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Commerzbank – ist das der Befreiungsschlag?

Wie gestern bereits bekannt wurde will sich die Commerzbank nun durch einige massive Maßnahmen aus der misslichen Lage befreien, in der sich die Bank bereits seit Monaten befindet. Man will nun Teile der Immobilien- und Staatsfinanzierunstochter Eurohypo an den erneut aufgelegten Bankenrettungs- ,oder  Sonderfinanzierungsfonds SoFFin abgeben, hieß es in diverse Zeitungsberichten. Wie wir bereits vor einigen Tagen berichtet haben wäre dies der Königsweg für die Bank, und würde mit hoher Wahrscheinlichkeit eine völlige Neubewertung der Aktie zur Folge haben. Staatshilfen sollen dabei laut Aussagen der Commerzbank weiterhin nicht in Anspruch genommen werden. Wobei jedem klar sein dürfte dass dies eben doch – zumindest teilweise -der Fall wäre, aber eben über Umwege. Offenbar eine Praktik die sich unter Politikern in den letzten Tagen wachsender Beliebtheit erfreut!

Wichtig sei es laut den Aussagen eines Insiders, bei der potenziellen Transaktion sicher zu stellen, dass es sich dabei nicht um ein Geschenk für die Aktionäre handele. Denkbar ist somit auch, dass die Commerzbank für mögliche Verluste aus der Abwicklung der Eurohypo garantieren muss. Die Commerzbank würde dann die ganze Eurohypo, oder nur Teile, gegen einen bestimmten Betrag an den Staat verkaufen, müsste aber im Gegenzug entsprechende Verlustgarantien in die eigene Bilanz einstellen. Somit wäre n die neuen Eigenkapitalanforderungen wohl mit einem Schlag erfüllt und dies sollte etwas Verkaufsdruck aus der Aktie nehmen. Das Problem der Eurohypo bliebe dann zumindest zu einem Teil bei der Bank und wird nicht vollends auf die Steuerzahler umgelegt.

Gestern hat die Commerzbank AG ebenfalls bekannt gegeben, dass der in der letzten Woche verabschiedete Plan einer Rekapitalisierung der Bank aus eigener Kraft, konsequent umgesetzt wird. Insgesamt haben Investoren sogenannter Trust Preferred Securities, nun der Commerzbank Instrumente im Nominalvolumen von 1,27 Milliarden Euro gegen Barzahlung zum Verkauf angeboten. Die Commerzbank muss somit rund 643 Millionen Euro für den Kauf der hybriden Eigenmittelinstrumente aufwenden, und stärkt die Eigenkapitalbasis um knapp 700 Millionen Euro. Jetzt muss „nur“ noch eine verbleibende Kapitallücke von 4,6 Mrd Euro bis zum 30. Juni 2012 geschlossen werden.

Spätestens im Januar soll sich, nach einem Bericht in der Financial Times Deutschland, nun entscheiden ob und wie weit der Staat sich an der Restrukturierung des zweitgrößten Bankhauses Deutschlands beteiligen wird. Genug Zeit also sich mit der Bundesregierung und dem SoFFIn auf eine vernünftige Bad-Bank-Lösung zu einigen, oder bis Juni 2012 weiter den internen Plan zu verfolgen. So oder so haben sich die Chancen auf eine positiven Ausgang des Commerzbank Krimis in den letzten Tagen deutlich verbessert, und diese neue Hoffnung spiegelt sich seit gestern auch im Aktienkurs der Commerzbank wider.

Nach der Solon Pleite – Wie gehts weiter bei Q-Cells, Solarworld, Trina, Yingli, Suntech, LDK

Die Solon AG läutet die nun von uns seit längerem erwartete „Konsolidierungswelle“ in der Solarindustrie ein. Gestern Abend wurde bekannt, dass der Berliner Solarmodulhersteller die Möglichkeiten zur Restrukturierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens nutzen werde, wie es so schön heißt. Kurzum Solon ist das erste Opfer des harten Preiskampfes im Markt geworden. Der Preisverfall in der Branche und die hohen Abschreibungen haben bei dem Unternehmen in den ersten neun Monaten zu einem hohen Verlust von ca 200 Millionen Euro geführt. Zudem sind alle Bemühungen um eine finanzielle Neuausrichtung des Solarunternehmens erfolglos geblieben. Die Gespräche mit Banken über eine finanzielle Restrukturierung des verschuldeten Unternehmens sind nun endgültig gescheitert. Somit hat sich die Unternehmensführung gestern entscheiden einen Insolvenzantrag zu stellen.

