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Gewinnwarnung bei Infineon, Salzgitter… Siemens und Daimler?

Anleger ziehen sich immer weiter aus Ihren Investments zurück, die Umsätze an den Börsen sind entsprechend dünn. Zudem haben wir in den kommenden Wochen die „Saure-Gurken-Zeit“ in der viele Marktteilnehmer im Urlaub sind. Dieser Faktor dürfte die Börsenumsätze weiterhin sehr gering und die Volatilität hoch halten, was es wiederum den Kaufprogrammen der institutionellen Investoren deutlich einfacher macht den Markt in die gewünschte Richtung zu bewegen.

Auffällig ist heute dass es nun in manchen Branchen tatsächlich schon zu den ersten Gewinnwarnungen kommt. Infineon hat gestern regelrecht schockiert. Die Aktie fiel nach nun deutlich schlechterem Ausblick um über 12 Prozent. Auch bei Siemens munkelt der Markt dass das Unternehmen demnächst eine Gewinnwarnung herausgeben könnte. Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter geht nun davon aus dass man im Gesamtjahr 2012 einen Verlust in der Stahlsparte verbuchen muss, was den gesamten Stahlsektor heute belastet. Insgesamt dürfte die Reaktion auf die Salzgitter Meldung heute aber mehr als übertrieben sein. Warum man seitens des Unternehmens gerade in einem solchem Börsenumfeld eine nahezu überflüssige Warnung herausgibt darf somit durchaus gefragt werden. Ich erinnere noch einmal kurz daran dass die Salzgitter Aktie sich auf einem Sieben-Jahres-Tief befindet, und der Konzern seine Gesamtjahresprognose heute erneut bestätigt hat. Mal sehen ob wir in den kommenden Tagen hier Insiderkäufe sehen werden…?

Grundsätzlich muss man davon ausgehen dass die Eurokrise Ihre Spuren in den Bilanzen vieler Unternehmen hinterlassen haben dürfte. Somit rechnen Fachleute inzwischen auch mit einem eher verhaltenen Start in die nun bald beginnende Berichtssaison. Für viele Branchen werden die Ziele wohl leicht nach unten revidiert werden müssen, ein echter Einbruch, wie ihn uns die Medien teilweise verkaufen wollen, sieht jedoch anders aus. Aussagen wie die des Siemens Finanzvorstandes Joe Kaesser helfen nicht unbedingt um weiteres Vertrauen in deutsche Unternehmen zu schaffen. Probleme in einzelnen Abteilungen des Konzerns, die zudem wohl absehbar waren, sollten nicht so dargestellt werden als sei es in allen Bereichen grundsätzlich schwierig geworden.

Analysten reduzieren nun wieder reihenweise und teilweise sehr deutlich ihre Kursziele für Aktien die sie zuvor noch zum Kauf empfohlen haben. So auch heute geschehen bei Daimler. Der Automobilsektor gerät in den letzten Tagen zunehmend unter Beschuss. Dabei dürfte dieser wohl einer der wenigen sein der im zweiten Quartal noch hervorragende Ergebnisse liefern wird. Auch auch auf mittlere Sicht sieht es bei den deutschen Premium Herstellern weiterhin gut aus. Die heraufbeschworene Schwäche in China ist wohl eher Jammern auf sehr hohem Niveau. Die hier getroffenen Aussagen sind aus meiner Sicht eher klassischen Kontraindikationen die man in den letzten Krisen immer wieder beobachten konnte. Wir haben es grundsätzlich also mit Stimmungen zu tun die deutlich schlechter ist als die tatsächliche Lage dies erwarten lässt. Normalerweise spricht nun vieles dafür dass man sich ausgesuchte Aktien wieder ins Depot legen sollte, wären da nicht die große Unbekannten…

Endlich mal Klartext

Dax und Co. tendieren heute wieder etwas freundlicher nachdem die Vorgaben aus den USA und Asien die Gemüter wieder etwas beruhigt haben. Dennoch ist dies sicherlich kein Grund in neue Euphorie zu verfallen. Bis zum EU Gipfel bleibt die Börse extrem volatil, und auch danach zeichnet sich jetzt schon ab werden die Fronten wohl weiter verhärtet bleiben. Unsere Kanzlerin hat gestern öffentlich bekannt gegeben dass es keine gemeinsame Haftung für Schulden aller Länder geben wird solange sie lebe! Damit fühlen sich offenbar einige politische Größen Europas vor den Kopf gestoßen. Der Markt reagierte bislang aber einigermaßen verhalten auf diese definitive Absage.

Zusätzlich zu dieser verschärften und etwas ungewohnten Gangart unserer ansonsten so besonnenen Kanzlerin kann man nun immer häufiger öffentlich geführte Diskussionen über einen möglichen Ausstieg Deutschlands aus der Währungsunion in den Medien verfolgen. Grundsätzlich ein toller Gedanke, auch wenn das für unsere Wirtschaft sicherlich 2 bis 5 sehr harte Jahre bedeuten würde. Die Alternative eines weiteren Rumpolitisierens mit ungewissem Ausgang könnte unser Land aber im Gegenzug über einen viel längeren Zeitraum in die Knie zwingen. So gesehen muss man sich langsam ernsthaft die Frage stellen welche Lösung nicht nur für Deutschland sondern gerade auch für die angeschlagenen Südländer die bessere wäre, die dann einen echten Neustart wagen könnten und nicht mehr unter den Druck eines zu starken Deutschlands leiden.

Diese offenbar gezielt gestreuten medialen Ereignisse verhelfen der Kanzlerin ihre Position beim nächsten Gipfel zumindest weiter zu stärken, indem  man sozusagen indirekt einen „Plan B“ ins Spiel bringt und sich etwas weniger erpressbar macht. Leider gibt es hierzu natürlich noch keine offizielle Stellungnahme des Kanzleramtes. Ich würde mir aber wünschen dass dies zumindest in absehbarer Zeit nachgeholt wird. Eine „amtliche Prüfung“ dieser Option gibt der ganzen Diskussion um den Erhalt der Eurozone in ihrer jetzigen Form sicherlich eine neue Qualität. Wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt an dem ein Austritt Deutschlands im Sinne der deutschen Bevölkerung zumindest in Erwägung gezogen werden sollte. Mit dem gestern gesagten Satz von Angela Merkel wurde nach meinem Dafürhalten schon mal ein Schritt in die richtige Richtung unternommen.

Die Commerzbank bereitet den Boden für eine solide Zukunft

Die Commerzbank erfindet sich neu und schreckt offenbar auch vor drastischen Maßnahmen nicht mehr zurück. Gestern Abend gab das Bankhaus bekannt dass man einen grundlegenden Strategiewechsel in den Geschäftsbereichen Gewerbeimmobilien und Schiffsfinanzierung vollziehen wird. Demnach sollen diese beiden Geschäftsfelder nun vollständig abgebaute werden, da sicher gerade diese Bereiche durch die langfristige Bindung von Kapital sehr negativ auf die Liquiditätsanforderungen „Basel III“ auswirken würden. Bislang gehörte die Commerzbank zu den größten deutschen Anbietern in beiden Geschäftsbereichen. Erst während der Hauptversammlung Ende Mai hatte die Commerzbank die Komplettübernahme der Deutschen Schiffsbank vermeldet.

