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Trendwende beim Euro? – Gold-Anleger zeigen Nerven

Gestern war mal wieder ein äusserst interessanter Börsentag. Nicht nur die Rally bei BMW war beindruckend, sondern die Reaktion des Marktes auf ein Ereignis das längst eingepreist sein sollte. Janet Yellen hat wie erwartet das Tapering-Program Ihres Vorgängers, mit einer Reduktion um weitere 10 Milliarden Dollar fortgeführt, womit die monatlichen Wertpapierkäufe der FED nun inzwischen auf 55 Milliarden Dollar geschrumpft sind. Das war so erwartet worden und dennoch gab es kräftige Kursbewegungen im Anschluss an Ihre Rede. Die US Indizes gaben nach und konnten diese Bewegung auch (ausnahmsweise) nicht bis zum Handelsende wieder ausbügeln, auch wenn hart daran „gearbeitet“ wurde! Gold erhielt einen kräftigen Dämpfer und fiel deutlich, was aus meiner persönlichen Sicht genauso viel Sinn macht wie ein immer noch unnatürlich starker Euro.

Apropos Euro… eigentlich weiß niemand so genau warum der Euro in der letzten Zeit eine so deutliche Stärke gegenüber dem Dollar zeigt. Viele Fachleute zermartern sich den Kopf darüber aber niemand scheint eine wirklich passende Antwort auf dieses Phänomen zu haben, und spätestens seit dem Ausbruch der Krim Krise fehlen den meisten Analysten jegliche Worte über die dennoch weiter steigende europäische Währung. Da ist der Erklärungsversuch von Wirtschafsweisen Peter Bofinger noch der plausibelste. Bofinger verglich Anleger schlicht mit einer Schafherde die in eine Richtung läuft bis die gesamte Herde dann irgendwann wieder die Richtung ändert. Nicht unbedingt die Weisheit schlechthin, aber es ist wohl so – im Übrigen ein Phänomen dass man auch bei vielen Aktien beobachten kann. Fundamentale Bewertungen spielen eine eher untergeordnete Rolle…!

Chart EUR-USD langfristig

Letztlich hat sich der Euro nun endgültig als eine der drei oder vier wichtigsten Weltwährung etabliert, die aus meiner persönlichen Sicht momentan einfach so stark ist, weil fast alle anderen Währungen immer schwächer werden. Der Euro scheint also momentan noch die beste Option von allen möglichen zu sein, was sich seit gestern aber wieder etwas zu Gunsten des Dollar verlagert hat. Es ist langfristig betrachtet also eher die Wahl zwischen Pest und Cholera und man darf durchaus gespannt sein wann und ob die Schafherde die Richtung wieder wechseln wird. Nach der Notenbank Sitzung gestern gab es den ersten nennenswerten Rücksetzer beim Euro, der angesichts der charttechnischen Lage unbedingt intensiv beobachtet werden sollte.

Dieser Gedanke bringt mich letztlich wieder zurück zum Gold, der Weltwährung die im Gegensatz zu allen Papierwährungen dieser Welt langfristig immer einen gewissen Wert behält. Gold verlor gestern erneut deutlich, was ebenso irrational sein dürfte wie die Stärke des Euro. Anleger „befürchten“ ein Ende der bisherigen Zinspolitik, nachdem Janet Yellen angedeutet hat, dass man die Zinsen eventuell in der ersten Jahreshälfte 2015 anheben könnte, wenn der Arbeitsmarkt und die Inflationsraten mitspielen!

Für meinen Geschmack enthalten solche Sätze doch etwas viele Variable auf die man keinesfalls eine Anlagestrategie aufbauen sollte. Jedem aufmerksamen Beobachter dürfte auch klar sein, das Zinserhöhungen dann nur in sehr homöopathischen Dosen erfolgen können und somit auch die möglichen Auswirkungen auf  die Goldpreisentwicklung eher bescheiden ausfallen werden. Mal ganz abgesehen davon dass es keine dauerhaft belastbare Korrelation zwischen Zinsen und Gold gibt ebenso wie es keine solche Korrelation zwischen Gold und dem Aktienmarkt gibt. Historische Daten beweisen dies eindrucksvoll…!

