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Warten auf den Bank-Run in Zypern…Wann kommt die Rettung 2.0?

Mit der Zypern Rettung kehrt auch die Schuldenkrise  wieder in die Köpfe der Anleger zurück. Nicht dass mich das etwa verwundern würde, denn mal wieder wurde von politischer Seite alles daran gesetzt die Rettung dieses kleinen Staates mit medialer Unterstützung zum absoluten Supergau werden zu lassen. Es ist ja nicht so als hätte man sich nicht schon seit vielen Monaten auf den fast unvermeintlichen Showdown in Nikosia vorbereiten können… Auch sind die eigentlichen Probleme des Landes nicht neu, und schon seit längerem ist klar dass Zypern einen Neustart benötigt. Das dieser aber nun auf dem Rücken der Anleger ausgetragen wird ist schon neu und durchaus bedenkenswert – und bedenklich! Der Umstand dass nun im zweiten Wurf die Barvermögen unter 100.000,- Euro geschützt sein sollen, ist da aus meiner Sicht eher nur eine Randnotiz.

Die direkten Folgen dieses politischen Wirrwarrs konnte man dann leider in den letzten beiden Tagen auch wieder schön am EUR/USD Wechselkurs erkennen, der deutlich nachgab. Kurzum, das Vertrauen in unsere Währung wurde erneut verspielt, ausländisches Geld wird aus Europa abgezogen – die direkte Folge ist das der Euro fällt! Ebenso wie natürlich diverse Aktien, die verkauft wurden um das Kapital aus Europa rauszuziehen. Wer von diesen Umwälzungen profitieren will beschäftigt sich in den kommenden Tagen etwas intensiver mit dem Handel von Devisenpaaren.

Dabei sah noch am Montag zunächst alles so freundlich aus. Der DAX eröffnete nahe der 8.000er Marke und konnte zunächst deutlich bis auf 8.030 Punkte klettern. Doch dann kam es mal wieder anders als gedacht.Ausgerechnet der Eurogruppen Chef Dijsselbloem brachte die Märkte mit einer (vielleicht) unbedachten Äusserung zu Fall. Der niederländische Finanzminister hatte in einem Interview den Eindruck vermittelt, dass die im Falle Zyperns angewendete Beteiligung von Guthaben über 100.000,- Euro ein Beispiel für künftige Rettungsprogramme sein könnte. Am späten Abend legte er sogar noch einen drauf,  indem er in einer TV Sendung verkündete das künftig auch Anteilseigner, Anleihenbesitzer und Kontoinhaber ihren Teil zur Rettung Europas leisten könnten. Ganz im Gegensatz zu den Aussagen unseres Finanzministers Wolfgang Schäuble scheint Jeroen Dijsselbloem die Enteignung von Privatpersonen also etwas entspannter zu sehen und auch künftig nicht auszuschließen, wenn es die Situation erfordert…!

Heute wurde versucht dieses Aussagen zu relativieren indem man Zypern als „Sonderfall“ darstellt, aber mal wieder kamen diese Aussagen für den Markt zu spät und sind auch nicht mehr glaubwürdig. Ob Dijsselbloem schlicht ungeschickt agiert hat bleibt die eigentliche Frage, denn grundsätzlich darf man von einem Mann in der Position doch ein wenig mehr Fingerspitzengefühl erwarten. Vielleicht wurde aber auch nur ausgesprochen was schon seit längerem in so manchem Politikerkopf rumschwebt, oder gar schon besprochen wurde….?!

Die Ereignisse in Zypern könnten also eine Art Testballon sein, den man hier gestartet hat um zu sehen wie die Märkte einen solchen Schritt verkraften. Angesichts der wirtschaftlichen Größe und Bedeutung Zyperns ist es naheliegend ein solches Modell an der kleinsten Einheit der Währungsgemeinschaft auszuprobieren. Beim zweiten und dritten Mal wird sich die breite Öffentlichkeit dann wohl gar nicht mehr so aufregen…ein Gewöhnungseffekt setzt ein, wie immer! Möglicherweise kalkuliert die politische Führung hier ganz bewusst das normal übliche menschliche Verhalten mit ein, auf schlechte Nachrichten irgendwann nicht mehr zu reagieren?

Bisher bleibt die Zypern Rettung in der genannten Form also noch ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Die Banken in Zypern, die gestern eigentlich wieder geöffnet sein sollten,  bleiben nun noch bis Donnerstag geschlossen. Um einen sogenannten Bank-Run zu verhindern, wurden entsprechende Kapitalmarktregeln beschlossen. Die kommenden Tage werden also ganz sicher spannend bleiben. Denn, dieser letzte Tabubruch der Enteignung von Vermögen lastet schwer auf dem Vertrauen ausländischer Investoren in den Finanzplatz Europa. Und natürlich auch auf den Bankaktien, die heute erneut deutlich Federn lassen mussten – wen wunderts? Ob die Banken in Zypern tatsächlich morgen wieder geöffnet sein werden bleibt aber noch abzuwarten! Es bleibt mir nur zu hoffen dass wenigstens das morgen tatsächlich der Fall sein wird, denn so lange dieses Experiment nicht abgeschlossen wurde werden die Unsicherheiten an den Märkten wohl weiter anhalten.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat das nahezu dilettantische Vorgehen bei der Zypern Rettung wie folgt kommentiert. „Die Signalwirkung für den Rest des Euroraums ist fatal. Das ist quasi ein Aufruf an die Anleger, ihr Geld abzuziehen, sobald sich auch nur die geringsten Probleme bei ihrer Bank zeigen“ Und mal ehrlich – bei welcher Bank gibt es derzeit keine Probleme? Bofinger geht davon aus dass die Verunsicherung der Anleger wieder deutlich zunehmen wird, und bezeichnete die Äußerungen Dijsselbloems als „grob fahrlässig“.