Solon ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, dass unter Druck steht. Probleme bereitet der heimischen Solarindustrie vor allem die Billigkonkurrenz aus China. Aber auch die kann sich nicht von der nun beginnenden Welle von Pleiten in der Solarinduistrie freimachen. Aktien von Trina Solar, Yingli, Suntech und LDK sowie alle anderen Branchenvertreter mussten gestern auch an den US Börsen erneut heftige Abschläge hinnehmen. Der Fall Solon hat gezeigt wie fragil der Markt für Solarmodule ist, und man kann wohl davon ausgehen dass Solon nicht das einzige Opfer dieser Krise bleiben wird. Die Chinesen haben bislang im direkten Vergleich mit ihren europäischen Konkurrenten aber noch den ganz entscheidenden Vorteil, dass man preiswert nahezu unbegrenzte Kredite vom chinesischen Staat erhalten kann. Sollte sich dies ändern dürfte die Pleitewelle auch dort kräftig anrollen.

Es bleibt bei unserem Fazit der letzten Monate. Solaraktien muss man nicht im Depot haben, denn die politischen Rahmenbedingungen können sich jederzeit ändern und eine ganze Branche deutlich negativ beeinflussen wie wir gesehen haben. Gerade jetzt scheint das Risiko für Anleger noch einmal deutlich gestiegen zu sein. In Deutschland hat man es leider vor Jahren schon verpasst eine zukunftsweisende Technologie, in der wir mal wieder Weltmarktführer hätten werden können, entsprechend sinnvoll zu fördern. Nun ist das ersten Opfer dieser Politik zu beklagen, und es werden noch einige folgen, fürchte ich. Es tut mir leid für die Mitarbeiter von Solon, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren, und natürlich auch für die Aktionäre die sich eine „grüne“ Rendite erhofft haben.

Befreiungsschlag bei TUI durch Hapag Lloyd Verkauf?

Heute machen Gerüchte die Runde nach denen der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne und die Stadt Hamburg an einem mindestens 20 prozentigem Anteil der TUI Beteiligung an Hapag Lloyd interessiert sein sollen. Unbestätigten Zeitungsberichten zufolge sollen die Aktionäre der Containerreederei Hapag-Lloyd dem TUI Konzern bald ein Angebot für einen weiteren wesentlichen Anteil an dem Unternehmen unterbreiten. Für den TUI Konzern wäre dies sicherlich ein Glücksfall, wenn der Preis stimmt. Denn bereits seit langem versucht der Touristikkonzern die 38,4 prozentige Beteiligung zu veräußern. Man will sich in Zukunft wieder verstärkt auf das Kerngeschäft konzentrieren, was grundsätzlich sicherlich auch ein sehr weiser Entschluss ist.

Der TUI AG und der Aktie würde der Verkauf der gesamten Beteiligung, oder auch nur Teilen davon sicherlich gut tun. Zwar handelt es sich ausdrücklich um bisher unbestätigte Gerüchte, dennoch sollte man die Aktie in nächster Zeit wohl etwas intensiver beobachten und die Nachrichtenlage regelmäßig verfolgen. Ein abgeschlossener Verkauf der besagten Anteile würde die Situation bei den Touristikkonzern schlagartig deutlich verbessern. Operativ scheint in den letzten Monaten nun wieder deutliche Besserung eingetreten zu sein. Wir hatten kürzlich darüber berichtet…

Daimler verliert den Anschluss zu Audi, BMW und natürlich VW!

Was schon seit längerem zu erwarten war ist nun passiert. Daimler hat den Anschluss an die Weltspritze verloren. Zum ersten mal verkaufte der Premium Hersteller Audi mehr Fahrzeuge als die Stuttgarter Kollegen. Während die Ingolstädter in den vergangenen elf Monaten 1,19 Millionen Autos abgesetzt haben, weisen die Verkaufszahlen bei Mercedes gerade mal 1,14 Millionen verkaufte Fahrzeuge auf. Man kann also davon ausgehen das sich dieses Ergebnis bis zum Jahresende nicht mehr deutlich zu Gunsten von Daimler verschieben wird. Jahrzehnte lang war Daimler der unangefochtene Platzhirsch vor Audi und BMW im Premium Segment. Nun hat Audi bereits überholt, dicht gefolgt von BMW im Verfolgerfeld.

