Der Robo-Advisor-Markt wird erwachsen – erste Anzeichen für Konsolidierungen?

Übernahmen, neue Markteinführungen und Geschäftsaufgaben halten den Markt für Robo-Advisors in Atem. Ist das bereits die große Marktkonsolidierung? Stehen die Zeichen eher auf Niedergang oder zeigt die umfassende Bewegung bei den Robo-Advisors mehr den Weg in eine goldene Zukunft? Wer mehr wissen möchte, sollte sich den Blick in die Glaskugel der digitalen Vermögensverwaltung nicht entgehen lassen.

Ein Pionier wird britisch – Moneyfarm schluckt vaamo

Kenner des Marktes für Robo-Advisors werden sich verwundert die Augen reiben, aber es stimmt: vaamo wurde laut einer Meldung von roboadvisor-portal.com kürzlich vom britischen digitalen Vermögensverwalter Moneyfarm übernommen. Ein Pionier der deutschen Robo-Advisors-Szene ist damit künftig also britisch.

Wachstumsziele verfehlt – war es am Ende zu wenig für vaamo?

Vaamo gilt als Robo-Advisor erster Stunde und wurde vor ca. 5 Jahren unter anderem von Dr. Thomas Bloch gegründet. Das Unternehmen hatte von Beginn an ambitionierte Ziele und konnte in den ersten beiden Jahren bis zu 3 Millionen Euro Kapital von Investoren einsammeln.

Leider wurden die Ziele für 2018 letztlich nicht ansatzweise erreicht:

  • 5000 Kunden
  • 1,5 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen

Letztlich befand sich vaamo 2017 in Bezug auf die Assets unter Management (AUM) nicht einmal unter den Top Ten der digitalen Vermögensverwalter in Deutschland, wie eine Aufstellung von Techfluence.eu eindrucksvoll zeigt.

A new giant is born – wird Moneyfarm neuer Big Player in Deutschlands Robo Advisors-Szene?

Moneyfarm gehörte bereits vor der Übernahme von vaamo zu den größten digitalen Vermögensverwaltern in Europa. Jetzt hat sich das Unternehmen mit vaamo einen hiesigen Player mit einer bekannten Marke gekauft. Die folgenden Zahlen sind dabei interessant:

Robo-Advisor AUM 2017
Scalable Capital 600 Millionen Euro
LIQID (Quandt) 175 Millionen Euro
Moneyfarm (vor Übernahme von vaamo) 441 Millionen Euro (400 Millionen Pfund)

Tabelle 1: AUM der größten deutschen Robo-Advisors im Vergleich zu Moneyfarm

Allein das verwaltete Vermögen katapultiert Moneyfarm von der Größe her in die Spitzengruppe. Zusammen mit vaamo bestehen nun beste Voraussetzungen, auf dem deutschen Markt richtig durchzustarten.

Alle Erwartungen übertroffen – Robo-Advisors auf dem Vormarsch?

Auch wenn einige Medien die Robo-Advisors bereits als kurzfristigen Hype abtun, haben Kenner ein ganz anderes Bild vor Augen. Die digitalen Vermögensverwalter haben sämtliche Erwartungen übertroffen, wie uns Markus Gildemeister von Roboadvisor-Portal.com erklärte. Folgende Zahlen lassen dabei aufmerken:

Der Unterschied zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Volumen in der digitalen Vermögensverwaltung 2017, Bildquelle: Investorinside.de

Die Prognose wurde mit 1,2 Milliarden Euro um mehr als das Dreifache übertroffen!

Dieses überraschende Ergebnis zeigt sehr eindeutig, wo die Reise hingeht: Robo-Advisors werden künftig einen festen Platz in der Vermögensverwaltung haben.

