Jahresendrally – oder warum man sich an den 04.10.11 erinnern sollte

Nur ein kurzer Gedanke zum Markt am 23.11.11 um 11:40 Uhr.

Viele haben in den letzten Wochen – nachdem die EU ihre Beschlüsse gefasst hatte – auf eine Jahresendrally gesetzt. Auch ich. Der Markt hatte Vertrauen und setzte eindeutig zum Sprung nach oben an.

Dann kam Papandreou und obwohl Griechenland wirtschaftlich eigentlich völlig irrelevant ist, hat er mit seiner Volte etwas viel Bedeutenderes „erreicht“. Er hat das Vertrauen der Märkte in die Handlungsfähigkeit der europäischen Politik nachhaltig zerstört. Applaus !

Vor Papandreou war der Markt noch bereit der Euro-Zone zu vertrauen. Nun nicht mehr. Papandreou – so insignifikant diese griechische Posse eigentlich ist – hat der staunenden Welt klar gemacht wie Europa funktioniert, eben als Dissonanz und nicht als Harmonie.

Nun geben alle im Markt die Hoffnung auf eine Jahresendrally auf. „Das wars“ ist der Stimmungskonsens im Moment. Vielleicht hat die Mehrheit diesmal recht – aber nur vielleicht !

Ich gebe die Jahresendrally aber noch nicht endgültig auf. Denn genau so läuft es oft. Man wartet auf etwas und wartet. Und dann gibt man auf. Und genau in diesem Moment kommt es. Mr. Market liebt es geradezu uns so aufs Kreuz zu legen.

Das heisst aber nicht, dass ich nun fröhlich kaufe und damit letztlich nur auf eine unbekannte Zukunft zocke. Nein, ich sitze hier ruhig und still und warte. Denn ich kenne die Zukunft nicht. Und ich denke an den 04.10.11 und vielleicht sollten Sie es daher auch tun, zum Beispiel in dem Sie diesen Artikel hier noch einmal lesen.

Denn wenn sich der Zug in Bewegung setzen sollte, dann sollte man schnell aufspringen. Ich werde es tun ! Man sollte nicht noch einmal zu lange zu skeptisch zu sein. Und man sollte nicht tagelang nach Gründen suchen die es gar nicht gibt, die steigenden Kurse reichen als Begründung. Alles was wir zur Schuldenkrise geschrieben haben ist wahr und diese Krise wird bestimmt weiter eskalieren. Aber das schliesst keineswegs aus, dass wir noch ein paar Wochen eine fröhliche Rally erleben. Sollte sie kommen – mit Betonung auf „sollte“ – wäre es dumm diese zu verpassen, weil man aus langfristiger Sicht zu Recht pessimistisch ist ! Und wenn man auf dem Zug sitzt, muss man jeden Tag genau schauen ob nicht eine Kurve kommt, in der man schnell wieder abspringt !

Denken Sie also daran: die selbe Zukunft kann bei unterschiedlichem Zeithorizont zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen für die Geldanlage führen ! Flexibilität und die Bereitschaft schnell auf- und abzuspringen ist das Gebot der Stunde. Und bei aller berechtigten negativen und ratlosen Stimmung darf man nie vergessen, dass es trotzdem immer kurzfristige Chancen gibt.(HS)

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13 Comments

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  3. Ramsi said:

    Bin gerade bei 111 € eine Position in Volkswagen eingegangen – aber eng abgesichert. Wenn der Laden nicht dreht, bin ich sofort wieder draußen.

  4. Thomas said:

    Tantris, Danke und … sorry, gail!!!

    Der Faktor 100 ist auch in meinem Kopf.

    Das geht so: Null Ahnung warum mir diese Laotische Dame für 100 (laotische) Kip (= , null Ahnung, ca. 0,5 THB???) den Eimer mit den Kröten verkaufen will. In Thailand macht man eigentlich, bei wirklich Armen, Som-Tam/ส้มตำ (Papaya Salat) eigentlich mit Kaulquappen. Irgendwas haben die Kröten im Eimer für 100 laotische Kip zu bedeuten (essen möchte ich die genauso wenig wie die Thailändischen Kaulquappen, besser schmecken im Som-Tam/ส้มตำ (g)kung/กุ้ง (Garnelen) – allein ein Erfahrungswert.

    Zur Frage, ob ich die Laotischen Kröten kaufe (oder nicht), läuft sicherlich im Internet eine Wette über 10,000 Laotische Kip, ob ich nun die Laotischen Kröten kaufe oder nicht.

    Ich bevorzuge Laotische Kröten vor Lehman Brothers Zertifikate – zum Essen.

    • Lars said:

      @Tantris, ich wollte noch kurz etwas zu der Meldung über Klöckner & Co. loswerden. Die habe ich natürlich auch gesehen, und in dem Moment sind alle Alarmglocken bei mir angegangen. Man darf auch mal sagen das so etwas auf wallstreet-online zu lesen ist, und von einem Jörg Bernhard verfasst wurde. Jörg Bernhard arbeitet seit 2002 als freier Wirtschaftsjournalist und hat sich innerhalb des Themenkomplexes Börse & Investment auf die Bereiche Rohstoffe und Zertifikate spezialisiert. Derzeit arbeitet er für diverse Internetportale und Fachpublikationen. Empfohlen werden explizit in diesem Artikel gehebelte Produkte der Deutschen Bank 😉

      Letztlich muss man irgendwann herausfinden wem man die Aussagen, die getroffen werden, glauben kann und wem lieber nicht. Vielleicht wird Herr Bernhard am Ende sogar Recht behalten, auch wenn ich persönlich nicht daran glaube. Heute habe ich z.B. einen Börsenbrief bekommen der die Headline „Bank-Aktien jetzt kaufen??““Commerzbank Kursziel 10 Euro??“ trägt. Da kann sich jetzt jeder selber mal seine Gedanken zu machen. Allerdings ist dies auch einer dieser typischen Briefe die man bekommt, und die irgendwie alle gleich aussehen, also für mich eher die Kategorie von der man dringend die Finger lassen sollte.