Es hat sich etwas grundlegendes geändert in den letzten Jahren. Die Innovationskraft von Mercedes aus meiner persönlichen Sicht immer weiter nachgelassen, bzw. die „anderen“ haben deutlich aufgeholt, was die Entwicklung und vor allem auch die Verarbeitung der Fahrzeuge anbelangt. Wo früher keine Marke mit dem Automobilhersteller aus Stuttgart mithalten konnte, tummeln sich nun diverse Anbieter mit ähnlich guten Produkten. Ein wesentlicher Grund für diese Kräfteverschiebung dürfte auch in der neuen Käuferschicht liegen, die zunehmend jünger wird. BMW und Audi Fahrzeuge sind halt immer noch etwas jugendlicher, dynamischer, sportlicher – zumindest wird das von der breiten Masse so empfunden.

Hinzu kommt noch dass insbesondere die Chinesen offenbar auf Audis stehen.  In der Volksrepublik steigerte Audi allein im November den Absatz um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt hat Audi auf dem weltweit größten Wachstumsmarkt dieses Jahr 283.600 Fahrzeuge abgesetzt. Beim Rivalen Mercedes waren es mit 170.112 verkauften Autos deutlich weniger. Das durchschnittliche jährliche Wachstum in den letzten 10 Jahren betrug bei Audi 6,4 Prozent. BMW legte ebenfalls deutlich um 4,7 Prozent zu, Daimler bildet mit einem Miniwachstum um die 1,5 Prozent bereits seit Jahren das Schlusslicht. VW schlägt inzwischen alle Rekorde, wird hier aber nur erwähnt weil es sich bei diesem Vergleich um das Premium Segment dreht.

Für das kommenden Jahr erwartet die Branche weiteres Wachstum, und man sieht durchaus optimistisch in die Zukunft. Vor allem in den asiatischen Märkten, den USA und Südamerika will man noch einmal zulegen, in Westeuropa wird dagegen muss man wohl eher mit stagnieren oder sogar leicht schrumpfen Umsätzen rechnen. Diese sollten sich aber durch die stärkeren Regionen relativ leicht kompensieren lassen. Welche Rolle Daimler in den kommenden Jahren dabei spielen wird ist weiterhin ungewiss. Wir würden im Zweifel lieber auf die Gewinner der letzten Jahre setzen, auch wenn die Daimler Aktie natürlich theoretisch das größte Nachholpotenzial hat. Aber dazu müssten eben auch die Verkaufszahlen mit den anderem Schritt halten…

Kali und Salz – wenn dann jetzt!

Es läuft überhaupt nicht gut für K + S Aktionäre. Die Aktie des Düngemittelherstellers ist seit einigen Tagen kräftig unter Druck. Erst am Freitag wurde ein neues Jahrestief markiert. Charttechnisch sieht die Lage bei der Aktie inzwischen äußerst angespannt aus. Fundamental betrachtet ist die Schwäche nicht zu erklären. Dennoch, auffällig waren in den letzten Handelstagen die immer wieder im System auftauchenden größeren Verkaufsorders. Hier scheint also eine größere Adresse ausgestiegen zu sein, was natürlich entsprechenden Druck auf den Aktienkurs ausgeübt hat. Bislang hat der Verkäufer aber darauf geachtet, dass der Aktienkurs nicht unter die wichtige Marke von 35,- Euro fällt. Hier sollte sich nun also ein Boden gebildet haben. Momentan ist die K + S Aktie deutlich überverkauft. Eine technische Gegenbewegung ist jederzeit möglich.

Wer sich also für die Aktie des Salz und Düngemittelherstellers interessiert, dem bietet sich auf dem aktuellen Niveau eine hervorragende Einstiegschance. Allerdings gabe es zuletzt auch Nachrichten bei K+S die einen Aktionär durchaus beunruhigen können. So verließ kürzlich der Finanzvorstand Jan Peter Nonnenkamp das Unternehmen. Ein solcher Wechsel in der Führungsetage hat immer ein gewisses „Geschmäckle“. Nicht zuletzt dieser Umstand dürfte in den letzten Wochen für Druck gesorgt haben, und schickte die Aktie seitdem fast 10,- Euro oder 25 Prozent in die Tiefe. Auf diesem ermäßigten Niveau halte ich das Risiko einer wirklich negativen Überraschung nun für überschaubar. Die Chancen unter langfristigen Gesichtspunkten sollten überwiegen.

