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Jetzt hat es auch den Börsenliebling SMA Solar erwischt.

Immer wieder geraten die Aktien von Solarunternehmen nach einem kurzen und meist euphorischen Strohfeuer wieder kräftig unter Druck, und nicht selten kann man in den Charts dann wieder neue Tiefststände finden. Ich bekomme immer wieder mal Anfragen zu der ein oder anderen Aktie aus dem Bereich, auch wenn ich mich ja hier schon verschiedentlich zu den einzelnen Unternehmen geäußert habe. Natürlich möchte ich aber gerne dieser Aufforderung nachkommen, da ich festgestellt habe dass der bedarf nach Aufklärung hier entsprechend groß zu sein scheint. Bitte haben Sie aber Verständnis dafür dass ich nicht mehr alle Aktien aus der Branche behandeln werde, da ich zum einen keinen Sinn darin sehe mich ständig zu wiederholen und vielleicht auch andere Leser damit zu langweilen, und zum anderen nur noch über Unternehmen schrieben möchte denen ich persönlich zumindest eine realistische Überlebenschance zutraue.

Heute hat es den ehemaligen Börsenliebling SMA Solar erwischt. Der Solartechnikhersteller rechnet angesichts der geplanten Förderkürzungen in Deutschland mit einem weiteren deutlichen Rückgang von Umsatz und Profitabilität. Bereits im Geschäftsjahr 2011 ist der Umsatz deutlich von 1,9 Milliarden Euro auf 1,7 Milliarden zurückgegangen. Die Erlöse sollten nun in 2012 auf 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro zurückgehen. Noch deutlicher äussert sich die Förderkürzung aber in der zu erwartenden operative Marge des Unternehmens. Diese soll nur noch zwischen 5 bis 10 Prozent liegen, 2011 waren es noch gut 14 Prozent. Für den Vorstand ist es derzeit nicht möglich eine genauere Prognose abzugeben, hieß es in der Pressemeldung.

Beim Gewinn hatte der Markt für 2012 ursprünglich ein EBIT von ca. 195 Millionen Euro erwartet. Gemessen an den neuen Umsatz- und Margenaussagen ist nun aber nur noch ein Wert 60 bis 150 Millionen Euro erreichbar, was eine Neubewertung der Aktie erforderlich macht. Die SMA Aktie wurde nach dieser Meldung heute zunächst bis auf 34,18 Euro durch gereicht, konnte sich aber im Tagesverlauf wieder etwas fangen. Dennoch verheißt die Charttechnik nicht viel Gutes für die nahe Zukunft. Aktuell notiert der Titel knapp über der wichtigen Unterstützung bei 35,50 Euro. gelingt es nicht diese Marke zu halten drohen weitere Abschläge in Richtung 31,70, 27,20 oder gar 23,00 Euro. Ich persönlich halte es nun für sehr wahrscheinlich, dass zumindest die runde Marke von 30,- Euro in den kommenden Tagen getestet wird.

Heidelberger Druck, König & Bauer, Manroland – Eine Branche kämpft ums Überleben

Für die deutsche Druckindustrie sind bereits vor knapp 10 Jahren schlechtere Zeiten angebrochen. Nachdem die Maschinenbauer in den 20 Jahren zuvor noch aus dem Vollen schöpfen konnten, und die Druckindustrie lange zu den etabliertesten Industriezweigen in Deutschland  gehört hat, kämpft die Branche inzwischen um das nackte Überleben. Die jüngsten Ereignisse um die Insolvenz de Manroland AG, sowie die nach wie vor schwachen Quartalszahlen aus der Branche, und die aktuelle Nachrichtenlage haben mich heute veranlasst mir die drei nennenswerten Aktien aus der Branche mal wieder etwas näher anzusehen.

Die heute veröffentlichten Zahlen von König&Bauer sind mit einem zumindest positivem Ergebnis eher die löbliche Ausnahme, verdeutlichen aber auch das es der gesamten Druckmaschinenbranche noch unverändert schlecht geht. Wegen einer schwächeren Marktentwicklung in der zweiten Jahreshälfte und Lieferverschiebungen im Schlussquartal ging der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 leicht zurück. Der Auftragseingang stieg hingegen im direkten Vergleich zum Vorjahr um über 20 Prozent und lag bei mehr als 1,5 Milliarden Euro. Zum Jahresende lag der Auftragsbestand laut Unternehmensangaben gar über 80 Prozent über dem Niveau von Ende 2010. Bei König& Bauer erwartet man aber in diesem Jahr eine weitere Verbesserung des Umfeldes für die Branche.

Auch der zuletzt insolvent gegangene Mitbewerber MAN Roland zeigt sich inzwischen wieder deutlich optimistischer, und betonte noch einmal dass man während der Insolvenzphase keine Aufträge verloren habe. Das Unternehmen bekräftigte erneut seine Prognose mit dem Manroland-Bogendruck in diesem Jahr 350 bis 400 Millionen Euro zu erlösen und schwarze am Ende des Jahres wieder Zahlen zu schreiben. Ein weiterer Abbau von Stellen im Werk Offenbach ist laut dem neue Besitzer Tony Langley nicht nötig, da das Werk inzwischen wieder zu 90 Prozent ausgelastet sei. Allerdings erwartet man bei Manroland auch für dieses und nächstes beiden Jahre kein weiteres Wachstum.

