Europa ist nicht mehr glaubwürdig !

Deutlicher hätte das Urteil des Marktes wohl heute nicht ausfallen können. Nach dem starken Anstieg heute Morgen wurden alle Gewinne, teilweise sogar darüber hinaus wieder abgekauft. Das lässt nun wohl mehrere Schlüsse zu. Allen voran den, dass die Handlungsweise der europäischen Politiker wohl nicht mehr glaubwürdig ist. Das ständige Stopfen von Löchern ohne aber echte und sinnvolle Reformen zu verabschieden wird uns genau da hinbringen wo der Markt uns haben will. Die Kapitulation der Politik vor den Kräften des Kapitalismus. Während wir uns heute mal kurz über steigende Kurse freuen durften stiegen die Renditen für spanische uns italienische Anleihe unvermindert weiter an. Das Zypern offenbar ebenfalls kurz vor dem Kollaps steht, und nun dringende Hilfe der EU beantragt hat, ist da nur eine Randnotiz, zeigt aber auch dass das „spanische Modell“ nun sehr schnell Schule machen könnte. Wer allzu bereitwillig seinen Geldbeutel öffnet läuft eben Gefahr bald eben viele neue „Freunde“ zu haben…siehe hier!

Anleger die heute morgen auf einen Bounce gesetzt haben wurden erneut bitter enttäuscht. Ebenso schnell wie diese eingestiegen sind dürften sie sich auch wieder verabschiedet haben, sei es durch aktive Verkäufe oder ausgeführte Stopp-Loss-Orders. Hinzu kommt vermutlich dass ausländische Investoren trotz, oder gerade wegen, der „spanischen Rettung“ weiterhin Ihr Geld aus dem deutschen Aktienmarkt abziehen. Vertrauensbildende Maßnahmen sehen eben anders aus! Damit wurde heute eine große Chance vergeben eine Stabilisierung der Finanzmärkte vor den griechischen Wahlen zu erreichen, was den Ausblick für diese Woche nun deutlich eintrübt, und die Gefahr eines echten Kursrutsches in der kommenden Woche nach meiner Auffassung wieder deutlich erhöht hat.

Warum reagiert der Markt heute so enttäuscht? Es gibt neben den oben genannten wohl viele mögliche Erklärungen….Da wäre die schlichte Tatsache dass Spanien noch gar nicht offiziell um Hilfe ersucht hat, und somit mal wieder auf Zeit gespielt wird. Dass wir Resteuropäer als Geldgeber künftig nicht mal mehr so richtig mitreden dürften, sprich wir zwar unser Geld aus der Hand geben aber wenig Kontrolle oder gar einen realistischen Gegenwert dafür erhalten. Oder vielleicht auch einfach das komische Gefühl, das nicht nur mich beschleicht und alles was hier in den letzten Monaten getan wurde  im Nachhinein als den falschen Weg aufgezeigt hat, der nun wieder einmal bestätigt wurde? Letztlich bleibt das alles weiterhin reine Spekulation. Es ist wie es ist – aber es läuft so manches gravierend falsch!  So, oder so ähnlich deutet zumindest der Markt die jüngsten Ereignisse. Und da hilft es auch wenig anderer Meinung zu sein, denn das kann sehr schnell sehr teuer werden.

Wir wissen heute dass es wahrscheinlich besser gewesen wäre Griechenland gleich vor knapp drei Jahren aus dem Euroraum auszuschließen, leider sahen die EU Verträge aber ein solches Szenario nicht vor. Wir wissen auch dass die EU Verträge in ihrer jetzigen Form falsch sind, weil sie eben keinerlei Handlungsspielräume lassen und viele verschiedene Nationen auf Gedeih und Verderb aneinander gekettet haben. Wir wissen auch das gelegentliche Marktbereinigungen eine heilsame Sache sind. Phasen in denen sich die Starken hervorheben und die Schwachen aussortiert werden damit eine neue und produktive Ordnung entstehen kann. Dieser Möglichkeit haben wir uns aber leider selbst beraubt. Und so wird es wohl darauf rauslaufen dass die Starken am Ende immer schwächer werden, bislang ohne wirkliche Aussicht auf Besserung. Der Markt hat uns heute deutlich gezeigt dass er nicht bereit ist dieses Risiko noch weiter mitzutragen!