Die CommerzReal, eine weitere Tochter der Commerzbank, die offene Immobilienfonds anbietet, soll künftig in das Privatkundengeschäft eingegliedert werden. Insgesamt soll aber das Privatkundengeschäft im Bereich Immobilienfinanzierung weiter und unverändert bestehen bleiben. Die gewerbliche Immobilienfinanzierung und die Schiffsfinanzierung wird nun in das neue Abbausegment Non Core Assets übertragen, hieß es gestern in der offiziellen Pressemitteilung. Dieser Schritt war bereits im März beschlossen worden und wurde nun konsequent umgesetzt. Aus rechtlicher Sicht verbleibt das Immobilien- und Staatsfinanzierungsgeschäft in der Eurohypo, die voraussichtlich Ende August in „Hypothekenbank Frankfurt AG“ umbenannt werden soll.

„Strategisches Ziel ist es, die Commerzbank konsequent auf kundengetriebenes und nachhaltig profitables Kerngeschäft zu fokussieren und Risiken sowie Kapitalbindung weiter zu minimieren“, ließ Konzernchef Martin Blessing in der offiziellen Mitteilung ausrichten. Damit beschleunigt die Commerzbank den Konzernumbau und dürfte sich wohl auch in Zukunft von weiteren Aktivitäten verabschieden. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten stehen alle Geschäftsbereiche weiterhin auf den Prüfstand. Ich sehe diese Entwicklung weiterhin sehr positiv.

Martin Blessing und sein Führungsstab haben offenbar erkannt dass die Zukunft der Bank eher im klassischen Geschäftszweck eines Geldhauses liegt. Der Vergabe von Krediten an Privat- und Firmenkunden. Und nicht mehr in der Spekulation um das große Geld  in undurchsichtigen Märkten mit überhöhtem Risiko.

Wir stehen vor historischen Veränderungen

Die Märkte bleiben nervös, wie man heute wiedermal schön im DAX Chart ablesen kann. In dieser Woche gibt es gleich eine ganze Reihe kursbewegender Faktoren, die durchaus das Potenzial haben die Kurse kräftig in die ein oder andere Richtung zu treiben. Insbesondere der kommende EU Gipfel am Donnerstag und Freitag wird erneut für große Aufmerksamkeit sorgen. Nachdem auch das Treffen der Finanzminister in Luxemburg keine nennenswerten neuen Erkenntnisse gebracht hat jedoch wiedermal tolle Neuerungen sehr wage angekündigt wurden, ist die Politik nun wohl final aufgefordert endlich einen nachvollziehbaren Plan zur Lösung der Eurokrise zu liefern. Geschieht dies nicht, drohen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten. In diesem Zusammenhang darf man auch durchaus über die plötzliche Veränderung des Gesundheitszustandes des neuen/alten griechischen Ministerpräsident Antonis Samaras und seines designierter Finanzminister Vasilios Rapanos spekulieren, die wohl beide nicht an diesem Gipfel teilnehmen werden…Die Nachricht dass es keine neuen Beschlüsse zu Griechenland auf dem EU Gipfel geben werde sorgten heute bereits für einen weiteren Kursrutsch beim DAX gegen 13:00 Uhr.

 

 

Auch der Euro gerät heute früh weiterhin unter Druck und unterschreitet erneut die Marke von 1,25 Euro. Das ist insofern dramatisch weil die europäische Leitwährung in der vergangenen Woche bereits deutliche Erholungstendenzen gezeigt hatte. Kurse über 1,262 sind weiterhin grundsätzlich positiv und wären ein erstes Anzeichen dafür dass wieder verstärkt Geld ausländischer Investoren in den Euro fließt. Ich kann somit nur noch einmal darauf verweisen diese wichtige Marke genau im Auge zu behalten. Der Goldpreis hat in den letzten beiden Handelstagen der abgelaufenen Woche ebenfalls noch einmal deutlich nachgegeben. Hier war es wohl insbesondere die Enttäuschung des Marktes über das Ausbleiben einer weiteren geldpolitischen Aktion (QE3) der US Notenbank die dazu führte dass Anleger nun wieder verstärkt auf den Verkaufsknopf gedrückt haben. Dennoch bleibe ich grundsätzlich bei meiner Einschätzung dass man Goldminen Aktien nun gerade im Hinblick auf weitere Turbulenzen wieder verstärkt auf die Kaufliste setzten sollte.

Gründe für die aktuelle Marktschwäche lassen sich auch heute natürlich wieder ausreichend finden. Hauptsächlich dürften aber wohl die bislang unbestätigten Gerüchte darüber dass nun auch die erste Bank Italiens demnächst Staatshilfe beantragen könnte weiterhin für große Unsicherheit unter den Anlegern sorgen. Monte die Paschi heißt das Geldinstitut, ist die drittgrößte Bank Italiens und zudem die älteste aktive Bank der Welt. Ein weiteres trauriges Beispiel dafür wie sehr die aktuelle Krise wütet. Die Bank hat sich zuvor seit dem Jahr 1472,  also deutlich über 500 Jahre erfolgreich durch alle Unruhen manövriert. Allerdings muss man auch den Italienern eine gewisse „Verschleppungstaktik“ nachsagen, die nicht dauerhaft funktionieren konnte. Durch die neuen Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht muss das Institut seinen Eigenkapital bis Ende des Monats um 3,3 Milliarden Euro aufstocken. Sicherlich ein Umstand der nicht erst seit gestern bekannt ist…

Spanien beantragt heute nun endlich die Hilfe für das angeschlagene Banksystem des Landes. Der tatsächliche Bedarf ebenso wie die Konditionen müssen aber noch mit der Eurogruppe verhandelt werden. Bislang geht man immer noch von einem Kapitalbedarf in Höhe von 62 Milliarden Euro aus. Negative Überraschungen, bzw. eine Korrektur des Bedarfes nach oben, würden mich nicht wirklich überraschen. Die Anleihezinsen des Landes bleiben auf Rekordniveau und das belastet auch die innereuropäischen Beziehungen. Statt permanent nach Hilfe zu rufen und die Einführung von Eurobonds zu fordern, dafür aber nicht mal eine adäquate Gegenleistung zu liefern, sollte man sich wohl auch in Spanien um etwas mehr Transparenz bemühen. Vor allem aber auch bei der „Bearbeitung des Antrages“ durch die EU Kommission nicht wieder wertvolle Wochen verstreichen lassen. Das Beispiel Griechenland hat ja deutlich gezeigt dass eine schnelle Hilfe wesentlich günstiger gewesen wäre. Blanko-Schecks können aber natürlich auch nicht vom europäischen Steuerzahler gewünscht sein…

