Trump-Mania am Aktienmarkt und warum man skeptisch bleiben sollte…

Nachdem sich nun der erste Rauch nach der US Präsidentschafts-Wahl etwas gelegt hat, macht es für mich nun durchaus Sinn meine schreibende Tätigkeit hier im Blog wieder aufzunehmen. Ich behaupte nicht unbedingt, dass es durch den überraschenden Wahlerfolg Donald Trumps nun leichter geworden ist sich zu orientieren, bzw. Prognosen für die nahe oder ferne Zukunft abzugeben. Aber es gibt durchaus ein paar Marktbewegungen die nun Ihre erhöhte Aufmerksamkeit benötigen…

Natürlich fange ich nun ebenfalls davon an Ihnen zu erzählen was schon hundertfach in diversen Medien geschrieben wurde 😉 Nicht ganz – denn ich sehe viele Dinge mal wieder etwas anders als der Mainstream und bleibe grundsätzlich skeptisch was die nahe Zukunft an den Aktienmärkten anbelangt, vor allem aber für die Zeit nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten!

Welche Aktien profitieren und welche verlieren?

Jedermann konnte sehen, dass sich der Banksektor in Erwartung bald höherer Zinsen in den letzten Tagen hervorragend entwickelt hat und das Edelmetalle wie Gold, Silber oder auch Platin genau aus diesem Grund zu den größten Verlierern gehörten. Das hatten wir hier im Diskussionsbereich auch so erwartet.  Der Biotech Sektor korrigierte einen Teil der zuvor heftigen Verluste, nachdem man nun doch nicht extreme Preisregulierungen durch eine Clinton Regierung mehr befürchten muss. Auch dafür waren die Wahrscheinlichkeiten sehr hoch. Alternative Energien sind ebenso schwach ebenso wie der Ölpreis -was wiederum in diesem Zusammenhang etwas verwundert (!) – weil Trump verstärkt auf die herkömmlichen Energiequellen wie Kohle und Öl setzen will. Ein möglicherweise groß angelegtes Infrastruktur-Programm könnte für schöne Gewinne in diesen Sektoren sorgen undundund…

Starker Dollar wird zum Problem

Die Trump-Aktien oder auch Trump-Sektoren sind aber nicht zwingend auch wirklich die, die sich dann später unter der Regentschaft des neuen Präsidenten dauerhaft hervortun werden. Die im Wahlkampf geäußerten Versprechen, haben aus meiner persönlichen Sicht, nur teilweise mit der späteren Realität zu tun und sind so auch nur bedingt umsetzbar oder bezahlbar. Auch wenn die Republikaner nun die theoretisch volle Gewalt im Lande besitzen, werden die Lobbyisten bei dem ein oder anderen Punkt durchaus noch ein Wörtchen mitzureden haben!  Somit muss man grundsätzlich etwas vorsichtig bei der Betrachtung der aktuellen Umschichtungen an den Kapitalmärkten sein. Ob es sich hierbei um einen kurzfristigen Effekt handelt, oder eine dauerhafte Wende bleibt also noch abzuwarten.

„Make America strong again“ war der Wahlspruch der Trump-Fraktion und genau das wird nun auch vom Markt gespielt. Allem voran bedeutet dies einen starken Dollar der auch als Hauptursache für diverse Kurskapriolen angesehen werden kann. Leider auch mit massiven Folgen und sehr negativen für die Emerging Markets, sollte der Dollar weiter an Wert gewinnen. Sie erinnern sich vielleicht – ich hatte bereits über einem Jahr auf die Problematik eines noch stärkeren Dollars, für die Weltwirtschaft und insbesondere die Schwellenländer hingewiesen!

Fallende Preise bei den Rohstoffe sind eine weitere Nebenerscheinung durch den stärkeren US Dollar, da diese überwiegend in der nordamerikanischen Währung abgerechnet werden. Um so bemerkenswerte war es da, dass Rohstoffaktien in den ersten Tagen nach der US Wahl wieder auf der Siegerstrasse waren… Inzwischen wurde dieser „Ausrutscher“ aber weitestgehend vom Markt wieder korrigiert.

Amazon, Facebook, Google und & Co. unter Druck

Bemerkenswert ist sicherlich auch, dass die meisten Hausse-Treiber der vergangenen Jahre seit letzter Woche kräftig unter Druck sind. So zeigen bspw. die FANG- Aktien nun deutliche Schwäche, was auf dem ersten Blick auf eine grundsätzliche Rotation im Markt hindeutet. Auch hier muss aber erst einmal abgewartet werden, ob es sich dabei nicht um eine gesunde Konsolidierung handelt bevor die Rally dann irgendwann wieder aufgenommen wird. Der Faktor Unsicherheit dürfte hier auch eine wesentliche Rolle spielen, zumal sich der ein oder andere CEO im Vorfeld der Wahl eindeutig und öffentlich gegen Trump positioniert hatte. Der Markt befürchtet hier nun eine gewisse Retourkutsche nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten.

Was bedeute dieses Wahlergebnis für Europa?

