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Der Schuldenschnitt in Zypern wird die Welt verändern…

Ich hatte bereits am Freitag damit begonnen einen Artikel mit dem schönen Titel: „Die Ruhe vor dem Sturm“ zu verfassen, doch leider war es mir nicht möglich diesen noch fertig zu stellen, da zu viele unerledigte Dinge auf meinem Schreibtisch auf Bearbeitung gewartet haben. Hinzu kamen noch massive technische Probleme mit meinem Handelscomputer, den ich nun kurzerhand aus meinem Büro verbannt habe. Ein Neuer musste her und die Einrichtung hat mich fast das ganze Wochenende beschäftigt. Heute möchte ich mich aber dennoch kurz zu den denkwürdigen Ereignissen des Wochenendes melden. Denn, die europäische Finanzkrise ist zurück, und das in einer ganz neuen Qualität!

Die gute Nachricht zuerst – Zypern wurde gerettet. Die Eurogruppe hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion beschlossen die Sparer Zyperns durch eine Zwangsabgabe von 9,9 Prozent auf Guthaben von über 100.000,- Euro zu beteiligen. Sparer die weniger als 100.000,- Euro besitzen kommen mit einer Abgabe von 6,75 Prozent davon. Insgesamt sollen mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme 5,8 Milliarden Euro zusammenkommen, die das Land vor dem Zusammenbruch bewahren sollen. Die Alternative dazu wäre ein Kollaps des Bankensystems gewesen der die Sparvermögen eventuell bis zum Totalverlust reduziert hätte und die Eurozone, insbesondere Griechenland , erneut ins Wanken gebracht hätte. Soviel sei zur Entschuldigung gesagt…grundsätzlich kann man diesen Schritt also durchaus nachvollziehen, weil die Alternative dazu noch viel schlimmer gewesen wäre.

Die Art und Weise wie hier vorgegangen wird darf dem aufmerksamen Beobachter aber dennoch Kopfzerbrechen bereiten. Auch wenn dieser Vorgang aus meiner Sicht schlichter Geldraub ist, versuchen die Verantwortlichen dem Ganzen nun verschämt einen etwas freundlich klingendernen Stempel aufzudrücken. Von einer „Solidaritätsgebühr“ ist die Rede…ähnlich wie bei uns im Übrigen die „übergangsmäßige“ Abgabe nach der Wiedervereinigung, die wir bis heute nicht mehr losgeworden sind (In diesem Punkt würde ich Rainer Brüderle also aktuell Recht geben!). Manche würden es auch als Schuldenschnitt oder Währungsreform bezeichnen, doch diese beiden Worte sind böse und dürfen aus verschiedenen politischen Gründen nicht benutzt werden.

Trotzdem dürfte dieser Vorgang immer mehr Bürgern die Augen dafür öffnen, auf welchem Weg sich die EU und die Eurozone inzwischen befinden. Wir haben eine neue Stufe der Krise erreicht, in der sogar die Ärmsten an den zuvor gemachten Fehlern, die wiederum Dritte verursacht haben, beteiligt werden. Soziale Gerechtigkeit sieht wohl anders aus! Letztlich hilft es aber nicht darüber zu lamentieren, weil man es eh nicht ändern kann. Was man allerdings machen kann ist nun den Blick wieder etwas zu schärfen für das was noch vor uns liegen könnte…

Die Enteignung zyprischer Sparer, die am Wochenende mittels einer Zwangsabgabe an der Rettung des maroden Bankensystems beteiligt worden sind, dürfte nicht ohne Folgen für alle anderen europäischen Sparer bleiben. Das ist aus meiner Sicht nicht nur ein Vertrauensbruch sondern dürfte eines ganz deutlich machen… Die systemische Absicherung für Bankgläubiger in ganz Europa ist künftig wohl eher begrenzt oder gar nicht mehr existent. Auch der sogenannte Einlagensicherungsfonds ist vielleicht das Papier nicht Wert auf dem er niedergeschrieben wurde, wenn es mal richtig eng wird. Die direkte Folge: Sachwerte sind seit heute attraktiver denn je!

Ich gehe davon aus dass sich dieses Bewusstsein nun allmählich auch in den Köpfen der Anleger durchsetzen wird, die bislang fest davon ausgegangen sind, dass sie von solchen Eskapaden verschont bleiben werden. Auch Großanleger werden sich nach den jüngsten Ereignissen sehr gut überlegen ob ihre Geld in Europa wirklich noch sicher ist. Entsprechende Mittelabflüsse, und damit wohl auch ein fallender Euro sind in den nächsten Tagen zu erwarten. Denn, dieser Rechts- und Tabubruch, hat das Potential das Vertrauen in die Institutionen und Banken in der Eurozone weiter deutlich zu schwächen und ist aus meiner Sicht sehr kontraproduktiv…Die Alternative einen kleinen Staat wie Zypern tatsächlich mal pleite gehen zu lassen hätte am Ende vielleicht sogar einen kleineren Schaden angerichtet. Wer weiß das schon? Zudem wäre mal ein Exempel statuiert worden, dass endgültig klar gemacht hätte wo Europa steht und das korrupte Staaten in dieser Gemeinschaft nichts verloren haben. Diese Chance wurde aber leider erneut vertan.

