aus der finanziellen Schieflage zu finden. Ende August hatte der inzwischen zurückgetretene Vorstandschef, Firmengründer Michael Viktor Kamp, im Reuters-Interview noch Hoffnung geäußert, eine Insolvenz durch einen Investor abwenden zu können.

Time to say good bye?

Die Indizes zeigen Ermüdungserscheinungen, und das wohl nicht nur wegen der zur Zeit dünnen Umsätze, sondern auch wegen der neu aufkeimenden Sorgen um Euroland. Heute gab der Euro einmal mehr kräftig nach, nachdem gestern eigentlich ein sehr guter Tag für die europäische Gemeinschaftswährung gewesen ist. Die Konjunkturdaten aus Europa erfreuen weiterhin die Anlegerherzen. Der ZEW Konjunkturindex konnte erneut deutlich zulegen, auch wenn sich dieser immer noch deutlich von dem Mittelwert der vergangenen Jahre entfernt ist. Auch der ifo-Geschäftsklima Index konnte zuletzt positiv überraschen und übertraf die Erwartungen. Dieses Barometer stieg um 1,1 auf 82,6 Punkte. Hier hatten Experten allerdings einen Anstieg auf 84,5 Punkte erwartet.

Heute bereits machen sich wieder Sogen um die Gesamtverfassung der Eurozone breit. Nachdem es Berlusconi gestern mit knappem Vorsprung gelang weiterhin im Amt zu bleiben, und somit Italien, laut seinen Aussagen, noch nicht dem Untergang geweiht ist, meldete sich heute eine der drei großen Ratingagenturen aus den USA wiedermal zu Wort, und verunsichert damit die Märkte. Moody’s hatte bereits am Morgen angekündigt, die aktuelle Ratingnote für Spanien möglicherweise noch einmal abzusenken. Der Finanzbedarf des Landes ist offenbar doch höher als gedacht, hieß es in der Begründung. Das Thema wird uns wohl noch eine Weile beschäftigen, zuletzt hatte die Börse aber offensichtlich gelernt damit besser umzugehen als noch im Frühjahr bei der Griechenland-Krise.

Der Markt zeigt wie bereits erwähnt Schwäche, und dies sollte unbedingt beachtet werden. Wenn ich auch nicht davon ausgehe, dass nun eine stärkere Korrektur folgen wird spricht vieles dafür, dass Anleger aktuell sehr vorsichtig Gewinne mitnehmen. Die beiden letzten Handelstage haben gezeigt, dass auch kleine Indexbewegungen zu großen Veränderungen bei Einzeltiteln führen können. Fundamental hat sich nichts geändert, das Gesamtbild bleibt positiv! Die FED wird weiterhin billiges Geld zur Verfügung stellen, Umschichtungen von den Renten- und Anleihenmärkten in die Aktienmärkte dürften auch in den kommenden Wochen und Monaten für ein grundsätzlich freundliches Klima sorgen.

Zunächst einmal muss der Markt aber wohl doch etwas „durchatmen“ um neue Kraft zu sammeln. Der S&P 500 notiert heute deutlich unter dem Schlussstand von gestern, und momentan unter der wichtigen Marke von 1.232 die als Unterstützung dienen sollte. Danach dürften die Unterstützungen bei 1.227, 1.219 und 1.202 Punkten eventuell noch einmal in den Fokus rücken. Der Dax ist unter die 7.000 Punkte Marke gerutscht und hat somit ein theoretisches Korrekturpotenzial bis auf ca. 6.815 Punkte freigesetzt. Das ist aber momentan eher mein „WorstCaseSzenario

Ich habe mich entschieden vorerst aus dem Markt aufzusteigen und abzuwarten wie sich die Indizes bis zum Hexensabbat am Freitag verhalten werden. Gegen Ende der Woche oder Anfang der kommenden, verkürzten Woche könnte sich dann wieder interessante Einstiegsmöglichkeiten bei Einzeltiteln bieten. Wie immer in solchen Fällen habe ich bereits einen Teil meiner Kauforders deutlich unter den jetzigen Kursen ins System eingegeben, um eventuell kurzfristig nachgebende Kurse zu nutzen. In der Zwischenzeit werde ich mich jetzt mal meinen Weihnachtseinkäufen widmen, bevor ich dann am 23.12 wieder hektisch die letzten Geschenke einkaufen muss…