Ab Morgen werden also aller Voraussicht nach wissen wie tief das Vertrauen der Anleger tatsächlich erschüttert wurde. Ein sogenannter Bank-Run in Zypern, vor dem der Markt heute offensichtlich Angst hat, ist aber eher unwahrscheinlich, weil die möglichen Abhebungen bereits im Vorfeld limitiert wurden. Dennoch kann man wohl davon ausgehen dass in den kommenden Wochen immer mehr Geld aus dem maroden Bankensystem Zyperns abgezogen wird.

Ich stelle mir also gerade die Frage wie lange es wohl dauern wird bis wir Zypern erneut retten müssen…!

SMA Solar verkraftet die Solarkrise besser als erwartet, aber…!

Heute hat der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2012 vorgelegt, die auf den ersten Blick ungefähr so ausgefallen sind wie es erwartet wurde. Trotz der anhaltenden Flaute in der gesamten Solarindustrie gelang es dem Unternehmen die zuvor abgegebene Umsatzprognose zu erfüllen, wovon sicherlich nicht jeder Marktbeobachter ausgegangen ist. Das Jahr 2012 war insgesamt geprägt von weltweiten Überkapazitäten im Solarmarkt sowie verschärftem Wettbewerb und zunehmendem Preisdruck, hieß es in der Meldung.

Dennoch weisen die heute vorgelegten Zahlen durchaus ein paar Highlights auf, die man nicht übersehen sollte… Auch unter diesen ambitionierten Bedingungen gelang es dem Unternehmen einen positiven Free Cashflow zu erzielen. Die erneut gesteigerte Eigenkapitalquote von 61,8 Prozent ist weiterhin beeindruckend und verdeutlicht dass das Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen in der Lage ist sich rechtzeitig umzuorganisieren und flexibel auf die Marktgegebenheiten zu reagieren.

Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz am oberen Ende der Prognose in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr konnten noch 1,7 Milliarden Euro umgesetzt werden. Das operative Ergebnis ging von 240,3 Millionen Euro in 2011 auf nunmehr 102 Millionen Euro zurück. Damit lag die EBIT-Marge bei 7,0 Prozent und somit deutlich unter dem Vorjahr (2011: 14,3 %). Die Nettoliquidität des Unternehmens ging leicht von 473 auf 446 Millionen Euro zurück. Der SMA Vorstand bestätigt die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Jahr 2013, rechnet aber auch 2013 mit einem weiterhin schwierigen Marktumfeld. Der Umsatz soll dann nur noch zwischen 0,9 Mrd. Euro bis 1,3 Mrd. Euro betragen.

Man darf gespannt sein wie der Aktienkurs heute auf diese Zahlen reagieren wird. Nicht vergessen sollte man dass die Firma derzeit mit nur noch knapp 690 Millionen Euro an der Börse bewertet wird. Vor knapp einem Jahr war diese Kennzahl,  und damit natürlich auch der Aktienkurs, noch doppelt so hoch….Ich gehe davon aus dass sowohl die Solarindustrie als auch die SMA Solar Aktie bald die Talsohle durchschritten haben dürfte. Das Unternehmen hat aus meiner Sicht mit den heutigen Zahlen einmal mehr bewiesen dass es überlebensfähig ist, und am Ende sogar zu den großen Gewinnern gehören könnte. Allerdings wird das wohl noch ein wenig dauern..!

Nach Leoni jetzt auch Lanxess mit eher trüben Aussichten…

Es ist die Woche der schlechten Unternehmensnachrichten und großen Kursbewegungen bei Einzelaktien aus dem Bereich der Automobilzulieferer. Nach Leoni und Rheinmetall gestern folgt heute die Lanxess Aktie…Das Chemieunternehmen macht durch einen sehr trüben Ausblick auf das erste Halbjahr auf sich aufmerksam. Die schwache Nachfrage aus der europäischen Automobil- und Reifenindustrie lastet überraschend schwer auf der Bilanz der Leverkusener. Dem heutigen Bericht zufolge fiel das Ergebnis für das erste Quartal dieses Jahres deutlich schlechter aus, als dies vom Markt erwartet wurde. Mit einem operativen Ergebnis zwischen 160 und 180 Millionen Euro wurde nur noch etwa halb soviel verdient wie im Vorjahreszeitraum . Damals konnte man noch ein EBITDA in Höhe von 369 Millionen Euro verbuchen. Die Aktie ist heute entsprechend unter Druck und verliert vorbörslich bereits deutlich an Wert.

Nachdem auch die Prognose für das zweite Quartal eher verhalten ausgefallen ist, würde ich hier erst einmal nicht versuchen den heutigen Rücksetzer zu kaufen. Denn aus charttechnischer Sicht ist der Schaden schon recht beträchtlich. Zwar bieten Kurse um die 58,40 Euro eine erste Unterstützung, der Gewinneinbruch ist aber so gravierend, dass ich eher davon ausgehe dass dies auch entsprechend im Aktienkurs eingepreist wird. Der allgemeine Ausblick auf die zweite Jahreshälfte klingt zwar schon wieder etwas positiver, ob sich das dann auch in der Jahresbilanz entsprechend positiv niederschlagen wird bleibt aber noch abzuwarten. Genauere Einschätzungen für das Gesamtjahr kündigte Firmenchef Heitmann für die Vorlage des Berichts zum ersten Quartal Anfang Mai an.