Rheinmetall – Milliarden aus Down Under

Nach bisher unbestätigten Berichten hat die Rheinmetall AG einen Milliardenauftrag aus Australien erhalten. Demnach soll die australische Armee bei dem deutschen Rüstungskonzern gepanzerte Fahrzeuge im Wert von insgesamt 1,4 Milliarden Euro bestellt haben, oder demnächst bestellen. Die Rheinmetall MAN Military Vehicles Australia soll demnach insgesamt 2700 leicht, mittelschwer sowie stark gepanzerten Wagen an das Militär liefern, berichtete die  australischen Zeitung „The Age“ . Das Australische Verteidigungsministerium bestätigte den Bericht zunächst nicht. Im Laufe des heutigen Tages will Verteidigungsminister Stephen Smith eine Pressekonferenz abhalten, um neue Käufe und sich offiziell zu den geplanten Einkäufen der Armee äußern.

Die Rheinmetall Aktie kann heute nach dieser Meldung deutlich zulegen. Sollten sich die Berichte bestätigen, muss man wohl über eine Neubewertung der Aktie nachdenken. Mit einem derzeitigen KGV von 6 und einer Dividendenrendite von 5,3 Prozent sowie einem Buchwert, der auf dem aktuellen Niveau des Aktienkurses liegen dürfte, ist die Rheinmetall Aktie auch ohne diesen Auftrag bereits ein Schnäppchen. Bestätigt sich die Nachricht sollten bald deutlich höhere Notierungen drin sein. Die Aktie hat bei ca 32,- Euro einen soliden Boden gefunden, der nicht mehr unterschritten werden sollte. Nach oben ist bei weiter freundlichem Börsenumfeld, nach unserer Meinung, noch viel Luft. Weitere Informationen…

Zusammenbruch der Kapitalmärkte abgesagt?

Wer hätte das noch am Donnerstag gedacht…Unsere Kanzlerin hat sich mit dem in meinen Augen richtigen Weg für eine langfristige Lösung durchgesetzt, und man muss ihr großen Respekt zollen, für die Durchsetzungskraft und das Engagement der letzten Wochen, unabhängig davon ob man ein Freund Ihrer sonstigen Politik ist oder nicht. Während sich die Konkurrenz auf dem SPD Parteitag darin erging ein phantasieloses Parteiprogramm zu entwerfen, dass sich in erster Linie mit brandgefährlichen Eurobonds und höheren Steuern beschäftigt hat, ist nun endlich durch entschlossenes Handeln der Kanzlerin doch noch etwas entscheidendes in Europa passiert. Es ging um die Wurst! Frau Merkel hat das verstanden und notwendige Maßnahmen konsequent eingeleitet. Die Vorgehensweise zunächst die Franzosen mit ins Boot zu holen um den nötigen Druck zu erzeugen war dabei außerordentlich clever.

So wie es im Moment aussieht konnten sich also alle EU Staaten, bis auf England auf einen Konsens zur Bekämpfung der Schuldenkrise einigen. Die Briten stellen sich quer, und das ist auch aus deren Sicht einigermaßen verständlich. Wirtschaftlich ist das Land bereits seit längerem auf dem Abstellgleis gelandet. Lediglich die City, wie das Bankzentrum im Herzen von London genannt wird, sorgt noch für eine gewisse Phantasie im internationalen Wettbewerb. Und genau um diesen verbliebenen Teil englischer Wirtschaftsmacht kämpft Cameron im Auftrag seiner Gefolgsleute geradezu mit dem Mut der Verzweiflung. Sein Land wäre höchstwahrscheinlich in einer ähnlichen schlechten Situation wie Italien, wenn es heute den Euro hätte. Die Bank of England konnte in den letzten Monaten nur durch heftiges Drucken des Britischen Pfundes zunächst das Schlimmste verhindern. Kein zweites Land in Europa ist so abhängig von der Finanzbranche, und so wird bis zuletzt dafür gekämpft dass dem britischen Finanzsektor keine Ketten angelegt werden können. Aber ist das wirklich der klügste Weg für die Briten?