Die aktuelle Situation gleicht also eher einem kontrollierten Rückzug als einem drohenden Ausverkauf. Kurzfristig auch einmal Gewinne mitzunehmen und später wieder in die gleichen Werte günstiger einzusteigen hat sich bereits in der vergangenen Woche als gute Strategie dargestellt. Dies hat neben der besseren Effizienz beim Trading auch noch deutliche psychologische Vorteile…Belohnen Sie sich und Ihre Lieben durch die schönen Gewinne die sie in diesem Jahr gemacht haben mit schönen Weihnachtsgeschenken! Zum einen wird dadurch sicherlich die Akzeptanz Ihres nicht immer sozialen Tuns in der Familie gesteigert, und zum anderen motivieren Sie sich selber für das kommende Börsenjahr. Das ist wichtig!!!

Sonnenuntergang, Conergy, Q-Cells und Solon auf der Todesliste?

Massensterben, Insolvenzen, Untergang heute ist mal wieder richtig schlechte Stimmung in der Solarbranche. Es ist die Rede von einer Todesliste auf der einige der deutschen Solarwerte stehen sollen. Hintergrund dieser neuen Hysterie ist zum einen eine neu veröffentlichte Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft zum anderen die Aussagen von „Mister Solar“ Frank Asbeck. Der Solarworld Chef sieht die Branche vor schweren Zeiten, und prophezeit das baldige Sterben einiger Mitbewerber. Er geht davon aus, dass weltweit nur ca. zehn Unternehmen den Markt künftig unter sich aufteilen werden, in Deutschland sollen nur zwei bis drei der am Markt befindlichen Player, darunter natürlich auch Solarworld, überleben.

Der geneigte Leser stellt sich beim Lesen dieser Zeilen zwangsläufig die Frage ob diese Aussagen ganz uneigennützig getroffen wurden. Solarunternehmen ist eben nicht gleich Solarunternehmen, entscheidend dürfte beispielsweise sein ob es sich um einen installierenden oder produzierenden Betrieb handelt, und vor allem welche Technik verwendet wird. Nun ja wie auch immer, die im weiteren Verlauf der Berichterstattung genannten Unternehmen, Conergy, Q-Cells und Solon gehören sicherlich aus den unterschiedlichsten Gründen zu den Wackelkandidaten. Dennoch bin ich nicht uneingeschränkt der Meinung, dass der Markt sich so wie dort beschrieben entwickeln sollte. Unterschreiben kann ich hingegen weiterhin die auch in unserem Newsletter getroffene Aussagen, dass für die Anlagen- und Maschinenbauer, Roth&Rau sowie Centrotherm und Manz Automationen wohl bald wieder deutlich bessere Zeiten kommen werden.

Ebenso positiv dürften sich auch einige Zulieferbetriebe der Solarindustrie in den kommenden Jahren entwickeln können, SMA Solar gehört wohl dazu bei Wacker Chemie bin ich mir persönlich da nicht so sicher. Interessant könnten auch die Aktien der Projektierer in den kommenden Jahren bleiben, je nachdem wie beherzt die Abkehr von der atomaren Energie in den kommenden Jahren und Jahrzehnten betrieben werden wird, und wie viele Großprojekte dann tatsächlich in Betrieb sein werden. Beispielsweise Phönix Solar, Solarhybrid aber auch Solar Millennium könnten sich dabei zu sehr interessanten unternehmen entwickeln.

Die ganze Diskussion ist müßig, wenn natürlich auch publikumswirksam. Es ist wie in jeder anderen Branche auch, die Guten werden überleben, die Schlechten geben auf und die innovativen Unternehmen verdienen richtig Geld. Die Solarbranche wird sich in den kommenden Jahrzehnten in einem ständigen Wandlungsprozess befinden. Wer am schnellsten und flexibelsten auf Veränderungen reagiert gehört zu den Gewinnern von morgen, und gerade das fällt mittelgroßen Unternehmen oftmals leichter als den Schwergewichten. Es wird auch wieder neu Anbieter geben, und neue Produkte. Weitere Techniken werden folgen, und vielleicht gehört dann auch eine Solarworld AG irgendwann zum alten Eisen..

Pfleiderer – wie gehts nun weiter?

