Tag Archives: 2012

Salzgitter mit Verlust – wie gehts hier weiter?

Was ich gestern schon angedeutet habe ist heute Wirklichkeit geworden. Die Salzgitter Zahlen sind für mich wirklich eine herbe Enttäuschung. Ohne die Beteiligung an Aurubis wären diese wohl noch deutlich schlechter ausgefallen. Somit muss ich meine gestrige Aussage zum KGV der Firma heute revidieren. Dieser ist nicht extrem hoch sondern nun wohl vorübergehend nicht mehr vorhanden. Salzgitter rechnet für das Gesamtjahr nun nur noch mit einem „in etwa“ ausgeglichenen Vorsteuerergebnis. Nach neun Monaten konnte die Salzgitter AG 8 Milliarden Euro umsetzen, was einer ordentlichen Steigerung um 9 Prozent entspricht. Das EBIT betrug hingegen minus 42,6 Milionen Euro, nachdem der Stahlkonzern im Vorjahreszeitraum noch  169,1 Millionen Euro verdient hat.

Auch das Konzern-Ergebnis nach Steuern war mit minus 48,2 Millionen Euro negativ. Als Grund für diesen deutlichen Rückgang gab das Unternehmen die weiterhin schwache Stahlkonjunktur in Europa, niedrige Stahlpreise und hohe Einkaufspreise für Rohstoffe an. Zwar haben die heute veröffentlichten Daten in etwa den zuvor schon bekannt gegebenen Daten nahezu entsprochen Analysten hatten aber mit einem geringeren Verlust gerechnet. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dann doch noch: Mit einer Eigenkapitalquote von 43 Prozent sowie 573 Millionen Euro Nettofinanzposition bleibt die finanzielle Situation des Unternehmens weiterhin solide. Dennoch sehe ich hier persönlich im Moment wenig Phantasie für steigende Kurse…

Die Wacker Chemie Q2 Zahlen sind eher mau, die Solarkrise belastet weiterhin

Die Wacker Chemie AG hat heute nach der Vorlage der Quartalszahlen auch die Prognose für das Gesamtjahr gekappt. Der anhaltende Preisverfall in der Solarindustrie ebenso wie das schwächende Halbleitergeschäft haben auch das Ergebnis im letzten Quartal belastet. Im Vergleich zum Vorjahresquartal musste ein Umsatzrückgang von 7,8 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro verbucht werden. Für das Gesamtjahr rechnet die Konzernleitung nun mit einem etwas geringerem Umsatz von 4,9 Milliarden Euro nach zuvor 5 Milliarden Euro. Etwas dramatischer stellt sich allerdings die Situation beim operativem Ergebnis dar.

Dieses sank auf Jahressicht um 26 Prozent auf 240 Millionen Euro was zu einem deutlich geringerem Gewinn von nur noch 60,6 Millionen Euro führte. Im Vorjahr konnte der Spezialchemie-Konzern noch einen Gewinn von 143 Millionen Euro verbuchen. Weiterhin prognostizierte die Konzernführung dass das operative Ergebnis in diesem Jahr wohl deutlich unter dem des Vorjahres liegen werde. Die Finanz- und Schuldenkrise haben die Risiken deutlich erhöht, hieß es. Insgesamt waren die harten Fakten so von den meisten Analysten zwar erwartet worden, der schwächere Ausblick hingegen dürfte heute zunächst neuen Verkaufsdruck bei der Wacker Chemie Aktie aufkommen lassen. Rutscht die Aktie dabei unter die wichtige Marke von 50,- Euro sind Kursziele um die 46,- Euro sehr wahrscheinlich.

VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW – mit Vollgas durch die Krise

Es ist schon fast etwas langweilig, aber angesichts der heutigen Meldungen aus der Autobranche muss ich doch nochmal kurz etwas dazu schreiben. Heute konnte man wieder mal Berichte lesen in denen lang und breit erklärt wurde warum es der Automobilindustrie bald schlecht gehen wird. (Nein, die waren dieses Mal nicht von Herrn Dudenhöffer!) Hierzu wurden einmal mehr die Verkaufszahlen der französischen und italienischen Autobauer der letzten Monate bemüht, ebenso wie die von Opel. Bei allen genannten Herstellern finden wir nach meiner Auffassung aber Sondersituationen vor, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben, ohne jetzt näher darauf eingehen zu wollen. Das Hauptproblem der genannten bleibt aber die starke Konkurrenz aus Asien, die den Herstellern insbesondere im Kleinwagensegment das Leben schwer macht.

Hinzu kommt noch die Tatsache dass insbesondere der europäische Hauptabsatzmarkt für die Genannten weiterhin schwächelt, was aber auch angesichts der Verwerfungen in Euroland und historisch hoher Arbeitslosenzahlen nicht wirklich verwundern sollte. In Deutschland wurden in den letzten Monaten ebenfalls deutlich schlechtere Absatzwerte bei Neuwagen gemessen. Dieser musste aber heute schon wieder nach oben korrigiert werden. Der Juni schließt nach vorläufigen Zahlen mit über 296.000 Neuzulassungen oder einer Zunahme von fast 3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich besser ab als erwartet, wie der Importeurverband VDIK heute mitteilte. Damit liegen die Verkaufszahlen für das letzte Halbjahr insgesamt um ein Prozent über dem Wert des letzten Jahres.

Bei den deutschen Premium-Herstellern sieht das Bild erneut gravierend anders aus. Die Nachfrage nach den Produkten von VW, BMW, Audi, Daimler und Porsche ist ungebrochen hoch. Wie wir bereits wissen haben alle deutschen Premiumhersteller inzwischen Sonderschichten für die verkürzten Sommerferien in ihren Werken geplant um der großen Nachfrage auch weiterhin gerecht werden zu können. Sicherlich kein Zeichen dafür das der Umsatz von VW & Co. im kommenden Quartal dramatisch einbrechen wird.

Heute verkündete Volkswagen den besten Absatz in den USA seit dem Jahr 1973. Mit 38.170 Fahrzeugen verkauften die Wolfsburger satte 34,2 Prozent mehr Autos im Juni als im Vorjahreszeitraum. Damit wurde der US Absatz für das Gesamtjahr inzwischen sogar um 35,4 Prozent gesteigert! Daimler konnte gestern einen extrem starken LKW Absatz verkünden. Für das Jahr 2014 planen die Stuttgarter inzwischen mit einer stolzen Gewinnmarge von über zehn Prozent. Die neue Produktreihe dürfte mit dem kürzlich präsentierten CLS Shooting Brake den Nerv der Kunden treffen. Daimler wird nun endlich optisch jünger und dynamischer. Ich gehe davon aus dass sich die Verkaufszahlen von Daimler in den kommenden Monaten deutlich nach oben bewegen werden.

Audi legte im letzten Monat ebenfalls in den USA noch einmal deutlich zu. Der Neuwagenverkauf wurde um 26 Prozent auf 12.664 Fahrzeuge gesteigert. Auch hier konnte eine neuer Absatzrekord erzielt werden. Seit dem Markteintritt in den US-Markt vor 42 Jahren sind noch nie so viele Audis in einem Monat in den USA verkauft worden. BMW will künftig verstärkt mit Toyota in den Bereichen Brennstoffzellen, Leichtbau, Elektrifizierung und bei Architektur und Komponenten für Sportwagen zusammen arbeiten, um noch effizienter zu werden. Porsche verkauft seine Sportwagen ebenfalls wie geschnitten Brot in den USA und China. Im Juni wurde der US Absatz der Sportwagenschmiede noch einmal um 18 Prozent auf  3.002 Autos gesteigert.

