Daimler verliert den Anschluss zu Audi, BMW und natürlich VW!

Was schon seit längerem zu erwarten war ist nun passiert. Daimler hat den Anschluss an die Weltspritze verloren. Zum ersten mal verkaufte der Premium Hersteller Audi mehr Fahrzeuge als die Stuttgarter Kollegen. Während die Ingolstädter in den vergangenen elf Monaten 1,19 Millionen Autos abgesetzt haben, weisen die Verkaufszahlen bei Mercedes gerade mal 1,14 Millionen verkaufte Fahrzeuge auf. Man kann also davon ausgehen das sich dieses Ergebnis bis zum Jahresende nicht mehr deutlich zu Gunsten von Daimler verschieben wird. Jahrzehnte lang war Daimler der unangefochtene Platzhirsch vor Audi und BMW im Premium Segment. Nun hat Audi bereits überholt, dicht gefolgt von BMW im Verfolgerfeld.

Es hat sich etwas grundlegendes geändert in den letzten Jahren. Die Innovationskraft von Mercedes aus meiner persönlichen Sicht immer weiter nachgelassen, bzw. die „anderen“ haben deutlich aufgeholt, was die Entwicklung und vor allem auch die Verarbeitung der Fahrzeuge anbelangt. Wo früher keine Marke mit dem Automobilhersteller aus Stuttgart mithalten konnte, tummeln sich nun diverse Anbieter mit ähnlich guten Produkten. Ein wesentlicher Grund für diese Kräfteverschiebung dürfte auch in der neuen Käuferschicht liegen, die zunehmend jünger wird. BMW und Audi Fahrzeuge sind halt immer noch etwas jugendlicher, dynamischer, sportlicher – zumindest wird das von der breiten Masse so empfunden.

Hinzu kommt noch dass insbesondere die Chinesen offenbar auf Audis stehen.  In der Volksrepublik steigerte Audi allein im November den Absatz um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt hat Audi auf dem weltweit größten Wachstumsmarkt dieses Jahr 283.600 Fahrzeuge abgesetzt. Beim Rivalen Mercedes waren es mit 170.112 verkauften Autos deutlich weniger. Das durchschnittliche jährliche Wachstum in den letzten 10 Jahren betrug bei Audi 6,4 Prozent. BMW legte ebenfalls deutlich um 4,7 Prozent zu, Daimler bildet mit einem Miniwachstum um die 1,5 Prozent bereits seit Jahren das Schlusslicht. VW schlägt inzwischen alle Rekorde, wird hier aber nur erwähnt weil es sich bei diesem Vergleich um das Premium Segment dreht.

Für das kommenden Jahr erwartet die Branche weiteres Wachstum, und man sieht durchaus optimistisch in die Zukunft. Vor allem in den asiatischen Märkten, den USA und Südamerika will man noch einmal zulegen, in Westeuropa wird dagegen muss man wohl eher mit stagnieren oder sogar leicht schrumpfen Umsätzen rechnen. Diese sollten sich aber durch die stärkeren Regionen relativ leicht kompensieren lassen. Welche Rolle Daimler in den kommenden Jahren dabei spielen wird ist weiterhin ungewiss. Wir würden im Zweifel lieber auf die Gewinner der letzten Jahre setzen, auch wenn die Daimler Aktie natürlich theoretisch das größte Nachholpotenzial hat. Aber dazu müssten eben auch die Verkaufszahlen mit den anderem Schritt halten…

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6 Comments

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  4. Sandro Valecchi said:

    Hat die Volkswagen Aktie noch weiteres Potential?

    Meine Analyse, die sich auf die Rekapitulation der Marktbeobachtung stützt, fokussiert vor allem eine ehrgeizige Konzernstrategie mit einer auf Wachstum ausgerichteten Zielstellung bis in angepeilte Jahr 2018:

    • Volkswagen will durch den Einsatz von intelligenten Innovationen und Technologien bei Kundenzufriedenheit und Qualität weltweit führend sein.
    • Der Absatz soll langfristig auf mehr als 10 Mio. Fahrzeuge pro Jahr anwachsen; an der Entwicklung der großen Wachstumsmärkte will Volkswagen überproportional partizipieren.
    • Die Umsatzrendite vor Steuern soll langfristig auf mindestens 8 % ansteigen, um auch in schwierigen Marktphasen finanzielle Solidität und Handlungsfähigkeit sicherzustellen.
    • In allen Marken, Gesellschaften und Regionen will sich Volkswagen zum Top-Arbeitgeber entwickeln; das ist die Voraussetzung für den Aufbau einer Spitzenmannschaft.

    Was die Produktpallette angeht und die Aufstellung des Konzern, erscheint das Risiko überschaubar zu sein, allerdings können die Unsicherheiten auf den Weltmärken, die zweifelsohne anhalten, auch für VW zum spürbaren Problem avancieren. Dieses Risiko betrifft gleichwohl alle Kfz-Produzenten weltweit.

    Im September 2004 waren für den Volkswagen-Konzern schwere Rückschläge zu verkraften gewesen. Seinerzeit mussten VW und Audi vor allem schwere Einbußen in den Vereinigten Staaten hinnehmen. Geringe Verluste gab es auch in China. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Aktie nach einem erneuten Kursrückgang außerdem auch noch aus dem Index der 50 wichtigsten europäischen Titel herausgenommen wurde. Die Strategie seinerzeit – ein massiver Sparkurs, den der ehemalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder und sein damaliger Personalvorstand Peter Hartz einschlugen, führte zu großen Turbulenzen. Diese Erfahrung zeigt, wie schnell Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten die Auto-Hersteller in arge Bedrängnis bringen können, eine Chancen-Risiko-Analyse hat dies zu berücksichtigen.