Die Ereignisse vom Wochenende werden die Welt erneut verändern, vielleicht zunächst nur langsam und schleichend, aber der Schuldenschnitt in Zypern wird seine Spuren hinterlassen. Ab heute sind Anleger wieder vermehrt auf der Suche nach vermeintlicher Sicherheit, die es aber wohl nicht mehr geben wird. Dennoch, gibt es auch Profiteuere dieser Entwicklung… Gold könnte bald wieder glänzen und Aktien bleiben weiterhin alternativlos. Wohingegen Anleihen und Sparguthaben weiterhin die schlechteste aller Alternativen sind. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das frei verfügbare Geld in irgend einer Form angelegt werden muss, damit man es ihnen nicht wegnehmen kann! Denken Sie mal (rechtzeitig) darüber nach…

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Commerzbank Aktie mit Gap Close – jetzt kann es rauf gehen…!

Neue Nachrichten aus Griechenland beeinflussen heute erneut die Märkte. Hatte man gestern noch den Eindruck dass es sowieso niemanden mehr so richtig interessieren würde wie die Verhandlungen in Griechenland ausgehen, so stellte sich dieses Bild bereits heute wieder etwas anders dar. Nachdem auch heute Nacht keine finale Lösung erzielt werden konnte, wollen sich die EU Finanzminister nun am kommenden Mittwoch erneut zusammen setzten. Vorher wurden dem angeschlagenen Mittelmeerstaat noch ein paar „Hausaufgaben“ mit auf den Weg gegeben. Diese sollen nun bis zum nächsten Treffen zügig umgesetzt werden. Erst dann werden weitere Milliarden nach Athen fließen, hieß es seitens der verantwortlichen Personen. Kurzum, jetzt ist Schluss mit Lustig, man setzt den Griechen die Pistole auf die Brust. Der Markt nimmt diese Wende nicht sehr amüsiert auf, da nun weiterhin viele Fragen offen sind.

Die Commerzbank Aktie gehörte deswegen heute zur Börseneröffnung erneut zu den schwächsten Werten, ebenso wie andere Bankenwerte in Europa. Mit einem satten Minus von zwischenzeitlich über zehn Prozent dürften die meisten Marktteilnehmer wohl nicht mehr gerechnet haben, nachdem ja nun die schlimmsten Nachrichten hinter dem Geldinstitut liegen sollten. Ich würde den Kursrutsch auch nicht überbewerten, denn letztlich wurde nur das Gap bei 1,953 Euro heute geschlossen das der starke Anstieg am 08.02.12 hinterlassen hatte. Wie wir auch wissen sind solche Kurslücken nicht „gesund“ und sollten stets geschlossen werden. Dies ist heute geschehen, und das ist in jedem Falle positiv zu sehen, auch wenn die Bewegung an sich nicht unbedingt nervenschonend verlaufen ist und man sich sofort wieder an die panikartigen Zeiten des vergangenen Jahres erinnert fühlt…

Für mich persönlich war dies der richtige Zeitpunkt meine Position nun weiter zu erhöhen. Ich habe bereits am 08.02 nach Handelsschluss eine entsprechende Order in das System eingegeben, da ich dieses Szenario für sehr wahrscheinlich gehalten habe. Nun sind die sogenannten Zittrigen wieder raus gespült worden, und es kann weiter nach oben gehen. Für diejenigen die es heute erwischt hat ist das natürlich erst einmal ärgerlich, auch wenn die meisten wohl mit Gewinn ausgestoppt wurden. Aber so ist die Börse, und so wird sie immer sein. Wer diese Regeln nicht nur verstanden sondern auch verinnerlicht hat, der wird langfristig zu den Gewinnern solcher Situationen gehören. Heute wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit der eigentliche Boden für die Commerzbank Aktie bereitet. Zum Handelsschluss sollte die Aktie über der Widerstandzone zwischen 2,06 und  2,12 Euro notieren, somit wäre aus charttechnischer Betrachtung der Bodenbildungsprozess dann abgeschlossen.

Warum die EZB standfest bleiben muss – Kommentar zum Währungskrieg

Da der Druck der Märkte auf die EZB unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen weiter schwelt, hier meine persönliche Meinung zum Thema. Für mich befinden wir uns in einem unerklärten Währungskrieg, in dem nun Standfestigkeit und kein Wackeln – und schon gar keine Panik – gefragt ist.

Denn ich bin überzeugt, dass die Eurozone unbedingt dem Druck der Märkte zum Kauf von Staatsanleihen via EZB wiederstehen muss. Dieser Druck ist nämlich in meinen Augen nicht selbstlos. Hinter dem Druck stehen für mich massive Interessen des Big Money und der USA -siehe mein Artikel zum Rom des 21. Jahrhunderts

Denn würde die EZB nachgeben und wild Anleihen kaufen, gäbe es eine kurze aber heftige Erleichterungsrally, die SmartMoney nutzen würde um seinen Positionen abzuladen. Dann würden die Märkte sich kurz danach Gedanken machen, ob ein Deutschland das defacto für die ganzen Schulden Europas bürgt, dann nicht selber ins Wanken kommt. Als Folge kommen dann die ganzen Warn-Schüsse und Herabstufungen für D und am Ende geht Deutschland in die Knie und die Eurozone ist dann wirklich erledigt. Die vermeintliche Rettung ist nämlich in Wirklichkeit der Sargnagel, genau deswegen drückt die angelsäschische Welt auch so auf das Thema. An einem starken Euro hat in den Finanzzentren in NewYork und London niemand wirklich ein Interesse. Ein Euro als Weltwährung Nr. 1 stellt vielmehr deren Existenz in Frage.