Gold Chart März 2014

Insgesamt war es eine äusserst ungesunde Mischung von Nachrichten die zu diesem deutlichen Rücksetzer beim Goldpreis geführt hat. Zusammen mit dem kürzlich erfolgten Statement der Analysten von Morgan Stanley, die einen erneut tieferen Goldpreis prognostizieren, kam es aber zu einer entsprechend heftigen Reaktion, die das gelbe Edelmetall nun in den Bereich um die 1.330,- Dollar geführt hat. Eine weitere Meldung die bereits vor der FED Sitzung im Tagesverlauf veröffentlicht wurde sorgten ebenfalls für Verunsicherung unter Goldanlegern. So wird aktuell befürchtet, dass das seit 15 Jahren bestehende Goldabkommen der (damals noch) 15 europäischen Zentralbanken eventuell nicht mehr verlängert werden könnte. In diesem Abkommen wurde damals beschlossen, dass innerhalb von fünf Jahren von allen europäischen Notenbanken zusammen nicht mehr als die maximale Menge von 400 Tonnen Gold verkauft werden darf. Die Verhandlungen über eine Verlängerung dieses Abkommens laufen aktuell.

Wie man dem Goldchart entnehmen kann ist aus rein charttechnischer Sicht nicht allzu viel passiert. Der Aufwärtstrend ist weiterhin intakt und selbst ein Rücksetzer bis in den Bereich um die 1.300 er Marke wäre noch nicht allzu dramatisch. Kurzfristig gehe ich davon aus dass der Goldpreis nicht nachhaltig unter 1.320,- Dollar fallen sollte. Eine Gegenreaktion nach den starken Verkäufen gestern scheint überfällig zu sein.

Es kann also durchaus sinnvoll sein sich auch bei den Goldminen-Betreibern nun wieder etwas umzusehen, wenn man den ersten Anstieg verpasst hat. Der heutige Handelstag, ebenso wie der Hexensabbat morgen, werden nun Aufschluss darüber geben ob es sich hierbei um eine nachhaltige Trendwende handelt oder eben nur eine kurze Konsolidierung der starken Gewinne seit Dezember. Ich persönlich gehe weiterhin davon aus dass Gold  und Goldaktien die besten Tage in diesem Jahr noch vor sich haben. Wer es also schafft, trotz des medialen Drucks einfach seiner Strategie zu folgen sollte am Ende dafür belohnt werden..!

Barrick Gold, Goldcorp und Newmont drehen – Dax vor einer Korrektur?

Es tut sich mal wieder etwas am Aktienmarkt und vielleicht ist dies sogar eine ganz entscheidende Phase auf die ich hier nun kurz mit ein paar losen Gedanken hinweisen möchte…

Man musste kein großer Hellseher sein um die Veränderung im Goldminen-Sektor in den vergangenen Wochen zu bemerken. Sie erinnern sich, ich hatte erstmalig Ende November auf diese Möglichkeit hingewiesen. So wie es momentan aussieht, scheint das dargestellte Szenario nun auch einzutreten. Gemeint ist, dass die Goldminen-Aktien dem Goldpreis vorweg laufen und dieser dann in den nächsten Wochen oder Monaten folgen sollte.  Dies wäre somit das genau umgekehrte Szenario zu dem vorangegangenen Abverkauf in dem Sektor. Damals verloren die Goldminen-Aktien bereits deutlich an Dynamik, während der Goldpreis selber noch eine ganze Weile, bis auf die Hochstände, angestiegen ist…

Bereits am Freitag hat sich angedeutet, dass bei den Goldminen nun einiges in Bewegung kommt. Heute erfolgte die Betätigung meiner Vermutung, die ich u.a in unserem Börsen Useletter kürzlich mehrfach thematisiert habe. Am besten beobachten lässt sich diese Veränderung im Markt wohl anhand des Market Vectors Gold Miners ETF, GDX der zuvor deutlich an Wert verloren hatte. Trotz eines wieder einmal plötzlich stagnierenden Goldpreises zieht der ETF weiter an. Ebenso wie die genannten Aktien von Barrick Gold, Goldcorp und Newmont Mining, die inzwischen eine schöne Umkehrformation ausgebildet haben.