Insgesamt bleibt damit die Situation von politischer Seite unverändert angespannt. Es steht weiterhin zu befürchten dass der Markt den Druck so lange aufrecht erhalten wird bis die Politik endlich das Gewünschte liefert. Eurobonds oder die abgespeckt Version Eurobills sind sicherlich keine tragfähige Lösung – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, und schon gar nicht aus deutscher Sicht. So sehr ich mir einen Austritt Deutschlands aus der Währungsunion auch wünschen würde, wird das wohl leider nicht passieren! Am Ende bleibt also nur die EZB, die einmal mehr als Feuerwehr auftreten muss und nach meinem Dafürhalten auch wird. Die spannende Frage ist eben nur wann und in welchem Umfang. Dass wir keine weichgespülten Lösungen brauchen und Mr. Market diese auch nicht mehr akzeptiert, dürfte inzwischen jedem klar geworden sein. So gesehen wäre auch eine mögliche Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche wohl nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Finanzmärkte wollen einen echten Paukenschlag der es schafft wieder neues Vertrauen zu schaffen. Und das kann am Ende wohl nur noch die Zusage unlimitierter Anleihekäufe der Krisenstaaten sein, so sehr sich die Europäische Zentralbank auch dagegen wehren mag.

Das die EZB nun schon dazu übergegangen ist von den Banken, die ein ums andere Mal herabgestuft werden, nun Ramschanleihen oder sogenannte Junkbonds, als Sicherheiten annehmen wird und die Standards immer weiter nach unten schraubt ist wohl ein erster Schritt in diese Richtung, oder soll vielmehr im Nachhinein die rechtliche Grundlage für dieses Handeln sein. Ebenso wie die Tatsache dass unsere Regierung in mehreren Punkten gegen die Deutsche Verfassung verstoßen will, was nun von den Karlsruher Richtern zunächst verhindert wurde, sind dies grundsätzlich sehr sehr bedenkliche Entwicklungen und offenbaren einmal mehr den Ernst der Lage. Ich bin inzwischen in großer Sorge um unsere Demokratie und unsere Grundwerte. Der Euro wird über das (Wohl des) Volk(es) gestellt. Zudem wird die Währungsunion mit einem rechtlich unangreifbaren dauerhaften Rettungsfond  – nicht nur aus meiner persönlichen Sicht – im klassischen Sinne zum größten Schneeballsystem das die Welt je gesehen hat. Wie wir alle wissen funktioniert ein solches System aber nur so lange bis keiner mehr neues Geld einzahlt.

Bei all diesen negativen Aussichten möchte ich aber gegen Ende des heutigen Newsletters noch einen positiven Aspekt der kommenden Handelswoche aufnehmen. Wir haben mal wieder Quartalsende und somit steht einmal mehr das Window Dressing vieler Fondsmanager auf dem Programm. Bis zum 30.06. kann es also noch zu stärkeren Kursbewegungen bei einzelnen Aktien kommen, die die Verlustpositionen aus den Depots verbannen und die stärkeren Titel des letzten Quartals nun entsprechend aufstocken werden. Die Auswahl der starken Aktien dürfte allerdings nach dem schlechtesten Mai seit langem einigermaßen schwer fallen. Dennoch kann dies erneut dazu führen dass sich die Märkte auf diesem Niveau zumindest stabilisieren, denn insgesamt hat der Abgabedruck nun etwas nachgelassen. Ich rede hier aber nur von einer möglichen und wahrscheinlich sehr kurzzeitigen Erholung! So gesehen wird nun dem von uns aufgezeigtem negativen Szenario eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit eingeräumt:

Die Kleinanleger werden auch in den kommenden Tagen, vielleicht sogar Wochen weiterhin von Kaufprogrammen großer institutioneller Investoren hin und her getrieben. Man sollte sich also nicht der Illusion hingeben dass sich die verzwickte Situation an den Kapitalmärkten in Kürze auflösen wird. Es sei denn dass es nun wirklich gelingt die inzwischen leider notwendig gewordenen Schritte zu beschließen und auch kurzfristig umzusetzen. Aber davon ist erfahrungsgemäß leider nicht auszugehen. Der Markt hat nun offensichtlich begonnen den Zerfall der Eurozone einzupreisen. Letztlich weiß ich nicht ob ich mich darüber vielleicht sogar freuen sollte wenn dieses Ereignis eintritt. Denn der aktuelle Zustand ist einfach nicht mehr tragbar und wird die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, die wir natürlich auch bekommen wenn die Eurozone zerfällt. Nur dann gibt es irgendwann wieder eine Perspektive für alle Beteiligten und der Blick kann wieder konstruktiv nach vorne gerichtet werden.

Wir stehen somit wohl nicht nur vor einer weiteren sehr entscheidenden Woche an den Kapitalmärkten sondern möglicherweise auch unmittelbar vor historischen Veränderungen. Wie man an den heutigen Aktienkursen deutlich ablesen kann hat die europäische Politik weiter an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Offenbar rechnet niemand mehr damit dass bei diesem Gipfel nennenswerte Ergebnisse erzielt werden. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich bin trotz der nicht gerade erbaulichen Zeilen in dieser Newsletter Ausgabe nahezu unverändert investiert. Mit einem Portfolio ausgewählter Aktien fühle ich mich insofern wohl da Bargeld für mich inzwischen die schlechteste Alternativen für die kommenden Monate zu sein scheint. Die hier besprochenen Aktien der letzten Wochen bleiben weiterhin meine Favoriten um den aufziehenden Sturm an den Märkten abzuwettern. Mir bleibt an dieser Stelle nur Ihnen stets guten Entscheidungen und eine erfolgreiche Handelswoche zu wünschen. Weiter Einschätzungen zu Einzelaktien können Sie wie gewohnt auf Investors Inside nachlesen.