12 Comments

  1. Pingback: Griechenland hat gewählt…! G20 und FED im Fokus | Investors Inside

  2. Thomas said:

    Moin Lars,

    wollte ja dann Schluss machen – aber doch noch 2 Anmerkungen.

    a)Ich selbst habe keine deutschen Staatsanleihen oder Euro-Anleihen im Allgemeinen. Ich halte Anleihen dennoch für ein interessantes Investment wenn man sie als verzinste Währungen ansieht. Als nicht Euro Anleger (bzw. „nicht DM Anleger) sind deutsche Staatsanleihen dennoch interssant (Unterbewertung des Euros, Spekulation auf DM-Wiedereinführung). ZZ2 (987239), ein „Zockerpapier“ auf Emerging Markets Anleihen, hatte in der Vergangenheit kein Problem, z.B. Apple zu schlagen. Ich habe auch Aktien, Emerging Markets bzw. Südostasien. Beim Überlegen, ob ich noch etwas an deutschen hinzu tun sollte, wegen Diversifizierung, komme ich zum Ergebnis: Nein. DAX läuft wie Emerging Markets und langfristig sind dann halt Emerging Markets doch aussichtsreicher als deutsche Aktien. Dass beide unterbewertet sind: Völlig dacort mit Dir.
    b) Ich bin i.ü. kein Anhänger von Eurobonds. Die Europäische Lösung sieht für mich viel mehr so aus, dass die EZB direkt die Finanzierung der einzelnen Staatshaushalte übernimmt (die Mitgliedsstaaten sich dabei gegenseitig überwachen), ohne dass noch irgendein Bond neu gedruckt wird. Ich gehe davon aus, dass die Coupons von Staatsanleihen, Steuergelder, mittelfristig zu einer Vermögensumverteilung von der (steuerzahlenden) Mittelschicht zu den ominösen 1% oben führen. Dies gilt es abzustellen, d.h. den Druch von Staatsanleihen an Stelle des Drucks von Zentralbankgeld ist zu unterbinden.
    Leider, siehe Spanien, scheint man (leider zudem in ‚Europäischer Harmonie‘) aber immer noch lieber mit Steuergeldern marode, sich verzockt habende Banken kaufen zu wollen als, was eigentlich Aufgabe des Staates wäre, in die Zukunft zu investieren.

  3. Thomas said:

    Hallo Lars, ich will das Thema nicht ausdehnen, wollte Dir aber ein wenig Mut machen (Dein Beitrag ließt sich so düster). Dennoch dieses, dann höre ich auch auf:

    a) Ja, auch ich denke, dass der Bund Future noch etwas (aber eben auch nicht viel) Luft nach unten hat.
    b) Diese ganzen „Spielchen“ sind m.E. Spielchen. …. Eurobonds haben wir schon längst nur dürfen die halt nicht so heißen. Merkel darf den Namen nicht aussprechen.
    c) Z.B. hat Italien (nicht von einer housing bubble betroffen, kaum Privatverschauldung, eine Sparquote höher als DE) inzwischen mit Monti eine Neuverschuldung um die 2% erreicht. 2013 soll der Etat sogar einen Überschuss ausweisen. Die (Staats-) Verschuldungsquote ist hoch – seit ich denken kann. Italien produziert aber echte Güter, die man anfassen (oder essen) kann und keine „Lehman Brother Derivate“. Warum Italien >>>unter diesen Bedingungen<<< 6% Zinsen (DE 0-1,5%) am Markt bezahlen muss?

    Ich wollte letztendlich kaum mehr sagen, dass Europa produktiv ist. Die Verschuldungsquote ist de facto niedriger als in den USA oder Japan und hat von den entwickelten Regionen eigentlich die besten Voraussetzungen (die USA haben allein demographisch die bessere Perspektive).

    Wollte eigentlich nur sagen: Kopf hoch und alles wird gut.

    Oder auch "Europa ist nicht mehr glaubwürdig !" Ja und?! Ist der Ruf erst einmal ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert.

    • Lars said:

      Guten Morgen Thomas, ich wollte nicht noch zusätzlich demoralisieren 😉 musste aber meinem Unmut über den ganzen Wahnsinn mal wieder etwas Luft machen. Letztlich ist das ganze Umfeld schon extrem bitter da ich immer noch der Meinung bin dass hier ein groß angelegter Angriff auf Europa läuft. Die Situation hinter den Kulissen ist in den USA und Großbritannien meiner Meinung nach deutlich schlimmer als bei uns. Insbesondere was die Einschätzung einiger „Fachleute“ zu Italien anbelangt treibt sehr seltsame Blüten im Moment. Hier wird aber ein Sündenbock gesucht den man vorschieben kann um von den eigenen Problemen abzulenken. Am Ende werden wir Eurobonds haben – in welcher Form auch immer, und Deutschland wird auf lange Sicht geschwächt sein. dann ist das Ziel wohl auch erreicht. Dafür können die Franzosen dann mit 60 in Rente und wir arbeiten bis 70. Gerechtigkeit sieht anders aus!!