Eine weiter Unterstützung könnte bei ca. 55,25 Euro liegen. Hält diese nicht droht sogar ein Rücksetzer bis auf das letzte Verlaufstief bei 45,78,- Euro. In jedem Falle wurde heute die 200-Tage Linie deutlich unterschritten, was bei einer solchen Dynamik selten eingutes Zeichen ist…! Lanxess bleibt ein interessantes Unternehmen, die heutige Meldung sollte aber erst einmal zur Vorsicht mahnen. Die Aktie kommt nun auf meine Intensiv-Beobachtungsliste.

Charts ohne Worte…Dialog Semiconductor

Heute gibt es interessante Neuigkeiten bei Dialog Semiconductor, über die ich vorbörslich in unserem Live Ticker schon berichtet habe…hier nun ohne große Erklärungen der passende Chart, denn ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte 😉

Dialog Semiconductor Chart

Steht die Apple Aktie nun vor einer Trendbeschleunigung…?

Heute möchte ich Ihnen kurz das gestern versprochene Update zur Apple Aktie schicken. Der gesamte Sektor ist gerade höchst interessant, doch dazu später mehr… Die Apple Aktie hat den Ausbruch nach oben, der bereits am Freitag gestartet ist gestern erneut bestätigt. Mit dem Kursanstieg ist die Aktie nun nicht nur aus der Flagge nach oben ausgebrochen sondern hat gleich drei sehr entscheidende Marke hinter sich gelassen. Zum einen wäre da die erwähnte Flagge, die nach oben verlassen wurde. Diese Formation hätte auch darauf hindeuten können, dass die Aktie vor einem weiteren Absturz steht, wurde aber nach oben aufgelöst, was ich als sehr bullish werten würde!

Dann wäre da die sehr wichtige Abwärtstrendlinie, die seit den Hochständen bei 705 ,- Dollar nicht mehr überwunden werden konnte. Auch diese Linie ist nun aber mit der Kursbewegung der letzten zwei Tage überzeugend genommen worden. Ein weiteres bullishes Zeichen, dem man sicherlich noch mehr Relevanz einräumen sollte als dem Verlassen der Flagge nach oben.

Apple Aktie Chart 15 Monate

Zusätzlich wurde der seit September 2012 bestehende Aufwärtstrend (gelb) wieder aufgenommen indem diese Aufwärtstrend- Linie nun ebenfalls zurückerobert werden konnte. Die nächste Ziele der Aktie sind damit aus charttechnischer Sicht klar definiert. Die hier orange eingezeichnete Trendlinie markiert den seit August 2010 gültigen Aufwärtstrend. Diese Linie verbindet die beiden markanten Verlaufstiefs aus dem August 2010 und dem Juni 2011, und verläuft derzeit bei ca. 471,- Dollar.

Letztlich kann das Ziel aber nur sein auch den langfristigen Aufwärtstrend wieder zurück zu erobern, den ich Ihnen hier rot eingezeichnet habe. Dieser Trend verläuft aktuell knapp unter der 500,- Dollar Marke und dürfte den eigentlichen Meilenstein in der weiteren Entwicklung der Aktie darstellen. Vielleicht hält der ein oder andere unter Ihnen Kurse von 500,- Dollar oder mehr,aufgrund der zuletzt sehr pessimistischen Berichte viele sog. Analysten, für unmöglich, ich halte Sie sogar kurzfristig für sehr wahrscheinlich..!

Das zuletzt gerissene Gap (nach der Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen) verläuft zwischen 465,85 Dollar und 512,25 Dollar auf der Oberseite. Der gestrige Schlusskurs der Aktie lag bereits bei 456,- Dollar und damit keine 10,- Dollar mehr entfernt von der Unterseite dieser riesigen Kurslücke. Sollte also in den kommenden Tagen, oder vielleicht schon heute,  ein weiterer Anstieg gelingen, ist eine Trendbeschleunigung ab diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich. Damit würden dann auch alle hier eingezeichneten Aufwärtstrend-Linien mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell wieder zurückerobert werden, und die Aktie befände sich wieder in dem langfristigen Aufwärtstrend, der nur mal kurz unterbrochen worden wäre. „Just am Bump in the Road“ würde der Amerikaner hier wohl sagen.

Die psychologische Bedeutung eines solchen Rebounds – zurück in die alte Spur – darf man auf keinen Fall unterschätzen! Analysten würden Ihre pessimistische Haltung zur Apple Aktie dann wohl schneller  aufgeben als man glaubt, und Kleinanleger springen fast schon panisch wieder auf den Rebound des Jahres auf, sofern sie noch nicht wieder investiert sind. Sollte das oben geschilderte Szenario also eintreffen, orakle ich bereits heute dass in absehbarer Zeit wieder über deutlich höhere Kursziele für die Apple Aktie gesprochen wird. Natürlich ist mir völlig klar dass es in diesem Text so einige „Wenn…Dann´s“ gibt, aber das hier geschilderte Szenario halte ich für sehr wahrscheinlich. Ein Restrisiko bleibt wenn beispielsweise der Markt nun insgesamt nach unten wegkippen würde! Aber ich habe wirklich schon wesentlich schlechtere Setups in meiner langjährigen Trader Karriere gesehen…!