Noch immer scheint weder die weitere Richtung der Aktie noch die generelle Zukunft des Unternehmens klar zu sein. Die Pfleiderer AG, Marktführer für Bodenbeläge und Spanplatten ist grundsätzlich sicherlich ein interessantes Unternehmen, und auch wir sind zuletzt davon ausgegangen, dass hier ein Turnarround möglich sein dürfte, allerdings war zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht bekannt, dass die Inhaberfamilie Pfleiderer sich massiv von den eigenen Aktien getrennt hat, und das offenbar zu diesen Kursen! In dem Wert sind seit einigen Tagen offenbar auch verstärkt die Zocker aktiv, somit bleibt unser kurzes Fazit bis zur endgültigen Klärung wie es hier nun weiter gehen soll, das Treiben lieber von der Seitenlinie zu beobachten, und noch bestehende Positionen ggf. n stärkeren Tagen erst einmal aufzulösen. Ein echtes Kaufsignal sehen wir erst wieder beim Überschreiten der Marke von 2,88 Euro, momentan scheint aber spätestens im Bereich 2,40 bis 2,50 Euro der Deckel drauf zu sein…

Intercell AG Aktie stürzt ab!

Intercell AG, einer der einstigen Highflyer an der Wiener Börse stürzt heute ab. Mit einem satten Minus von über 40 Prozent quittieren die Anleger des Biotechnologie Unternehmens heute die Meldung, dass einer der Hoffnungsträger des Unternehmens, ein einfach anzuwendenden Pflaster gegen Reisekrankheiten, doch nicht den erwünschten Erfolg erzielt hat. Das  Produkt hatte bereits die Phase II-und Phase III-Studien durchlaufen und dabei Entwicklungskosten in Höhe von 167 Millionen Euro verschlungen.

Der Verlust werde im Geschäftsjahr 2010 daher erheblich höher ausfallen als das bislang erwartete Minus von ca. 40 Millionen Euro, hieß es weiter. Die Intercell AG hatte den Verlust bereits im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdoppelt. Die Geschäftsleitung reagierte Enttäuscht, die Anleger geschockt. Man wolle sich nun auf andere Präparate konzentrieren hieß es in der heutigen Pressemitteilung. Dazu zählen vor allem Impfstoffe gegen Krankenhausinfektionen, sowie ein weiteres Projekt in Kooperation mit der US-Firma Merck & Co.

Der Chart sieht wirklich böse aus. Fachleute beziffern den heutigen Totalverlust des Hoffnungsträgers mit mindestens sieben Euro je Aktie. Auch wenn ein kurzfristiger Zock bei solchen Abstürzen immer reizvoll erscheinen mag dürfte hier das letzte Wort über die künftige Richtung des Kurses noch nicht gesprochen sein. Wir setzten den Titel auf unsere Watchlist, werden aber frühestens bei Kursen unter 8,- Euro die Beobachtungen intensivieren.

TradingUpdate VW, Porsche, Continental und Deutsche Bank

Kaum schreibt man mal über Pest und Cholera, schon erwischt einen die Seuche…ich war die letzten Tage aufgrund einer wirklich unangenehmen Virus-Infektion praktisch ausgeknockt, und nicht in der Lage mich vor den PC zu setzen, geschweige denn mich in eine vertikale Lage zu begeben. Einzelheiten dazu möchte ich Ihnen ersparen, aber zumindest hoffe ich das es als Entschuldigung für meine Börsen-Abstinenz und die fehlende Ausgabe unseres Börsen Newsletters an diesem so spannenden Freitag gelten möge.

Es ist geschafft, der Dax hat sich erneut hervorragend geschlagen. Die so wichtige Marke von 7.000 Punkten konnte endlich überschritten werden, und auch in den USA sehen die Vorgaben für die kommenden Handelswoche sehr gut aus. Mit 1.240 Punkten ging der S&P 500 aus dem Rennen und markierte damit ein neues Hoch zum Handelsschluss. Somit steht der breit gefasste Index deutlich über der Marke von 1.232 Punkten die von mir als Wochenziel angepeilt wurden. Für die kommende Woche rechne ich in jedem Fall mit einem Test der 1.250 Punkte Marke, oder sogar einem Schlusskurs deutlich darüber. Der Dow Jones schloss bei 11.410 Punkten und somit nur noch zehn Punkte unter der nächsten Hürde bei 11.420,- Punkten bei deren Überschreiten sich ein neues Kursziel von 11.700 Punkten ergeben würde.