Dennoch möchte ich mich hier nun keinesfalls zu weit aus dem Fenster lehnen, da wir alle in letzter Zeit – gerade beim Goldpreis – teilweise sehr merkwürdige und spontane Richtungswechsel erlebt haben…. Ich bin entsprechend positioniert und lasse das Ganze laufen bis mich der Markt eines Besseren belehrt und hoffe der ein oder andere unter Ihnen ist meinen Ausführungen zu diesem Thema gefolgt. Erwähnen möchte aber trotzdem noch einen anderen möglichen Aspekt, auf den Sie in den kommenden Tagen verstärkt achten sollten…

Gespielt habe ich dieses Szenario auch mit dem Hintergedanken, dass hier ein echter Stimmungswandel an den Märkten eintreten könnte. Soll heißen, ich bin gleichzeitig davon ausgegangen, dass der Ausbruch des Goldpreises nach oben mit einem Marktkorrektur einher gehen könnte!?! Nun ist der Goldpreis nicht nach oben ausgebrochen, aber die Goldminen zeigen besagte Tendenz, was man durchaus als „Vorlaufindikator“ betrachten kann. Gleichzeitig hat der DAX heute folgendes Chartbild generiert…

DAX Chart Trendwende

Spekuliert habe ich somit heute auf eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation (rot) als Top der letzten Bewegung. Tatsächlich könnte man die heutige Bewegung aber wohl eher als Doppel-Top (blau) bezeichnen. Die Nackenlinie (schwarz) wurde durchstoßen und hat ein Verkaufssignal generiert, das allerdings noch bestätigt werden muss. Da dies alles auf dem Niveau der derzeitigen All-Time-Highs im Dax passiert, ist es meiner Meinung nach zumindest erwähnenswert. Die spannende Frage ist nun also ob wir hier den Beginn einer Trendwende erleben oder lediglich eine weitere kleinere Korrektur, die demnächst umgehen wieder gekauft wird. Das Ziel dieser Chartformation läge bei ca. 9653 Punkten. Erst darunter müsste man sich wohl ernsthaft mit dem Gedanken auseinander setzen…

Wie oben schon erwähnt sind dies nur ein paar lose Gedanken meinerseits zum Markt und haben keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit 🙂 Ich möchte Sie lediglich darauf hinweisen, dass hier etwas größeres im Gange sein könnte! Eine genauere Beobachtung in den kommenden Tagen kann also nicht schaden. Wie zuletzt immer wieder passiert, kann sich diese Formation bereits morgen schon wieder in Luft auflösen indem die Bullen alles überrennen was sich ihnen in den Weg stellt… das würde meine Überlegungen zu Goldmine-Aktien allerdings nicht beeinflussen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen erholsamen Abend!

Gewinner-Aktien 2014 – Was ist der Neujahrs – oder Januar-Effekt?

Und los gehts…mit Vollgas in ein neues Börsenjahr. Bereits am Montag deutete sich das an was man allgemein als den Januar-Effekt an den Börsen bezeichnet… Schwächere Aktien des alten Jahres werden verstärkt gekauft und somit auf eine Erholung dieser Sektoren im kommenden Börsenjahr gesetzt. Der Grund für diese offenbar starke Performance liegt aber auch in der Tatsache begründet, dass zuvor von den großen Fonds genau diese Aktien verstärkt abgestoßen wurden, damit man zum Jahresende möglichst wenig „Nieten“ im Portfolio aufweisen muss. Diese werden nun teilweise in den ersten Tagen des neuen Jahres wieder zurück gekauft, was die Kurse treibt.

Nicht selten geschieht dann genau das was keiner mehr so richtig für möglich gehalten hat. Die Underperformer zeigen tatsächlich ernsthafte Lebenszeichen. Sprich die Kurserholung geht weiter, da es zu einer Art Initialzündung kommt, auf die der Markt lange gewartet hat. Auch aus charttechnischer Sicht verändert sich das Bild schlagartig wieder zum Positiven, was wiederum neue Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Bewegung freisetzt. Kurzum, die Hausse nährt die Hausse. Soweit zur alten Börsen-Theorie…

Welche Sektoren nun aber tatsächlich vor einer Trendwende stehen, lässt sich meistens erst Tage oder gar Wochen später feststellen. Das Tragische dabei ist somit, dass man sich entweder bereits im Vorfeld hier engagieren muss, um die volle Breite der Erholung mitzumachen, oder aber dann etwas später zu teilweise wieder deutlich höheren Kursen. Das Risiko ist in beiden Fällen nicht unerheblich.