Bei der Heidelberger Druckmaschinen AG wollte man zuletzt von der Insolvenz des Mitbewerbers profitieren, und rechnete sich einen Mehrumsatz für dieses Jahr in Höhe von ca 100 Millionen Euro aus. Dieser Prognose widersprach heute der neue Manroland Chef deutlich: „Wir haben kein Geschäft verloren, ich sehe nicht, wo diese 100 Millionen Euro herkommen sollen.“ und zeigte sich entsprechend kampflustig indem er den Mitbewerbern prophezeite dass diese ebenfalls bald in Schieflage geraten könnten. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, VDMA bestätigte kürzlich dass der Auftragseingang im Maschinenbau insgesamt im Jahresvergleich wieder deutlich rückläufig gewesen ist, erwartet aber eine Stabilisierung im Jahresverlauf.

Auch ich habe vor längerer Zeit einmal in dieser Branche gearbeitet, wie manche Leser bereits wissen. Letztlich habe ich mich aber dann rechtzeitig dafür entscheiden etwas anders zu machen, nachdem für mich immer klarer wurde dass die goldenen Zeiten der Branche vorbei sein dürften. Ich kann mich noch gut an die damals in der Branche geführten Diskussionen erinnern, inwieweit die Entwicklung des Internets und die damit einhergehende Umverteilung von Werbeausgaben, die Druckbranche beeinflussen werden. Rückblickend betrachtet hat wohl niemand den ich kenne hierzu eine wirklich realistische Einschätzung gehabt, ebenso wie zu den sonstigen Belastungsfaktoren für die Branche.

Mein Fazit bleibt auch heute das selbe wie vor einem knappen Jahr. Aktien von Druckmaschinen-Herstellern muss man nicht im Depot haben, auch wenn Sie noch so günstig erscheinen. Aus charttechnischer Betrachtung könnte sich im Laufe des Jahres eine interessante Trading Chance ergeben die bei der ein oder anderen Aktie dann kurzfristige Gewinne von bis zu 100 Prozent möglich macht. Ich werde Sie zu gegebener Zeit dann auf diese Chancen aufmerksam machen…bis dahin gibt es genügend Aktien die kalkulierbarere Geschäftsmodelle aufweisen.

Commerzbank – sind die Turbulenzen nun beendet?

Nachdem die Commerzbank Aktie zunächst von der Nachricht über den EZB Tender überhaupt nicht profitieren konnte zeigte sich die Aktie gestern wieder etwas stärker, und notierte am Ende des Tages mit 1,935 Euro wieder klar über der Unterstützung von 1,90 Euro. Viele Anleger dürften sich nun die Frage stellen, ob es das schon gewesen ist, mit der Korrektur beim deutschen Banken-Sorgenkind?

Aus charttechnischer Betrachtung bleibt das Bild nahezu unverändert. Der jüngste Rücksetzer innerhalb des Trends lässt weiterhin keine Rückschlüsse auf ein baldiges Abtauchen der Aktie zu. Viel mehr würde ich alleine die Nachrichten um die plötzliche Kapitalerhöhung als Ursache dafür sehen, die genauso schnell wieder verschwinden sollte wie sie aufgetaucht ist. Natürlich haben sich die Rahmenbedingungen für die Aktie damit auch geringfügig verändert, das große Bild bleibt aber intakt. Hinzu kommt für mich noch die zusätzliche Phantasie durch die mögliche Abwicklung der Eurohypo. Der „Rückbau der Bank“, wie Martin Blessing diesen Vorgang gerne nennt, sollte für die Commerzbank dann einem ultimativen Befreiungsschlag gleich kommen.

Es besteht also durchaus die Hoffnung dass die überraschenden Kapitalerhöhungs-Pläne von Martin Blessing und Co. nun im Kurs verarbeitet ist, auch wenn ich die Kapitalmaßnahme nicht unbedingt als vertrauensbildende Maßnahme bezeichnen würde. Mir persönlich stellt sich auch immer noch die Frage ob diese zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt erforderlich gewesen ist, denn der vorangegangene Plan zur Restrukturierung der Bank hatte mich, wie auch viele andere Anleger, eigentlich schon überzeugt. Ein weitere Kapitalbedarf der Bank war nicht zwingend erkennbar, und eine Kapitalerhöhung wurde bis vor kurzem von der Konzernspitze noch ausgeschlossen.

Wie dem auch sei, wenn es denn dazu dienen sollte der Commerzbank nun die nötige „Luft zum Atmen“ zu lassen, dann soll es mir recht sein. Denn eines steht für mich immer noch fest, gelingt der nachhaltige Turnarround der Bank dann sind weitaus höhere Kurse drin, bei denen diese zusätzliche Verwässerung nicht allzu sehr ins Gewicht fallen sollte. Dennoch kann erst wieder ab Kursen über 2,10 Euro eine gewisse Entwarnung gegeben werden. Heute läuft die Frist zur Ermittlung des durchschnittlichen Aktienkurses für die neuen Aktien ab. Es bleibt also vorerst noch abzuwarten ob der Kurs gerade wegen der anstehenden Kapitalerhöhung kurzfristig so stark ist, oder ob wir gestern den Beginn eines neuen und „echten“ Anstiegs gesehen haben. In der Xetra Schlussauktion wurden gestern noch einmal schnell 9,3 Millionen Aktien gekauft 😉 …Spätestens ab Montag wissen wir wohl mehr!