DAX zurück auf los – Philly FED, Spanien, Goldman Sachs und Fitch belasten

Es war wohl nicht alleine der äusserst schwache Philly Fed Index der die US Börsen gestern zum Absturz brachte, sondern mal wieder die Summe der Dinge, die den Markt gestern den „Risk Off“ Modus einschalten ließ. Zuvor hatte FED Chef Ben Bernanke nicht das erhoffte QE3 Programm ausgerufen sondern „nur“ die Operation Twist verlängert, um sich noch etwas Pulver trocken zu halten. Grundsätzlich hätte diese Maßnahme auch ausreichen können um den Markt weiter zu beruhigen, wenn nicht nahezu alle US Wirtschaftsindikatoren gerade zu diesem Zeitpunkt eingebrochen wären. Der Philly FED Index mit satten minus 16,6 Punkten ließ aber offensichtlich bei den meisten Marktteilnehmern zumindest die Alarmglocken angehen. Weitere schlechte Nachrichten brachten das Fass dann offenbar zum Überlaufen…

Die Renditen spanischer Anleihen sind auch am gestrigen Tage geradezu dramatisch weiter angestiegen. In der Folge wurde an der Wallstreet auch die Nachricht darüber dass Spanien nun mindestens 62 Milliarden Euro brauchen werde um sein marodes Bankensystem zu retten, ebenfalls nicht sehr positiv aufgenommen. Und ich mache heute schon jede Wette das es bei dieser Summe für Spaniens Banken nicht bleiben wird. Wie immer in den letzten Jahren wird dem Steuerzahler Europas die ganze Breite der Katastrophe häppchenweise serviert, um die volle Tragweite der Tragödie , vor allem aber des politischen Versagens, nicht offenbaren zu müssen. Spanien hat den offiziellen Antrag auf Hilfe immer noch nicht gestellt und pokert weiterhin um die Konditionen, ebenso wie Griechenland. Zeit spielt bei den Nehmerländern offenbar eine untergeordnete Rolle…

Heute hat sich die Ratingagentur Fitch erst einmal 15 Banken vorgeknöpft deren Bonität allesamt deutlich, um bis zu drei Stufen, abgestuft wurde. Unter den Betroffenen befindet sich nun auch der deutsche Branchenprimus, die Deutsche Bank. Das Rating für langfristige Schuldtitel ist von zuvor AA3  auf A2 gesenkt worden. Von der Herabstufung waren ebenso die Credit Suisse, UBS, HSBC, Barclays, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Credit Agricole und Societe Generale betroffen. In den USA traf es alle Großbanken wie JPMorgan, Morgan Stanley, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, in Kanada die Royal Bank of Canada. Ich halte auch diese Meldung grundsätzlich für einen möglichen Auslöser für den gestrigen Kursrutsch an den US Börsen, denn insbesondere die Abstufung der US Banken wird jenseits des Atlantiks ernster genommen als die Abstufung „unserer“ Banken in Europa. Und offenbar wussten da manche Marktteilnehmer schon vor der offiziellen Meldung mehr als andere…

 

Die Verkäufe an den US Börsen waren somit auch für mich sehr beeindruckend, da keine ernsthafte Gegenwehr der Bullen erkennbar war, und dies gerade zu einem Zeitpunkt geschehen ist an dem wohl die wenigsten Marktteilnehmer damit gerechnet haben. Vieles deutetet eigentlich auf einen weiteren Anstieg des S&P 500 bis auf 1.403 Punkte hin, bis Goldman Sachs gestern seinen Anlegern empfahl den Verkaufsknopf zu drücken. Auch dies ist ein möglicher Grund für den gestrigen Abverkauf, zumindest stimmt die zeitliche Abfolge der Ereignisse überein. Wie man sieht haben die Goldmänner immer noch einen gewissen Einfluss, trotz aller Skandale der Vergangenheit. Gerade dieser Punkt wäre aber für mich persönlich eher ein Kontraindikation der  bald wieder steigende Kurse erwarten lässt. Nicht selten entstehen solche Empfehlungen aus Eigeninteresse der Bank…

Der Dax ist damit geradezu mustergültig an der oberen Begrenzung des nun weiterhin gültigen Abwärtstrends abgeprallt. Zuvor wurde ein starkes Kaufsignal generiert das sich aus heutige Sicht natürlich als klassisches Fehlsignal interpretieren lässt. Heute muss somit erst einmal abgewartet werden ob es sich eher um ein einmaliges Ereignis handelt und der Markt sich auf diesen Niveaus wieder stabilisieren kann, oder ob wir es nun wieder mit einer generellen Trendwende zu tun haben. Dann wäre wohl auch ein Test der 5.900er Marke in naher Zukunft sehr wahrscheinlich. Grundsätzlich bleibt mit der gestrigen Kursbewegung an den US Börsen für den DAX somit weiterhin die Unterstützung bei ca. 6.230  bz. 6.200 Punkten „kriegsentscheidend“, und dürfte bereits heute wieder in den Fokus der Anleger rücken.

Commerzbank – im dritten Anlauf gescheitert, aber

Der Dax testet heute den Abwärtstrend und ist inzwischen über die obere Begrenzung ausgebrochen. Obwohl die heutige Datenlage eher gemischt war notieren auch die US Futures leicht im Plus. Aus rein charttechnischer Sicht besteht immer noch die hohe Wahrscheinlichkeit dass der S&P 500 sich weiter aufmachen wird die 1.400er Marke von unten zu testen. Genauer gesagt liegt das aktuelle Kursziel  des Index bei 1.403 Punkten. Für den DAX würde ein solcher Anstieg ein mögliches Potenzial bis zur Marke von 6.600 Punkten bedeuten. Allerdings befindet sich im Bereich um die 6.440 Punkte eine nennenswerte Hürde die es dann zuvor zu überwinden gilt.

Für die Commerzbank Aktie sieht es heute einmal mehr so aus als ob die Hürde bei 1,46 Euro überwunden werden könnte. Kurz vor 14:00 Uhr gelang dies auch. Wie bereits die zwei Male davor drehte der Aktienkurs dann aber wieder nach unten ab. Der feine Unterschied liegt heute aber darin, dass die 38 Tage Linie nun überwunden wurde, was grundsätzlich als bullishes Signal gewertet werden kann. Der MACD ebenso wie der Slow Stochstics Indikator senden ebenfalls ein kräftiges Kaufsignal. Ich gehe somit davon aus dass die Commerzbank Aktie heute ihre Bodenbildung abschließen könnte, wenn es dem DAX gelingt sich über dem Abwärtstrend zu etablieren. Die weiteren Kursziele hatten wir ihnen ja kürzlich genannt.

Grundsätzlich bleibt die Situation bei der Aktie damit die gleiche wie schon vor einer Woche. Ein Anstieg über die Marke von 1,46 Euro würde ein starkes Kaufsignal generieren, und die  Commerzbank Aktie höchstwahrscheinlich wieder schnell in den Bereich um die 1,50 Euro oder 1,59 Euro steigen lassen. Das erste „echte“ Kursziel läge dann bei 1,73 Euro. Wie schnell so eine Kursbewegung ablaufen kann haben wir ja heute morgen gesehen. Gelingt der Anstieg nun wieder nicht droht hingegen ein erneuter Rückgang des Aktienkurses bis auf 1,32 Euro. Aus rein technischer Sicht würde ich aber das positive Szenario im Moment weiterhin bevorzugen.