Alles deutet auf eine weiterhin stabile Absatzsituation hin, die sich zumindest in den kommenden beiden Quartalszahlen deutlich positiv in den Bilanzen widerspiegeln wird. Auch mittelfristig gehe ich davon aus dass der Zyklus bei den Autobauern noch bis weit in das Jahr 2014 andauern wird. Sieht man sich die heutigen Bewertungen der Unternehmen an den Börsen an und glaubt man nicht an einen Zusammenbruch des Euro oder der Eurozone, mit entsprechenden Effekten auf die Weltwirtschaft, so muss man sich wohl inzwischen ernsthaft fragen ob die jüngst für den Sektor ausgegebenen Kursziele von Goldman Sachs wirklich so unrealistisch sind? Ich denke es gibt deutlich schlechtere Wetten mit wesentlich weniger Substanz!

Wacker Chemie – Startschuss für eine Rally?

Heute wird die Wacker Chemie AG ihr Zahlenwerk für das abgelaufene erste Quartal des Jahres präsentieren. Analysten erwarten dass das Unternehmen zunächst schwach in das neue Jahr gestartet ist. Sie gehen auf Jahressicht von einem Rückgang des operativen Ergebnisses vor Zinsen Steuern und Abschreibungen um stolze 40 Prozent auf 211 Millionen Euro aus. Beim Umsatz rechnen die Fachleute mit ca. 1,17 Milliarden Euro. Der Gewinn soll in dem Zeitraum deutlich von zuvor 168 Millionen Euro auf nur noch 40 Millionen Euro geschrumpft sein. Diverse Analysten haben ihre Ratings und Kursziele für das Unternehmen zuletzt deutlich zurück genommen, und erwarten teilweise weiter sinkende Notierungen bei der Wacker Chemie Aktie.

Konzernchef Rudolf Staudigl hingegen zeigte sich zuletzt wieder deutlich optimistischer und hatte vor wenigen Tagen darauf verwiesen dass sich das Geschäft mit Polysilicium im Vergleich zum vorangegangenem Quartal deutlich erholt habe. Demnach greife die Solarindustrie wieder verstärkt zu den Rohstoffen des Unternehmens. Staudigl sieht erste Anzeichen dafür dass sich die Überkapazitäten abgebaut hätten und die Konsolidierung der Branche allmählich abgeschlossen sei. Der Absatz von hochreinem Silizium war nach Angabe des Firmenchefs im ersten Quartal um 50 Prozent höher  als im Vorjahresquartal. Alle Produktionsanlagen von Wacker Chemie laufen unter Volllast hieß es in dem Interview.

Spannend dürfte also heute sein wer am Ende Recht behalten wird. Wenn das schwächelnde Polysilizium Geschäft tatsächlich in dem Umfang angezogen hat, und die Preise nicht weiter deutlich in den Keller gegangen sind, stehen die Chancen für eine positive Ãœberraschung heute sehr gut. Bereits gestern konnte die Wacker Chemie Aktie im Vorfeld der Zahlen kräftig anziehen. Gelingt es dem Unternehmen heute zu überzeugen dürfte das der Startschuss einer Rallye gewesen sein, die die Aktie schnell wieder in deutlich höhere Regionen führen sollte. Enttäuscht das Unternehmen allerdings erneut sehen wir wohl auch sehr schnell wieder Kurse unter 60,- Euro. Dann hätte Staudigl wohl auch eine ordentliche Portion Vertrauen verspielt…!

Wahl zum Finanzblog des Jahres, Finance Blog of the Year 2012

Liebe Leser,

wie Sie ja bereits wissen findet gerade die Abstimmung der Wahl zum Finanzblog des Jahres 2012 statt, an der Sie kräftig teilnehmen können. Noch bis zum Montag werden Ihre Stimmen gewertet. Und natürlich würde ich mich freuen wenn Sie uns auch in diesem Jahr wieder für uns voten (schönes Neudeutsch 🙂 ). Natürlich nur wenn Sie der Meinung sind dass wir diesen Titel erneut verdient haben. Unter den diesjährigen Finalisten sind ansonsten auch einige andere wirklich sehr gute Blogs die Ihre Stimme verdient hätten. In jedem Falle freue ich mich über Ihre rege Teilnahme an dieser Abstimmung bei der nun der Leser entscheidet wer letztlich auf dem Siegertreppchen steht.