Ich habe seit gestern das Bild eines Tieres im Kopf das sich von der Herde entfernt hat, und jeder der schon mal einen Film über die Serengeti oder ähnliches gesehen hat weiß was nun kommt. Das Tier läuft nun Gefahr von den umher streifenden Löwen in der Savanne ausgemacht zu werden, und stellt sich außerhalb der Herde als leichte Beute dar. Wer die Löwen sind oder wo diese lauern um die Beute zu reißen weiß man nicht, aber Sie sind da! Und sie werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nun genau dieses Tier aus gucken um es zu erlegen. Momentan wartet das Löwenrudel noch auf eine geeignete Chance zum Angriff. Das einzelne Tier hat also durchaus noch die Chance zur Herde zurück zu kehren und in der Masse unter zu tauchen…Die Herde hingegen formiert sich und bereitet sich auf den zu erwartenden Angriff von außen vor, da es die Gefahr wittert. Andere hingegen versuchen noch schnell in Zentrum der Herde zu kommen um nicht gefressen zu werden. Steht die Formation erst einmal ist es für den Ausreißer zu spät, dann wird die Herde bereit sein dieses eine Tier zum Wohle der Gemeinschaft zu opfern.

Ich würde also in der nächsten Zeit bei Anlagen in Großbritannien etwas vorsichtig agieren 😉 Für den Euro hingegen, ebenso wie Staatsanleihen von Mitgliedsstaaten der Eurozone, dürften nun wieder bessere, oder zumindest etwas ruhigere Zeiten anbrechen. Die Finanzmärkte werden wohl die Spekulationen gegen Europa zurückfahren. Die Spekulationen um einen Austritt Englands aus der EU und dessen Folgen hingegen werden uns wohl in den kommenden Wochen begleiten. Erste Reaktionen der Kapitalmärkte könnten wir bald schon sehen. Deshalb ist zu erwarten dass auch dem Finanzkomplex in London bald dämmern wird, dass ein Austritt der Briten aus dem Euroraum mit hoher Wahrscheinlichkeit katastrophale Folgen für das Land haben wird.

Natürlich fehlen auch noch wichtige Einzelheiten zur Umsetzung der Beschlüsse des EU Gipfels. Klar dürfte jedem sein dass diese Aufgabe noch mit vielen Stolperfallen gespickt ist, die allesamt noch bis zum März 2012 gelöst werden müssen. Der Teufel steckt weiterhin im Detail, und auch die Störfeuer seitens der Ratingagenturen werden nicht schlagartig abreißen. Momentan stehen schon wieder die europäischen Versicherer auf dem Prüfstand. Als Aktienanleger darf man dennoch kurzfristig wieder verhalten optimistisch sein, auch wenn ich für das Gesamtjahr 2012 durchaus skeptisch bleibe. Ob wir noch eine sehenswerte Jahresendrallye sehen werden, oder nicht wage ich an dieser Stelle nicht mehr zu beurteilen. Die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Zusammenbruchs der Kapitalmärkte ist aber nun deutlich geringer geworden, und das ist ja auch schon mal was!

Veolia Environment – Dividendentitel mit Zukunftsphantasie

Der französische Konzern Veolia Environment leidet bereits seit längerem unter der schlechten Profitabilität des operativen Geschäfts und der hohen Verschuldung. Auf der heutigen Investorenkonferenz hat das Unternehmen nun bekannt gegeben wie man dieser, auch für die Aktionäre unbefriedigenden, Situation künftig entgegen treten will. Veolia ist in den Bereichen Wasser Ent- und Versorgung, Müllentsorgung und -Verwertung  sowie Energie- und Verkehrsdienstleistungen tätig, die wir allesamt unter langfristigen Gesichtspunkten für grundsätzlich sehr interessant halten.

Zum Abbau seines hohen Schuldenbergs trennt sich der Umweltdienstleister nun innerhalb der nächsten zwei Jahre von Unternehmenswerte im Umfang von knapp fünf Milliarden Euro. Bislang ist man hier von lediglich 1,3 Milliarden Euro ausgegangen. Unter Anderem soll nun das britischen Wassergeschäfts und des Hausmüll-Geschäfts in den USA auf dem Prüfstand stehen. Mit dem Umbau will sich das Unternehmen verschlanken und seine Schulden bis Ende 2013 auf weniger als zwölf Milliarden Euro senken. Die verkauften Einheiten sollen dann zu jährlichen Einsparungen in Höhe von 120 Millionen Euro führen.