      Moin Thomas, ich bin jetzt wieder genesen, habe aber wohl noch leicht Kopf weil ich Dir mit Deiner Kröten-Kaulquappen-Theorie nicht wirklich folgen kann. 🙂

  5. tantris said:

    Hallo !,
    am Tag werden global ca. 40 Milliarden USD für den Handel mit realen Werten umgesetzt. Für Derivate sind es pro Tag ca. 4000 Milliarden USD, also das 100-fache. Die Welt ist nur noch eine Zockerbude mit Monopoly-Geld. Die Big-Player versuchen natürlich, die Derivate-Anleger abzuzocken, d.h. es wird häufig das eintreten, wogegen die meisten wetten.

    Beispiel 1 : vor einigen Tagen wurde auf einer bekannten Internetseite ein Put auf Klöckner empfohlen. Und heute (warum gerade heute ?) geht die Aktie ab wie eine Rakete, natürlich nach oben, weil alle short damit sind.

    Beispiel 2 : eine Uni in Deutschland hat mal untersucht, was den Markt bewegt. Ob z.B. der Markt nach oben geht, wenn alle long gehen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Wetten mehr als 60% auf long / short, tritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% genau das Gegenteil ein. Bestes Beispiel war Anfang August. Wer dachte hier im Traum daran, dass der Dax 2000 Punkte verlieren wird ?

    Mein Fazit : von Derivaten / Optionen habe ich mich verabschiedet. Ich halte nur noch Aktien und wenn ich „short“ gehe, dann verkaufe ich, um später wieder zu kaufen. Mit dieser Methode kann ich übrigens gut schlafen. Denn sollte ein Wert im Depot mal in den Keller gehen, wird er auch wieder steigen. Nicht morgen, nicht im Januar 2012, aber im Mai 2012 vielleicht, wenn wieder Dividenden ausbezahlt werden.

    Für den weiteren Verlauf des Dax bin ich optimistisch, weil die Stimmung so schlecht ist.

    • Hari Seldon said:

      Tantris, damit bist Du bei der Behavioral Finance angekommen, eine gute Entscheidung ! Der nächste Schritt wäre jetzt, das was Du im Moment als „schlechte Stimmung“ fühlst zu objektivieren. So das Deine Entscheidungen auch nicht mehr von Deinem Bauchgefühl abhängig sind, sondern von klaren messbaren Fakten über das Verhalten der anderen Marktteilnehmer. Es gibt auch Services die genau das liefern. Einer – bei dem ich auch zahlendes Mitglied bin – ist zum Bespiel Sentimentrader.com Leider sieht man im öffentlichen Bereich nur einen kleine Ahnung von dem was innen geliefert wird. Aber Thema der Seite ist genau alle Daten aufzunehmen und zu analysieren, die etwas über das Verhalten der anderen Marktteilnehmer aussagen. Denn völlig richtig, wenn alle bullish sind können die Kurse nur noch fallen. Denn wer sich Bullish äussert hat schon gekauft. Und umgekehrt. Nur woran erkennt man ob wirklich alle Bullish sind oder ob man sich das mit dem eigenen beschränkten Radar nur einbildet ? Eben durch Daten, Daten, Daten 🙂 Ohne objektive Grundlagen ist man auch mit einem Contrarian Ansatz immer noch im selben Dilemma von vorher: man glaubt zu viel und weiss zu wenig …..

  6. Serdest said:

    Hi Hari,

    Danke für die kurze Info.
    Hatte übrigens auch den USD Kurs gemeint.

    VG
    S.

  7. Hari Seldon said:

    Wir hatten jetzt gestern und vorgestern einen grossen „Buying on Weekness“ Tag im SPY an der Wallstreet. Siehe zb hier: Buying on Weekness Dienstag 22.11.

    Ein Indiz dafür, dass der Verkaufsdruck bald nachlässt und eine Rally durchaus möglich ist.

  8. Serdest said:

    Hi Hari,

    also ehrlich gesagt hoffe ich noch auf eine Jahresendrally, da das ganze Geld ja irgendwohin muss… und wenn schon nicht in Staatsanleihen, dann vielleicht in Aktien!?!

    Mich iritiert der Goldkurs etwas. Angesicht der negativen Stimmung müsste der Goldkurs eigentlich neue Hochs bilden, stattdessen geht er mit runter…

    Irgendwie passt das nicht zusammen oder?
    VG
    S.

    • Hari Seldon said:

      Serdest, so einfach ist das nicht mit dem Goldkurs, der schwingt eher in Zyklen und wird von Stimmungen immer nur kurz beeinflusst, dann fällt er wieder in seinen Zyklus zurück – siehe auch Sommer. Und vieles von der schlechten Stimmung ist ja schon im Kurs verarbeitet. Ausserdem sinkt er heute in Euro ja gar nicht, er sinkt in USD aber gleichzeitig steigt der Dollar. Ich habe hier nicht den Raum das umfassend zu erklären und habe die Tage auch genug geschrieben, deshalb nur kurz: ich bin kurzfristig zum Jahresende positiv was Gold angeht , der Preis sollte aber nicht mehr unter 1660 USD fallen, dann ändere ich mglw meine Meinung. Unabhängig davon haben die letzten FED Minutes eigentlich nahe gelegt, dass die FED bald ihr QE3 startet. Sobald das passiert, bekommt Gold in USD den Nachbrenner.

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