Im Moment wird der Kampf doch primär noch in der Peripherie der Eurozone ausgetragen. Die Eurobonds sind also die perfekte Methode um auch den Kern sturmreif zu schiessen. Der Kern muss aber stehen, sonst geht alles unter.

Ich sehe strategisch aus Sicht der Eurozone keine Alternative als den Schmerz noch über Monate auszuhalten und einfach weiter zu machen auf dem langsamen Weg des Schuldenabbaus und der Stabilierung. Es gibt einfach keinen QuickFix, das ist Illusion. Solange sich Deutschland nicht infizieren lässt, hat die Eurozone aber die Chance das durchzustehen. Und wenn die Politiker klug sind, zeigen sie mehr als deutlich mit dem Finger auf eine der Quellen dieser Angriffswellen: London.

Wenn über Monate der Angriffe und Abwertungswellen die EZB immer noch nicht eingeknickt ist und die Eurozone den eingeschlagenen Weg konsequent weiter geht, werden die Wellen plötzlich aufhören. Weil der Markt dann nach anderen Themen Ausschau halten wird. Und plötzlich wird das Thema aus den Schlagzeilen verschwinden, obwohl sich substantiell gar nicht so viel geändert hat. So etwas hatten wir schon oft. Die berechtigten Probleme und Kritik an der Eurozone ist im Moment eindeutig overhyped, den US und GB geht es weit dreckiger.

Man schaue sich mal die Fundamentaldaten von GB an. Staatsschuld irgendwo bei 80% des BIP und Neuverschuldung so um die 10% des BIP ! Und mangels Industrie keine Chance da rauszuwachsen. Dass das Land ein AAA hat ist ein sehr schlechter Witz, das Land ist in meinen Augen industriell kaputt und hängt nur noch am Tropf der Finanzindustrie. Da hat Spanien und Italien aber eine wesentliche gesundere Wirtschaftsstruktur als GB ! Was braucht man noch um zu erkennen, das hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht ? Die Eurozone ist objektiv stabiler als sie wirkt, die Gegner setzen halt den Hebel an der Schwachstelle der mangelnden Koordination an. „Haltet den Dieb“ lautet das beliebte Spiel !

Im übrigen, die Angst nächstes Frühjahr kaufe keiner die Anleihen der PIGS ist in meinen Augen reine Panikmache aus taktischem Interesse, auf die man nicht herein fallen darf. Asien und insbesondere China wird kaufen und muss kaufen. Irgendwo müssen die Devisen dieser Länder doch hin. Und in den Dollar sollen sie nicht mehr. Genau darum geht es doch hier globalstrategisch gesehen.

Mann muss das Thema also in meinen Augen aus der Warte eines Währungskrieges sehen. Und im Krieg sind Panik und Angst keine guten Ratgeber, sie sind vielmehr die Waffe der Gegner. Die Mittel die Asien und die EMAs in den Euro investieren, fehlen den US zur Finanzierung ihrer weltweiten Präsenz. Hier ist ein weltweiter Kampf um diese Mittel entbrannt, denn die ganze westliche Welt ist überschuldet. Und in dem ich meinen Konkurrenten (Euro) krankenhausreif schiesse und das Vertrauen in die Währung zerstöre, sicher ich mir (USD) den Zugriff auf diese Gelder. Und London schwimmt mal wieder im Beiboot mit, wie so oft. Dieses Interesse eint in meinen Augen die angelsächische Finanzwelt mit der US Administration. Denn das Finanzzentrum der Welt ist zwangsläufig da, wo die stärkste Währung und Wirtschaftsmacht existiert.

Das wir in der Eurozone überhaupt so angreifbar sind, dazu haben wir in Europa durch Uneinigkeit, Misswirtschaft und Fehlkonstruktionen fröhlich beigetragen. Wir müssen diese Krise deshalb nun als Chance begreifen vieles nachzuholen und so stärker zu werden. Wenn wir aber den vergifteten Ratschlägen aus der angelsächischen Finanzwelt nachgeben, werden wir in meinen Augen untergehen und in Zukunft nur noch ein Wurmfortsatz dieser Finanzzentren sein. Halten wir aber durch, haben wir die Chance es denen heim zu zahlen, die sich nun am Elend weiden und von eigener Schwäche ablenken. Denn wenn wir tapfer durchhalten und einfach weiter voranschreiten, wird GB der erste Baustein sein, der in der angelsächischen Welt umkippt. Und dann dreht sich der Wind und die Massnahmen die uns nun schmerzen, werden Europa und dem Euro Stärke und Rückhalt geben. Dann ist der USD als Weltreservewährung sehr schnell Geschichte mit allen globalen Konsequenzen. Nichts fürchtet die US Administration mehr, als das genau das geschieht !