Der Schuldenschnitt in Zypern wird die Welt verändern…

Ich hatte bereits am Freitag damit begonnen einen Artikel mit dem schönen Titel: „Die Ruhe vor dem Sturm“ zu verfassen, doch leider war es mir nicht möglich diesen noch fertig zu stellen, da zu viele unerledigte Dinge auf meinem Schreibtisch auf Bearbeitung gewartet haben. Hinzu kamen noch massive technische Probleme mit meinem Handelscomputer, den ich nun kurzerhand aus meinem Büro verbannt habe. Ein Neuer musste her und die Einrichtung hat mich fast das ganze Wochenende beschäftigt. Heute möchte ich mich aber dennoch kurz zu den denkwürdigen Ereignissen des Wochenendes melden. Denn, die europäische Finanzkrise ist zurück, und das in einer ganz neuen Qualität!

Die gute Nachricht zuerst – Zypern wurde gerettet. Die Eurogruppe hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschlossen die Sparer Zyperns durch eine Zwangsabgabe von 9,9 Prozent auf Guthaben von über 100.000,- Euro zu beteiligen. Sparer die weniger als 100.000,- Euro besitzen kommen mit einer Abgabe von 6,75 Prozent davon. Insgesamt sollen mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme 5,8 Milliarden Euro zusammenkommen, die das Land vor dem Zusammenbruch bewahren sollen. Die Alternative dazu wäre ein Kollaps des Bankensystems gewesen der die Sparvermögen eventuell bis zum Totalverlust reduziert hätte und die Eurozone, insbesondere Griechenland , erneut ins Wanken gebracht hätte. Soviel sei zur Entschuldigung gesagt…grundsätzlich kann man diesen Schritt also durchaus nachvollziehen, weil die Alternative dazu noch viel schlimmer gewesen wäre.

Die Art und Weise wie hier vorgegangen wird darf dem aufmerksamen Beobachter aber dennoch Kopfzerbrechen bereiten. Auch wenn dieser Vorgang aus meiner Sicht schlichter Geldraub ist, versuchen die Verantwortlichen dem Ganzen nun verschämt einen etwas freundlich klingendernen Stempel aufzudrücken. Von einer „Solidaritätsgebühr“ ist die Rede…ähnlich wie bei uns im Übrigen die „übergangsmäßige“ Abgabe nach der Wiedervereinigung, die wir bis heute nicht mehr losgeworden sind (In diesem Punkt würde ich Rainer Brüderle also aktuell Recht geben!). Manche würden es auch als Schuldenschnitt oder Währungsreform bezeichnen, doch diese beiden Worte sind böse und dürfen aus verschiedenen politischen Gründen nicht benutzt werden.

Trotzdem dürfte dieser Vorgang immer mehr Bürgern die Augen dafür öffnen, auf welchem Weg sich die EU und die Eurozone inzwischen befinden. Wir haben eine neue Stufe der Krise erreicht, in der sogar die Ärmsten an den zuvor gemachten Fehlern, die wiederum Dritte verursacht haben, beteiligt werden. Soziale Gerechtigkeit sieht wohl anders aus! Letztlich hilft es aber nicht darüber zu lamentieren, weil man es eh nicht ändern kann. Was man allerdings machen kann ist nun den Blick wieder etwas zu schärfen für das was noch vor uns liegen könnte…

Die Enteignung zyprischer Sparer, die am Wochenende mittels einer Zwangsabgabe an der Rettung des maroden Bankensystems beteiligt worden sind, dürfte nicht ohne Folgen für alle anderen europäischen Sparer bleiben. Das ist aus meiner Sicht nicht nur ein Vertrauensbruch sondern dürfte eines ganz deutlich machen… Die systemische Absicherung für Bankgläubiger in ganz Europa ist künftig wohl eher begrenzt oder gar nicht mehr existent. Auch der sogenannte Einlagensicherungsfonds ist vielleicht das Papier nicht Wert auf dem er niedergeschrieben wurde, wenn es mal richtig eng wird. Die direkte Folge: Sachwerte sind seit heute attraktiver denn je!

Ich gehe davon aus dass sich dieses Bewusstsein nun allmählich auch in den Köpfen der Anleger durchsetzen wird, die bislang fest davon ausgegangen sind, dass sie von solchen Eskapaden verschont bleiben werden. Auch Großanleger werden sich nach den jüngsten Ereignissen sehr gut überlegen ob ihre Geld in Europa wirklich noch sicher ist. Entsprechende Mittelabflüsse, und damit wohl auch ein fallender Euro sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Denn, dieser Rechts- und Tabubruch, hat das Potential das Vertrauen in die Institutionen und Banken in der Eurozone weiter deutlich zu schwächen und ist aus meiner Sicht sehr kontraproduktiv…Die Alternative einen kleinen Staat wie Zypern tatsächlich mal pleite gehen zu lassen hätte am Ende vielleicht sogar einen kleineren Schaden angerichtet. Wer weiß das schon? Zudem wäre mal ein Exempel statuiert worden, dass endgültig klar gemacht hätte wo Europa steht und das korrupte Staaten in dieser Gemeinschaft nichts verloren haben. Diese Chance wurde aber leider erneut vertan.