      Zur Situation an den Aktien- und Anleihemärkten möchte ich hier kurz eine Auflistung von Max Otte einstellen:

      in Zeiten wie diesen nimmt die Furcht gerne überhand. Daher einige
      Fakten:

      Der Wert des gesamten italienischen Aktienmarktes entspricht nun der
      Marktkapitalisierung von Colgate-Palmolive (47 Mrd. Dollar).

      Die Marktkapitalisierung aller europäischen Finanztitel ist nun
      genauso hoch wie die Marktkapitalisierung der kanadischen
      Finanztitel (361 Mrd. Dollar).

      Der Wert aller italienischen und spanischen Aktien entspricht dem
      Wert des taiwanesischen Aktienmarktes.

      Alle portugiesischen Aktien sind zusammen so viel wert (16,4 Mrd.
      Dollar) wie Whole Foods Market, dem 191. Wert des S&P 500.

      Die Rendite der zehnjährigen U.S.-Staatsanleihe ist mit 1,56% in der
      Nähe ihres 200-Jahres-Tiefs vom November 1945 (Staatsanleihen sind
      so teuer wie nur einmal in der Geschichte).

      Die Rendite der zehnjährigen holländischen Staatsanleihe ist mit
      1,61% am niedrigsten Punkt der letzten 500 (!) Jahre angelangt.

      Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe ist mit 1,2%
      auf dem niedrigsten Stand der letzten 200 Jahre (ausgenommen die
      Hyperinflation von 1923 und 1924).

      Die Rendite der zehnjährigen französischen Staatsanleihe ist mit
      2,35% auf einem 260-Jahrestief.

      Die Rendite der fünfjährigen englischen Staatsanleihe ist auf einem
      110-Jahrestief.

      Viele europäische Aktienmärkte sind lächerlich billig. Die Renditen
      auf Staatsanleihen sind lächerlich gering. Selbst wenn es dort keine
      Inflations- und Insolvenzrisiken gäbe, wären diese Renditen
      lächerlich gering.

      Wer jetzt keine europäischen Aktien hat, wird es in der Zukunft
      bereuen. Wer jetzt zu viele Anleihen hat, wird es auch bereuen.

      Ich bin zwar kein direkter Fan von Herrn Otte, aber die Auflistung ist doch einigermaßen aussagekräftig. Vielen Dank für Deine Anteilnahme und die aufmunternden Worte 🙂

  4. Thomas said:

    Alles wird gut.

    3 Anmerkungen dazu.

    1. Ich bin inzwischen Befürworter eines Austritts Griechenlands aus EU und EWU (EMU). Warum? Zu uneuropäisch, ließ mal das: http://www.pewglobal.org/2012/05/29/european-unity-on-the-rocks/ (siehe auch http://www.spiegel.de/international/germany/survey-shows-germans-admired-by-europe-for-honesty-and-hard-work-a-835689.html). Griechenland möge sich 10 Jahre in die Schmollecke ver-griechen. Ich hoffe daher auf Syriza, dann ist dieser Punkt wenigstens klar.
    2. Sollten in DE die Zinsen auf 6-7% steigen … Meinst Du, Merkel&Schäuble würden da einfach tatenlos zusehen? Das kann also nicht kommen.
    3. Ich kann mich daran erinnern, dass hier vor wenigen Monaten jemand den Bund future bei 136 shorten wollte. Die 146 vom Monatsanfang sind aber wohl auch ne Übertreibung. Hast Du mal Lust, den Bund Future technisch zu analysieren? 200 Tage Linie inzwischen bei so ca. 138?

    Ich blicke optimistisch in die Zukunft. Krisen können heilsam sein und ich glaube eher, dass diese Krise heilsam wirkt (z.B. Griechenland raus aus der EU wäre heilsam für die Griechisch Psyche – kein wirtschaftliches Argument von meiner Seite).

    Heutiges Tenderverfahren? = Diese —> http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Presse/Pressenotizen/2012/2012_06_13_aufstockung_anleihe.pdf?__blob=publicationFile

  5. Thomas said:

    Hallo Lars, mal paralogisch anfangen:

    „Europa ist nicht mehr glaubwürdig !“

    Nö, mich erschreckt vielmehr das Vertrauen der Märkte in mich, dem deutschen Steuerzahler. Der Markt glaubt wirklich, dass ich auch in 10 Jahren noch Steuern zahlen werde, ähm, kann?

    Zwei Gedanken in einem: Wenn die Zinsbindungsfrist unserer Hypothek aufs Häusle abläuft, zahlt mir wahrscheinlich meine Bank zukünftig einen Bonus und verlangt keine Zinsen mehr.