Einleitend möchte ich also diese Woche also damit beginnen, vieles von dem was wir in den letzten Tagen gesehen haben grundsätzlich in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere auch für das Ausrufen einer neuen Hausse-Welle! Ich bleibe skeptisch und ich bin zunächst einmal etwas beunruhigt darüber das Trump die Wahl gewinnen konnte. Denn ich halte diese Wahl für eine mögliche Blaupause für alle kommenden Wahlen in Europa, die hauptsächlich von Protestwählern gewonnen werden könnten. Dies wird zwangsläufig dann zu entsprechender Unruhe  und Instabilität führen und sich dementsprechend auch in den Aktienkursen niederschlagen. Ein ohnehin schon leicht angeschlagenes System verträgt aber nur bis zu einem gewissen Punkt weitere Belastungsfaktoren..!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erst einmal eine weitere spannenden Handelswoche, schöne Gewinne und die richtigen Entscheidungen.

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  • Trump über eon rwe

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6 Comments

  1. Micha said:

    Das macht schon generell Sinn Lars, aber erkläre mir bitte wie der Ölpreis dauerhaft steigen/auf hohen Niveau bleiben soll insofern es schon jetzt zu VIEL Angebot auf dem Weltmarkt gibt und US noch deutlich mehr fördern möchte (was sich dauerhaft nur bei Ölpreisen jenseits der 50 USD lohnt). Man sieht ja bei Verhandlungen der OPEC und RU das kein Staat drosseln möchte und insofern wird das nunmal nicht funktionieren, es sei denn wir bekommen ggf, einen militärischen „Konflikt“ im nahen Osten oder anderswo. Übrigens lt. CoT Daten vom 8.11. sind die Kupfershorts der Commercials nochmal deutlich gestiegen ebenso wie die Shortpositionen im Gold. 😉 bin SEHR gespannt auf die Daten per 15.11. sprich die 1. nach Donald, denke daraus kann man einiges für die nähere Zukunft ableiten

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. November 2016 | Die Börsenblogger

  3. Andrea said:

    Hallo!
    Wieder mal ein sehr informativer und toller Beitrag. Ich möchte Deine Berichte und natürlich auch die Kommentare von Micha dazu um keinen Preis der Welt missen! DANKE Euch beiden!
    Gerade als es mich bei Carbo in den Fingern gejuckt hat (also vor ca. 2 Minuten) dachte ich mir, fragst Du doch einfach in die Runde… dann les ich den Beitrag von Lars und Micha… und dann wars mit dem Jucken fast schon vorbei. Allerdings ist die Frage, wenn Trump in US mehr fördern wird (dieser Meinung bin ich auch), ob dann nicht auch die Fracking-Firmen profitieren (und auch eventuell wie vom Onkel äh Orakel aus Omaha vorausgesehen, die Eisenbahn)? Andererseits braucht Fracking einen hohen Ölpreis…. Man bin ich heute wieder Waage 🙂

    lg
    Andrea

    • Lars said:

      Guten Morgen Zusammen,

      eine Einschätzung zur aktuellen Ölpreis Entwicklung ist sicherlich schwierig. Donald Trump will – neben mehr Verbrauch – auch einen höheren Ölpreis! Da stellt man sich natürlich zwangsläufig die Frage, warum er das will? Eine nahliegende Antwort ist eben genau die, dass die arg gebeutelte Fracking-Industrie wieder zum Leben erweckt werden soll. Und natürlich ist das Interesse eines höheren Ölpreises auch daran gekoppelt, sich dann wieder einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der restlichen Welt zu sichern, da man ja über billige Energie im Überfluss verfügt! Der Gedanke ist also absolut richtig, Andrea.

      Leider ist das Ganze aber auch ein Spiel mit vielen Variablen und es dürfte nicht alles so laufen wie The Donald sich das so vorstellt. Zudem sind diese Aktien natürlich extrem gefährlich und teilweise auch extrem günstig 😉 CRR ist hier interessant, ebenso wie WLL oder auch SDLP in diesem Zusammenhang. Ich persönlich sehe auch bei der arg gebeutelten Fred Olsen Energy möglicherweise großes Potenzial, wenn die Rechnung aufgeht! Alles aber hochspekulativ und möglicherweise auch langfristig – mit etwas weniger Bums – über einen ETF zu spielen. Hier ist der OIH dann die solidere Wahl…

      viele Grüße
      Lars

  4. Micha said:

    Höherer Ölpreis? Der steht gerade mächtig unter Druck analog zu anderen Rohstoffen. Ich denke fast wir könnten auch aufgrund eines starken Dollars die alten Tiefstände bald wiedersehen. Beim Öl denke ich zudem folgendes oder stelle ich mir eher die Frage: wird US nach Trump mehr fördern als zuvor und die Antwort ist für mich ganz klar JA, warum sollte also der Preis steigen bzw woher soll die Nachfrage nach solchen Überkapazitäten kommen? Ich habe die Entwicklung im Energiebereich die letzte Woche auch verfolgt, würde aber aktuell nur ungern mein Geld long investieren, eher die Gegenrichtung. Ist aber nur meine Ansicht und kann wie so oft falsch sein. 😉

  5. Marcus said:

    Hi Lars,

    Danke für die sehr gute Zusammenfassung.

    Was hältst du von Whiting Petroleum im Zusammenhang mit Trumps Sieg? Letzte Quartalszahlen zeigen vor allem im Bereich Kostenstruktur eine deutliche Verbesserung, gepaart mit höheren Ölpreisen und Trump Fantasie könnte das ein gutes Setting sein. Was denkst du und ihr?

    Grüße
    Markus

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