 

 

 

 

 

 

 

Ich bedanke mich schon im Voraus für Ihr Mitwirken und ggf. natürlich auch Ihre Stimme für Investors Inside, und wünsche Ihnen allen ein angenehmes und erholsames Wochenende. Am Dienstag wird dann das Endergebnis bekannt gegeben! Viele Grüße, Ihr Lars Röhrig

P.S. und auch in diesen Jahr hat Investors Inside wieder mit einem hervorragendem 2.ten Platz bei der Wahl zum Finance Blog of the Year abgeschnitten. ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken, die für diesen Blog gestimmt haben. Mal schaun wie die Wahl zum Finance Blog of the Year 2013 ausgehen wird. Sicher wird es wieder ein spannender Wettbewerb mit vielen interessanten Blogs. Ich freue mich jetzt schon darauf!

Es ist mal wieder soweit….Investors Inside ist im Finale des „Finance Blog of the Year“

Liebe Leser,

Heute beginnt nun endlich die finale Abstimmung zur diesjährigen Wahl des „Financeblog of the Year“ von Smava, und ich freu mich Ihnen an dieser Stelle mitteilen zu können, dass Investors Inside auch in diesem Jahr wieder unter die besten 15 Finanz- und Wirtschaftsblogs von der hochkarätigen Jury nominiert worden ist. Insgesamt haben sich 180 Finanzblogs um den begehrten Titel beworben, und damit deutlich mehr denn je. Auch in diesem Jahr findet man neben den alten Bekannten weitere herausragende Blogs unter den Finalisten. Mein Dank gilt an dieser Stelle auch der Jury für ihre, meiner Meinung nach, sehr kompetente Vorauswahl.


Nun ist es an Ihnen liebe Leser, wenn Sie der Meinung sind dass wir diesen Titel auch in diesem Jahr wieder verdient haben, freue ich mich über Ihre zahlreiche Stimmabgabe für Investors Inside. Bis zum 03.04.2012 kann abgestimmt werden. Hier geht es zur Abstimmungsseite! …Und natürlich möchte ich mich an dieser Stelle bereits im Vorfeld für Ihre Stimme, ihr Vertrauen und Ihre regelmäßigen Besuche auf unserem Börsenblog bedanken.

viele Grüße, Ihr

Lars Röhrig

 

Smava wählt wieder den Financeblog of the Year

Es ist mal wieder so weit: smava sucht zum vierten Mal den besten deutschsprachigen Wirtschafts- oder Finanzblog. Natürlich ist es für uns von Investors Inside Ehrensache als Titelverteidiger des letzten Finance Blog of The Year Wettbewerbes auch wieder mit dabei zu sein. Auch wenn ich mich natürlich grundsätzlich freuen würde wenn noch viele andere Teilnehmer in die engere Auswahl kommen, die es nach meiner Meinung auch mal verdient hätten zumindest nominiert zu werden.

Mir fallen da gleich mehrere ein, die ich noch nicht unter den aktuellen Meldungen gefunden habe, wie zum Beispiel Dirk Elsner´s mit seinem unermüdlichen Einsatz über seinen Blog Blicklog Licht ins Dunkel der Bankindustrie zu bringen, oder auch Joachim Goldberg mit Blognition mit der täglichen Beleuchtung der Kapitalmärkte. Mein Freund und Trader Kollege Michael Schulte, der täglich auf Mr Market umfangreiche Marktberichte schreibt, ebenso wie Norbert Lohrke mit seiner immer wieder treffenden und bissigen Kolumne auf Globalize gehören für mich persönlich zu den Anwärtern auf die begehrte Trophäe.

Ich würde mich freuen wenn ein paar dieser hervorragenden Blogs in die Endausscheidung kommen, und Sie Ihre Stimme in den kommenden Wochen für den ein oder anderen der Genannten abgeben. Natürlich möchte ich an dieser Stelle betonen, dass auch wir uns über Ihre Stimme freuen, wenn Sie der Meinung sind dass wir diesen Titel auch in diesem Jahr wieder verdient haben. In jedem Falle freue ich mich auf einen erneut spannenden Wettbewerb wenn die Wahl so richtig los geht. 😉 Weitere Informationen über den Wettbewerb für alle Blogger die sich ebenfalls bewerben wollen, finden Sie auf der Seite von Smava.