Die Ereignisse vom Wochenende werden die Welt erneut verändern, vielleicht zunächst nur langsam und schleichend, aber der Schuldenschnitt in Zypern wird seine Spuren hinterlassen. Ab heute sind Anleger wieder vermehrt auf der Suche nach vermeintlicher Sicherheit, die es aber wohl nicht mehr geben wird. Dennoch, gibt es auch Profiteuere dieser Entwicklung… Gold könnte bald wieder glänzen und Aktien bleiben weiterhin alternativlos. Wohingegen Anleihen und Sparguthaben weiterhin die schlechteste aller Alternativen sind. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das frei verfügbare Geld in irgend einer Form angelegt werden muss, damit man es ihnen nicht wegnehmen kann! Denken Sie mal (rechtzeitig) darüber nach…

Commerzbank – Kursziel 1,17 oder 1,12 Euro?

Selten waren sich Analysten so uneinig über die Kursziele der Commerzbank Aktie. Die erneut angekündigte Kapitalerhöhung hat offensichtlich für deutliche Verwirrung unter den Fachleuten, ebenso wie bei den Privatanlegern, gesorgt. Während einige Analysten das Kursziel für Deutschlands zweitgrößte Bank schon bei einem Euro oder gar 70 Cent sehen, halten andere die geplante Kapitalmaßnahme für den richtigen Schritt in die richtige Richtung. Vom „ultimativen Befreiungsschlag“ bis zum „Supergau“ waren also alle Begrifflichkeiten in den letzten Tagen in der Presse zu finden. Satte 20 Prozent hat die Commerzbank vom Hoch zum Tief innerhalb eines Handelstages verloren, gestern ging der Abverkauf noch etwas weiter, und es steht nun zu befürchten dass das von mir am 21.02.2013 genannte Kursziel bei 1,17 Euro heute noch erreicht wird. Aus rein charttechnischer Sicht ist nun sogar ein weiteres Abtauchen bis an das All-Time Low bei 1,12 Euro vorstellbar.

CoBa Chart Kursziel

Wie Sie sehen können ist die zuvor eingezeichnete Schulter-Kopf-Schulter Formation aufgegangen. Da man die Nackenlinie aber nicht hundertprozentig genau definieren kann ist das rechnerische Kursziel aus dieser Formation auch nur als Richtwert zu verstehen. Die 1,17 Euro sind ein Anhaltspunkt, aber eben nicht in Stein gemeißelt. Wie Sie weiter sehen können wäre es durchaus „sinnvoll“ die beiden Verlaufstiefs noch einmal zu testen, und damit einen soliden Boden in Form eines Triple-Bottoms zu schaffen. Wenn ein Kurs so nah an so einer entscheidenden Marke notiert ist es erfahrungsgemäß sehr unwahrscheinlich, dass dieser Punkt nicht erreicht wird.

Auch wenn ich persönlich also davon ausgehe dass die genannten Kursziele kurzzeitig erreicht werden, würde ich dies eher als technische Reaktion werten als grundsätzlich davon auszugehen, dass der Kurs dort in den nächsten 12 Monaten verharren wird. Die Kapitalerhöhung hat erneut viel Staub aufgewirbelt und für große Verunsicherung unter den Anlegern gesorgt, soviel ist sicher. In welcher Form diese dann tatsächlich kommt bleibt hingegen noch abzuwarten.

Hier noch ein kurzer Überblick über die aktuelle Stimmungslage unter den Analysten:

Nach den jüngsten Entwicklungen ändern die Analysten von S&P Equity ihr Votum für die Aktien der Commerzbank nicht. Sie sprechen wie zuvor eine Halteempfehlung für den Bankwert aus. Auch beim Kursziel gibt es keine Neuerung, dieses liegt bei 1,55 Euro. Das Analysehaus Independent Research hat das Kursziel für Commerzbank nun von 1,40 auf 1,10 Euro gesenkt und die Einstufung auf „Verkaufen“ belassen. Die NordLB hat das Kursziel für die Aktien der Commerzbank nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung von 1,65 auf 1,25 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Halten“ belassen. Die US-Bank JPMorgan senkt das Kursziel für Commerzbank von 1,50 auf 1,02 Euro und stuft den Titel mit „Neutral“ ein. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat die Einstufung für Commerzbank Aktie nach der angekündigten Kapitalerhöhung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 2,00 Euro belassen. Und die Investmentbank Morgan Stanley lässt die Einstufung für die Aktie bei „Underweight“ mit einem Kursziel von 1,15 Euro.

K+S – durchwachsene Zahlen und ein positiver Ausblick

Der Düngemittel- und Salzproduzent K+S hat heute seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Demnach ist das EBIT um 10,8 Prozent auf 808,5 Millionen Euro geschrumpft. Auch der Umsatz ging  leicht, um 1,5 Prozent, zurück. Als Grund für die eher durchwachsenen Zahlen gab das Unternehmen das im Geschäftsjahr 2012 deutlich schwächere Salzgeschäft an. Dank entsprechender Zuwächse im Düngergeschäft konnte der Gesamtumsatz aber nahezu stabil bei 3,9 Milliarden Euro gehalten werden. Der um den Verkauf der Stickstoffsparte Nitrogen bereinigte Gewinn des Unternehmens legte hingegen um 10 Prozent auf 639,7 Millionen Euro zu. K+S will daher die Aktionäre in Form einer auf 1,40 (Vorjahr 1,30) Euro je Anteilschein erhöhten Dividende am Erfolg teilhaben lassen.