Kein QE3…Spanien, Einkaufsmanager, Jobdaten und Euro Spitzentreffen im Fokus

Ben Bernanke hat geliefert. Wieder einmal hat es der Notenbankchef offensichtlich geschafft genau den richtigen Ton zu treffen, bzw. dem Markt genau soviel zu geben wie nötig, aber eben auch nicht mehr. Die Ankündigung die Operation Twist bis zum Jahresende zu verlängern wird wurde zunächst gegen 18:30 Uhr positiv vom Markt aufgenommen. In Erwartung der anschließenden Rede des FED Chefs gegen 20:15 Uhr fingen die Kurse dann aber bereits an leicht zu bröckeln. Diese Entwicklung sollte aber nicht über bewertet werden, denn dafür dass offensichtlich so viel spekulatives Geld im Markt war das auf QE3 gehofft hatte fiel die Reaktion doch sehr verhalten aus. Gegen Ende der gestrigen Handelssitzung erholten sich die Kurse dann wieder, getrieben durch große Kaufprogramme im Markt.

Ben Bernanke hatte sich in seiner abschließenden Rede klar dazu bekannt weitere Anleihekäufe a la QE3 zu tätigen, falls dies notwendig werde. Vor allem die sich zuletzt weiter verschlechternde Lage in Europa belaste die Konjunkturaussichten in den USA weiterhin, hieß es. Dem müsse entschlossen entgegen getreten werden, sagte Bernanke. Neue geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank seien somit insbesondere von der Entwicklung in Europa abhängig… Das war es was der Markt hören wollte. Eine grundsätzliche Bereitschaft der FED die Geldschleusen noch einmal zu öffnen bevor es richtig eng werden könnte für die Weltkonjunktur.

Auch wenn die europäischen Märkte heute morgen nach der FED Entscheidung zu leichter Schwäche neigen besteht somit nun die durchaus berechtigte Hoffnung auf weiter steigende US Aktienkurse in den kommenden Tagen. Eine ernsthafte Sell-The-News Reaktion ist ausgeblieben, die Chance auf  das Erreichen der 1.400 Punkte Marke im S&P 500 ist somit weiterhin gegeben. Heute geht der Markt nun erst einmal wieder zum Tagesgeschäft über, und natürlich werden wir nach dem Anstieg der letzten Tage heute auch im frühen Handel wieder leichte Gewinnmitnahmen sehen. Zudem stehen einige interessante Termin auf dem Kalender.

Spanien wird sich heute erneut refinanzieren. Mit Spannung erwartet der Markt die aktuellen Konditionen die das Land bei seinen 2, 3 und 5 Jahres Auktionen erzielen wird. Ebenso wird Frankreich heute seine 3, 4, und 5-Jahres BTAN Auktionen durchführen. am Vormittag erwartet der Markt die wichtigen Einkaufsmanager Indizes aus Deutschland sowie die Europäische Leistungsbilanz. Aus den USA kommen heute wieder die neuesten Daten vom US Arbeitsmarkt um 14:30 Uhr sowie das Bloomberg Verbrauchervertrauen gegen 15:50 Uhr und die aktuellen Zahlen zum US Häusermarkt gegen 16:00 Uhr. Gegen 18:00 Uhr wird dann noch einmal EZB Präsident Mario Draghi zur aktuellen Situation in Europa Stellung nehmen. Hier hoffte der Markt immer noch auf eine neue Zinssenkung der Europäischen Zentralbank.

Der Termin des Tages bleibt aber wohl das Zusammentreffen der Finanzminister der Euroländer in Luxemburg, die insbesondere über die aktuelle Situation in Spanien und Griechenland diskutieren wollen. Von Spanien wird erwartet dass heute der offizielle Antrag auf Milliardenhilfen für die spanischen Banken aus dem Rettungsfonds EFSF gestellt wird. Aus Griechenland kommen immer noch fordernde Töne, die an dem Hauptzahlern hoffentlich weiter abprallen werden. Es verspricht also mal wieder ein sehr spannender Tag an den Börsen zu werden, mit vorerst ungewissem Ausgang. Auch wenn die Grundtendenz weiterhin positiv bleiben sollte…!

TradingUpdate Wacker Chemie, Rheinmetall, Klöckner & Co. und Lufthansa

Heute ist sicherlich einer der entscheidendsten Tage des Jahres. Wie bereits in der Wochenendausgabe unseres kostenlosen Newsletters berichtet wird der heutige Tag mit hoher Wahrscheinlichkeit die Entscheidung über den weiteren Weg von DAX und Co. bringen. Genauer gesagt werden die Aussagen der FED heute gegen 20:15 Uhr über mögliche weitere Lockerungsmaßnahmen der US Notenbank die kurzfristige Entscheidung bringen. Der Markt setzt seit mehreren Tagen auf diese Ereignis und erwartet offenbar nun QE3 oder zumindest eine Fortsetzung der Operation Twist. Sollte Ben Bernanke also tatsächlich liefern was der Markt erwartet, ist ein Ausbruch des Dax aus dem hier dargestellten Abwärtstrend sehr wahrscheinlich. Enttäuscht die FED die Erwartungen des Marktes hingegen wird dies mit entsprechenden Abschlägen quittiert, die uns dann eventuell wieder an den unteren Rand dieser Tradingrange führen könnten. Bei aller Euphorie der letzten Tage kann also ein wenig Demut nicht schaden…

 

Heute gibt es mal wieder ein paar sehr interessante Setups auf die ich an dieser Stelle gerne hinweisen möchten. Allen voran wäre da wohl die Aktie von Wacker Chemie zu nennen, die -ohne einen wirklichen Grund erkennen zu können – heute stark zulegen kann. Die Umsätze haben inzwischen deutlich zugenommen, und selbst der kleine Rücksetzer nach 13:00 Uhr wurde sofort wieder gekauft. Die kurzzeitige Schwäche würde ich also eher dem allgemein üblichen Kantinenkoma (Mittagspause) zuordnen und hier noch keinen erneuten Richtungswechsel vermuten. Sieht man sich den Chart etwas genauer an wird klar dass die Barriere bei 58,50 Euro eine entscheidende Rolle bei der weiteren Entwicklung der Aktie spielen wird. Gelingt es nun den Kurs über diese Marke zu hieven stehen weitere Gewinne bis in den Bereich 65,00 bis 67,50 Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Programm. Wir hatten ja bereits kürzlich >hier< darauf hingewiesen dass im Falle eines wieder freundlicherm Börsenumfeldes erhebliches Potenzial bei der Aktie besteht. Zumindest aus der fundamentalen Betrachtung wäre dies wohl auch allemal gerechtfertigt.

Ebenfalls wieder deutlich zulegen kann heute die Aktie des Stahlhändlers Klöckner & Co. Heute ist der Ausbruch über die Marke bei 8,20 Euro geglückt und somit der Weg zumindest frei bis zu der immer noch offenen Kurslücke bei 9,- Euro. Wie hier bereits mehrfach beschrieben notiert die Aktie weiterhin unter dem Cash Bestand des Unternehmens, und ist somit aus meiner persönlichen Sicht ein klarer Kauf. Die kürzlich bekanntgegebene Expansion in den USA sollte sich zudem bald auszahlen. Mit dem neuen Werk will der Konzern verstärkt in das Zulieferergeschäft für Automobilhersteller einsteigen. Wer diesen Blog schon länger liest weiß das ich davon ausgehe dass der Automoblilzyklus noch lange nicht beendet ist…!