Wir leben definitiv in historischen Zeiten. Nach dem Fall der Mauer hat der gute Herr Fukuyama mal was vom „Ende der Geschichte“ gefaselt. Dieses „Ende“ dauerte genau bis 2000, die Geschichte ist aber nun wieder in Bewegung und wir stecken mittendrin, ob wir wollen oder nicht !

(HS)

Meinung nach dem Gipfel

Kurz meine subjektive Sicht auf die Ereignisse der letzten Nacht.

Ich begrüsse die Entwicklung und denke mehr war erst einmal nicht drin. Dieses Ergebnis ist kein Scheitern, sondern im Rahmen des Möglichen eher ein Erfolg. Und es kam erstaunlich schnell zustande, auch ein Positivum. Wir haben nun die Chance den verkappten amerikanischen Flugzeugträger aus der Union zu bekommen – die Briten standen einem Fortschritt Europas hin zu den Vereinigten Staaten von Europa sowieso nur im Weg und waren in Fortführung ihrer „Balance of Power“ Strategie in meinen Augen nur Mitglied um genau diesen Fortschritt zu hintertreiben.

Wenn der Markt es jetzt schafft sich hier zu stabilisieren, wird die Panikmache gegen den Euro – die aus offensichtlichem Eigeninteresse auch stark von der Finanzindustrie in London unterstützt wurde – ad absurdum geführt. Die Welt geht eben nicht unter, nur weil die EZB nicht mit dem Geld um sich wirft.

Eine engere Fiskalunion ist halt bittere Medizin und wird nicht gerne genommen. Das aber alle 17 Euro Staaten und 6 weitere freiwillig dem Weg zustimmen – und nur eine Nation, natürlich die Briten, definitiv absagt ist in meinen Augen sehr positiv, mit so viel Konsens habe ich in Anbetracht des Deutsch-Französischen Diktats eigentlich nicht gerechnet.

Wenn Cameron glaubt, dass er mit einer Blockade der EU nun irgend etwas Positives für sein Land bewirkt, ist er komplett auf dem Holzweg. Das wäre das Verhalten eines verzogenen Kindes und würde wohl die öffentliche Meinung des ganzen Kontinents gegen die Insel aufbringen. Das Ergebnis eines solchen Weges wäre die völlige Marginalisierung der Insel. Man kann den Briten nur raten nicht so dumm zu sein. Denn Englands Wirtschaft – insbesondere die Finanzindustrie – kann ohne Europa nicht leben, Europa ohne England aber sehr wohl.

Deshalb erwarte ich, dass dem Finanzkomplex in London in den nächsten Wochen dämmern wird, dass er mit einer Total-Opposition gegen Europa ganz schnell seiner Existenzgrundlagen beraubt wird. Wer hindert denn die 17+6 harte Regulierungen zu beschliessen, die ganz gezielt die Londoner Geldmaschine abwürgen ? Warum sollten die das jetzt nicht tun ?

Ich wage daher mal die Prognose, dass die gleichen die nun über Monate Europa aus Eigeninteresse zum massiven Gelddrucken zwingen wollten, in wenigen Wochen Druck auf Cameron machen, nun doch eine konstruktivere Haltung einzunehmen, weil sie merken wie ihnen die Geschäftsgrundlage entschwindet. Machtpolitisch ist dieser Ausgang für die Briten in meinen Augen eine krachende Niederlage.

Summa Summarum wird uns die Unsicherheit um den Euro also wohl bis ins Frühjahr erhalten bleiben. Aber daran sind wir ja gewohnt. Wenn die Märkte sich aber im Lichte dieser Nachrichten stabilisieren können, ist dem permanenten Druck auf die Euro-Zone zum Gelddrucken wohl erst einmal der Boden entzogen und es könnte sein, dass sich das heisse Geld nun ein anderes Ziel aussucht. Warum mal nicht das britische Pfund zur Abwechslung ?

Was der Markt jetzt daraus macht, kann ich Ihnen nicht sagen. Ich kann nur abwarten, bis Mr. Market seine Karten aufdeckt. Aber ich sehe immer noch die Chance zu einer positiven Überraschung.

Es bleibt definitiv spannend. (HS)

Jahresendrally – oder warum man sich an den 04.10.11 erinnern sollte

Nur ein kurzer Gedanke zum Markt am 23.11.11 um 11:40 Uhr.

Viele haben in den letzten Wochen – nachdem die EU ihre Beschlüsse gefasst hatte – auf eine Jahresendrally gesetzt. Auch ich. Der Markt hatte Vertrauen und setzte eindeutig zum Sprung nach oben an.

Dann kam Papandreou und obwohl Griechenland wirtschaftlich eigentlich völlig irrelevant ist, hat er mit seiner Volte etwas viel Bedeutenderes „erreicht“. Er hat das Vertrauen der Märkte in die Handlungsfähigkeit der europäischen Politik nachhaltig zerstört. Applaus !

Vor Papandreou war der Markt noch bereit der Euro-Zone zu vertrauen. Nun nicht mehr. Papandreou – so insignifikant diese griechische Posse eigentlich ist – hat der staunenden Welt klar gemacht wie Europa funktioniert, eben als Dissonanz und nicht als Harmonie.