Trotz des insgesamt eher durchwachsenen Ergebnisses zeigte sich K+S-Chef Norbert Steiner für die nahe Zukunft zuversichtlich. Die Prognose für das nun laufende Jahr wurde bestätigt. Zudem rechnet  Steiner insgesamt mit einem positiven Geschäftsverlauf in diesem Jahr, und auch für das Geschäftsjahr 2014. Das Salzgeschäft ist zuletzt wegen der winterlichen Verhältnisse in Europa wieder deutlich angesprungen, bei Kali- und Magnesiumprodukten, sollte ein Absatz auf dem hohen Niveau des Vorjahres zu erzielen sein. Allerdings aller Voraussicht nach zu ein niedrigeres Durchschnittspreis als bisher.

Die Zahlen sind damit wohl etwas schwächer ausgefallen als dies vom Markt erwartet worden ist, jedoch sollte die leicht verbesserte Prognose für das nun laufende Jahr dem Aktienkurs heute etwas Aufrieb geben. Insgesamt bleibt die K+S Aktie wohl auch in den kommenden Monaten eher eine solide Depotbeimischung als ein echter Highflyer. Aber aus rein charttechnischer Sicht könnte nach der heutigen Zahlenvorlage die Bodenbildung bei der Aktie abgeschlossen werden. Bei Kursen über 36,60 Euro würde ein Kaufsignal getriggert.

Der Commerzbank Supergau – und was wir daraus lernen können!

An einem Tag wie heute lohnt es durchaus noch einmal einen Artikel über die Commerzbank zu verfassen. Die Gerüchte um eine neue Kapitalerhöhung haben sich zum Leidwesen der Aktionäre leider erneut bestätigt. Damit aber nicht genug, statt der 700 bis 800 Millionen Euro, die gestern noch im Raum standen, erhöht die Commerzbank ihr Kapital ein weiteres Mal im satte 2,5 Milliarden Euro, und schockiert damit den markt erneut. Der Absturz der Aktie nach der Meldung war geradezu mustergültig. Sie erinnern sich – ich hatte vor kurzem die möglichen Kursziele genannt, wenn ich auch damals nicht davon ausgegangen bin dass ein erneuter Kapitalschritt dazu führen würde. Damals ging es eher um die charttechnische Ausgangslage die einen Kursrutsch bis maximal 1,17 Euro erahnen ließ. Das heutige Tief von 1.201 Euro ist nur unwesentlich von dieser Marke entfernt. Charttechnik ist eben keine genaue Wissenschaft, auch wenn sie gute Anhaltspunkte liefert. Hier noch einmal der Link zu dem Artikel vom 21.02.2013

Unabhängig davon dass ich diese erneute Kapitalerhöhung als echten Tritt in die …der Aktionäre betrachte, kann man wohl davon ausgehen dass dies das vorerst letzte Kapitel des Commerzbank Dramas gewesen sein dürfte. Mit dem Geld möchte die CoBa Führung nun die letzten Staatshilfen zurückzahlen – wahrscheinlich um wieder etwas freier agieren zu können. Geplant ist, die stillen Einlagen des Rettungsfonds SoFFin über 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzahlen und die stillen Einlagen der Allianz über 750 Millionen Euro auslösen. Leider steht zu befürchten, dass damit auch wieder alte Exzesse bei der Bank Einzug halten könnten, wenn auch nicht in der Form in der wir sie vor dem Ausbruch der Krise gesehen haben.

Auch Martin Blessing hat sich mit der Salamitaktik der letzten Monate, schlechte Nachrichten zu produzieren, und dabei alle Bedürfnisse der Aktionäre komplett zu ignorieren, sicherlich keinen Gefallen getan. Man kann also durchaus davon ausgehen dass es in absehbarer Zeit zu einem Führungswechsel bei der Bank kommt. Der Markt wird dieses Ereignis dann höchstwahrscheinlich auch mit einem Kurssprung nach oben belohnen – frei nach dem Motto schlechter kann es ja nicht mehr werden!

Letztlich hilft das aber heute keinem Anleger, der daran geglaubt hat dass hier der Turnarround nicht mehr allzu weit entfernt ist. Zunächst einmal sitzen all diejenigen, die keine Stopp Orders im System hatten erneut auf hohen Verlusten. Selbst für diejenigen die sich strikt an Ihre Risikokontrolle gehalten haben dürfte es, angesichts des heutigen Kursrutsches, schwer gewesen sein hier noch mit nur einem blauen Auge rechtzeitig raus zu kommen. Von den Altaktionären möchte ich an dieser Stelle gar nicht reden…


Was lernen wir aus dieser Geschichte?

– Zunächst einmal bleibt ein angeschlagenes Unternehmen mit schlechter Ertragslage ein schlechtes Investment – zumindest so lange bis das Gegenteil duch harte Fakten in Form von soliden Zahlen belegt werden kann. Auch bei mir hat diese Erkenntnis etwas lange gedauert, als ich im letzten Sommer die Segel gestrichen habe! Seitdem habe ich die Commerzbank Aktie konsequent gemieden und nur noch halbherzig beobachtet.

– die zweite Lehre aus dem heutige Kursdebakel ist wohl auch dass man keiner Aktie oder keinem Unternehmen blind vertrauen sollte – niemals! Beispiele hierfür gibt es zu Hauf und wird es immer wieder geben. Eines der prominenteste ist wohl zur Zeit die Apple Aktie. Wer hier bei 700,- Dollar eingestiegen ist hat aus heutiger Sicht ein ziemlich großes Problem. Auch solche Unternehmen mit Substanz und einem exzellenten Geschäftsmodell, sowie einer hervorragenden Marktstellung bleiben eben von den Wirren des Marktes nicht verschont!