Bei der Lufthansa Aktie konnten wir in den vergangenen Tagen einen schönen Rebound beobachten, der die Aktie ausgehend von den Jahrestiefstständen nun wieder deutlich freundlicher tendieren lässt. Zuletzt haben sich die Analystenstimmen gehäuft die der Lufthansa Aktie wieder deutlich höhere Kurse zutrauen. Das hilft sicherlich, letztlich wird sich die Situation aber hier wohl erst so richtig entspannen wenn der Aktienkurs wieder über der Marke von 9,40 Euro notiert. Dennoch sollte man nun unbedingt dabeibleiben denn so günstig wie in der vergangenen Woche dürfte man das Papier nun nicht mehr bekommen. Der weiter fallende Ölpreis dürfte hier ebenfalls positiv auf die kommenden Bilanzen wirken. Mein persönliches Kursziel bleibt bei 12,- Euro wenn sich abzeichnet dass die Euro Krise beendet werden kann.

Am Ende bleibt mir nur zu hoffen dass Sie unsere Einschätzung zur Rheinmetall Aktie in den vergangene Wochen aufmerksam gelesen haben. Die Aktie hat sich hervorragend entwickelt und sollte dies auch weiterhin tun. Selbst ein Rücksetzer im Falle einer Enttäuschung durch die FED sollte nun nicht mehr allzu dramatische Auswirkungen auf den Aktienkurs haben, bzw. eher als Nachkaufgelegenheit betrachtet werden. Ich gehe weiterhin davon aus dass Kurse unter 40,- Euro immer noch gute Kaufkurse sind, und wir zum Jahresende deutlich höher stehen werden. In Kürze wird zudem eine Ankündigung des Unternehmens erwartet wann genau die hochprofitable Automobilsparte nun an die Börse gebracht wird. das könnte in einem weiterhin positiven Börsenumfeld noch einmal ein echter Turbo für die Rheinmetall Aktie werden.

G20 Gipfel – Die Saat für eine europaweite Erholung wurde gelegt

Soviel (Zweck-) Optimismus wurde nach einem G20 Treffen schon lange nicht mehr verbreitet. Alle Beteiligten zeigten sich mit den Ergebnissen des Gipfels sehr zufrieden. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, nahm ein „Gefühl der Annäherung“ vom Gipfel der größten Industrie- und Schwellenländer In Los Cabos mit, wie es in der Presse hieß, betonte aber auch dass es noch eine ganze Reihe von Aufgaben zu bewältigen gäbe, und man einen Schritt nach dem anderen gehen müsse. Letztlich fiel auf dass das Wort „Hoffnung“ in Ihren Aussagen immer wieder vorkam…

Auch die Kanzlerin zeigt sich optimistisch über die Ergebnisse des Gipfels. Insbesondere die Tatsache dass Deutschland nicht die Rolle des Sündenbocks zugewiesen bekam dürfte unsere Staatsführung erfreut haben. Viel mehr hagelte es Lob für die besonnene Vorgehensweise von den Amerikanern. Ein Satz fiel hier besonders ins Auge: „Der Rahmen, an dem die Europäer arbeiteten, laufe auf eine viel schlagkräftigere Antwort hinaus als bisher ins Auge gefasst, sagte ein beteiligter US-Beamter, der anonym bleiben wollte. Was auch immer das heißen soll, es hört sich zumindest erst einmal beruhigend an 😉

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso forderte auf dem Gipfel eine globale Finanztransaktionssteuer, will die Einnahmen daraus aber nicht etwa zur Deckung von Schulden oder gar künftige Rettung von Banken verwenden, sondern diese lieber in die Entwicklungshilfe stecken. Ein sicherlich ehrenwerter Gedanke, den ich aber an dieser Stelle doch zumindest komisch finden darf, da diese Steuer damit wohl wieder einmal direkt vor der Einführung an dem geplanten Sinn und Zwecke vorbei eingeführt würde. Unabhängig davon dass ich ein Befürworter einer Ausweitung der Entwicklungshilfe bin sollten wir den Fokus doch erst einmal auf die Stabilisierung der Eurozone legen damit wir auch morgen noch etwas Geld für die ärmeren Länder übrig habe und nicht selbst irgendwann hilfsbedürftig werden.  Natürlich  ist vor allem Großbritannien weiterhin dagegen, was man aus sich der Briten auch   nachvollziehen kann. Eine globale Transaktionssteuer würde die Briten wohl mangels alternativer Einnahmequellen in eine schwere Krise stürzen.

Aus der Abschlusserklärung des Gipfels ging dann letztlich hervor dass die Europäer die Einführung einer Bankenunion, mit dem Ziel einer „integrierten Finanzarchitektur“ planen würden. Konkrete Schritte wollen die EU-Staaten bei ihrem Gipfel Ende kommender Woche vereinbaren. Man darf also durchaus gespannt sein ob es gelingt dieses Mal dann auch den schönen Worten „echte“ Taten folgen zu lassen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, natürlich würde ich mir wünschen dass sich nun endlich mal etwas bewegt, so richtig glauben kann ich es aber noch nicht. Dazu hat uns die Politik in den letzten Monaten zu oft bewiesen dass sie eben nicht in der Lage ist gemeinschaftliche und schnelle Entscheidungen zu treffen, und diese auch im Sinne des europäischen Gedanken umzusetzen.

Commerzbank – das Falsche zur falschen Zeit…

Die Commerzbank Aktie kommt einfach nicht zur Ruhe. Das ist an einem Tag wie heute besonders tragisch, da die Aktie zum Handelsbeginn bereits deutlich im Plus notierte und die wichtige Marke von 1,47 Euro getestet hat. Die weiterhin unklare Situation in Griechenland ebenso wie die immer noch steigenden Renditen spanischer Anleihen und der Hilferuf der dortigen Regierung haben heute erneut deutlich negative Auswirkungen auf die Finanz-Aktien. Hinzu kommt noch dass die Aussagen des Chefvolkswirts der Commerzbank, Jörg Krämer, nicht gerade als vertrauensbildende Maßnahme bezeichnet werden können.

Ich frage mich persönlich an solchen Tagen immer wieder wie man als „Chefvolkswirt“ so ein schlechtes Timing haben kann. Der Mann mag ja Recht haben das Timing ist aber besch…und die Aussage ansich zum jetzigen Zeitpunkt wenig hilfreich, da das geschilderte Szenario wohl auch deutliche Auswirkungen auf sein Geldinstitut haben dürfte. Leider sind solche Fehlgriffe ja in den letzten Wochen bei Politikern und Fachleuten keine Seltenheit…Charttechnisch hat sich das Bild bei der Commerzbank Aktie damit heute mal wieder etwas eingetrübt. Die Chance auf eine Stabilisierung wurde vertan.