Die Aktie kann heute erneut knapp zwei Prozent zulegen und befindet sich somit weiterhin in einem seit Ende November bestehenden Aufwärtstrend. Grundsätzlich besteht bei der Veolia Aktie enormes Nachholpotenzial. Die Aktie hat alleine in diesem Jahr fast zwei Drittel des Wertes verloren. Das Lehman-Tief lag knapp unter der 16,- Euro Marke. Aktuell notiert der Wert knapp unter 10,- Euro. Wir trauen der Veolia Aktie einen weiteren Anstieg zu. Spätestens bei 11,- Euro sollte aber eine etwas längere Konsolidierung einsetzen. Für langfristig orientierte Anleger könnte der Französische Umweltdienstleister eine interessante Anlagemöglichkeit darstellen. Die Unternehmensführung plant für die nächsten beiden Jahre mit einer Dividende in Höhe von 0,70 Euro, was auf Basis des derzeitigen Börsenkurs von 9,51 Euro einer aktuellen Dividendenrendite von 7,36 Prozent entspricht.

S&P droht mit Abstufung Europas

Offensichtlich drehen wieder alle Anleger nach der gestrigen Ankündigung von Standard & Poors durch, und in gewisser Weise habe ich sogar Verständnis dafür. Denn der bereits seit Monaten laufende Prozess zermürbt einfach. Dennoch ist es nicht unbedingt gut sich von solchen Ereignissen und deren Folgen anstecken zu lassen. Die Ratingagenturen haben sich offensichtlich vorgenommen so lange Öl ins Feuer Europas zu gießen bis der Euroraum tatsächlich zerfällt. Immer dann wenn gerade wieder ein Fünkchen Hoffnung aufkeimt machen die US Ratingagenturen mit dramatischen Schritten auf sich aufmerksam. Seit Monaten häufen sich diese komischen Zufälle, die den Aktienmarkt immer dann unter Druck bringen wenn der Gesamtmarkt kurz vor einem Ausbruch nach oben ist, und politische Ereignisse einen weiteren Anstieg unterstützen würden.

Nun mag es durchaus Menschen geben die dieses Verhalten der Agenturen verständlich finden, bzw. es sogar als deren Aufgaben sehen, sobald sich etwas entscheidendes ändert darauf hinzuweisen, etc. Ich möchten diesen Menschen dann immer gerne mal die Frage stellen wo denn der Mehrwert für die Gesellschaft oder Anleger in diesen sogenannten „Ratings“ zu finden ist.

Unter „normalen“ Umständen mag ja eine Skalierung in Risikostufen für Fondsmanager und institutionelle Anleger sinnvoll sein, obwohl ich behaupten würde das diese Menschen, die dafür viel Geld bekommen, selber in der Lage sein sollten sich ein objektives Urteil über die Bonität eines Landes oder einer Firma zu verschaffen. In der heutigen Zeit ist aber jegliches Negativrating kontraproduktiv und schädlich und hat keinerlei positiven Effekt – für niemanden! Wir aufgeschlossenen Börsianer wissen alle dass es wohl kein Land in Europa mehr gibt welches ein AAA Rating wirklich verdient hätte. Auch die USA sicherlich nicht, und vielleicht gibt es weltweit sogar kein einziges Land dass diese Top-Note verdient hätte. Doch darum geht es offenbar auch gar nicht…

Ich weiß auch das es wenig sinnvoll ist sich darüber aufzuregen, und so bleibt mal wieder nichts anderes übrig als ein paar Beobachtungen und Überlegungen zu einem Bild zu formen und somit nicht in Panik zu verfallen. Denn die angedrohte Herabstufung wird frühestens in 90 Tagen umgesetzt, sprich es handelt sich lediglich um einen Warnschuss, der auch innerhalb dieser Frist von S & P revidiert werden kann. Das wäre nicht das erste Mal! Bankaktien in den USA sind nach wie vor der momentan stärkste Sektor – auch gestern nach der Drohung durch Standard & Poors! Und letztlich hat der US Markt diese Nachricht nahezu ignoriert, was ich als wirklich starkes Zeichen sehe. Abschließend möchte ich gerne noch kurz drauf verweisen, dass die US Indizes gestern eine nahezu perfekte Vorbereitung auf eine inverse Schulter – Kopf – Schulter Formation ausgebildet haben.