– Charttechnik funktioniert! Unter normalen Umständen hätte ich mit einem Kursrutsch bis an den längerfristigen Aufwärtstrend gerechnet. Die aussergewöhnliche Situation heute hat aber zu einer entsprechenden Kursreaktion geführt, die dann von den Computerprogrammen aufgegriffen wurde und den Aktienkurs noch ein ganzes Stück tiefer befördert hat. Die von mir dargestellte Schulter-Kopf-Schulter Formation dürfte hier eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt haben…Wie bei jeder anderen Aktie auch, gilt es sich bei einem Trade vorher genau zu überlegen wo das maximale Risiko liegt. Im positiven Sinne können solchen Überlegungen sogar dazu führen einen Einstieg in eine Aktie gezielt danach zu planen, um Überreaktionen des Marktes auszunutzen.

– Ein Unternehmen, dass mehrere Kapitalerhöhungen durchführen muss um zu überleben, wird NIEMALS wieder die alten Höchststände erreichen! Noch immer lese ich entsprechende Einträge in Börsenforen, und kann es kaum glauben. Noch einmal sei an dieser Stelle gesagt dass das rein rechnerisch gar nicht hinhauen kann. Ich habe ehrlich gesagt gerade keinen genauen Überblick darüber wie viele Kapitalerhöhungen in welchem Umfang es hier in den letzten Jahren gegeben hat, aber bei der letzten Hochrechnung war es am Ende ein Faktor von ca. neun!! D. h. bis GESTERN gab es ca. neunmal so viel Aktien wie zu dem Zeitpunkt als die Commerzbank Aktie noch bei knapp 30,- Euro notierte.

– Soll heißen, mit der heutigen Maßnahme muss man den Wert wohl künftig eher durch knapp 12 teilen, um ungefähr auf einen vergleichbaren Höchstkurs aus dem Jahr 2007 zu kommen. Liebe Anleger, dies ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis, dass rein mathematisch betrachtet, Kurse um 2,50 Euro wohl auf lange Sicht das maximal erreichbare Ziel bleiben werden. Damals lief bei der Commerzbank aber noch einiges besser, wie wir alle wissen, also wäre ein gewisser Abschlag heute wohl gerechtfertigt. Die Charts vieler Broker haben die Veränderungen der letzten Jahre leider oftmals nicht eingepreist, was dem unbedarften Anleger entsprechendes Kurspotenzial signalisiert. Hier werden immer noch unbereinigte Kurse abgebildet, die es aus heutiger Sicht eigentlich nie gegeben hat. Mit der heutigen Meldung wurde soeben auch bekannt, dass die CoBa plant je zehn „alte“ Aktien zu einer Neuen zusammenzulegen. Damit dürfte sich der Aktienkurs auf dem Papier dann etwa verzehnfachen, und künftig nicht mehr ganz so „wertlos“ aussehen. Wundern Sie sich also nicht wenn die alten Höchststände dann mit knapp 300,- Euro in den Charts dargestellt werden.

Am Ende bleibt somit für mich zunächst die traurige Erkenntnis, dass man sich als Commerzbank Anleger auch künftig eine gewissen Willkür ausgesetzt sein dürfte…zumindest sollte man das wohl nach den Erfahrungen der letzten Monate in seine Trading-Planung mit einkalkulieren. Die Aktie ist und bleibt für mich daher bis auf Weiteres ein reiner Trading-Kandidat und wird in meinem Depot,wohl nie mehr zum längerfristigen Investment mutieren. Mit dem heutigen Kursrutsch besteht nun zunächst wieder die Chance auf einen erfolgreichen Long-Trade, und somit auch die Chancen sich einen Teil der zuvor verlorenen Gelder zurück zu holen. Aber bitte unbedingt mit engmaschiger Risikokontrolle!!! Im etwas ungünstigeren Fall wird die Aktie weiter unter Druck bleiben bis die heutige Nachricht entsprechend verarbeitet wurde. Dann kann es auch durchaus noch einmal zu einem kleinen Rutsch auf das charttechnische Ziel bei ca. 1,17 Euro kommen.

E.ON – zurück in den schwarzen Zahlen und dennoch kein Grund zum Jubeln

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Energieriese das EBITDA um stolze 16 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro steigern, was aber vorrangig daran lag dass Sonderbelastungen aus dem Atomausstieg in 2012 nicht mehr in der Höhe des Vorjahres angefallen sind. Zudem konnten die Gasverträge neu verhandelt werden, die zuvor kräftig auf das Ergebnis bei E.ON gedrückt haben. Daraus folgt, dass der bereinigte Überschuss gar um zwei Drittel auf 4,2 Milliarden Euro gesteigert werden konnte und der Gewinn im Geschäftsjahr 2012 auf 2,2 Milliarden Euro anstieg, nachdem im Vorjahr ein Verlust in gleicher Höhe angefallen war. Insgesamt kann man also festhalten das die Zahlen für das abgelaufene Jahr angesichts der Umstände doch noch sehr erfreulich ausgefallen sind.

Wie befürchtet stellt sich Deutschlands größter Energiekonzern E.ON aber künftig auf eher magere Zeiten ein…Auch zwei Jahre nach der Energiewende rechnet man bei E.ON eher mit weiter stagnierenden Umsätzen und Gewinnen. Grund hierfür ist neben den allgemein gesunkenen Großhandelspreisen für Strom die zunehmende Verdrängung der konventionellen Kraftwerke durch den Strom aus Wind- und Sonnenenergie.