Klöckner & Co, ThyssenKrupp, JFE Holdings, Nippon Steel – Stahlaktien mit trübem Ausblick

Wer diesen Blog schon länger liest weiß dass ich ein echter Fan von zyklischen Werten, insbesondere Stahlaktien, bin. Die Nachrichtenlage in dem Sektor hat sich aber inzwischen deutlich eingetrübt sodass auch ich meine Strategie für die Branceh überdenken muss. Erst kürzlich kam die Stahlhändler Klöckner & Co. mit der Meldung an den Markt dass man in diesem Jahr mit einem bis zu fünf Prozent schwächeren Stahlgeschäft in Europa rechne. Zwar will der Konzern aus Duisburg diesen Rückgang mit Zukäufen abfedern, sicher dass dies auch gelingen kann ist man sich aber offenbar nicht.

Denn Sechs Prozent der weltweit rund 11.500 Stellen  also ungefähr 700 sollen nun wegfallen Noch im Herbst vergangenen Jahres war man bei Klöckner & Co auch bezüglich der künftigen Mitarbeiterzahl deutlich optimistischer. Der Prognose von Klöckner Chef Gisbert Rühl wird am Markt große Bedeutung beigemessen – Dank des kurzfristigen Bestellverhaltens seiner Kunden spürt Klöckner & Co größere Skepsis auf der Nachfrageseite früher als andere.

Sorgen bereiten auch die großen japanischen Stahlhersteller. Offenbar stehen diese angesichts einer schwächeren Weltkonjunktur zunehmend mit dem Rücken zur Wand. Der zweitgrößte Stahlproduzent des Landes JFE Holdings Inc warnte gestern vor dem ersten Nettoverlust seit Bestehen des Unternehmens. Auch der Ausblick für das kommende Geschäftsjahr nahm JFE deutlich zurück.

Mitbewerber Nippon Steel  leidet hingegen offiziell unter Währungsturbulenzen. Der starken Yen führte zu deutlich roten Zahlen im dritten Quartal. Der Stahlriese hofft nun durch ein abschließendes starkes Quartal das Ruder rumreißen zu können während bei JFE schon fest steht dass ein Nettoverlust von 40 Milliarden Yen ( 398 Millionen Euro ) anfallen wird.  Im Vorjahr konnte der Stahlkocher noch mit einem Gewinn von 58,61 Milliarden Yen glänzen.

Auch im Stahlmarkt scheinen die Japaner, und natürlich auch andere große Stahlhersteller weltweit zunehmend Konkurrenz aus Südkorea und China zu bekommen. Diese vermiest nicht nur das Geschäft bei Stahlexporten, sondern überschwemmen inzwischen auch deren Binnenmarkt mit billigem Stahl. Bei JFE Holdings Inc spricht man inzwischen offiziell von einem deutlichen Überangebot auf dem Stahlmarkt. Der Konzern geht im kommenden Jahr von einem Rückgang der Stahlproduktion um 8 Prozent aus.

Alles in allem also keine besonders ermutigenden Nachrichten um in diesem Jahr weiterhin verstärkt auf Stahlaktien zu setzen. ThyssenKrupp veräußert seine Edelstahlsparte Inoxum, und macht sich nach dem Brasilien Desaster wieder etwas liquide. Damit gehen auch 100 Jahre Firmengeschichte nun in die Hände von Outokumpo. Der finnische Wettbewerber wird damit Weltmarktführer. Das neue Unternehmen erzielt nun voraussichtlich einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger setzt mit dem Verkauf des Sorgenkindes weiterhin darauf den Schuldenberg des Essener Konzerns zügig abzubauen, und rüstet sich ebenfalls für schlechtere Zeiten…

Die DAX Schwäche geht weiter und das Jahr neigt sich – Zeit für etwas Muße

Man muss sich das einmal in Erinnerung rufen. Am 08.07.2011 Рdem H̦hepunkt des Marktes im Sommer Рnotierte der S&P500 bei 1360 und der DAX bei 7500. Heute der S&P500 bei 1240 und der DAX bei 5750.

