Wir stehen vor historischen Veränderungen

Die Märkte bleiben nervös, wie man heute wiedermal schön im DAX Chart ablesen kann. In dieser Woche gibt es gleich eine ganze Reihe kursbewegender Faktoren, die durchaus das Potenzial haben die Kurse kräftig in die ein oder andere Richtung zu treiben. Insbesondere der kommende EU Gipfel am Donnerstag und Freitag wird erneut für große Aufmerksamkeit sorgen. Nachdem auch das Treffen der Finanzminister in Luxemburg keine nennenswerten neuen Erkenntnisse gebracht hat jedoch wiedermal tolle Neuerungen sehr wage angekündigt wurden, ist die Politik nun wohl final aufgefordert endlich einen nachvollziehbaren Plan zur Lösung der Eurokrise zu liefern. Geschieht dies nicht, drohen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten. In diesem Zusammenhang darf man auch durchaus über die plötzliche Veränderung des Gesundheitszustandes des neuen/alten griechischen Ministerpräsident Antonis Samaras und seines designierter Finanzminister Vasilios Rapanos spekulieren, die wohl beide nicht an diesem Gipfel teilnehmen werden…Die Nachricht dass es keine neuen Beschlüsse zu Griechenland auf dem EU Gipfel geben werde sorgten heute bereits für einen weiteren Kursrutsch beim DAX gegen 13:00 Uhr.

 

 

Auch der Euro gerät heute früh weiterhin unter Druck und unterschreitet erneut die Marke von 1,25 Euro. Das ist insofern dramatisch weil die europäische Leitwährung in der vergangenen Woche bereits deutliche Erholungstendenzen gezeigt hatte. Kurse über 1,262 sind weiterhin grundsätzlich positiv und wären ein erstes Anzeichen dafür dass wieder verstärkt Geld ausländischer Investoren in den Euro fließt. Ich kann somit nur noch einmal darauf verweisen diese wichtige Marke genau im Auge zu behalten. Der Goldpreis hat in den letzten beiden Handelstagen der abgelaufenen Woche ebenfalls noch einmal deutlich nachgegeben. Hier war es wohl insbesondere die Enttäuschung des Marktes über das Ausbleiben einer weiteren geldpolitischen Aktion (QE3) der US Notenbank die dazu führte dass Anleger nun wieder verstärkt auf den Verkaufsknopf gedrückt haben. Dennoch bleibe ich grundsätzlich bei meiner Einschätzung dass man Goldminen Aktien nun gerade im Hinblick auf weitere Turbulenzen wieder verstärkt auf die Kaufliste setzten sollte.

Gründe für die aktuelle Marktschwäche lassen sich auch heute natürlich wieder ausreichend finden. Hauptsächlich dürften aber wohl die bislang unbestätigten Gerüchte darüber dass nun auch die erste Bank Italiens demnächst Staatshilfe beantragen könnte weiterhin für große Unsicherheit unter den Anlegern sorgen. Monte die Paschi heißt das Geldinstitut, ist die drittgrößte Bank Italiens und zudem die älteste aktive Bank der Welt. Ein weiteres trauriges Beispiel dafür wie sehr die aktuelle Krise wütet. Die Bank hat sich zuvor seit dem Jahr 1472,  also deutlich über 500 Jahre erfolgreich durch alle Unruhen manövriert. Allerdings muss man auch den Italienern eine gewisse „Verschleppungstaktik“ nachsagen, die nicht dauerhaft funktionieren konnte. Durch die neuen Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht muss das Institut seinen Eigenkapital bis Ende des Monats um 3,3 Milliarden Euro aufstocken. Sicherlich ein Umstand der nicht erst seit gestern bekannt ist…

Spanien beantragt heute nun endlich die Hilfe für das angeschlagene Banksystem des Landes. Der tatsächliche Bedarf ebenso wie die Konditionen müssen aber noch mit der Eurogruppe verhandelt werden. Bislang geht man immer noch von einem Kapitalbedarf in Höhe von 62 Milliarden Euro aus. Negative Überraschungen, bzw. eine Korrektur des Bedarfes nach oben, würden mich nicht wirklich überraschen. Die Anleihezinsen des Landes bleiben auf Rekordniveau und das belastet auch die innereuropäischen Beziehungen. Statt permanent nach Hilfe zu rufen und die Einführung von Eurobonds zu fordern, dafür aber nicht mal eine adäquate Gegenleistung zu liefern, sollte man sich wohl auch in Spanien um etwas mehr Transparenz bemühen. Vor allem aber auch bei der „Bearbeitung des Antrages“ durch die EU Kommission nicht wieder wertvolle Wochen verstreichen lassen. Das Beispiel Griechenland hat ja deutlich gezeigt dass eine schnelle Hilfe wesentlich günstiger gewesen wäre. Blanko-Schecks können aber natürlich auch nicht vom europäischen Steuerzahler gewünscht sein…

Insgesamt bleibt damit die Situation von politischer Seite unverändert angespannt. Es steht weiterhin zu befürchten dass der Markt den Druck so lange aufrecht erhalten wird bis die Politik endlich das Gewünschte liefert. Eurobonds oder die abgespeckt Version Eurobills sind sicherlich keine tragfähige Lösung – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, und schon gar nicht aus deutscher Sicht. So sehr ich mir einen Austritt Deutschlands aus der Währungsunion auch wünschen würde, wird das wohl leider nicht passieren! Am Ende bleibt also nur die EZB, die einmal mehr als Feuerwehr auftreten muss und nach meinem Dafürhalten auch wird. Die spannende Frage ist eben nur wann und in welchem Umfang. Dass wir keine weichgespülten Lösungen brauchen und Mr. Market diese auch nicht mehr akzeptiert, dürfte inzwischen jedem klar geworden sein. So gesehen wäre auch eine mögliche Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche wohl nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Finanzmärkte wollen einen echten Paukenschlag der es schafft wieder neues Vertrauen zu schaffen. Und das kann am Ende wohl nur noch die Zusage unlimitierter Anleihekäufe der Krisenstaaten sein, so sehr sich die Europäische Zentralbank auch dagegen wehren mag.