Vivendi taucht ab – Mobilfunkflaute bis 2014 ?

Der französische Medien- und Telekomkonzern Vivendi legte gestern Zahlen vor die bei den Aktionären offensichtlich nicht gut angekommen sind. Mit einem satten Minus von 9 Prozent markierte die Aktie darauf hin vorläufig ein neues 3 Jahres Tief bei 14,60 Euro, und das obwohl im vergangenen Jahr den Gewinn ordentlich gesteigert wurde. Dem heutigen Bericht zufolge legte der Gewinn um 9,4 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro zu. Die Beteiligungen am brasilianischen Telekomanbieter GVT und an der Spiele-Software-Schmiede Activision-Blizzard erwiesen sich einmal mehr als die Zugpferde des Unternehmens wohingegen Maroc Telecom und die französische Mobilfunktochter SFR weiterhin schlecht abschnitten.

Der Konzernumsatz fiel um 0,2 % auf EUR 28,8 Mrd. Soweit so gut könnte man meinen, aber dann kam der Ausblick auf das laufende Jahr. Insbesondere der harte Wettbewerb auf dem französischen Mobilfunkmarkt macht dem Konzern zu schaffen. Aufgrund eines zusätzlichen Wettbewerbers am französischen Mobilfunkmarkt geht Vivendi nun für 2012 auf Konzernbasis von einem adjustierten Nettogewinn von lediglich EUR 2,5 Mrd. aus. Erst für das Jahr 2014 (!) erwartet man wieder einen nennenswerten Gewinnanstieg. Insbesondere vom Mobilfunkbetreiber Iliad, der mit überaus günstigen Bedingungen am Markt operiert, dürften hier weitere Störfeuer zu erwarten sein.

 

Die Aktionäre sollen dennoch eine gekürzte Dividende von einem Euro für das Geschäftsjahr 2011 erhalten, und könnte somit für langfristig denkende Dividendenjäger, die an den langfristigen Erfolg des Unternehmens glauben, weiterhin interessant sein. Unter dem Aspekt der eines steigenden Aktienkurses muss man die Vivendi Aktie wohl erst einmal nicht im Depot legen. Die Aktie ist seit heute schwer angeschlagen, und man muss mit weiteren Abgaben bis in den Bereich um die 14,10 Euro rechnen. Wird auch diese Marke unterschritten könnte es erst einmal längere Zeit finster werden um die Aktie. Dann ist auch ein weiteres Abtauchen des Aktienkurses bis auf 12,50 Euro oder gar 10,70 Euro denkbar, oder zumindest nicht mehr ausgeschlossen.

Asian Bamboo verfehlt die Prognose… aber !

Makroökonomische Einflüsse haben das Ergebnis des Bambus-Produzenten Asian Bamboo im Geschäftsjahr 2011 unerwartet belastet. Der Umsatz je Hektar Anbaufläche sei zurückgegangen, während sich die Kultivierungskosten aufgrund der vergrößerten Gesamtfläche verteuert haben, berichtete der Vorstand des chinesischen Unternehmens gestern bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen für das abgelaufene Jahr. Sondereffekte haben letztlich dazu geführt dass das Unternehmen ein um 41 Prozent deutlich reduziertes Ergebnis ausweisen muss. Insgesamt wurde in dem Berichtszeitraum ein Gewinn von „nur“ 26,3 Millionen Euro erwirtschaftet, obwohl der Umsatz im gleichen Zeitraum um 18 Prozent auf 89,8 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Das Bruttoergebnis stieg um 66 Prozent auf 45,1 Millionen Euro. Die Brutto-Marge konnte von 36% auf nunmehr 50% gesteigert werden.

Schuld an dieser Ergebnisverzerrung ist der Verlust aus der Veränderung des sogenannten beizulegenden Zeitwerts biologischer Vermögenswerte nach der Berechnungsmethode „Fair Value of Biological Assets“ oder kurz FVBA in Höhe von 18,9 Millionen Euro. Demnach müssen auf die inzwischen deutlich erweiterten Anbauflächen des Unternehmens Abschreibungen in entsprechender Höhe vorgenommen werden. Genau heißt es in dem Bericht hierzu:

Der Verlust aus der Veränderung des FVBA resultierte aus Anpassungen der Annahmen in Bezug auf Preise, Kosten und Volumen, die der FVBA-Berechnung zugrundeliegen. Diese Anpassungen wurden vorgenommen, um das aktuelle operative Umfeld besser widerzuspiegeln. Der Vorstand bedauert die durch die FVBA-Berechnung verursachte Volatilität in der Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns und möchte betonen, dass die FVBA-Berechnung rein theoretischer Natur ist und keinen Einfluss auf den Cash-Flow hat. Der Kapitalfluss blieb im Geschäftsjahr 2011 solide.