Für den DAX würde eine weitere positive Börsenwoche bedeuten, dass dieser sich nun in Richtung unseres erhöhten Jahresziels zwischen 7.160 bis 7.240 aufmacht. Wie bereits mehrfach geschrieben halten wir eine Jahresendrallye für sehr wahrscheinlich. Wie fast immer dürfte diese dann unter überschaubaren Umsätzen stattfinden, was einen nicht weiter beunruhigen sollten, da dieses Phänomen aufgrund der Weihnachtsfeiertage und der Vorbereitung vieler Marktteilnehmer darauf normal ist. Das heißt aber nicht etwa das die letzten Handelstage des Jahres langweilig werden. Ganz im Gegenteil waren die nun kommenden drei bis vier Wochen auch in den letzten beiden Jahren mit die spannendsten des gesamten Börsenjahres.

Ich gehe davon aus, dass die runde Marke von 7.200 Punkten im Dax noch in diesem Jahr zumindest getestet wird. Bleiben Sie also bei Ihrer Strategie, auch wenn es holprig wird. Am kommenden Freitag ist der letzte Hexensabbat des Jahres, hier könnte also noch einmal verstärkter Kaufzwang der Bären entstehen. Weiterhin versuchen die Fonds und großen Vermögensverwalter in den letzten Handelstagen durch aktives Window Dressing Ihre Portfolios optisch noch etwas auf zu polieren. Zum einen bedeutet das, dass wohl weitere Mittelabflüsse in den Anleihemärkten zu einer generell höheren Aktienquote bei diesen Marktteilnehmern führen dürften, und zum anderen, dass gerade die Titel die in letzter Zeit gut gelaufen sind nun auch verstärkt von diesen gekauft werden.

Vergangenen Donnerstag war ein ziemlich heftiger Tag für VW Aktionäre, und ich hoffe Sie hatten die Nerven diesen Kursverlauf positiv für sich nutzen zu können. Auch ich bin zunächst ausgestoppt worden, ebenso wie bei Porsche, konnte aber beide Titel wieder deutlich günstiger zurückkaufen. Das Jahr 2011 dürfte das Jahr der Autobauer und Zulieferer werden. Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der oben genannten Kapitalumschichtungen wird sich dies auch kurzfristig bei diesen Titeln deutlich bemerkbar machen. Zusätzlich habe ich noch eine Position bei Continental aufgebaut und mein Engagement bei der Deutschen Bank wieder etwas erhöht, weil diese Aktie einfach deutlich unter Buchwert notiert und charttechnisch nun ein deutliches Kaufsignal generiert hat.

In diesem Sinne, auf einen spannenden Endspurt in ein nicht minder Spannendes Börsenjahr 2011

Was ist los bei VW, Porsche, BMW und Daimler?

Die Aktien der Autobauer haben einen langen Anstieg hinter sich, und viele Anleger dürften in den vergangenen Wochen ordentliche zweistellige Renditen auf Ihre Investments in die deutschen Automobilbranche erwirtschaftet haben. Heute stehen die Aktien von VW, Porsche, BMW und Daimler unter Druck, nachdem sich bereits gestern im Tagesverlauf angekündigt hatte, dass hier Gewinnmitnahmen erfolgen könnten. Diese fielen aber heute teilweise überaus heftig aus und schickten die deutschen Zykliker zunächst einmal kräftig um bis zu sieben Prozent in den Keller. Wie immer an solchen Tagen neigt der Markt zu Übertreibungen, was natürlich umso ärgerlicher ist wenn man den Stopp relativ weit gewählt hat, und dann letztlich doch ausgestoppt wird.

Auch wir mussten uns somit heute morgen von unseren Positionen kurzzeitig trennen. Diese haben wir aber bereits fast vollständig und deutlich tiefer heute wieder zurück gekauft. An unserer Einschätzung zu der Branche und deren Aussichten für das kommenden Geschäftsjahr hat sich nichts geändert. Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber dann doch, Ein möglicher Grund für den heutigen Kursverlauf der Automobilaktien dürfte auch eine Nachricht aus China gewesen sein. Berichten zufolge will die Regierung in Peking ab dem kommenden Jahr Kaufanreize für Autos in Form von Mehrwertsteuernachlässen streichen,außerdem munkelt man dass nur noch ein Auto pro Haushalt erlaubt sein dürfe.