Nun geben alle im Markt die Hoffnung auf eine Jahresendrally auf. „Das wars“ ist der Stimmungskonsens im Moment. Vielleicht hat die Mehrheit diesmal recht – aber nur vielleicht !

Ich gebe die Jahresendrally aber noch nicht endgültig auf. Denn genau so läuft es oft. Man wartet auf etwas und wartet. Und dann gibt man auf. Und genau in diesem Moment kommt es. Mr. Market liebt es geradezu uns so aufs Kreuz zu legen.

Das heisst aber nicht, dass ich nun fröhlich kaufe und damit letztlich nur auf eine unbekannte Zukunft zocke. Nein, ich sitze hier ruhig und still und warte. Denn ich kenne die Zukunft nicht. Und ich denke an den 04.10.11 und vielleicht sollten Sie es daher auch tun, zum Beispiel in dem Sie diesen Artikel hier noch einmal lesen.

Denn wenn sich der Zug in Bewegung setzen sollte, dann sollte man schnell aufspringen. Ich werde es tun ! Man sollte nicht noch einmal zu lange zu skeptisch zu sein. Und man sollte nicht tagelang nach Gründen suchen die es gar nicht gibt, die steigenden Kurse reichen als Begründung. Alles was wir zur Schuldenkrise geschrieben haben ist wahr und diese Krise wird bestimmt weiter eskalieren. Aber das schliesst keineswegs aus, dass wir noch ein paar Wochen eine fröhliche Rally erleben. Sollte sie kommen – mit Betonung auf „sollte“ – wäre es dumm diese zu verpassen, weil man aus langfristiger Sicht zu Recht pessimistisch ist ! Und wenn man auf dem Zug sitzt, muss man jeden Tag genau schauen ob nicht eine Kurve kommt, in der man schnell wieder abspringt !

Denken Sie also daran: die selbe Zukunft kann bei unterschiedlichem Zeithorizont zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen für die Geldanlage führen ! Flexibilität und die Bereitschaft schnell auf- und abzuspringen ist das Gebot der Stunde. Und bei aller berechtigten negativen und ratlosen Stimmung darf man nie vergessen, dass es trotzdem immer kurzfristige Chancen gibt.(HS)

Marktanalyse – Warum trotz Papandreou eine Rally möglich ist

Wir haben hier in den letzten beiden Tagen im wesentlichen über Politik diskutiert, was in Anbetracht des „Ei“ das uns Herr Papandreou allen gelegt hat auch durchaus angemessen ist.
Ich sehe aber die Gefahr, dass diese berechtigten negativen Sichten auf die politische Lage – die auch ich ja eindeutig habe – nun eins-zu-eins in Investitionsentscheidungen umgesetzt werden und das halte ich für einen Fehler.

Deswegen möchte ich mit diesem Beitrag – so rational wie möglich – Politik und Anlageentscheidungen gedanklich entflechten.

1. Papandreou hat Europa und unseren Depots tatsächlich keinen Gefallen getan. Denn nach dem EU Gipfel war eine glaubwürdige Grundlage geschaffen, auf der man aufbauen konnte. Der Markt war zur Jahresendrally bereit und auch die institutionellen Anleger wären wohl bereit gewesen auf einer stabilen Grundlage wieder zu investieren. Dieses Szenario ist nun – zumindest bis zur Volksbefragung – definitiv vom Tisch ! Vom Tisch ist aber damit keineswegs die Möglichkeit einer Rally, sondern nur das ruhige, verlässliche Hochschieben das wir Ende 2010 hatten. Sicher ist, die brutale Volatilität mit Swings um mehrere Prozent an einem Tag bleibt uns nun erhalten. Papandreou sei es gedankt.

2. Der Markt hat trotz aller Verluste aber auf den Einschlag vernünftig und konstruktiv reagiert. Wir haben im DAX die 5700 gehalten und haben daher nur einen Reset auf die Zeit kurz vor dem EU Gipfel durchgeführt, wir sind aber nicht in die Panik der Monate August und September zurück gefallen. Das ist eindeutig Positiv ! Der Markt honoriert also die nun gezeigte Einigkeit und vor allem Ernsthaftigkeit in der EU und auf dieser Ernsthaftigkeit basiert kurstreibende Hoffnung. Erst wenn sich Frankreich und Deutschland zerstreiten würden oder die EU Politik wieder in das inkonsequente Handeln des letzten Jahres zurück fallen würde, würde das Mr. Market wohl zum Anlass nehmen wirklich abzutauchen und die Tiefststände zu testen.

3. Durch die beiden Abtaucher des DAX bis 5000 ist der Markt im DAX technisch vollständig bereinigt. Erste schwache Hände die nun nach dem Gipfel auf den Zug aufgesprungen sind, sind durch die Volte von Papandreou nun wieder heraus gekegelt worden. Wer nun im DAX Long ist, gehört eher zu den sogenannten „starken“ Händen die wissen was sie tun und so schnell nicht verkaufen. Das ist eine positive Grundlage, auf der Rallys aufgebaut werden.

4. Das allgemeine Sentiment ist durch die Geschehnisse in Griechenland nun wieder sehr negativ, auch das birgt Chancen. Mr. Market liebt es Dinge zu tun, die den maximalen Schmerz bei den Marktteilnehmern verursachen. Und was wäre besser, als all denen wegzulaufen, die nun aus Sicherheitsdenken an der Seitenlinie stehen.