    Im Jahr 2011 starte der Volkswagenkonzern eine strategische Marktoffensive mit der für den US-Markt konzipierten VW-Passat in den Vereinigten Staaten und bietet diesen US-Passat unter der Bezeichnung NMS (new midesize sedan) zum Kampfpreis von unter 20.000,00 US-Dollar an, also umgerechnet etwa 15.500,00 Euro. Zum Vergleich: Dafür bekommt man bei uns noch nicht einmal einen neuen Golf (ab 16.825,00 Euro) und der Passat kostet hier in der einfachsten Ausstattung ab 24.425,00 Euro aufwärts.

    Es ist klar, dass der VW-Konzern hier auf das reine Umsatzgeschäft setzt und weit von der Gewinnmarge entfernt liegt – halt eben Kampfpreis, um Marktanteile zu gewinnen. VW setzt auf das modulare Baukastensystem, kontinuierlich erweiterbar, um damit fortlaufend die Effizienz und die Flexibilität der Produktion zu erhöhen und gleichzeitig die Profitabilität des Konzerns zu steigern. Insoweit ist der zu erwartenden, aber erkaufte Absatzrekord des Volkswagen-Konzerns in diesem Jahr mit der gebotenen Skepsis zu betrachten.

    Folgerichtig ist die Selbsteinschätzung des Konzerns für die Entwicklung im kommenden Geschäftsjahr 2012 etwas zurückhaltender ausgefallen. Der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn Winterkorn beurteilt die Lage laut einer aktuellen Mitteilung an die Wolfsburger Belegschaft wie folgt: „Nahezu alle Konjunkturprognosen erwarten eine deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft. Eine konservative Planung, eine hohe Flexibilität in Produktion und Vertrieb sowie unveränderte Kosten- und Investitionsdisziplin seien deshalb wichtig.“

    Eine Chancen-Risiko-Analyse darf auch nicht übersehen, dass der innovative Fortschrift neuer Antriebstechniken sehr langsam verläuft und teilweise das Versuchsstadium noch lange nicht verlässt, überdies der Weg zur Entwicklung bis zur Marktreife sehr teuer ist. So reduziert sich leider die Selbsteinschätzung der Kfz-Branche auf die Formulierung „Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, in den Bereichen Fahrzeuge, Aggregate und Leichtbau neue ökologische Maßstäbe zu setzen“, mit der Betonung, dass der Anleger weiterhin sich mit den Aktivitäten zufrieden geben muss. Bahnbrechende, wegweisende technologische Erfolge und den Schritt in eine neue Evolutionsstufe der automobilen Technik für das 21. Jahrhundert konnte VW noch nicht aufweisen. Ein Beispiel ist der Elektro-Antrieb und die Batterietechnik, die jenseits der wirtschaftlichen Alltagstauglichkeit liegt. Dafür will der VW-Konzern das Finanzierungs-, Leasing- und Bankgeschäft weiterentwickeln und so neue und bessere Kundenbindungen generieren.

    Wohin geht die Reise aller Voraussicht nach? Kursziel 165,00 Euro für die VW-Vorzugsaktie.

    Die Analysten von Morgan Stanley sehen dies so und VW sowie Audi auf „Overweight“ gewichtet und das Kursziel auf 165,00 Euro belassen. Mit dem Anlageurteil „Overweight“ (engl. „Übergewichten“) raten die Analysten, eine Aktie oder eine Branche im Portfolio höher zu gewichten als die Branche beziehungsweise den Gesamtmarkt. Begründung der Analysten: VW gewinne Marktanteile in den USA, die Verkaufspreise seien stabil und die Kosten gingen zurück. Für Nordamerika sei eine Marge von 5 % bis zum Jahr 2014 möglich. Ich sehe es in meiner Analyse etwas skeptischer, weil insbesondere der in diesem Jahr generierte hohe Absatz in den USA durch Kampfpreise (teuer) erkauft wurde, die zu einen nur eine kurze Zeitspanne durchgehalten werden kann, zum anderen freilich gegenfinanziert werden müssen (Gewinne in Europa müssen Verluste auf dem US-Markt gegenfinanzieren).

    Wo stehen wir heute: 108,55 Euro für eine VW-Aktie, ein Plus von 2,70 Euro bzw. 2,55 %. Eine Anlage, die sicher Potentiale hat, aber auch im Rahmen der aktuellen Krise und der letzten Krise (im Jahr 2004) realistisch eingeschätzt werden muss.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 13. Dezember 2011 | Die Börsenblogger

  6. Lars said:

    Zahlen von denen andere nur träumen können 😉

    Die Marke Volkswagen Pkw hat sich im November auf zum Teil volatilen Weltmärkten gut behauptet und ihre Verkaufszahlen nochmals gesteigert“, erklärte Vertriebschef Christian Klingler. Von Januar bis einschließlich November liegt der Zuwachs bei 12,4% auf weltweit 4,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge.
    VW legte in allen wichtigen Vertriebsregionen zu. In Europa lag das Plus im bisherigen Jahresverlauf bei 10,6%, wobei sich die Verkäufe in Russland verdoppelten. In der Region Asien/Pazifik legte Volkswagen um 14,4&% zu, in Nordamerika um 22,5%.

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