Grundsätzlich bleibt die Situation bei der Aktie aber die gleiche wie schon vor einer Woche. Ein Anstieg über die Marke von 1,47 Euro würde ein starkes Kaufsignal generieren, und die Aktie höchstwahrscheinlich wieder schnell in den Bereich um die 1,50 Euro oder 1,59 Euro steigen lassen. Das Kursziel läge dann bei 1,73 Euro. Wie schnell so eine Kursbewegung ablaufen kann haben wir ja heute morgen gesehen.Weitere Enttäuschungen des Marktes durch den G20 Gipfel oder die FED am Mittwoch hingegen rücken die Unterstützung bei 1,25 Euro dann wieder in den Fokus der Anleger. Aus rein technischer Sicht würde ich das positive Szenario im Moment weiterhin bevorzugen.

Der DAX hat nun das Potenzial sich bis auf 6.400 Punkte zu erholen, auch wenn sich die  Situation in Europa nicht grundlegend geändert hat. Dennoch dürfte der Wahlausgang in Griechenland reichen um die Panik vor einem Zusammenbruch in Europa inklusive Bank Run vorerst zu beenden. In gleichem Umfang sollte dann auch die Commerzbank Aktie von diesem Szenario profitieren können, wenn nicht wieder irgendwer vor die Kamera tritt und das Falsche zur falschen Zeit von sich gibt. Kurzfristig steht nun wieder einmal die wichtige Marke bei 1,40 Euro als Hürde auf dem Plan. Erst ab Kursen um die 1,46 Euro kann man dann von einer Bodenbildung sprechen. Commerzbank Aktionäre brauchen weiterhin ein dickes Fell…

Griechenland hat gewählt – G20 und FED im Fokus

Eine Reihe guter Nachrichten sorgen in der abgelaufenen Handelswoche, in Verbindung mit freundlichen Vorgaben von der Wallstreet, wieder für etwas mehr Kauflaune bei den Anlegern. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Meldungen: Mario Monti hat sich zu Wort gemeldet und ganz ausdrücklich darauf verwiesen dass Italien keinen Rettungsschirm brauchen werde, das haben wir allerdings zuvor schon von verschiedenen anderen Staaten gehört, die dann doch Hilfe beantragen mussten. Grundsätzlich ist die Situation in Italien aber eine andere als in Spanien, was nicht heißen soll dass eine Eskalation der Krise in Europa das Land nicht doch in Schwierigkeiten bringen könnte. Genau dieses Szenario sieht der Markt offensichtlich weiterhin kommen, was sich in den weiter steigenden Zinskonditionen der letzten Anleiheauktionen wiederspiegelt.

Ebenso wie in Italien hat sich die Lage für Spanien auf den Anleihemarkt erneut zugespitzt. Wie auch in der letzten Krise haben bei dieser Entwicklung die Urteile der Ratingagenturen ganz wesentlich dazu beigetragen. Während sich die Kreditkonditionen für das Rettungspaket der spanischen Banken  also immer freundlicher gestalten, wird es für den spanischen Staat weiterhin eng. Das grundsätzliche Problem des Landes bleibt aber die mangelnde Glaubwürdigkeit der europäischen Politiker und man sollte sich wohl nicht dem Trugschluss hingeben dass selbst eine mögliche, konzertierte Aktion der Notenbanken, nach den griechischen Wahlen, daran mittelfristig etwas ändern wird.

Das was zu befürchten war tritt nun offenbar schneller ein als uns Steuerzahlern lieb sein kann. Die Wahrscheinlichkeit für eine vergemeinschaftete Haftung der Schulden aller europäischer Länder ist in meinen Augen nun noch einmal deutlich gestiegen. Der internationale Druck auf Kanzlerin Merkel stieg ebenfalls in den letzten Tagen signifikant an. Auch die zuvor festgezurrten Konditionen für Griechenland könnten demnächst somit zumindest etwas „aufgeweicht“ werden. In der vergangenen Woche konnte man bereits von Blanko-Zusagen  über Neuverhandlungen der Konditionen in der Presse lesen. Die Angst vor einer unkontrollierten Eskalation der Krise geht um, das ist deutlich spürbar. Der harte Sparkurs, den der Kanzlerin in den letzten Monaten vertreten hat, ist damit wohl schon bald passé, bzw. lässt sich in dieser Form einfach nicht mehr länger aufrecht erhalten.

Grundsätzlich ist der Gedanke einer gesunden Mischung aus Sparpolitik und Wachstumsprogrammen ja auch nicht so verkehrt. Diese Ereignisse zeigen aber leider auch, dass Europa in gewisser Weise offensichtlich erpressbar geworden ist, sei es durch aussenpolitischen Druck, die Macht der Finanzmärkte oder schlicht und ergreifend getrieben durch die Angst des Unvorhersehbaren im Falle eines griechischen Austritts, oder einer weiteren Schieflache Spaniens. Am Ende bleibt auch aus meiner persönlichen Sicht weiterhin eher der Eindruck eines planlosen Rumgewurschtels als das Gefühl dass hier an einem echten Konzept gearbeitet wird. Es steht zu befürchten das dass Spiel auf Zeit somit in eine weitere Runde geht, die erneut sehr teuer werden dürfte. Der endgültige Ausgang dieses Dramas bleibt aber trotz dieser erkauften Zeit mehr als ungewiss.

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema…Die Griechen haben gewählt, wird es heute Abend heißen. Gegen 21:00 Uhr wird mit den ersten ernstzunehmenden Hochrechnungen für das amtliche Wahlergebnis gerechnet. Ich bin mir inzwischen gar nicht mehr so sicher welches Ergebnis für wen das beste wäre, und vor allem welche Reaktion an den Finanzmärkten morgen wirklich zu erwarten ist. Der Markt hat in den letzten beiden Handelstagen offensichtlich auf einen positiven Ausgang – in welcher Form auch immer – gesetzt. Nur was wäre eigentlich ein positiver Ausgang? Ein Verbleib der Griechen im Euro-Raum oder eher der Austritt? Wie wir alle wissen gehen die Meinungen bei der Beantwortung dieser Frage weit auseinander. Die spannende Frage ist also was erwarte der Markt? Glaubt man den ersten Hochrechnungen dann steuert das Land erneut auf ein Patt-Situation zu, was wahrscheinlich die schlechteste aller Alternativen ist…

Sieht man sich die Schlusskurse an der Wallstreet am Freitag an stellt sich zwangsläufig die Frage welches der beiden möglichen Szenarien hier nun eingepreist wurde, und ob sich diese Entwicklung ab Montag fortsetzen kann, oder wir genau das Gegenteil erleben werden. Auch ich wage hier keine Prognosen mehr und konzentriere mich weiterhin einfach auf meine Anlagestrategie der letzten Wochen, die ich aber jederzeit revidieren werden, wenn es die Situation erfordert sollte. Noch bin ich verhalten optimistisch, da ich grundsätzlich glaube dass das Thema Griechenland nun weitestgehend eingepreist sein sollte, WENN es ein Wahlergebnis gibt! Das überraschende Moment sehe ich hier somit eher auf der positiven Seite. Bleibt es aber beim Patt und kommt erneut keine Regierungsbildung in Griechenland zustande, bleibt höchstwahrscheinlich auch die Ungewissheit und damit dann wohl auch die Turbulenzen an den Märkten. Ich stelle hier noch einmal kommentarlos den DAX Chart der letzten Woche ein, denn beide möglichen Szenarien sind weiterhin denkbar. Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt mein „Spielplan“ unverändert.