Alles in allem bin ich also der Überzeugung, dass der DAX im Bereich bei ca. 5700 eine gute Grundlage hat. Und wir von hier immer wieder Chancen auf massive Rallys haben. Allerdings glaube ich nicht, dass man diese Rallys einfach kaufen und liegen lassen kann, man muss vielmehr Gewinne schnell mitnehmen, denn der nächste Absturz kommt politisch induziert bestimmt. Zumindest bis zum Referendum oder einer anderen – heute nicht absehbaren – Auflösung des griechischen Dramas wird das so bleiben. Wer aber gute Nerven hat, kann in meinen Augen bei 5700 auch mittelfristige Positionen eingehen. Denn nach meiner Meinung wird der DAX nur dann wieder nachhaltig unter diese Marke tauchen, wenn Zweifel an der neu gefundenen Einigkeit und Ernsthaftigkeit der wichtigen handelnden Nationen aufkommen.

Um meine Meinung zu unterstreichen, möchte ich Ihnen auch einen Einblick in meine aktuelle Aufstellung im Investmentdepot geben. Ich bin Stand Heute Vormittag:
20% Long Deutsche Aktien
15% Long Internationale Aktien
10% Long Rohstoffaktien
15% Long Gold und Silber
40% Cash

Das heisst, ich bin 60% Long in einer mittelfristigen Sicht bis Jahresende – trotz Papandreou. Jeder möge seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.
Und das ist keineswegs ein Widerspruch zu meiner Wut über das was uns die Griechen zumuten. Für die Frage eines sinnvollen Trades ist aber Wut kein Masstab. Sondern nur die Frage, was von dieser Wut im Markt nun schon eingepreist ist.

Zum Abschluss ist mir auch noch eine politische Aussage wichtig.

So verwerflich und unsolidarisch das Handeln Papandreous in meinen Augen auch ist. Langfristig bietet sich Europa durch diese Krise eine grosse Chance. Denn jedem Beobachter ist doch klar, dass die heutige EU mit ihrem Demokratie-Defizit und ihren Ungleichgewichten keine dauerhafte Zukunft hat. Zu grosser, schmerzhafter Veränderung bedarf es aber immer einer Krise, die grosse Schritte plötzlich erst möglich macht. Vielleicht sorgt diese Schuldenkrise als Katalysator dafür, dass wir vom jetzigen instabilen Zustand wieder in einen langfristig stabilen Zustand Europas überwechseln.

Das bedeutet entweder eine Rückkehr zu den Nationalstaaten mit eigenen Währungen, die sich wie zu Zeiten des EWR freundschaftlich verbunden sind. Das wäre in meinen Augen für Europa die zweitbeste Lösung, aber wenigstens eine stabile.

Oder die Vereinigten Staaten von Europa, mit einer echten und wirklich demokratisch legitimierten Zentralregierung, die für Aussenpolitik und Verteidigung alleine zuständig ist und im Bereich Finanzen und Wirtschaft den einzelnen Ländern einen verbindlichen Rahmen setzt. Für mich persönlich die ideale Lösung.

Vielleicht wird hier im Nebel der Schlacht also gerade Positives in Gang gesetzt, das unseren Kindern mal in der Welt helfen wird. Wenn die dann 2030 über Ihren Schulbüchern hocken, wird da vielleicht stehen, dass die Vereinigten Staaten von Europa Ihre Initialzündung durch die Schuldenkrise des Jahres 2011 hatten.

Schaun mer mal …….. (HS)

PS: und während ich diesen Artikel bei 5860 begonnen habe und dazwischen auch mal ausser Haus musste, schiesst der Markt durch die Decke und steht bei 6050. Das nennt man wohl Volatilität ….. Die Leser sollten sich darauf einrichten, dass uns solche Swings tagtäglich begleiten werden, mindestens bis zum Referendum in Griechenland oder einer andersartigen finalen Lösung.

Griechenland – es reicht !

Als Nachtrag zu meinem Marktkommentar von gestern Abend heute Morgen noch ein persönliches Statement zum Thema Griechenland. Ich habe dafür nur zwei Worte übrig : ES REICHT !

Ich habe schon vor Wochen geschrieben, dass Griechenland in meinen Augen schnellstmöglich aus dem Euro muss. Dieses Land hat sich durch gefälschte Bilanzen in die Eurozone herein geschlichen und ist in meinen Augen von Korruption und Günstlingswirtschaft zerfressen und ohne funktionierende Staatsorgane. Man muss sich das vorstellen, das Land kennt nicht einmal ein Grundbuch ! Das Land gehört in meinen Augen nicht in den Euro.

Und nun dieses Ding mit der Volksabstimmung. Als ob das Papandreou und Co. nicht schon längst als Option auf dem Radar gehabt hätten. Aber nein, erst einmal die anderen Europäer sich abmühen lassen, das Geld freigegeben lassen und dann den Partnern auf diese Art und Weise in den Rücken fallen.