Die biologischen Vermögenswerte der Gesellschaft belaufen sich aktuell somit auf 103 Millionen Euro, die Bilanzsumme des Unternehmens wurde von 346 auf knapp 390 Millionen Euro gesteigert. Die Verbindlichkeiten waren mit knapp 14 Millionen Euro nahezu konstant. Auf der Hauptversammlung am 24. Mai soll nun eine Jahresdividende von 0,40 Euro pro Aktie vorgeschlagen werden, was einer Rendite knapp drei von Prozent auf den aktuellen Aktienkurs entspricht. Asian Bamboo wird derzeit mit knapp 230 Millionen Euro an der Börse bewertet. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von mindestens 120 Millionen Euro erwartet bei einer Nettoergebnis-Marge von über 40 Prozent. Dies würde dann ein KGV von 4,8 für auf Basis des aktuellen Aktienkurses bedeuten. Anhand dieser Daten sollte sich jeder nun ein etwas genaueres Bild über die Aktie machen können…!

Smava wählt wieder den Financeblog of the Year

Es ist mal wieder so weit: smava sucht zum vierten Mal den besten deutschsprachigen Wirtschafts- oder Finanzblog. Natürlich ist es für uns von Investors Inside Ehrensache als Titelverteidiger des letzten Finance Blog of The Year Wettbewerbes auch wieder mit dabei zu sein. Auch wenn ich mich natürlich grundsätzlich freuen würde wenn noch viele andere Teilnehmer in die engere Auswahl kommen, die es nach meiner Meinung auch mal verdient hätten zumindest nominiert zu werden.

Mir fallen da gleich mehrere ein, die ich noch nicht unter den aktuellen Meldungen gefunden habe, wie zum Beispiel Dirk Elsner´s mit seinem unermüdlichen Einsatz über seinen Blog Blicklog Licht ins Dunkel der Bankindustrie zu bringen, oder auch Joachim Goldberg mit Blognition mit der täglichen Beleuchtung der Kapitalmärkte. Mein Freund und Trader Kollege Michael Schulte, der täglich auf Mr Market umfangreiche Marktberichte schreibt, ebenso wie Norbert Lohrke mit seiner immer wieder treffenden und bissigen Kolumne auf Globalize gehören für mich persönlich zu den Anwärtern auf die begehrte Trophäe.

Ich würde mich freuen wenn ein paar dieser hervorragenden Blogs in die Endausscheidung kommen, und Sie Ihre Stimme in den kommenden Wochen für den ein oder anderen der Genannten abgeben. Natürlich möchte ich an dieser Stelle betonen, dass auch wir uns über Ihre Stimme freuen, wenn Sie der Meinung sind dass wir diesen Titel auch in diesem Jahr wieder verdient haben. In jedem Falle freue ich mich auf einen erneut spannenden Wettbewerb wenn die Wahl so richtig los geht. 😉 Weitere Informationen über den Wettbewerb für alle Blogger die sich ebenfalls bewerben wollen, finden Sie auf der Seite von Smava.

Veolia Environnement S.A. – Trotz Verlust deutlich steigende Kurse !?

Eine Aktie die wir ja hier schon seit längerem besprechen ist die Veolia Environnement S.A. Die Aktie des französischen Anbieter für Wasserversorgung, Müllentsorgung und Verkehrsdienstleistungen ist im Zuge der Finanzkrise, wie viele andere hoch verschuldete Unternehmen, zusehends unter die Räder gekommen. Inzwischen scheint der Titel seinen Boden gefunden zu haben und notiert wieder deutlich über den Tiefstkursen von 7,80 Euro. Heute hat das Unternehmen die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr vorgelegt die eigentlich deutlich unter den Schätzungen der Analysten gelegen haben. Der Veolia Aktienkurs hingegen legt aktuell um über zehn Prozent zu und befindet sich damit, nach monatelangem Tauziehen, über der wichtigen Marke von 10,- Euro. Verkehrte Welt könnte man meinen…

Veolia gab heute einen Verlust in Höhe von 489,8 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2011 bekannt, nachdem im Vorjahr noch ein Nettogewinn von 558,5 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Analysten hatten einen kleinen Gewinn in Höhe von durchschnittlich 106,8 Millionen Euro erwartet. Das EBITDA lag bei 3,15 Milliarden Euro und reduzierte sich somit um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresergebnis. Beim Umsatz hingegen konnte der Konzern von 28,76 auf 29,65 Milliarden Euro leicht zulegen. Die Veolia Konzernführung kündigte dennoch  eine Dividende in Höhe von 0,70 Euro für die beiden Geschäftsjahre 2011 und 2012 an, was einer stolzen Dividendenrendite von sieben Prozent entspricht.

Ein wesentlicher Grund in dem heutigen Anstieg der Aktie dürfte neben der in Aussicht gestellten Dividende darin begründet sein, dass bereits zuvor einiges an schlechten Nachrichten verarbeitet worden ist, und die Skepsis deutlich überwogen hat. Nun da die Fakten auf dem Tisch liegen scheint eine gewisse „Erleichterung“ eingetreten zu sein. Zuletzt hatte das Unternehmen unter anderem durch Gerüchte um einen geplanten Führungswechsel des Unternehmens auf sich aufmerksam gemacht, was Anleger hoffen lässt, das ein entsprechender Personalwechsel auch mit einem beschleunigten Strategiewechsel verbunden sein dürfte. Immer noch plagen den Konzern hohe Verbindlichkeiten, der Abbau dieser, sowie die Trennung von unprofitablen Unternehmensteilen geht vielen institutionellen Anlegern noch zu langsam.