Gelingt es dem Markt also heute die rechte Schulter auszubilden und anschließend weiter zu steigen halte ich das für ein sehr starkes Signal in diesem Umfeld. Lassen Sie sich also von der ersten Schwäche des Marktes heute früh nicht ins Bockshorn jagen, und bleiben Sie ruhig. Der (US) Markt fängt an solche Nachrichten zu ignorieren – und das ist ein wirklich gutes Zeichen. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft Europas fällt spätestens am Wochenende, nicht vorher! Dennoch kann es natürlich nicht schaden bis zum Ende der Woche etwas vorsichtiger zu agieren.

SAF Holland – kurz vor dem Kaufsignal

SAF Holland ist der weltweit führenden Hersteller und Anbieter hochwertiger Produktsysteme und Bauteile für die Produktion von Nutzfahrzeugen aller Art. In den vergangenen Wochen ist die Aktie, ebenso wie viele andere, deutlich abgestraft worden, konnte sich aber im Zuge der allgemeinen Rallye wieder von seinen Tiefstständen lösen, und notiert inzwischen knapp unterhalb der wichtigen 4,- Euro Hürde. Gelingt in den kommenden Tagen ein Ausbruch über diese entscheidende Marke stehen die Chancen für einen weiteren Kursanstieg bis in den Bereich um die 5,- Euro sehr gut. Später winken Kursziele von 6,50 und ca. 7,20 Euro.

Die Analysten-Gilde ist sich einig, die Aktie von SAF Holland dürfte viel zu günstig sein. Mit Kurszielen zwischen 5,50 Euro und 11,- Euro taxieren die Spezialisten das Kursziel der Aktie für die kommenden Monate. Mit einem KGV für das Geschäftsjahr 2012 von 5,18 und einem aktuellen Börsenwert von knapp 150 Millionen Euro erscheint die Aktie momentan deutlich unter Wert zu notieren. Alleine Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um 21,8 Prozent auf 209,1 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT erhöhte sich von 11,4 Millionen auf 15,0 Millionen Euro, was einer EBIT-Marge von 7,2 Prozent entspricht. Das bereinigte Periodenergebnis stieg im Jahresvergleich von 2,4 Millionen auf 9,2 Millionen Euro.

Der Ausblick auf das laufende Jahr wurde kürzlich noch einmal bestätigt. Demnach erwartet die Unternehmensführung für 2011 eine Steigerung des der Umsatzes um bis zu 25 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2010. Das Ergebnis soll sich somit ebenfalls signifikant verbessern, auch wenn die EBIT-Marge künftig nicht mehr ganz mit den Umsätzen schritt halten werde, hieß es von Unternehmensseite. Alles in allem eine interessante Aktie auf eine Rebound Spekulation mit deutlich mehr Phantasie für die Zukunft. Charttechnisch steht die Aktie gerade unmittelbar vor dem notwendigen Kaufsignal. Unbedingt beobachten!

TUI – bald bessere Zeiten?

Heute dürften Anleger der TUI AG erst einmal wieder etwas durch schnaufen, denn auch hier hat sich seit letzter Woche so einiges getan. Die drohende Pleite des Mitbewerbers Thomas Cook ist offenbar abgewendet, da man die neue Finanzierungsrunde nun doch noch unter Dach und Fach gebracht hat. Eine Pleite hätte sich zunächst sicherlich belastend auf die Brachen ausgewirkt, auch wenn diese Marktanteile langfristig natürlich dann unter den verbliebenen Anbietern aufgeteilt werden.

Heute hat die TUI Travel Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt, und die sind wieder Erwarten gut ausgefallen. Trotz der Turbulenzen des „Arabischen Frühlings“ in Nordafrika und der Probleme in Europa hat Europas größter Reiseveranstalter im Geschäftsjahr bis Ende September ein Gewinn von 85 Millionen britischen Pfund (99 Mio Euro) erzielt. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch wegen der Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island einen Verlust von 123 Millionen Pfund verbuchen müssen. Damit verdiente TUI Travel in Großbritannien soviel wie nie zuvor.

Zudem wurde am Wochenende bekannt, dass sich der Konzern wieder in Gesprächen über einen möglichen Verkauf der Hapag-Lloyd-Anteile befindet. Laut Medienberichten soll die Reederei Neptune Orient Lines großes Interesse an einer Übernahme haben. Vor knapp drei Jahren hatte TUI bereits Gespräche mit der zum Staatsfonds Temasek aus Singapur gehörende Reederei über eine mögliche Übernahme der Anteile geführt. Der TUI Konzern möchte die 34- prozentige Beteiligung schnellstmöglich loswerden und sich wieder auf das Touristikgeschäft konzentrieren. Allerdings kann der Anteil erst an Dritten verkauft werden wenn der Miteigentümer Albert-Ballin die Beteiligung nicht bis Ende September 2012 übernimmt.