Ich habe ja kein Problem mit der Überlegung, das Thema mit einer Volksabstimmung abzusichern, das ist nachvollziehbar und wahrscheinlich nötig. Was mich aufregt ist der Umgang mit den europäischen Partnern, die gerade durch grösste Mühen gehen um Griechenland zu retten. Und die Folge davon ist natürlich Verunsicherung und das ist die grösste Gefahr für die Wirtschaft der Euro-Zone. Dem Versuch die Eurozone zu stabilisieren ist so der Boden entzogen worden. Möglicherweise ist damit die kalte Berechnung verbunden, dass Europa ja noch bessere Konditionen gewähren wird, um dem griechischen Volk die Zustimmung zu ermöglichen.

Unglaublich was die sich erlauben. Ich würde mir das nicht bieten lassen, zumal wenn ich der Zahlmeister bin.

Für die Börsen ist das natürlich ein Dolchstoss in den Rücken. Damit ist auch meine Gelassenheit von gestern Abend völlig hinfällig. Nun ist alles anders und die Börsen müssen sich auf weitere lähmende Monate der Unsicherheit in Europa einstellen. Die vom EU Gipfel ausgehende Sicherheit ist definitiv weg. Wir dürfen uns dafür mal wieder bei unseren griechischen “Freunden” bedanken. Ich frage mich, wie lange Europa sich noch so veräppeln lassen will. Während sich zum Beispiel die Portugiesen ehrlich abmühen und unsere Hilfe und Solidarität verdient haben, werden wir von der griechischen Regierung in meinen Augen an der Nase herum geführt.

ES REICHT ! (HS)

DAX Marktausblick auf nächste Woche – Das Wort zum Sonntag

Am Sonntag ein kurzer Ausblick auf den Anfang der kommenden Woche.

Die Presse produziert negative Schlagzeilen zum EU Gipfel, ich bin aber nicht sicher ob Mr. Market das auch so sieht.

Denn der Markt würdigt nun schon seit einigen Tagen, dass die EU endlich bei den wirklich harten Entscheidungen angekommen ist und zeigt dabei deutlich bullische Markttechnik. Und auch dieses Wochenende bestätigt bei allen Problemen das Bild, dass man endlich nicht mehr nur rumschwätzt, sondern bereit ist wirklich zu handeln – auch schmerzhaft. Niemand hat ernsthaft erwartet, dass ernste und harte Entscheiungen die von 17 bzw 27 Regierungschefs abgenickt werden müssen, in einem netten Treffen am Nachmittag mal eben durchgewunken werden. Das es nun hakt, ist also eher der Beweis das es endlich ernst wird. Und das ist gut so !

Diesen Ernst bei der EU honoriert der Markt mit Hoffnung und wird das in meinen Augen auch weiter tun, bis endlich die Fakten auf dem Tisch liegen und die Hoffnung entweder enttäuscht oder bestätigt wurde. Dann – möglicherweise Mittwoch – wird der DAX je nach Nachrichtenlage nach oben oder unten aus der Range 5700-6100 deutlich und mit Momentum ausbrechen. Diese Bewegung will ich nicht verpassen ! Vorher werden wir je nach Nachricht auch hin und her schwingen und es kann gut sein, dass Montag eher schwach wird, zumal es nach dem starken Freitag als Gegenbewegung fällig ist – zu einer dauerhaften Bewegung wird das aber nach meiner Erwartung wohl nicht und die 5700 sollten weiter halten. Das Hin- und Her bis zur Entscheidung ist weiterhin das „weisse Rauschen“ der Politik, das man nicht wirklich traden kann.

In welche Richtung der Ausbruch dann kommt und auf Basis welcher Fakten, weiss heute nur der liebe Gott – ich auf jeden Fall nicht und wahrscheinlich heute noch nicht einmal die Regierungschefs. Es ist auch nicht zwingend nötig sich vorher zu positionieren, weil man sowieso nur raten kann und raten führt nicht zum Erfolg am Markt. Viel entscheidender ist dagegen, die Bewegung danach richtig zu spielen – das kann man wirklich beeinflussen, das kann man heute planen und vorbereiten und da wird dann das Geld gemacht oder verloren. Wenn sich aber jemand trotzdem schon vorher positionieren will, würde ich persönlich die Long-Seite bevorzugen.

Denn Faktum ist auf jeden Fall, dass Mr. Market nun mit aller Macht an das „Gute“ glauben will und deutlich bullische Markttechnik zeigt. Man muss ihm dafür nun nur ein überzeugendes Argument liefern, dann wird er das mit einer beeindruckenden Rally um mehrere hundert Punkte im DAX belohnen. Genügend Shorts sind auf jeden Fall noch im Markt, um einen schönen Squeeze zu befeuern. Mal schauen, ob die EU genügend Entschlusskraft hat, um die harten und klaren Entscheidungen zu treffen, die zu dieser Rally führen könnten. Umgedreht würde eine deutliche Enttäuschung wohl zu einem ganz üblen Abverkauf führen. Nur eines ist sicher: wir werden es erleben …. (HS)

Glückspielstaatsvertrag belastet bwin.party und bet at home

Gestern, knapp drei Jahre nach dem letzten Entwurf wurden die Ergebnisse der Verhandlungen zum künftigen Glückspielstaatsvertrag mit Spannung von der Branche erwartet. Wettanbieter wie bwin.party und Bet-at-Home warten schon lange auf eine Liberalisierung des europäischen Wettmarktes, wurden aber erneut enttäuscht. Zusammenfassen kann man wohl vorab das Fazit ziehen, dass auch diese Variante mal wieder ein kräftiger Schuss in den Ofen ist, und vor dem Europäischen Gerichtshof ebenso wenig Bestand haben dürfte wie das Vorgängermodell. Bereits der Glücksspielstaatsvertrag von 2008 war fernab jeglicher Realität, und für die Branche in nahezu keinem Punkt akzeptabel, das ist auch heute leider nicht anders!