Positiv dürfte der Markt deswegen heute auch die Reduktion der Verbindlichkeiten gewertet haben. Im letzten Jahr wurden Kredite in Höhe von 488 Millionen Euro zurückgeführt. Die Aktie ist unter hohen Umsätzen heute nach oben ausgebrochen, und hat ein kräftiges Kaufsignal produziert.  Sieht man sich den Jahreschart an so wird deutlich was hier Kurzfristig möglich ist, der 10-Jahres Chart offenbart die langfristige Perspektive, wenn sich das Unternehmen weiterhin an der Restrukturierung arbeitet. Die nächsten Kursziele liegen nun bei den Widerständen um 10,36 und 11,90 Euro. Gelingt es diese zu überwinden kann man die Bodenbildung bei der Aktie wohl als abgeschlossen betrachten. Wir hatten Ihnen die Veolia Aktie ja bereits im Januar als einen der interessantesten Rebound Kandidaten für das Jahr 2012 vorgestellt, und es sieht so aus als sollten wir damit recht behalten. Unser Fazit bleibt unverändert: Unbedingt dabei bleiben!

Allianz Deutschland AG mit deutlichem Gewinneinbruch

Dass es um die Versicherungsbranche nicht gut stehen würde hatten wir ja in den vergangenen Monaten immer wieder mal angesprochen. Heute legte der deutschen Branchenprimus, die für das Deutschlandgeschäft der Allianz SE verantwortliche Allianz AG Ihr Zahlenwerk vor, und überraschte die Anleger im negativen Sinne. Die Allianz Deutschland AG musste im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Das operative Ergebnis ging um stolze 18,5 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Der Nettogewinn brach somit, ähnlich wie bei der Muttergesellschaft, um fast die Hälfte auf nur noch 700 Millionen Euro ein.

Damit liegt das Deutschland-Geschäft noch einmal deutlich unter der ohnehin schon reduzierten Prognose des Konzerns. Der Vorstandsvorsitzende der größten Allianz-Tochter, Markus Rieß, bezeichnete 2011 als ein schwieriges Jahr für die Branche, zeigte sich aber für die Zukunft zuversichtlich. Er sprach von neuer Wachstumsdynamik über fast alle Geschäftsbereiche hinweg, sowie von einer Trendwende bei den Sachversicherungen. Ich hingegen bleibe weiterhin skeptisch was die Versicherungsbranche generell anbelangt. Eine Reihe von deutlich geänderten Rahmenbedingungen spricht einfach dafür, dass die Versicherer die besten Zeiten erst einmal hinter sich haben könnten.

Aixtron – war es das jetzt?

Die heute veröffentlichten Zahlen des Anlagenbauers Aixtron sind für mich persönlich keine große Überraschung gewesen. Nachdem die Mitbewerber Veeco bereits „vorgewarnt“ hatte und auch bei Cree Dunkle Wolken aufgezogen sind, war davon auszugehen dass auch bei Aixtron nicht viel Positives für das Gesamtjahr 2011 zu erwarten ist. Der Kursverlauf der Aktie in dem Geschäftsjahr hat es ja bereits angedeutet. Dennoch, auch wenn der LED-Anlagenbauer seinen Anlageren einen Ausblick für das Gesamtjahr schuldig geblieben ist, sollten nun erst einmal alle schlechten Nachrichten in dem Aktienkurs verarbeitet worden sein.

Die anhaltende Nachfrageschwäche in China drückte, laut Unternehmensangaben, den Umsatz im vierten Quartal um 38 Prozent auf nur noch 140 Millionen Euro. Damit lag der Umsatz sogar noch über den durchschnittlichen Umsatzschätzungen der Analysten von 131 Millionen Euro. Bei den Auftragseingängen meldete Aixtron aber einen satten Einbruch um 86 Prozent auf 29,3 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) brach somit gegenüber dem Vorjahr auf minus 16,9 Millionen Euro ein. Unter dem Strich betrug der Verlust je Aktie 0,11 Euro.

Heute ist die Aixtron Aktie somit noch einmal kräftig unter Druck. Mit einem Minus von über zehn Prozent sackte die Aktie zum Handelsbeginn auf 10,85 Euro ab. Inzwischen zeigt sich der Titel wieder einigermaßen erholt und notiert nahe der letzten Unterstützung bei 11,40 Euro, die nun offensichtlich den Widerstand für die Aktie darstellt. Gelingt es zum Handelsende wieder über dieser Marke zu schließen sollte in den kommenden Tagen eine weitere Erholung bis in den Bereich um die 12,- Euro oder gar 12,50 Euro einsetzten. Hier muss sich dann entscheiden ob es gelingen kann die vorangegangene Chartformation wieder aufzunehmen. Nachdem das Gap bei 13,60 Euro kürzlich, wie von uns erwartet, geschlossen wurde, erwarte ich immer noch dass auch die Kurslücke bei 17,30 Euro noch in diesem Jahr erreicht werden kann.

Aixtron selber bezeichnete in der heutigen Presseerklärung das laufende Jahr als „Übergangsjahr“ zwischen den Investitionszyklen der LED Industrie, und geht für 2012 davon aus wieder schwarze Zahlen zu schrieben. Die langfristigen Aussichten für die Branche bleiben unverändert gut. Wer darauf setzen möchte, und die nötige Geduld mitbringt, findet vielleicht heute schon die richtigen Einstiegskurse. Für vorsichtigere Anleger empfiehlt es sich den Titel in den kommenden Tagen und Wochen genauestens zu beobachten.