Das ist beim S&P ein Minus von 8,8% und beim DAX von – halten Sie sich fest – 23,3 % ! Und dabei ist die Rechnung noch in Heimatwährung. Hätte man im Sommer von einem Eurokonto den S&P 500 gekauft, wäre die Differenz noch eklatanter, weil das Minus des S&P500 noch kleiner wäre.

Innerhalb von 5 Monaten hat der DAX also gegenüber dem S&P in Euro relativ ca. 20% oder absolut grob 1000 Punkte verloren ! Ehrlich gesagt, eine derartige Divergenz zwischen dem DAX und den US Indizes in so kurzer Zeit habe ich noch nicht erlebt. Und wer im DAX war, kann sich ja noch glücklich schätzen, im CAC und anderen europäischen Indizes sieht es ja noch schlimmer aus.

Und auch heute geht es gnadenlos so weiter, DAX im Minus, S&P500 im Plus. Alle Aktien in Deutschland, auch die Nebenwerte, fühlen sich wie ein nasser Sack an, ein Sack der zwar auch nicht mehr stark fallen kann weil er schon labbrig am Boden liegt, aber eben auch keinerlei Leben mehr in sich trägt.

Was wir gesehen haben und heute wieder sehen, sind die unmittelbaren Auswirkungen des Vertrauensverlustes von Europa an den Märkten. Was letzte Woche beschlossen wurde ist zwar langfristig richtig, löst aber kurzfristig wenig und bedeutet kurzfristig sogar weitere wirtschaftliche Bremsspuren bedingt durch die Sparmassnahmen.

Wir können uns also darauf einrichten, dass uns dieser nervige Markt ohne klare Richtung noch bis in 2012 begleitet. Und auch Anfang 2012 werden wir wohl wieder diese Spreizung haben – zwischen einem Amerika dessen Wirtschaftsdaten langsam wieder nach oben zeigen und einem Europa, dass in den Seilen hängt.

Heute Abend gegen 20.15 Uhr wird mit der FED der letzte für mich absehbare, grössere Katalysator vor dem Jahresende kommen. In meinen Augen hat der Markt damit die letzte Chance noch einen richtigen Sprung zu machen. Danach wird das Handelsvolumen langsam austrocknen. In der Woche vor Weihnachten wird es schon ruhig werden und über den Jahreswechsel passiert dann sowieso nichts mehr. Diese Ruhe, in der auch die Ratingagenturen mal Weihnachten feiern und keine Schlagzeilen mehr produzieren, birgt bei selektiven ausgebomten Titeln im DAX (ala Rheinmetall) durchaus die Chance, dass diese an den ruhigen Tagen ein paar Prozent hoch laufen, weil sie von privaten Schnäppchenjägern über den Jahreswechsel gekauft werden. Aber mehr sollte man in meinen Augen nicht mehr erwarten.

Denn wenn der Markt es diese Woche nicht mehr schafft zu einem Sprung anzusetzen, kann man das Jahr wohl abhaken. Mit einem Auge muss man trotzdem wachsam bleiben, denn das Thema Iran schwebt weiter über unseren Köpfen und Feiertage sind da aus militärtaktischen Gründen eher Risikotage, als Tage der Ruhe.

Auch für mich hatte 2011 eine sehr schwierige zweite Jahreshälfte. Gegenüber dem oben genannten 08.07.11 habe ich aktuell – über alle Depots hinweg – gerade einmal 1% verloren. Damit muss ich mich nicht verstecken, zumal wenn der Heimatmarkt um mehr als 20% abstürzt. Aber ein Verlust ist es trotzdem und letztlich hatte man im zweiten Halbjahr viel Arbeit, viel Energieaufwand und am Ende trotzdem kein Ergebnis. Es gab definitiv bessere Jahre. Hoffen wir, dass 2012 uns positiv überrascht. In Anbetracht des extrem negativen Konsens mit Blick auf 2012, ist das durchaus möglich.