    „denn Bargeld ist in diesen tagen eher risikobehaftet“. Meinst Du, Griechen legen sich derzeit EUR, USD, oder THB unters Kopfkissen 🙂

    Im Ernst: Ich denke, mit dem Euro passiert gar nix. Ist im Augenblick eher unterbewertet. Eurobonds haben wir ja schon lange, ja, für den Rettungschirm haftet jedes Land einzeln, DE etwas mehr als 25%, FR & IT etwas weniger als 25%, dann kommt Spanien etc. Wirft man halt deutsche (0-1%), französische (2-3%), italienische und spanische (5-6%) und und und in einen Topf, quirlt einmal kräftig durch und rettet dann spanische Banken zu einem Zinssatz von 3%. Dann klappt halt Italien zusammen und das Spiel fäng von vorn an. Irgendwann sind dann deutsch Staatsanleihen nur noch für eine Coupon von -5% zu haben, und wenn der Markt keine Lust auf so was hat, druckt Super-Mario dann halt das erforderliche Zentralbankgeld.

    In Irland hat gerade eine Abstimmung über den Euro (genauer Fiskalpakt im Austausch für „Austerity“/Rettungsschirm) stattgefunden. In Portugal und Spanien ginge so eine Abstimmung vermutlich auch nicht anders aus und Griechenland … wenn ich wetten müsste, würde ich darauf wetten, dass ein Wahlsieg von Syriza den Euro beflügeln würde. Wenn’s anders kommt, z.B. EUR/USD = 0,8, dann müsste man so was wie BMW, Linde, oder BASF kaufen. Früher verdienten wir uns dumm, heute verdienen wir uns dumm und dämlich 😉

    Ich sehe also eher optimistisch in die Zukunft.

    „Europa ist nicht mehr glaubwürdig !“

    Na und!

    Lass doch die Zahlen sprechen. Europa (auch EU und Eurozone jeweils allein) ist Wirtschaftsmacht # 1 und versucht zumindest Strukturreformen hinzukriegen.

    Vergleich das doch mal mit den USA, Japan oder auch China mit seinen zunehmenden Problemchen.

    • Lars said:

      Hallo Thomas die Zahlen haben gesprochen. Das heutige Bund Tenderverfahren mit 10 jähriger Laufzeit um genau zu sein. Deutschland zahlt jetzt auch wieder mehr Zinsen und das ist ganz klar das Ergebnis der letzten politischen Aktionen. Wie ich vermutet hatte führen diese nicht etwa dazu dass der Euro wieder „stärker“ wird sondern vielmehr dazu dass die Starken nun auch allmählich schwächer werden. Was das für den Euro heißen könnte ist auch klar. Und dann ist das zwar theoretisch gut für den Export, an dem wir uns dumm und dämlich verdienen könnten, wenn wir allerdings in einer weltweiten Rezession hängen kauft auch keiner mehr BMWs…

      Versteh mich nicht falsch, ich würde auch gerne optimistisch in die Zukunft blicken, aber mir fehlt inzwischen der Glaube an einen positiven Ausgang. Sollten die Wahlen am Wochenende allerdings anders ausgehen als „geplant“ dreht sich das Bild und vielleicht auch meine Stimmung wieder schlagartig.

  6. Thomas said:

    Ich denke: Nicht über diese Frage nachdenken. Bund Future (zumindest noch vor der angedachten Bankenrettung Spaniens) auf Allzeithoch, Umlaufrendite deutlich unter der Inflationsrate … Spekualtion auf DM! Deutsche Staatsanleihen – der Renner, oder „die Blase“?

    Ich selbst kann nur sagen, dass ich mein Geld in Aktien, Edelmetallen und Emerging Markets Anleihen habe – und das bleibt auch so.

    • Lars said:

      Na das ist sicherlich auch ganz vernünftig, denn Bargeld ist in diesen tagen eher risikobehaftet. Ändert aber nichts daran dass der Markt Europa nicht mehr traut, oder zumindest im Moment nicht zutraut die Probleme zu lösen. Vielleicht war es auch die Summe ansich die gestern schockiert hat. Letztlich stellt sich der Plan nun leider – wie umschrieben – als Aufforderung an alle bisherigen „Geretteten“ zur Nachverhandlung ihrer bisherigen Konditionen dar. Auch diese neu angeheizte Diskussion hat somit nun wieder einmal das Potenzial zu eskalieren. Mit Hinblick auf die griechischen Wahlen erhält das ganze dann noch ein besonderes Geschmäcke. Wie auch immer, uns bleibt ja nicht viel übrig als das Spiel mitzuspielen, und ich persönlich fühle mich in Sachwerten im Moment ebenfalls wohler als mit Bargeld auf dem Konto.

  7. Ramsi said:

    Amen. Wo park ich meine Euros bis das Spiel von vorne los geht? ^^

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