Angesichts dieses schwierigen Umfeldes, im Zusammenhang mit der Energiewende, hat der Konzern ein Desinvestitionsprogramm aufgelegt, das nun weiter vorangetrieben werden soll. Demnach will E.ON bis zum Jahr 2014 mehr als 2 Milliarden Euro durch den Verkauf weiterer Firmenteile einnehmen. Unternehmensangaben zufolge will sich der Energieversorger dabei bis Ende nächsten Jahres unter anderem von den deutschen Regionalgesellschaften Westfalen Weser und – Mitte sowie der Beteiligung am Nukleardienstleister Urenco zu trennen.

Investitionen sollen zudem weiter zurückgefahren werden. Bis zum Jahr 2015 sollen bis zu 30 Gas- und Kohlekraftwerke stillgelegt werden und ca. 11.000 Arbeitsplätze wegfallen. Wenn Sie mich fragen hört sich das alles nicht unbedingt nach einem attraktivem Investment an bis all diese ganzen Baustellen geschlossen wurden und man ansatzweise beurteilen kann wo die Zukunft des Unternehmens tatsächlich liegt. Vorstandschef Johannes Teyssen traute sich für das Gesamtjahr keine konkrete Prognose für das laufende Jahr zu.

Dürr macht sich hübsch – Gratisaktien und höheres Grundkapital

Wie gestern Abend bekannt wurde plant die Dürr AG die Ausgaben von Gratisaktien um den Aktienkurs künftig noch attraktiver erscheinen zu lassen. Demnach plant der Anlagen- und Maschinenbauer auf der Hauptversammlung am 26. April diesen Jahres einen entsprechenden Beschluss zur Ausgabe von Gratisaktien im Verhältnis 1 zu 1 an die Aktionäre. Frische Kapitalmittel fließen dem Unternehmen dadurch nicht zu. Der Aktienkurs würde sich schlicht halbieren und die Anzahl der ausgegebenen Aktien sich dann verdoppeln. Offene Rücklagen sollen in diesem Zuge in Grundkapital gewandelt werden, das Grundkapital der Gesellschaft steigt dann von 44,3 Millionen auf 88,6 Millionen Euro.

Ziel dieser Maßnahme ist es die Aktie des Lackieranlagenspezialisten Dürr noch attraktiver und vor allem liquider zu machen. Sieht man sich die Umsätze der vergangenen Monate bei der Aktie an ist dieser Schritt auch durchaus zu begrüßen. Ich behaupte aber mal an dieser Stelle dass die exorbitanten Gewinnsteigerungen auch zu einem gewissen Teil dem Umstand geschuldet waren dass die Aktie nur in kleinen Stückzahlen gehandelt wurde. Bei einem Tagesumsatz von knapp 100.000 Aktien ist es eben entsprechend leicht den Kurs in die gewünschte Richtung zu buxieren…

Während also die Privatanleger diesen Schritt begrüßen dürften, weil die Aktie des Highflyers nun bald so günstig wird, (was ja defacto nicht stimmt,) ist davon auszugehen dass bei der Ausgabe der neuen Aktien spätestens der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen im größeren Stil gekommen ist. Zumindest wäre dies alles andere als unüblich nach einer solchen Kapitalmaßnahme. In jedem Fall werden die Ausschläge bei der Aktie künftig nicht mehr so deutlich ausfallen wie bisher. Tagesgewinne von 5 Prozent oder mehr sollten dann eher der Vergangenheit angehören. Kurzfristig dürften die Aktionäre aber über diesen Schritt freuen und den Kurs der Dürr Aktie heute beflügeln.

Commerzbank – wird jetzt der Bogen endgültig überspannt?

Jüngsten Berichten zufolge bereitet die Commerzbank erneut eine Kapitalerhöhung vor. Nachdem im heutigen Handel zunächst durchaus Freude bei den Anlegern über den geplanten Verkauf eines Immobilienpaketes der Eurohypo aufkam, sackte der Aktienkurs der Commerzbank im späten Handel deutlich ab. Grund für den Kursrutsch sind Berichte über eine mögliche Kapitalerhöhung bei der zweitgrößten deutschen Bank. Das Institut habe demnach die Konkurrenten Deutsche Bank und UBS mit der Vorbereitung des Schritts beauftragt, berichtet das „Manager Magazin“ heute unter Berufung auf Finanzkreise. Die Commerzbank war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Die Höhe der geplanten Maßnahme bleibt damit ebenso offen wie der mögliche Zeitpunkt einer solchen Kapitalmaßnahme. Dennoch gehen Marktbeobachter von einem Kapitalschritt in Höhe von ca. 10 Prozent aus, was ungefähr 700 bis 800 Millionen Euro entsprechen würde.

Vielen leidgeprüften Commerzbank Aktionären dürfte nach diesen Berichten nun allmählich auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung abhanden kommen. Denn, sollte diese neue Kapitalerhöhung kommen, wird der Aktienkurs noch einmal entsprechend verwässert. Der heutige Kursrutsch ist umso dramatischer, da die Aktie zuvor gerade mal wieder auf dem Wege der charttechnischen Besserung war. Das zuletzt hier genannte Kursziel von 1,35 Euro gerät damit kurzfristig in Reichweite. Die Chance auf deutliche Kurssteigerungen bis in den Bereich über 2,- Euro oder gar 3,- Euro kann man damit dann wohl für längere Zeit begraben. Man darf somit gespannt sein ob sich die heutigen Berichte kurzfristig bestätigt werden…

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