Dennoch bietet diese Phase an den Finanzmärkten alljährlich sehr hohe Chancen, die man nicht einfach so verstreichen lassen sollte. Ich hatte Ihnen ja bereits im letzten Newsletter, wie auch hier im Blog, ein paar Sektoren vorgestellt auf die man nun besonderes Augenmerk legen sollte. Dazu gehört -allen voran- der gesamte Gold- und Silberminen-Sektor, sowie Stahlaktien, Kohle und Uran. Rohstoffaktien sind ebenfalls grundsätzlich interessant, auch wenn ich eher davon ausgehe dass diese erst in der zweiten Jahreshälfte 2014 so richtig durchstarten. Der Solarsektor sollte trotz der guten Performance im Jahr 2013 noch Nachholpotenzial haben, etc. Insgesamt bleibt das Thema Energie auch im kommenden Börsenjahr interessant.

Natürlich ist die Entwicklung der letzten Jahre keine Garantie dafür dass diese Umschichtungen auch in diesem Jahr wieder stattfinden werden, aber sich eine persönliche Intensiv-Watchlist mit möglichen Kandidaten anzulegen, sollte nicht schaden. Filtern Sie die starken Performer der ersten Tage des Jahres, sowohl bei den Sektoren als auch bei Einzeltiteln heraus. Es könnte sich lohnen!

Wir stehen vor historischen Veränderungen

Die Märkte bleiben nervös, wie man heute wiedermal schön im DAX Chart ablesen kann. In dieser Woche gibt es gleich eine ganze Reihe kursbewegender Faktoren, die durchaus das Potenzial haben die Kurse kräftig in die ein oder andere Richtung zu treiben. Insbesondere der kommende EU Gipfel am Donnerstag und Freitag wird erneut für große Aufmerksamkeit sorgen. Nachdem auch das Treffen der Finanzminister in Luxemburg keine nennenswerten neuen Erkenntnisse gebracht hat jedoch wiedermal tolle Neuerungen sehr wage angekündigt wurden, ist die Politik nun wohl final aufgefordert endlich einen nachvollziehbaren Plan zur Lösung der Eurokrise zu liefern. Geschieht dies nicht, drohen mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Verwerfungen an den Kapitalmärkten. In diesem Zusammenhang darf man auch durchaus über die plötzliche Veränderung des Gesundheitszustandes des neuen/alten griechischen Ministerpräsident Antonis Samaras und seines designierter Finanzminister Vasilios Rapanos spekulieren, die wohl beide nicht an diesem Gipfel teilnehmen werden…Die Nachricht dass es keine neuen Beschlüsse zu Griechenland auf dem EU Gipfel geben werde sorgten heute bereits für einen weiteren Kursrutsch beim DAX gegen 13:00 Uhr.

 

 

Auch der Euro gerät heute früh weiterhin unter Druck und unterschreitet erneut die Marke von 1,25 Euro. Das ist insofern dramatisch weil die europäische Leitwährung in der vergangenen Woche bereits deutliche Erholungstendenzen gezeigt hatte. Kurse über 1,262 sind weiterhin grundsätzlich positiv und wären ein erstes Anzeichen dafür dass wieder verstärkt Geld ausländischer Investoren in den Euro fließt. Ich kann somit nur noch einmal darauf verweisen diese wichtige Marke genau im Auge zu behalten. Der Goldpreis hat in den letzten beiden Handelstagen der abgelaufenen Woche ebenfalls noch einmal deutlich nachgegeben. Hier war es wohl insbesondere die Enttäuschung des Marktes über das Ausbleiben einer weiteren geldpolitischen Aktion (QE3) der US Notenbank die dazu führte dass Anleger nun wieder verstärkt auf den Verkaufsknopf gedrückt haben. Dennoch bleibe ich grundsätzlich bei meiner Einschätzung dass man Goldminen Aktien nun gerade im Hinblick auf weitere Turbulenzen wieder verstärkt auf die Kaufliste setzten sollte.