Natürlich sind das keine besonders guten Nachrichten aus dem Hauptabsatzmarkt der deutschen Premium-Hersteller, sollten sich die Gerüchte bewahrheiten. Dennoch dürfte auch dann noch genügend Bedarf in China für die Autos von VW, Porsche, BMW und Daimler übrig sein um die Nachfrage weiter anzukurbeln. Die heutigen Abschläge sehen wir vor allem technisch bedingt. Noch ist unklar, ob und in welchem Umfang Vergünstigungen in China überhaupt gestrichen werden. Die VW Aktie hat heute den langfristigen Aufwärtstrend noch einmal getestet, und somit nach dem starken Anstieg etwas Luft abgelassen. Hier sollte nun das Fundament für einen weiteren Anstieg gelegt worden sein..

Conergy – zwischen Pest und Cholera

Es geht voran, bei der Rettung des in Ungnade gefallenen Solarkonzerns Conergy. Die Verhandlungspartner sind sich inzwischen offenbar grundsätzlich über die Rahmenbedingungen einig geworden die eine Rettung von Conergy überhaupt möglich machen würden. Lediglich in einigen Einzelheiten sei man noch unterschiedlicher Meinung hieß es in der gestrigen Meldung. Einige nicht ganz unwesentlichen Finanzdetails, die für einen Rettung des von der Insolvenz bedrohten Solarunternehmens aber extrem wichtig sind sollen laut Insiderberichten noch nicht ganz geklärt sein.

Grundsätzlich sehen die  Gläubigerbanken unter der Führung der Commerzbank und die beiden Hedgefonds Sothic und York die Verhandlungen aber wohl positiv. Bis zum 21.Dezember diesen Jahres haben alle Parteien weiterhin Zeit zu einer entsprechenden Einigung zu kommen, die einen Fortbestand des Unternehmens gewährleisten soll.

Für die Aktionäre des Unternehmens ist dies aber nur eine bedingt gute Nachricht. Sozusagen die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn selbst im Falle einer Rettung würde der Einstieg der HedgeFonds zu einer dramatischen Verwässerung des Wertes der Anteilsscheine führen. Eventuelle Kurssteigerungen die im Falle einer tatsächlichen Rettung Conergys möglich sind würden sich dann letztlich wieder relativieren. Unser Fazit bleibt daher unverändert, das wir diese Aktie jetzt und in Zukunft nicht mehr anfassen werden.

Audi führt die Geländewagensparte von VW und Porsche

Während sich das Personalkarussell bei Volkswagen weiter fröhlich dreht wird der Konzern immer mehr unstrukturiert, und künftige Kompetenzen klar verteilt. So wurde heute bekannt, dass nachdem Porsche kürzlich die Schirmherrschaft für die gesamte Sportwagensparte des VW Konzerns übertragen wurde, nun Audi im Gegenzug dazu gesamtverantwortlich für den Bereich SUV/Geländewagen zeichnen soll. So erhält der Ingolstädter Autohersteller die Entwicklungshoheit für den VW Touareg, den Audi Q7 und den Porsche Cayenne. Zuletzt lag die Zuständigkeit für diese Baureihen maßgeblich im Porsche-Entwicklungszentrum Weissach.

Was sich bei der Entwicklung und Produktion der kleineren Geländewagen künftig ändern soll wurde nicht bekannt. Immerhin dürften die Baureihen Audi Q5, VW Tiguan und Porsche Cajun nicht minder interessant für die konzerninternen Rivalen sein. Interessant dürfte hingegen werden wer sich in Zukunft um die Produktion der kleinen Geländewagen kümmern soll. Ich tippe mal auf den Mutterkonzern. Es sieht zunächst also für den außenstehenden Betrachter so aus, als ob man Audi nun nach der Favorisierung von Porsche auch ein kleines „Zuckerl“ gönnen möchten um den Frieden im Konzern nicht zu gefährden. Auch strategisch dürfte diese Entscheidung langfristig Sinn machen.

Skandale an der Wall Street verunsichern

Mehrere HedgeFonds stehen unter dem dringenden Verdacht sich der illegalen Nutzung von Insiderinformationen schuldig gemacht zu haben. Das Wall Street Journal hatte vor kurzem darüber bereits berichtet, dass vor allem Insiderinformationen zu bevorstehenden Fusionen im Gesundheitswesen weitergereicht und zu lukrativen Börsengeschäften genutzt worden seien. Drei Dutzend Institute, darunter die Investmentbank Goldman Sachs, hätten die Informationen genutzt, hieß es weiter.