Das die EZB nun schon dazu übergegangen ist von den Banken, die ein ums andere Mal herabgestuft werden, nun Ramschanleihen oder sogenannte Junkbonds, als Sicherheiten annehmen wird und die Standards immer weiter nach unten schraubt ist wohl ein erster Schritt in diese Richtung, oder soll vielmehr im Nachhinein die rechtliche Grundlage für dieses Handeln sein. Ebenso wie die Tatsache dass unsere Regierung in mehreren Punkten gegen die Deutsche Verfassung verstoßen will, was nun von den Karlsruher Richtern zunächst verhindert wurde, sind dies grundsätzlich sehr sehr bedenkliche Entwicklungen und offenbaren einmal mehr den Ernst der Lage. Ich bin inzwischen in großer Sorge um unsere Demokratie und unsere Grundwerte. Der Euro wird über das (Wohl des) Volk(es) gestellt. Zudem wird die Währungsunion mit einem rechtlich unangreifbaren dauerhaften Rettungsfond  – nicht nur aus meiner persönlichen Sicht – im klassischen Sinne zum größten Schneeballsystem das die Welt je gesehen hat. Wie wir alle wissen funktioniert ein solches System aber nur so lange bis keiner mehr neues Geld einzahlt.

Bei all diesen negativen Aussichten möchte ich aber gegen Ende des heutigen Newsletters noch einen positiven Aspekt der kommenden Handelswoche aufnehmen. Wir haben mal wieder Quartalsende und somit steht einmal mehr das Window Dressing vieler Fondsmanager auf dem Programm. Bis zum 30.06. kann es also noch zu stärkeren Kursbewegungen bei einzelnen Aktien kommen, die die Verlustpositionen aus den Depots verbannen und die stärkeren Titel des letzten Quartals nun entsprechend aufstocken werden. Die Auswahl der starken Aktien dürfte allerdings nach dem schlechtesten Mai seit langem einigermaßen schwer fallen. Dennoch kann dies erneut dazu führen dass sich die Märkte auf diesem Niveau zumindest stabilisieren, denn insgesamt hat der Abgabedruck nun etwas nachgelassen. Ich rede hier aber nur von einer möglichen und wahrscheinlich sehr kurzzeitigen Erholung! So gesehen wird nun dem von uns aufgezeigtem negativen Szenario eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit eingeräumt:

Die Kleinanleger werden auch in den kommenden Tagen, vielleicht sogar Wochen weiterhin von Kaufprogrammen großer institutioneller Investoren hin und her getrieben. Man sollte sich also nicht der Illusion hingeben dass sich die verzwickte Situation an den Kapitalmärkten in Kürze auflösen wird. Es sei denn dass es nun wirklich gelingt die inzwischen leider notwendig gewordenen Schritte zu beschließen und auch kurzfristig umzusetzen. Aber davon ist erfahrungsgemäß leider nicht auszugehen. Der Markt hat nun offensichtlich begonnen den Zerfall der Eurozone einzupreisen. Letztlich weiß ich nicht ob ich mich darüber vielleicht sogar freuen sollte wenn dieses Ereignis eintritt. Denn der aktuelle Zustand ist einfach nicht mehr tragbar und wird die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, die wir natürlich auch bekommen wenn die Eurozone zerfällt. Nur dann gibt es irgendwann wieder eine Perspektive für alle Beteiligten und der Blick kann wieder konstruktiv nach vorne gerichtet werden.

Wir stehen somit wohl nicht nur vor einer weiteren sehr entscheidenden Woche an den Kapitalmärkten sondern möglicherweise auch unmittelbar vor historischen Veränderungen. Wie man an den heutigen Aktienkursen deutlich ablesen kann hat die europäische Politik weiter an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Offenbar rechnet niemand mehr damit dass bei diesem Gipfel nennenswerte Ergebnisse erzielt werden. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich bin trotz der nicht gerade erbaulichen Zeilen in dieser Newsletter Ausgabe nahezu unverändert investiert. Mit einem Portfolio ausgewählter Aktien fühle ich mich insofern wohl da Bargeld für mich inzwischen die schlechteste Alternativen für die kommenden Monate zu sein scheint. Die hier besprochenen Aktien der letzten Wochen bleiben weiterhin meine Favoriten um den aufziehenden Sturm an den Märkten abzuwettern. Mir bleibt an dieser Stelle nur Ihnen stets guten Entscheidungen und eine erfolgreiche Handelswoche zu wünschen. Weiter Einschätzungen zu Einzelaktien können Sie wie gewohnt auf Investors Inside nachlesen.

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