Gründe für die aktuelle Marktschwäche lassen sich auch heute natürlich wieder ausreichend finden. Hauptsächlich dürften aber wohl die bislang unbestätigten Gerüchte darüber dass nun auch die erste Bank Italiens demnächst Staatshilfe beantragen könnte weiterhin für große Unsicherheit unter den Anlegern sorgen. Monte die Paschi heißt das Geldinstitut, ist die drittgrößte Bank Italiens und zudem die älteste aktive Bank der Welt. Ein weiteres trauriges Beispiel dafür wie sehr die aktuelle Krise wütet. Die Bank hat sich zuvor seit dem Jahr 1472,  also deutlich über 500 Jahre erfolgreich durch alle Unruhen manövriert. Allerdings muss man auch den Italienern eine gewisse „Verschleppungstaktik“ nachsagen, die nicht dauerhaft funktionieren konnte. Durch die neuen Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht muss das Institut seinen Eigenkapital bis Ende des Monats um 3,3 Milliarden Euro aufstocken. Sicherlich ein Umstand der nicht erst seit gestern bekannt ist…

Spanien beantragt heute nun endlich die Hilfe für das angeschlagene Banksystem des Landes. Der tatsächliche Bedarf ebenso wie die Konditionen müssen aber noch mit der Eurogruppe verhandelt werden. Bislang geht man immer noch von einem Kapitalbedarf in Höhe von 62 Milliarden Euro aus. Negative Überraschungen, bzw. eine Korrektur des Bedarfes nach oben, würden mich nicht wirklich überraschen. Die Anleihezinsen des Landes bleiben auf Rekordniveau und das belastet auch die innereuropäischen Beziehungen. Statt permanent nach Hilfe zu rufen und die Einführung von Eurobonds zu fordern, dafür aber nicht mal eine adäquate Gegenleistung zu liefern, sollte man sich wohl auch in Spanien um etwas mehr Transparenz bemühen. Vor allem aber auch bei der „Bearbeitung des Antrages“ durch die EU Kommission nicht wieder wertvolle Wochen verstreichen lassen. Das Beispiel Griechenland hat ja deutlich gezeigt dass eine schnelle Hilfe wesentlich günstiger gewesen wäre. Blanko-Schecks können aber natürlich auch nicht vom europäischen Steuerzahler gewünscht sein…

Insgesamt bleibt damit die Situation von politischer Seite unverändert angespannt. Es steht weiterhin zu befürchten dass der Markt den Druck so lange aufrecht erhalten wird bis die Politik endlich das Gewünschte liefert. Eurobonds oder die abgespeckt Version Eurobills sind sicherlich keine tragfähige Lösung – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt, und schon gar nicht aus deutscher Sicht. So sehr ich mir einen Austritt Deutschlands aus der Währungsunion auch wünschen würde, wird das wohl leider nicht passieren! Am Ende bleibt also nur die EZB, die einmal mehr als Feuerwehr auftreten muss und nach meinem Dafürhalten auch wird. Die spannende Frage ist eben nur wann und in welchem Umfang. Dass wir keine weichgespülten Lösungen brauchen und Mr. Market diese auch nicht mehr akzeptiert, dürfte inzwischen jedem klar geworden sein. So gesehen wäre auch eine mögliche Zinssenkung der EZB in der kommenden Woche wohl nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Finanzmärkte wollen einen echten Paukenschlag der es schafft wieder neues Vertrauen zu schaffen. Und das kann am Ende wohl nur noch die Zusage unlimitierter Anleihekäufe der Krisenstaaten sein, so sehr sich die Europäische Zentralbank auch dagegen wehren mag.

Das die EZB nun schon dazu übergegangen ist von den Banken, die ein ums andere Mal herabgestuft werden, nun Ramschanleihen oder sogenannte Junkbonds, als Sicherheiten annehmen wird und die Standards immer weiter nach unten schraubt ist wohl ein erster Schritt in diese Richtung, oder soll vielmehr im Nachhinein die rechtliche Grundlage für dieses Handeln sein. Ebenso wie die Tatsache dass unsere Regierung in mehreren Punkten gegen die Deutsche Verfassung verstoßen will, was nun von den Karlsruher Richtern zunächst verhindert wurde, sind dies grundsätzlich sehr sehr bedenkliche Entwicklungen und offenbaren einmal mehr den Ernst der Lage. Ich bin inzwischen in großer Sorge um unsere Demokratie und unsere Grundwerte. Der Euro wird über das (Wohl des) Volk(es) gestellt. Zudem wird die Währungsunion mit einem rechtlich unangreifbaren dauerhaften Rettungsfond  – nicht nur aus meiner persönlichen Sicht – im klassischen Sinne zum größten Schneeballsystem das die Welt je gesehen hat. Wie wir alle wissen funktioniert ein solches System aber nur so lange bis keiner mehr neues Geld einzahlt.