DAX, erneut an der 7.000er Marke gescheitert – was erwartet uns im März ?

Guten Morgen liebe Leser, heute beginnt ein neuer spannender Monat an der Börse. Auch der Februar war nach dem fulminanten Januar alles andere als langweilig und ging gestern mit einer bedenklichen Schwäche zu Ende. Nachdem Griechenland nun, nach langem Poker um die Konditionen, gerettet ist :-)) dürften wir von dieser Seite, zumindest für die nächsten Wochen, etwas Ruhe haben. Das Thema wird natürlich schon bald wieder auf den Tisch, kommen und bereits jetzt mehren sich die Stimmen, die sich öffentlich gegen ein drittes Rettungspaket aussprechen. Um so erstaunlicher war allerdings auch die Stärke des Dax im abgelaufenen Monat. Denn betrachtet man mal alle möglichen Risikofaktoren wie Griechenland, Portugal, den Iran und auch die unsägliche Schmuddelkampagne um unseren Bundespräsidenten, dann ist es doch erstaunlich dass sich der Index in dieser Zeit so stabil halten konnte.

Die Berichtssaison zum abgelaufenen Geschäftsjahr hat hier sicherlich seit ihrem Start gute Schützenhilfe geleistet, wenn auch nicht mit dem überzeugenden Ergebnis das von vielen Analysten und Marktteilnehmern erwartet wurde. Insgesamt waren die vorgelegten Zahlenwerke aber doch recht zufriedenstellend. So konnten beispielsweise von den 500 im S&P gelisteten Unternehmen bislang über 60 Prozent positiv überzeugen. Bei den deutschen Standardwerten sah die Bilanz des letzten Jahres ähnlich aus. Die Berichtssaison neigt sich nun aber dem Ende zu, und dürfte somit nicht mehr für frische Impulse an den Kapitalmärkten sorgen. Der Markt hat somit bereits vor Tagen angefangen sich wieder auf die harten konjunkturellen Daten zu fokussieren.

Die Rede des FED Präsidenten Ben Bernanke, der gestern den Markt etwas durch gerüttelt hat, spielte dabei für die künftige Entwicklung der Indizes keine ganz unwesentliche Rolle. Bernanke warnte eindringlich vor allzu viel Euphorie an den Aktienmärkten und ließ durchblicken, dass man seitens der FED in absehbarer Zeit nun wohl doch nicht an ein weiteres Liquiditätsprogramm a la QE3 denke. Denn insbesondere eine deutlich inflationäre Entwicklung bereitet dem Fed Chef nun offensichtliche Kopfschmerzen. Der Markt zeigte sich prompt verstimmt, denn auch der zuvor aufgelegte umfangreiche Tender der Europäischen Zentralbank über 500 Milliarden Euro konnte die Börsen nicht mehr so recht stimulieren. Am härtesten trafen dies Aussagen der Fed erneut den Rohstoffmarkt. Insbesondere Gold und Silber brachen geradezu dramatisch ein. Hier ist für die kommenden Wochen erst einmal Vorsicht angesagt.

Meine Erwartungen für den Monat März bleibt somit unverändert. Ich rechne immer noch damit, dass es in diesem Monat bereits etwas ungemütlicher werden könnte. Die Zeit des ruhigen und stetigen Anstiegs der Indizes dürfte erst einmal vorbei sein. Wir befinden uns nun in der ersten nennenswerten Konsolidierungsphase seit dem Ausbruch der Börsen der kurz vor Weihnachten 2011 begann. Deutliche Ausschläge in beide Richtungen sind nun möglich. Nachdem der DAX nun zum zweiten Mal an der 7.000er Marke gescheitert ist stehen die Chancen für eine etwas umfangreichere Korrektur an den Märkten nicht schlecht. Diese würde dann auch allen Akteuren, die bislang doch eher mit zwei weinenden Augen an der Seitenlinie standen, einen Einstieg ermöglichen.

Eine genauere Chartanalyse des Dax, sowie meine Beurteilung zu den kommenden Bewegungen am Markt erhalten Sie wie gewohnt mit dem nächsten Investors Inside Newsletter.

Gastkommentar: Deutsche Bank, Commerzbank, Unicredit, Bank of Ireland im Spannungsfeld der Offenmarktpolitik der EZB

Wie erwartet halten sich die Freudensprünge des Marktes, wegen des neu aufgelegten Tenders der EZB, heute einigermaßen in Grenzen. Rund 800 Banken und Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bank, Commerzbank, Unicredit, Bank of Ireland u.a., haben von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Liquiditätsfähigkeit mit Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter aufzustocken. Das Gesamtvolumen soll nach Angaben der EZB bei 529,5 Milliarden Euro gelegen haben, und ist mit einer Laufzeit von 3 Jahren auf einen absoluten Niedrigzinssatz von 1 % fixiert. Für Marktbeobachter und Analysten außergewöhnlich lange 3 Jahre. Die Offenmarktpolitik ist das wichtigste Instrument der Geldpolitik und aktuell sogar ein Standardinstrument, mit dem die Zentralbank die Geldschöpfung unmittelbar beeinflusst.