Der TUI Konzern steht vor einer möglichen Wende. Die Management-Fehler der letzten Jahre scheinen nun allesamt korrigiert zu werden, und somit besteht auch eine realistische Möglichkeit dass der Reisekonzern langfristig wieder profitabel wird. Natürlich erst nachdem die Hapag-Lloyd Beteiligung weitergegeben wurde. Dies könnte aber bereits spätestens im Sommer 2012 der Falls sein. Wir haben vor einigen Tagen, nach dem Thomas Cook Kursrutsch, eine kleine Position in unsere Depot aufgenommen. Kurzfristig sind hier Kurse um die 5,- Euro möglich.

Commerzbank – Angst vor dem Blitz-Stresstest?

Die Spekulationen um die Commerzbank fanden am Wochenende einen neuen Höhepunkt. Nachdem Konzernlenker Martin Blessing in der letzten Woche noch einmal beteuert hat dass man die notwendige Eigenkapitalaufstockung aus eigener Kraft schaffen werde, wurde in den Gazetten am Wochenende fleißiger denn je spekuliert. Es geht natürlich immer noch um die Spekulation über die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verstaatlichung der Commerzbank. Und ich schreibe das bewusst hier so denn ein solcher Schritt ist keinesfalls sicher! Manche Medien spekulierten sogar über eine komplette Verstaatlichung der zweitgrößten Bank Deutschlands. Laut Medienberichten erwägt die Bundesregierung diesen Schritt wenn es die Commerzbank nicht aus eigener Kraft schaffen sollte.

Ich persönlich halte diese neuen Spekulationen für völlig überzogen und ein gutes weiter Beispiel dafür wie die Medien momentan zur allgemeinen Hysterie an den Kapitalmärkten, insbesondere bezogen auf die Commerzbank Aktie, beitragen. Weder steht zu diesem Zeitpunkt fest das die CoBa tatsächlich einen zusätzlichen Kapitalbedarf in Höhe von 5 Milliarden Euro hat, noch kann man davon ausgehen, dass dieser Betrag, wie hoch er letztlich auch sein möge, nicht deutlich reduziert werden kann wenn die jüngsten Pläne von Martin Blessing zügig umgesetzt werden. Der mögliche Verkauf der Eurohypo an den Staat würde wohl alle Probleme mit einem Schlag lösen..

Die Commerzbank ihrerseits konterte heute gegen diese Spekulationen indem offenbar nun zügig damit begonnen wurde die Pläne über die wir auch am Freitag  berichtet haben umzusetzen. So hat das Bankhaus im Rahmen des Kapitalmanagements heute das Angebot veröffentlicht, dass Investoren ausgewählter durch Gesellschaften des Commerzbank-Konzerns begebener hybrider Eigenmittelinstrumente (sogenannter Trust Preferred Securities) nun die Möglichkeit haben, diese Instrumente an die Commerzbank gegen Barzahlung zu verkaufen. Die Bank beabsichtigt, bis zu 600 Millionen EUR (‚Verfügbare Gesamtmittel‘) für die Annahme von Verkaufsangeboten für hybride Eigenmittelinstrumente aufzuwenden.

Am Mittwoch will die EBA, die European Banking Authority, nun die neuesten Zahlen des sogenannten Blitz-Stresstests vorlegen, der beziffern sollen welchen Kapitalbedarf europäische Banken tatsächlich haben um den neuen Anforderungen der EBA gerecht zu werden. Insbesondere die Begründung dürfte dabei interessant sein, denn bislang hatte man eher so das Gefühl als würden die Zahlen im stillen Kämmerlein ausgewürfelt…Es verspricht also mal wieder eine äußerst spannende Woche für Bankaktien zu werden. Nach meiner Auffassung ist der vorbörsliche Abschlag bei der Commerzbank Aktie von knapp 5 Cent nicht gerechtfertigt. Wie bereits am Freitag geschrieben besteht hier nun eine sehr realistische Chance auf eine dauerhafte Trendwende bei der Aktie.

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