An der Wall Street herrscht seit gestern gr0ße Verunsicherung aufgrund der neuesten Informationen und Berichte über unsaubere Geschäfte. Eigentlich fing der Handelstag ganz gut an, der Dax markierte mit dem Überschreiten der Marke von 7.000 Punkten ein neues Hoch, und auch die US Börsen starteten freundlich in den Handel. Der Dow Jones konnte sogar die wichtige Hürde bei 11.420 Punkten kurzzeitig überschreiten, der S&P 500 sprang direkt von dem Widerstand bei 1.220 Punkten über den nächsten bei 1.232 Punkten. Doch dann machten die Nachrichten um die krummen Geschäfte einiger Marktteilnehmer an den US Börsen wieder die Runde.

Ausserdem wurde nun bekannt, dass US-Ermittler, die bereits seit dreieinhalb Monaten ermitteln, Betrügereien an hunderten von Anlegern mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden Dollar aufgedeckt haben. Laut Presseberichten fielen 120.000 Amerikaner auf die Betrüger herein. 343 Strafverfahren und 189 Zivilverfahren seien auf den Weg gebracht, heißt es. Die Betrüger prellten die Anleger auf die immer wieder gleiche Masche, mit einem klassischen Schneeballsystem. Dies heißt, dass vermeintliche Gewinne nicht tatsächlich erwirtschaftet wurden, sondern vielmehr die Rendite aus den neu eingezahlten Geldern der anderen Kunden ausgezahlt wurden. Natürlich haben die Täter dabei einen wesentlichen Teil der eingezahlten Gelder in den eigenen Taschen verschwinden lassen. Das System funktioniert bestens so lange regelmäßig frisches Geld hereinkommt, und ist leider auch in Deutschland bei manchen Anbietern sehr beliebt…

Die Bank of America macht ebenfalls im negativen Sinne von sich Reden. Ein Bestechungsskandal erschüttert die Vorzeige-Bank der Amerikaner. Um mit den Kommunen ins Geschäft zu kommen, habe die Bank of America in den Jahren 1998 bis 2003 mehrfach Verantwortliche bestochen, sagte der Chefermittler der Börsenaufsicht SEC, gestern. Es habe hinter den Kulissen verbotene Absprachen gegeben und die Bank habe Einblick in die Angebote der Konkurrenz erhalten, hieß es weiter in der Meldung. Zwar liegen diese Vorgänge schon weit in der Vergangenheit, diese Vorgehensweise an sich ist aber wohl wenige ehrenhaft. Offenbar haben Verantwortliche bei der BAC nun belastende Informationen über andere Kreditinstitute an die SEC weitergegeben um sich selber etwas zu entlasten…Anleger befürchten wohl eine unangenehme Ausweitung der Ermittlungen.

Sodom und Gomorrha an den US-Börsen sind nicht gerade das was die Finanzmärkte nun brauchen. Insbesondere, da all diese Skandale zu einem Zeitpunkt auftauchen an dem viele Anleger wieder neuen Mut und neues Vertrauen gefasst haben. Auch diese Unregelmäßigkeiten werden wohl bald aufgedeckt sein, die Schuldigen nur mäßig bestraft, und diese Taten in Vergessenheit geraten. Bereits in Kürze gehen alle wieder zum Tagesgeschäft über und werden so tun als wenn nicht gewesen ist. Das ist zwar irgendwie deprimierend, aber für uns Anleger sicherlich besser so. Die Umschichtungen von den Renten- und Anleihenmärkten sprechen eine deutliche Sprache, und geben Anlass zur Hoffnung, dass das Jahr 2011 ein weiteres außerordentlich gutes Jahr für Aktionäre wird.

Lassen Sie sich also nicht unglücklich aus Ihren langfristig vielversprechenden Aktien raus schütteln, oder zu sehr von diesen Ereignissen verunsichern. Natürlich ist auch noch keiner an Gewinnmitnahmen gestorben, und es ist mehr als verständlich, wenn Sie nach den Kursanstiegen von 65% bei VW und 87% bei Porsche auch einmal Gewinne mitnehmen. Wir haben uns entschieden in allen Positionen long zu bleiben bis der Chart etwas anderes sagt. Es besteht immer noch eine gute Chance auf eine schöne Jahresendrally. Achten Sie auf die Marken von 6950 Punkten im Dax sowie 1.220 Punkten beim S&P 500. Erst wenn diese nachhaltig unterschritten werden muss man wohl über erste Gewinnmitnahmen nachdenken.

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