Bei all diesen negativen Aussichten möchte ich aber gegen Ende des heutigen Newsletters noch einen positiven Aspekt der kommenden Handelswoche aufnehmen. Wir haben mal wieder Quartalsende und somit steht einmal mehr das Window Dressing vieler Fondsmanager auf dem Programm. Bis zum 30.06. kann es also noch zu stärkeren Kursbewegungen bei einzelnen Aktien kommen, die die Verlustpositionen aus den Depots verbannen und die stärkeren Titel des letzten Quartals nun entsprechend aufstocken werden. Die Auswahl der starken Aktien dürfte allerdings nach dem schlechtesten Mai seit langem einigermaßen schwer fallen. Dennoch kann dies erneut dazu führen dass sich die Märkte auf diesem Niveau zumindest stabilisieren, denn insgesamt hat der Abgabedruck nun etwas nachgelassen. Ich rede hier aber nur von einer möglichen und wahrscheinlich sehr kurzzeitigen Erholung! So gesehen wird nun dem von uns aufgezeigtem negativen Szenario eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit eingeräumt:

Die Kleinanleger werden auch in den kommenden Tagen, vielleicht sogar Wochen weiterhin von Kaufprogrammen großer institutioneller Investoren hin und her getrieben. Man sollte sich also nicht der Illusion hingeben dass sich die verzwickte Situation an den Kapitalmärkten in Kürze auflösen wird. Es sei denn dass es nun wirklich gelingt die inzwischen leider notwendig gewordenen Schritte zu beschließen und auch kurzfristig umzusetzen. Aber davon ist erfahrungsgemäß leider nicht auszugehen. Der Markt hat nun offensichtlich begonnen den Zerfall der Eurozone einzupreisen. Letztlich weiß ich nicht ob ich mich darüber vielleicht sogar freuen sollte wenn dieses Ereignis eintritt. Denn der aktuelle Zustand ist einfach nicht mehr tragbar und wird die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, die wir natürlich auch bekommen wenn die Eurozone zerfällt. Nur dann gibt es irgendwann wieder eine Perspektive für alle Beteiligten und der Blick kann wieder konstruktiv nach vorne gerichtet werden.

Wir stehen somit wohl nicht nur vor einer weiteren sehr entscheidenden Woche an den Kapitalmärkten sondern möglicherweise auch unmittelbar vor historischen Veränderungen. Wie man an den heutigen Aktienkursen deutlich ablesen kann hat die europäische Politik weiter an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Offenbar rechnet niemand mehr damit dass bei diesem Gipfel nennenswerte Ergebnisse erzielt werden. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen. Ich bin trotz der nicht gerade erbaulichen Zeilen in dieser Newsletter Ausgabe nahezu unverändert investiert. Mit einem Portfolio ausgewählter Aktien fühle ich mich insofern wohl da Bargeld für mich inzwischen die schlechteste Alternativen für die kommenden Monate zu sein scheint. Die hier besprochenen Aktien der letzten Wochen bleiben weiterhin meine Favoriten um den aufziehenden Sturm an den Märkten abzuwettern. Mir bleibt an dieser Stelle nur Ihnen stets guten Entscheidungen und eine erfolgreiche Handelswoche zu wünschen. Weiter Einschätzungen zu Einzelaktien können Sie wie gewohnt auf Investors Inside nachlesen.

Von Gold und Goldminen – Das einzig Positive am Tag an dem Papandreou über uns kam

Das einzig Positive des Tages sollte man nicht vergessen:

Gold hat seinen Ausbruch über die 1700 USD eindrucksvoll bestätigt. Und die Goldminen zeigen grosse relative Stärke.

Gold hat heute mehrfach kurz unter die 1700 geschaut, diese Marke aber trotz eines brutalen Abverkaufs aller anderen Rohstoffe inklusive Silber verteidigt. In Euro hat Gold sogar über ein Prozent gewonnen. Noch beeindruckender waren aber die Goldminen, die sich an solchen Tagen eigentlich wie Aktien verhalten und mit dem Markt korrigieren. Aber nicht Heute …

Der NYSE Arca Gold Bugs Index (HUI) hat zunächst auch mit dem Markt mit einem Gap von über -4% bei 540 eröffnet und sich dann aber konsequent nach oben gearbeitet und mit 565 sogar fast im Plus geschlossen. Das bedeutet Intraday einen Hub von 5% und das an diesem Tag ! Das bestätigt, dass nach dem Ausbruch über 1700 nun auch die Goldminen nach oben drängen. Und das nicht ohne Grund !

