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Skandale an der Wall Street verunsichern

Mehrere HedgeFonds stehen unter dem dringenden Verdacht sich der illegalen Nutzung von Insiderinformationen schuldig gemacht zu haben. Das Wall Street Journal hatte vor kurzem darüber bereits berichtet, dass vor allem Insiderinformationen zu bevorstehenden Fusionen im Gesundheitswesen weitergereicht und zu lukrativen Börsengeschäften genutzt worden seien. Drei Dutzend Institute, darunter die Investmentbank Goldman Sachs, hätten die Informationen genutzt, hieß es weiter.

An der Wall Street herrscht seit gestern gr0ße Verunsicherung aufgrund der neuesten Informationen und Berichte über unsaubere Geschäfte. Eigentlich fing der Handelstag ganz gut an, der Dax markierte mit dem Überschreiten der Marke von 7.000 Punkten ein neues Hoch, und auch die US Börsen starteten freundlich in den Handel. Der Dow Jones konnte sogar die wichtige Hürde bei 11.420 Punkten kurzzeitig überschreiten, der S&P 500 sprang direkt von dem Widerstand bei 1.220 Punkten über den nächsten bei 1.232 Punkten. Doch dann machten die Nachrichten um die krummen Geschäfte einiger Marktteilnehmer an den US Börsen wieder die Runde.

Ausserdem wurde nun bekannt, dass US-Ermittler, die bereits seit dreieinhalb Monaten ermitteln, Betrügereien an hunderten von Anlegern mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden Dollar aufgedeckt haben. Laut Presseberichten fielen 120.000 Amerikaner auf die Betrüger herein. 343 Strafverfahren und 189 Zivilverfahren seien auf den Weg gebracht, heißt es. Die Betrüger prellten die Anleger auf die immer wieder gleiche Masche, mit einem klassischen Schneeballsystem. Dies heißt, dass vermeintliche Gewinne nicht tatsächlich erwirtschaftet wurden, sondern vielmehr die Rendite aus den neu eingezahlten Geldern der anderen Kunden ausgezahlt wurden. Natürlich haben die Täter dabei einen wesentlichen Teil der eingezahlten Gelder in den eigenen Taschen verschwinden lassen. Das System funktioniert bestens so lange regelmäßig frisches Geld hereinkommt, und ist leider auch in Deutschland bei manchen Anbietern sehr beliebt…

Die Bank of America macht ebenfalls im negativen Sinne von sich Reden. Ein Bestechungsskandal erschüttert die Vorzeige-Bank der Amerikaner. Um mit den Kommunen ins Geschäft zu kommen, habe die Bank of America in den Jahren 1998 bis 2003 mehrfach Verantwortliche bestochen, sagte der Chefermittler der Börsenaufsicht SEC, gestern. Es habe hinter den Kulissen verbotene Absprachen gegeben und die Bank habe Einblick in die Angebote der Konkurrenz erhalten, hieß es weiter in der Meldung. Zwar liegen diese Vorgänge schon weit in der Vergangenheit, diese Vorgehensweise an sich ist aber wohl wenige ehrenhaft. Offenbar haben Verantwortliche bei der BAC nun belastende Informationen über andere Kreditinstitute an die SEC weitergegeben um sich selber etwas zu entlasten…Anleger befürchten wohl eine unangenehme Ausweitung der Ermittlungen.

Sodom und Gomorrha an den US-Börsen sind nicht gerade das was die Finanzmärkte nun brauchen. Insbesondere, da all diese Skandale zu einem Zeitpunkt auftauchen an dem viele Anleger wieder neuen Mut und neues Vertrauen gefasst haben. Auch diese Unregelmäßigkeiten werden wohl bald aufgedeckt sein, die Schuldigen nur mäßig bestraft, und diese Taten in Vergessenheit geraten. Bereits in Kürze gehen alle wieder zum Tagesgeschäft über und werden so tun als wenn nicht gewesen ist. Das ist zwar irgendwie deprimierend, aber für uns Anleger sicherlich besser so. Die Umschichtungen von den Renten- und Anleihenmärkten sprechen eine deutliche Sprache, und geben Anlass zur Hoffnung, dass das Jahr 2011 ein weiteres außerordentlich gutes Jahr für Aktionäre wird.