Bereits Ende 2011 statte die EZB die Finanzmärkte mit einer Liquiditätsspritze von 489 Milliarden Euro aus, ebenfalls zu den vorgenannten Konditionen von einem eher symbolischen Zinssatz von 1 %  und mit einer Laufzeit von 3 Jahren. Ein sehr gutes Geschäft für die Banken und Kreditinstitute der EU, die das Kapital zu einem Teil in Staatsanleihen Italiens oder Spaniens, die mit hohen Zinsversprechen, umschichteten. Demzufolge hatten diese Länder weniger Probleme, sich frisches Kapital zu beschaffen. Auch andere Mitgliedstaaten im Euro-Währungsverbund, beispielsweise Irland und Belgien, mussten in der Folge weniger hohe Zinsen für ihre Staatstitel bieten.

Selbstverständlich kommen diese Mittel auch der Realwirtschaft zu gute, keine Frage, anders wäre die Dax-Rallye im Januar und Februar 2012 undenkbar gewesen. Anleger finden wieder zurück in die Aktienwerte der großen Unternehmen, Vertrauen wird sukzessive und mühsam wieder aufgebaut. Diese positive Stimmung an den Kapitalmärkten findet auch in den USA ihre Fortsetzung. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss aktuell 0,2 % höher auf 13.005 Punkte und beendete erstmals seit Mai 2008 den Handel wieder über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Zählern.

Aber wie sieht es mit einzelnen Titeln aus? Kontrovers diskutiert wird beispielsweise die Performance der Commerzbank AG. Seit Ankündigung der Kapitalerhöhung hat die Commerzbank-Aktie in der Spitze bis zu 13 % verloren, beklagen einige Trader, die auf kurzfristige Effekte setzen. Die Unterstützungszone bei 1,80 Euro hat allerdings vorerst gehalten, bewerten einige Analysten die augenblickliche Lage. Die Kursentwicklung der nächsten Tage wird entscheidend für den Platzierungspreis der neuen Aktien sein. Der Stichtag fällt auf den kommenden Freitag.

In der Kontroverse steht die beabsichtigte Kapitalerhöhung um 10 % der Commerzbank, mit der Folge, das sie ihre Aktienanzahl um 10 % erhöhen wird. Der Platzierungspreis der neuen Aktien ergibt sich aus dem Durchschnitt des täglichen volumengewichteten XETRA Durchschnittskurses der Commerzbank-Aktie im Zeitraum vom 24. Februar bis zum 2. März 2012. Der volumengewichtete Durchschnittskurs wird berechnet, indem man die gehandelten Stücke durch das gehandelte Volumen dividiert. Jetzt kommt es also darauf an, welche Bewertung der Markt für fair erachtet.
Sandro Valecchi

Gastkommentar: Bedroht der Ölpreis-Anstieg die Rally ?

Der Rekord-Ölpreis bremst die seit Dezember laufende Börsenrallye zunächst aus. Aktuell erreichte der Rohölpreis sein neues Allzeithoch mit 93,64 EURO für das Barrel (Fass mit 159 Litern) der Nordseesorte Brent in der Spitze. Zugleich wurde damit der bisherige Rekordstand vom 03.07.2011 mit 93,45 EURO pro Barrel überboten. „Brent Crude Oil“ wird an der Londoner Warenterminbörse International Petroleum Exchange gehandelt.

Der überwiegende Teil des Handels mit Öl wird allerdings außerhalb der Börsen abgewickelt; dabei dient der aktuelle Tageskurs für die jeweilige Öl-Sorte als Referenzpreis. So können Spekulationen mit Rohöl dennoch große Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die internationalen Märkte haben. Das ist der entscheidende Punkt. Die Allmacht des Rohöls bleibt weiterhin ungebrochen. Es rangiert unangefochten auf Platz 1 der bedeutendsten globalen Energieträger. Der Ölpreis ist damit einer der wichtigsten Faktoren für die globale Wirtschaft und zugleich mit Abstand der wichtigste Wert an den Rohstoffmärkten. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs beziffert den Anteil von Rohöl am weltweiten Produktionsvolumen sämtlicher Rohstoffe auf fast 45 %. Damit gilt Rohöl als der mit Abstand wichtigste Rohstoff der Welt.

Das Rekordhoch beim Öl-Preis findet seine Ursache nahezu ausschließlich in der weltweiten Ölnachfrage, die auch auf weiterhin konstant hohem Niveau rangiert, aber auch in der Gewinnmitnahme der Öl-Industrie, gestützt durch die Macht des Kartells. Vorgeschoben für dieses hohe Preisniveau sind Behauptungen, die iranische Regierung habe durch eine Aussetzung der Öl-Lieferungen nach Frankreich und Großbritannien im Vorgriff auf das Öl-Embargo der EU, welches ohnehin erst  mit Wirkung zum 01.07.2012 greift, diesen Preisanstieg bewirkt. Aktuell getrieben wird der Ölpreis sowohl von der steigenden Nachfrage in Schwellenländern, als auch von dem knappen Angebot. Aufstrebende Industriestaaten wie China, Indien und Lateinamerika stützen somit mit ihrem Wirtschaftswachstum und ihrem einhergehenden höheren Energieverbrauch den Ölpreis. Jedoch bleibt ein gesteigertes Angebot aus, da es in den letzten Jahren immer schwieriger wird neue Ölvorkommen zu erschließen.