Der Blick in eine goldene Zukunft – Prognosen für Robo-Advisors sind vielversprechend

Doch wie wird es mit der digitalen Vermögensverwaltung genau weitergehen? Den Prognosen nach vor allem in eine Richtung: Nach oben! So geht man davon aus, dass im Jahr 2022 ein Anlagevolumen von 1,22 Billionen Euro in Robo-Advisors investiert wird.

Ausgehend vom heutigen Stand entspräche das einem Wachstum von 38% pro Jahr!

Zudem sollen 2022 laut Prognose weltweit ca. 122 Millionen Nutzer ihr Geld digitalen Vermögensverwaltern überlassen. Der Markt hat also glänzende Wachstumsvoraussetzungen.

Das Anbieterkarussell dreht sich – von Abschieden und neuen Playern

Auch wenn die Übernahme von vaamo durch Moneyfarm sicherlich eine der größten Marktumwälzungen im Bereich der digitalen Vermögensverwalter darstellt, hat sich auf dem Markt zuletzt noch deutlich mehr getan:

  1. Die TARGOBANK steigt ein – eigener Robo-Advisor PIXIT gestartet

Die Banken scheinen den Robo-Advisor-Markt mehr und mehr für sich zu entdecken. Nun hat laut einem Bericht des Handelsblattes die TARGOBANK mit PIXIT einen eigenen Robo-Advisor gestartet.

Die Technologie von PIXIT ist dabei jedoch keine Eigenentwicklung der TARGOBANK, sondern vom deutschen Branchenprimus Scalable Capital eingekauft worden. In punkto Strategie setzt die Bank auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und verzichtet zudem auf ein aktives Management. Angedacht ist vielmehr eine monatliche Überprüfung der einzelnen ETFs, die bei Bedarf (Abweichung von mehr als einem Prozent) nachjustiert werden.

Der Einstieg renommierter Banken zeigt jedoch vor allem eins: Der Markt für Robo-Advisors wird tatsächlich erwachsen!

  1. Werthstein macht dicht – ein bekannter Robo-Advisor verschwindet vom Markt

Der Robo-Advisor von Werthstein ist leider Geschichte. Trotz vieler positiver Kundenrückmeldungen und eigentlich fruchtbarer Kooperationen wie die mit Wikifolio konnten die Geschäftsführer leider keine betriebswirtschaftlich robuste Lösung finden.

Dies zeigt eindeutig, wie schwer es ohne großen Investor oder einen bereits existierenden Kundenstamm ist, sich im Markt zu etablieren. Banken haben hier am Ende eindeutige Vorteile, da sie neben vielen potenziellen Kunden oft auch über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um Liquiditätslücken zu überbrücken.

  1. Algorithmen und persönliche Betreuung – die Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG startet Robo-Advisor ZeedIn

Die Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG ist quasi ein Prototyp der alt eingesessenen Privatbank mit langer Tradition. Mit ZeedIn hat das Bankhaus nun einen eigenen Robo-Advisor ins Rennen geschickt.

Besonders interessant dabei: Das Angebot verknüpft die digitale Vermögensverwaltung mit persönlicher Betreuung. Dabei können Kunden auf drei verschiedene Ansätze zurückgreifen:

  • Fondsgebunde Vermögensverwaltung (ETFs, aktiv gemanagte Fonds sowie Gold und Zertifikate)
  • Klassische Vermögensverwaltung (einzelne Aktien und Renten, Zertifikate, Gold und einzelne Investmentfonds)
  • Ethische Vermögensverwaltung (einzelne Aktien und Renten sowie Fonds mit ethisch-nachhaltigen Kriterien)

Der Robo-Advisor der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG richtet sich bei diesem durchaus interessanten Ansatz mit vielen Zusatzleistungen vor allem an Privatkunden mit entsprechendem Vermögen. Bei einem Mindestinvestment von 50.000 Euro bleiben viele Kleinanleger außen vor.

Doch auch hier zeigt sich: Auch eher konservative Player in der Finanzbranche entdecken die Robo-Advisors für sich.