Meine Beiträge werden hier nach dieser Woche nun auch spärlicher werden, denn wenn der Markt diese Woche nicht zum Sprung ansetzt, stelle ich die meisten meiner Positionen glatt und habe dann endlich mal wieder Zeit, mit meinem kleinen Sohn auch in der Woche am Nachmittag einen Ausflug zu machen. Er möchte gerne schwimmen und tauchen lernen, da hat Papa doch mal eine schöne Aufgabe.

Darauf freue ich mich ! Wenn der Markt einem keine Freude macht, sollte man sich diese woanders suchen. (HS)

DAX 10000, Italien, Gold und Aixtron – lose Gedanken zum Sonntag

Über das Wochenende lese ich viel und mache mir auch Gedanken zu den Finanzmärkten.

An ein paar dieser Gedanken möchte ich die Leser heute teilhaben lassen. Ich betone, dass das weder Prognosen sind, noch vollständig durchdachte Analysen, es sind einfach lose Gedanken – die Ihnen aber vielleicht die eine oder andere Perspektive eröffnen.

DAX 10000 in 2012 ?

Mein Makrobild für 2012 sah schon seit Ende 2010 ziemlich düster aus. Ich erwartete eigentlich, dass 2012 ein sehr schwieriges Jahr wird, in dem wir neue Tiefststände ausloten würden. Nach einem ersten Absturz in 2011 – den wir gerade hinter uns haben – und einer Erholung zum Jahresende bis in den Januar 2012 hinein, rechnete ich damit, dass sich die Staatsschuldenkrise weiter verschärft und auch grössere Länder wie Italien oder selbst die US in 2012 auf den Radar der Märkte geraten. Denn strukturell ist weltweit nichts gelöst, sondern nur die Wunden mit weisser Salbe zugekleistert. An den Märkten würde das zu echter Panik führen, gegen die dieser August ein Kindergeburtstag war. Und der in meinen Augen unvermeidliche „Reset“ des Weltfinanzsystems würde näher rücken. Und China könnte in 2012 konjunkturell endgültig abknicken und es würde sich zeigen, dass die vermeintlich ach so tolle Staatswirtschaft dort im wesentlichen auch nur auf einem kreditfinanzierten Schneeballsystem beruht, bei dessen Platzen dann wieder Panzer zur „Beruhigung“ der Massen eingesetzt werden müssen. Zu guter Letzt verdichten sich sowieso die Signale, dass es mit der Ruhe um den Iran und mit Pakistan nicht mehr lange so weiter geht. Früher oder später hat Iran die Bombe und wird sie als Druckmittel einsetzen. Und vorher wird es sicher noch einen Angriff der Israelis mit amerikanischer Unterstützung geben. So weit mein düsteres Bauchgefühl für 2012, das ich schon das ganze Jahr 2011 mit mir herum trage. Ich betone, dass das nur ein Bauchgefühl ist und keinen Anspruch auf Wahrheit hat, ich kenne die Zukunft auch nicht. Unsichere Zeiten liegen aber wohl vor uns.

Nun finde ich dieses düstere Bild aber zunehmend in den Medien wieder. So schreibt die Wirtschaftswoche gerade, dass der DAX 2012 wohl bestenfalls im Bereich 5000-6500 schwanken wird und ein bekanntes Anlagemagazin für Otto-Normalverbraucher hat sogar den Crash 2012 auf dem Titelblatt.
Das macht mich skeptisch was das negative Szenario angeht, denn das was selbst Oma Büllerbeck erwartet, tritt selten ein, schon gar nicht an der Börse. Mr. Market hat dagegen die Fähigkeit genau das zu tun was keiner erwartet und damit den maximalen Schmerz zu verursachen. Und was erwartet absolut Niemand ? Genau: DAX 10.000 in 2012 !