Denn Papandreou hat mit seiner heutigen Volte in meinen Augen bildlich gesprochen eine Splitterbombe an den Kern von Europa gelegt, die jegliche Stabilisierungsbemühungen auf Monate torpedieren wird. Denn die Regierungschefs der anderen EU Länder können nun beschliessen was sie wollen, solange diese Volksabstimmung im Raum steht, kann absolut nichts für Stabilität und Sicherheit an den Märkten sorgen, ausser man würde Griechenland nun hochkantig rauswerfen.

Was aber wohl nicht passieren wird, denn dafür ist Papandreous „Bombe“ zu geschickt gelegt. Denn die Medien bei uns sind ja jetzt schon voll von dem Gerede, wie demokratisch und vorbildlich das doch sei. Selbst ein Schirrmacher in der FAZ bläst nun in dieses Horn. Und so sehr diese Leute Recht haben, wenn sie das Demokratie-Defizit der EU und die undemokratische Art permanent „alternativloser“ Entscheidungen anprangern – da unterschreibe ich jedes Wort – so daneben liegen sie in meinen Augen, wenn sie den „Bock zum Gärtner“ machen und gerade diese (für mich) rücksichtslose Aktion von Papandreou zur demokratischen Tat hoch stilisieren. Richtige Sicht auf das Demokratiedefizit der EU, mit dem falschen Helden zum falschen Zeitpunkt: das ist mein persönliches Fazit und meine persönliche Meinung zu dieser Diskussion in den Medien.

In dieser öffentlichen Meinungslage ist es den EU Demokratien daher unmöglich, dass wirkliche Problem beim Namen zu nennen. Denn es geht hier nicht um Demokratie, sondern um Vertrauensbruch und Machtspiele auf Kosten aller anderen europäischen Nationen. Niemand hat und hatte etwas gegen eine Volksabstimmung in Griechenland zum Verbleib im Euro. Was hätten wir uns darüber gefreut ! Dafür war 2 Jahre Zeit und noch vor einer Woche hätte man es mit den Partnern beim Gipfel besprechen können und so in einen sinnvollen, Vertrauen stiftenden Plan einbetten können. So wie es aber jetzt passiert ist, hat es alle Bemühungen um Stabilisierung nachhaltig zerstört und ganz Europa nun auf Monate zum Sklaven einer Abstimmung eines 11 Millionen Volkes gemacht. Welcher Staatsfonds aus anderen Ländern gibt denn heute Zusagen zu Investitionen in die Euro-Zone, wenn über ihm permanent das Risiko schwebt, dass das 11 Millionen Volk am Ende doch zu einem anderen Ratschluss kommt ?

Die höheren Refinanzierungskosten Italiens und anderer Länder sind halt jeden Tag ganz real und müssen ganz real von Bürgern bezahlt werden, die nicht in Griechenland mitstimmen. Solidarisch ist für mich etwas anderes. Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir uns das bieten lassen, obwohl wir diesen Spass finanzieren, aber so wird es wohl sein. Dem in meinen Augen fast machiavellistischen Instinkt von Papandreou kann ich persönlich da nur professionellen Respekt zollen, auch wenn ich derartiges Verhalten auf Kosten Dritter moralisch verabscheue.

Einen für mich halbwegs vernünftigen und treffenden Artikel der Medien zum Thema kann man hier finden: Spiegel: Eiskalt erwischt

In diesem Umfeld muss man kein Prophet sein um zu erkennen, dass Gold und Goldminen zu den wenigen Profiteuren der nächsten Zeit gehören könnten, irgendwo muss das Geld ja auch hin – ausser Bundesanleihen. Der Markt zeigt uns also in meinen Augen die Richtung der nächsten Wochen. Die stabile Grundlage für einen guten Jahresabschluss im konjunkturellen Umfeld ist aber nun wohl abgeblasen, wenn nicht ganz schnell ein Wunder passiert.

Und ich habe mich lange nicht mehr so geärgert wie heute. Ich hatte definitiv schon schönere Tage. (HS)

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