Es gibt aber auch noch zwei weitere Ereignisse in der kommenden Woche die durchaus das Potenzial haben die Aktienkurse nachhaltig zu beeinflussen. Zum einen wäre da das G 20 Treffen von dem der Markt nun wirkliche Lösungsansätze erwartet. Sollte auch hier ausser einem netten Treffen bei gutem Essen und Getränken wieder nichts handfestes herauskommen, besteht nach meinem Empfinden die ersthafte Gefahr dass der Markt weiterhin eine Lösung erzwingen wird. Sprich die Kurse werden auch dann weiter fallen und damit wird sich zu allem Übel auch noch die konjunkturelle Lage solange weiter eintrüben, bis irgendwann die große Keule ausgepackt werden muss die diese Krise beendet. Diese Rolle dürfte dann wohl wieder mal nur noch die EZB übernehmen können. Das zweite Ereignis ist natürlich die FED Sitzung am Mittwoch. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus dass es nun zu weiteren geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der FED kommen MUSS.

Die letzten Konjunkturdaten aus den USA sprechen – bis auf wenige Ausnahmen – eine deutliche Sprache. Bis auf den Häusermarkt, der die Talsohle nun offenbar durchschritten hat deutet vieles darauf hin dass die bisherigen Maßnahmen QE1, QE2 und Operation Twist noch nicht den gewünschten Effekt erzielt haben. Somit, und insbesondere im Hinblick auf die bald stattfindenden US Präsidentschaftswahlen, ist die Wahrscheinlichkeit also durchaus sehr hoch dass die Geldschleusen nun noch einmal geöffnet werden. Das würde dann, neben einem wieder deutlich anziehenden Goldpreis, auch die Aktienmärkte regelrecht beflügeln. Wie immer wenn die Mehrheit ein solches Ereignisse erwartet, und der Markt anfängt diese bereits im Vorfeld einzupreisen, ist aber auch eine gewisse Vorsicht geboten. Liefert die FED nicht besteht hier wohl das größte Enttäuschungspotenzial für den Markt.

Wir stehen also wohl vor einer historischen Woche die das Zeug hat die Finanzwelt nachhaltig zu verändern – im Guten wie im Schlechten. Ich wage an dieser Stelle keine Prognosen mehr, werde aber den Markt noch intensiver als sonst beobachten und ggf. schnell reagieren wenn sich das große Geld in Bewegung setzt. Wir erwarten in den nächsten drei Tagen drei sehr entscheidende Ereignisse, und wahrscheinlich kann man erst ab Donnerstag eine wirkliche Neueinschätzung der Situation treffen, was ich im Blog auch zu gegebener Zeit tun werde. Bis dahin wünsche ich Ihnen gute Entscheidungen und eine erfolgreiche Börsenwoche.

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Die Welt bereitet sich auf das griechische „Endgame“ vor…

Während die griechischen Bürger weiterhin ihre Konten plündern und noch schnell versuchen zu retten was zu retten ist bereitet sich die internationale Finanzwelt ebenfalls auf den möglichen griechischen Exitus in der Eurozone vor. Gestern wurde bereits bekannt dass sich die Notenbanken weltweit nun offenbar zu einer konzertierten Aktion nach den griechischen Wahlen verabredet haben um den Markt im Falle eines „falschen“ Wahlausgangs dann massiv mit Geld zu fluten. Diese Nachricht löste dann auch den Kursschub an der Wallstreet aus der alle Indizes am Ende des Tages deutlich im Plus schließen ließ. Zuvor drohten die Indizes bereits wieder nach unten abzukippen. Der Zeitpunkt der Meldung ist hier in den Charts deutlich zu erkennen.

Die Nervosität an den Märkten dürfte denn auch heute weiterhin hoch bleiben. Der dreifache Verfallstag oder auch Hexensabbat genannt, geht heute in die finale Phase. Noch vor dem Schicksalswochenende der Eurozone können oder müssen sich die Halter von Futures und Optionen nun für die wahrscheinlichste Richtung der Indizes in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden. Keine leichte Aufgabe unter den gegebenen Umständen! Ich habe ja bereits in der letzten Investors Inside Newsletter Ausgabe meine Vermutungen dazu geäussert dass es nun für die Bären sehr gefährlich werden könnte. Diese dürften auch auf entsprechend hohen Gewinnen sitzen die es nun zu sichern gilt. Die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsieges der Nea Demokratia ebenso wie die mögliche Intervention der weltweiten Notenbanken könnten jederzeit eine Rally auslösen die diese Gewinne wieder vernichtet.

Der angenommene Wahlsieg der Euro Befürworter in Griechenland war es dann auch der die Aktienkurse in Athen gestern geradezu explodieren ließ. Am Nachmittag hatten sich Gerüchte durchgesetzt, dass die griechischen Wahlen am Wochenende eine ausreichende Mehrheit für die Befürworter der Euro- und Sparpolitik bringen werden. Insbesondere die griechischen Bankaktien hausierten daraufhin und legten um 20 bis 25 Prozent zu. Der griechische Leitindex konnte in der gesamten Breite um satte 10 Prozent zulegen. Dies war wohl ein leichter Vorgeschmack dessen was die Aktienmärkte in den kommenden Tagen erwarten könnte. Die Schwankungsbreite dürfte heute und auch am Montag noch einmal deutlich zunehmen.

Es ist also gerade für beide Seiten wohl nicht ganz ungefährlich investiert zu sein, insbesondere in gehebelten Anlageprodukten. Bereits eine Nachricht kann ausreichen um große Bewegungen in den internationalen Indizes auszulösen, mit entsprechenden Folgen für das Depot. Ich sehe die Vorteile inzwischen wieder auf der Seite der Bullen und rechne für heute eher mit weiteren Eindeckungskäufen. Die wichtigsten Notenbanken der Welt werden G20-Kreisen zufolge noch am kommenden Sonntag nach der Parlamentswahl in Griechenland gegebenenfalls eingreifen um eine mögliche Kreditklemme zu verhindern. Das sollte nun erste einenmal den größten Druck für den kommenden Montag aus dem Markt nehmen, ob die geplanten Maßnahmen dann allerdings reichen werden (für was auch immer)  bleibt weiterhin fraglich…!

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