Bye bye, Emotions – was Robo-Advisors für Anleger leisten können

Robo-Advisors spielen also eine zunehmend wichtige Rolle in der Vermögensverwaltung. Doch warum sollten Anleger ihr Geld dort investieren? Welche besonderen Vorteile springen dabei heraus?

Statistik zu den Assets under Management (AUM) von Robo-Advisors

Die größten Vorteile von Robo-Advisors. Bildquelle: Investorinside.de

Gewinner im Nervenkrieg – menschliche Fehler werden ausgeschlossen

Wer sich als Anleger auf mathematische Algorithmen verlässt, kann menschliche Fehler im Gegenzug ausschließen. Zu den menschlichen Fehlern beim Trading gehören:

  • Psychologische Stolperfallen: Eine Maschine kann auch höhere Verluste aushalten, ohne dem Druck nachzugeben und einfach zu verkaufen.
  • Falschinterpretationen: Menschen können bestimmte Marktsignale mitunter unterschiedlich interpretieren. Ein Algorithmus handelt nach festgelegten Mustern und ist dabei analytisch korrekt.

Günstig und unkompliziert – Robo-Advisors sind auch für Anleger ohne große Fachkenntnisse geeignet

Nicht jeder Anleger hat Lust oder Zeit, sich tief in die Materie des Finanzwesens zu vergraben. Robo-Advisors sind dabei eine gute Möglichkeit, weil hier das Finanzwissen bereits im Algorithmus steckt. Da viele Robo-Advisors passiv gemanagt sind, liegen die Gebühren häufig nur bei ca. 1% pro Jahr.

Mit 1 Euro bist Du dabei – geringe Mindesteinlagen sind für Kleinanleger interessant

In der Sparplan-Variante bieten einige Robo-Advisors bereits Angebote mit einer Anlagesumme von einem Euro pro Monat. Gängiger sind zwar 5-25 Euro pro Monat, aber auch diese Summe lässt sich bequem stemmen. Wahlweise sind auch Einmalanlagen möglich, die je nach Anbieter ebenfalls stark variieren.

Was nicht passt, wird passend gemacht – für jeden Anleger die richtige Strategie

Wer einen Robo-Advisor nutzen möchte, wird zunächst ausgiebig nach seinen Anlagewünschen und seinen persönlichen Vorstellungen befragt. Auf Basis der Antworten bietet das Programm am Ende eine passende Strategie. Von konservativ bis risikofreudig ist damit alles abgedeckt.

Video: In diesem Video erfahren Anleger beispielhaft, wie Scalable Capital in der ETF-Vermögensverwaltung Geld anlegt. Dies beschreibt sehr gut die Funktionsweise vieler Robo-Advisors.

Robo-Advisors etablieren sich in der Finanzwelt

Wurden Robo-Advisors noch vor einigen Jahren als Hype für technikverliebte Freaks abgetan, zeigt sich nun, dass die digitale Vermögensverwaltung mehr als ernst zu nehmen ist. Die Anzahl der Anbieter sowie des verwalteten Vermögens steigt stetig und den Prognosen zufolge ist dem Bereich ein rasantes Wachstum in den nächsten Jahren mehr als sicher.

Die Übernahme von vaamo durch Moneyfarm zeigt jedoch auch, dass der Markt langsam erwachsen wird. Kleinere Anbieter ohne große Finanzkraft oder eigenen Kundenstamm haben es zunehmend schwerer, sich zu etablieren. Dafür interessieren sich immer mehr bekannte Banken für den Beriech und stellen ihren Kunden eigene digitale Vermögensverwaltungen zur Verfügung.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickelt. Feststehen dürfte jedoch, dass die stetig wachsende Nachfrage immer mehr große Anbieter auf den Markt lockt und die kleinen Robo-Advisors es ohne zukunftsweisende und betriebswirtschaftliche tragfähige Konzepte schwer haben könnten.

Meistgesucht

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