Die Bundesländer wollen nach dem neuen Beschluss ab dem Jahr 2012 den milliardenschweren Sportwettenmarkt für private Anbieter wie Bwin.de zwar öffnen, jedoch ist dieser Schritt mit einigen Auflagen für die Branche verknüpft. Maximal sieben Wettfirmen sollen bundesweit eine Lizenz erhalten, diese gilt aber vorerst nur fünf Jahre, was größere Investitionen sicherlich deutlich risikoreicher gestaltet. Auch die Werbung wurde reguliert!  Trikots- und Bandenwerbung im Stadion ist erlaubt, TV-Werbespots im Umfeld von Sportsendungen sind dagegen nicht zulässig. Private Wettanbieter mit Sitz in Deutschland sollen zusätzlich zu der Besteuerung des Umsatzes nun künftig auch noch eine Konzessionsabgabe von 16,67 Prozent des Wetteinsatzes zahlen, was für die Wettanbieter konkurrenzlos teuer und uninteressant ist.

Auch gestern haben die Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder einmal eindrucksvoll bewiesen, das wir noch nicht soweit sind, mit der Globalisierung, und dem Verständnis für das Internet und dessen Funktionsweise. Es wird krampfhaft an alten Strukturen festgehalten. Der neue Glücksspielstaatsvertrag wird ebenso wie sein Vorgänger die Kunden, sprich Glücksspieler, in die Hände ausländischer Anbieter treiben, die dort ihre Wetten platzieren, und keine Strafverfolgung fürchten müssen. Die Einnahmen und Steuern der Anbieter fließen somit natürlich auch ins Ausland! Beim staatlichen Lotto-Monopol soll sich dagegen nichts ändern, hieß es weiter!

Co-CEO von bwin.party, Norbert Teufelsberger kommentierte das gestern vorgeschlagene Modell der deutschen Ministerpräsidenten so: „Die Einführung wird genauso scheitern wie das zu Ende gehende Monopol-Modell in Deutschland.“ Eine Steuer von 16% auf die Umsätze bei den Sportwetten mache es unmöglich, ein kompetitives Produkt anzubieten. „Die Entscheidung, Poker und Casino-Produkte aus dem Lizenzmodell herauszunehmen, wird die Konsumenten zudem in Richtung Schwarzmarkt treiben.

Das Flensburger Tageblatt kommentierte die Ereignisse wie folgt:

„Was die Bundesländer beim Berliner Politpoker ausgewürfelt haben, wird vor dem Europäischen Gerichtshof mit großer Wahrscheinlichkeit keine Gnade finden. Wieder einmal sind die Ministerpräsidenten zu kurz gesprungen. Schon der Glücksspielstaatsvertrag von 2008 war weltfremd, weil er die Fakten, die das Internet-Zeitalter geschaffen hat, nicht berücksichtigt: Er wurde schlicht und ergreifend von Millionen Bundesbürgern ignoriert, die ihr Glück auf ausländischen Wettplattformen suchen – mit einer Strafverfolgung müssen sie nicht rechnen. Das wird sich auch jetzt nicht ändern: Die geplante Konzessionsabgabe von 16,6 Prozent des Spieleinsatzes schmälert die Ausschüttung über Gebühr. Deshalb wird auch künftig in Wettbuden auf Malta oder Gibraltar gezockt, und die hiesigen Finanzminister schauen in die Röhre. Noch ist Zeit für Nachbesserung. So wie der Deal jetzt eingefädelt wurde, ist der neue Glücksspielstaatsvertrag nicht zustimmungsfähig. Lizenzzahl und Konzessionsabgabe wirken wie auf dem türkischen Basar ausgehandelt. Wichtig wäre eine Abgabe mit Augenmaß, die den Fiskus am milliardenschweren Wettgeschäft beteiligt und den Wettbüros und ihrer Kundschaft gleichzeitig einen echten Anreiz gibt, nach Deutschland zurückzukehren. Hier können sie dann legal spielen und neue Kundschaft werben. Das hat seinen Preis – doch der darf nicht zu hoch sein.“

Die Aktien der Wettanbieter kamen nach der gestrigen Veröffentlichung deutlich unter Druck. Ich gehe nicht davon aus das der Entwurf für den neuen Glückspielstaatsvertrag so bleiben kann, ich gehe auch nicht davon aus, dass der Kursrutsch bei den Sportwettenanbietern von Dauer sein wird, und sehe hier kurzfristig bald interessante Einstiegsmöglichkeiten in die beiden Aktien von bwin.party und bet-at-home. Genauere Informationen zu den Einzelnen Wett-Anbietern erhalten Sie auf dem Frage-Portal WettFuchs.

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