Lassen Sie sich also nicht unglücklich aus Ihren langfristig vielversprechenden Aktien raus schütteln, oder zu sehr von diesen Ereignissen verunsichern. Natürlich ist auch noch keiner an Gewinnmitnahmen gestorben, und es ist mehr als verständlich, wenn Sie nach den Kursanstiegen von 65% bei VW und 87% bei Porsche auch einmal Gewinne mitnehmen. Wir haben uns entschieden in allen Positionen long zu bleiben bis der Chart etwas anderes sagt. Es besteht immer noch eine gute Chance auf eine schöne Jahresendrally. Achten Sie auf die Marken von 6950 Punkten im Dax sowie 1.220 Punkten beim S&P 500. Erst wenn diese nachhaltig unterschritten werden muss man wohl über erste Gewinnmitnahmen nachdenken.

Irland, Korea und ein gigantischer Börsenskandal..

…das war alles ein bisschen viel gestern..Die Sorgen um Irland sind wieder aufgetaucht, nachdem die meisten Marktteilnehmer wohl schon davon ausgegangen sind, dass dieses Thema jetzt vorerst abgefrühstückt sein dürfte. Das war aber noch nicht alles an Nachrichten aus Europa. Natürlich stürzt sich die Presse nun auf die weiteren Wackelkandidaten, genau wie beim letzten mal zur Zeit der Griechenland-Krise, und beschwört einen neuen Flächenbrand herauf. Portugal soll es nun sein, der nächste Kandidat dem die europäische Währungsunion unter die Arme greifen soll, um das Schlimmst zu verhindern. Nun ich kann mir zwar den Absturz des Euro mit dieser allgemeinen Hysterie erklären, die Schwäche der Wallstreet hingegen nicht.

Auch die weltweite politische Lage ist seit heute angespannt. Viele Marktteilnehmer sind außerordentlich beunruhigt über die militärische Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südkorea. Berichten zufolge habe Nordkorea heute mehrere hundert Artilleriegeschosse auf eine südkoreanische Insel abgefeuert. Daraufhin sei das Feuer von Südkorea erwidert worden. Menschen sind zu Schaden gekommen, zwei Tote waren zu beklagen. Der Irrsinn in dem geteilten Land spitzt sich erneut zu. Auch wenn alle westlichen Regierungen dieses Vorgehen aufs schärfste verurteilten, gab es bislang keine Intervention eines Staates. Es geht um viel mehr als die Auseinandersetzung zweier langjähriger Feinde, es geht um zwei unterschiedliche Systeme die letztlich auch von den beiden Großmächten USA und China unterstützt werden. Eine Eskalation des Konfliktes könnte nicht nur die gesamte asiatische Region destabilisieren, sondern auch die beiden Großmächte in eine deutlich angespannte Situation bringen. Das ist allerdings beunruhigend!

Und als wäre das alles noch nicht genug war da auch noch ein einen Insider-Skandal, wie ihn die Finanzwelt bisher noch nicht kannte. Vor circa einem Jahr wurde der Gründer des Hedgefonds Galleon Group, Raj Rajaratnam, wegen Insiderhandels verhaftet, inzwischen ist er gegen Kaution auf freiem Fuß. Die Anklage des New YorkerBundesstaatsanwalts Preet Bharara lautete, dass die GalleonGroup Insidern von börsennotierten Unternehmen gegen Bezahlung die Insiderinfos abgekauft habe. Das Ausmaß dieser alles anderen als legalen „Handelsmethode“ ist gigantisch. Man darf gespannt sein wie das Urteil für die Verantwortlichen letztlich ausfallen wird.

Abschließend sei noch erwähnt, dass alle Konjunkturnachrichten, die heute über den Ticker kamen besser ausgefallen sind als erwartet, und das teilweise deutlich. Als Resumé des gestrigen Tages bleibt also, das die sonstigen Nachrichten wohl ein bisschen zu viel des Guten für die Gemüter der Anleger gewesen sind. Fundamental bleiben wir weiterhin auf Kurs. Der heutige Rücksetzer könnte also eine interessante Einstiegsgelegenheit werden, denn politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Heute dürfte es noch einmal holprig werden, dann stehen erneut eine ganze Reihe von Kunjunkturdaten auf der Agenda. Unter anderem der ifo-Index. die US Anträge auf Erwerbslosigkeitsunterstützung, der Michigan Sentiment Index und die Zahl für die verkauften neuen Häuser in den USA. Am morgen dürften wir dann wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser geraten. Die Amerikaner feiern Thanksgiving. Traditionsgemäß schläft der Handel um diesen Feiertag etwas ein…Ich gehe aber davon aus, dass wir ab Montag wieder steigende Börsen sehen dürften..

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