Für die Öl-Konzerne bietet dies Szenario um das Öl-Embargo gegen den Iran offenbar die passende Ausrede, um bei der sich jetzt bietenden Gelegenheit schlicht und einfach „richtig Kasse“ machen zu können, was offenbar ganz gut funktioniert.

  • Die Allmacht der Kartelle

Die Öl-Konzerne bilden Kartelle, das ist nicht neu. Die Bildung von Kartellen ist zwar kein Kavaliersdelikt, sondern eine kriminelle Handlung, die dem Wettbewerbs- und dem Transparenzgebot völlig zuwider läuft und natürlich kleinere Marktteilnehmer, vor allem Mittelständische Energie-Unternehmen, enorm schadet und der Allgemeinheit, also allen Bürgerinnen und Bürgern, ständig höhere Preise aufzwingt. Ein Kartell im Bereich der Wirtschaft ist eine Vereinbarung oder ein Zusammenschluss selbstständig bleibender Unternehmen oder sonstiger Marktakteure zur Beschränkung des freien Wettbewerbs. Kennzeichnend ist stets eine konspirative Vorgehensweise und Absprache der Unternehmen einer Branche, um Kontrollmechanismen auszuheben, Wettbewerber zu verdrängen, Preise zu kontrollieren und zu bestimmen sowie Abreden zu treffen, die vom Rechtsstaat und der Judikatur nicht mehr nachvollziehbar oder kontrollierbar sind. Unternehmenskartelle gelten seit spätestens der Nachkriegszeit als schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung und das Gemeinwohl. Wirtschaftskartelle der Gegenwart sind somit kriminelle Organisationen.

Allerdings gibt es „ungeschriebene Ausnahmen“, sogenannte staatlich geduldete Kartelle. Die Öl-Kartelle sind solche staatlich geduldeten Kartelle. „Günstige Alternativen gibt es kaum. Schuld ist ein ausgeklügeltes System der großen Öl-Konzerne“, konstatiert Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts in Deutschland.

  • Das Geschäft mit der Angst

Internationale Konflikte, beispielsweise das EU-Embargo gegen den Iran, seien Ursache der Preisexplosion. Tatsächlich unterhält EU-Mitglied Großbritannien einige Förderstationen in der Nordsee und ist auf Öl-Importe aus dem Iran nicht angewiesen, könnte beispielsweise norwegisches Öl jederzeit problemlos nachkaufen, soweit dies erforderlich sein sollte. Total S.A. in Frankreich erklärte bereits im Januar 2012, sich an den Embargo-Beschluss der EU zu halten und hatten umgehend seine Importe sowie Zukäufe aus dem Iran bereits gestoppt (etwa 80.000 Barrel pro Tag). Der größte italienische Öl- und Gaskonzern Eni will seine Kapazitäten in Libyen in der zweiten Jahreshälfte wieder voll ausschöpfen. Schon jetzt habe die Ölförderung in dem Land wieder vier Fünftel des Vorkriegsniveaus erreicht, teilten die Italiener mit. Demnach kann es folgerichtig nicht an einer künstlichen Verknappung der Öl-Ressourcen an den Märkten liegen.

  • Margen für das Raffinerie-Geschäft

Vor allem im Geschäft mit Raffinerien, im Marketing und Vertrieb kämpfen die Öl-Konzerne mit sinkenden Margen. Im sogenannten Downstream-Geschäft vergrößerte sich der Verlust beispielsweise beim italienischen Eni-Konzern (Agip) im Schlussquartal von 39 Millionen auf 271 Millionen Euro. Ähnlich wie Eni hatten zuvor bereits Total, Exxon und ConocoPhillips rückläufige Margen in ihrem Raffinerie-Geschäft vermeldet. Diese Verluste sollen über den hohen Endverbraucherpreis wieder wett gemacht werden.

  • Auf Kosten der Realwirtschaft und der Allgemeinheit

Die Börsenrallye wurde vom Ölpreis zunächst ausgebremst und der Aufschwung kann ins Schlingern kommen. Auch die Rezessionsängste könnten wieder aufkommen und die guten Vorgaben der letzten Wochen an den internationalen Märkten wieder zunichte machen. Gefährdet sind dann vor allen Dingen konjunktursensitive Werte, die in den vergangenen Monaten am stärksten profitieren konnten. Hierzu gehören vor allem deutsche Titel, zumal der Dax besonders viele Zykliker enthält, also Firmen aus den Branchen Automobil, Industrie, Chemie oder Baustoffe. Diese reagieren stets ganz besonders sensibel auf konjunkturelle Trendwenden. Sollte jetzt wieder die Stimmung an den Börsen drehen, könnte eine Gegenbewegung einsetzen.

Vor allen Dingen die Automobilwerte, eine Schlüsselindustrie im Hightech Deutschland, würden dann stark verlieren, da diese Titel auch am stärksten unter einem dauerhaften Ölpreisanstieg leiden. Zwar könnten andererseits die Anleger dann wieder vermehrt in dividendenstarke Defensivwerte wie die Deutsche Telekom oder E.on umschichten, die Auswirkungen auf den Dax, den Chart und die Realwirtschaft, die nach Working-Capital verlangt, wäre verheerend...von Sandro Valecchi

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