Sie können sich das nicht vorstellen? Eben, das ist der Punkt. Denn wenn ich objektiv darüber nachdenke, ist die abstrakte Wahrscheinlichkeit einer derartigen Rally gar nicht so gering, wahrscheinlich im kleinen zweistelligen Prozentbereich. Die gefühlte Wahrscheinlichkeit ist aber aktuell 0%. Umgedreht ist das obige Katastrophenszenario für 2012 objektiv auch nicht viel wahrscheinlicher, gefühlt aber eher 50% und mehr – man könnte meinen es sei fast sicher.

Denken Sie mal darüber nach, was diese negative Erwartungshaltung der Marktteilnehmer für die Börse bedeutet.

Ruhe um Italien bis Februar 2012 ?

Ich habe gestern eine interessante Aufstellung gelesen, nach der Italien sich erst wieder ab Februar2012 bis April 2012 mit dann je rund 40 Milliarden € pro Monat signifikant am Kapitalmarkt refinanzieren muss. Umgekehrt bedeutet das, dass bis dahin relative Ruhe einkehren könnte. Hoffen und beten wir, dass Mr. Bunga Bunga bis dahin entweder ersetzt wurde oder das unvorstellbare Wunder geschieht und er vom Lichtstrahl des Verantwortungsbewusstseins getroffen wird.

Warum der 23. Januar für Gold ein wichtiges Datum ist.

Einer der Treiber für Gold ist der physische Bedarf aus den Schwellenländern in der zweiten Jahreshälfte. Indien ist hier schon länger bekannt. Aber nun wird China zunehmend zu einem gewaltigen Faktor auf dieser Rechnung. Der zunehmende Wohlstand einer neuen chinesischen Bürgerschicht steigert den Bedarf an Schmuck, aber in Anbetracht der gewaltigen Inflationsraten wird Gold auch als Wertaufbewahrungsmittel in China immer wichtiger. Gestern habe ich gelernt, dass Gold in China vor allem zum Neujahrfest erworben wird, dass in China heuer aber am 23. Januar 2012 ist ! Dieses Datum sollte man auf dem Radar haben !

Aixtron vor der Wende ?

Auslöser der überraschenden Rally von Aixtron am Freitag war wohl die Nachricht, dass auch China das Aus für die Glühlampe beschlossen hat. Dieser Prozess soll schon 2012 mit der 100 Watt Lampe losgehen. Auch von Subventionen der chinesischen Regierung war die Rede. Schon wird in diversen Publikationen das Ende des Absturzes der Aixtron Aktie ausgerufen. Das ist ja nicht ganz unlogisch, weil so das Durchsetzen der LEDs sicher beschleunigt wird. So weit so richtig. Aber wird Aixtron davon wirklich profitieren ?

Ich bin leicht skeptisch. Denn ein Mangel an potentiellem Marktvolumen war noch nie das Problem von Aixtron. Würde es danach gehen, hätte der Kurs nie abstürzen dürfen, denn auch ohne China ist das Marktpotential im LED Markt gewaltig. Grund für den Absturz waren Margenprobleme und vor allem schwächere Auftragslage. Und sollte China wirklich den LED Markt mit Subventionen pushen, ist es genau so gut möglich, dass damit erst eine subventionierte Konkurrenz für Aixtron heran gezüchtet wird, die die Marge endgültig zerstört. Das muss also keineswegs nur positiv sein. Bespiele in anderen Industrien gibt es ja zuhauf.

Ich tue mich daher schwer, das Thema China bei Aixtron richtig einzuordnen. Dieses Nachricht kann in Anbetracht der überverkauften Lage sicher noch ein paar Tage lang eine Hoffnungsrally auslösen. Ob das dann aber eine wirkliche Wende begründet, ist in meine Augen lange nicht so klar, wie es die Nachricht vermuten lässt.

Ich wünsche einen schönen Sonntag, geniessen Sie die Sonne ! (HS)

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