Die Idee Euro und ein Untergang auf Raten

Auch die vergangene Woche brachte, wie von uns erwartet, keine entscheidende Wende an den Finanzmärkten. Barack Obama konnte mit seiner Rede zu dem geplanten Konjunkturpaket über insgesamt 450 Milliarden Dollar offenbar wenig überzeugen. Anleger weltweit befürchten dass auch dieses Maßnahmen-Paket durch die Republikaner abgeschmettert wird. Obama hat an zuletzt deutlich politischen Einfluss eingebüßt, und wird es schwer haben bis zu den kommenden Wahlen noch weitreichende Veränderungen durchzusetzen. Letztlich werden wir also warten müssen ob Ben Bernanke die US Märkte mit einem neuen Stimulus für die Finanzmärkte überraschen kann, bis dahin werden die Märkte weiterhin sehr nervös und extrem volatil bleiben.

Die Nachricht der Woche aber wahr der spontane Rücktritt des EZB Chefvolkswirts Jürgen Stark. Mit ihm schmeißt nun schon der dritte deutsche Vertreter in der EZB hin, und bringt damit erneut die Börsen unter Druck. Letztlich dürfte Stark wohl wegen mangelnder Unterstützung aus Berlin das Handtuch geworfen haben. Das mag zwar persönlich verständlich sein, aber letztlich ist es doch schade dass die Zahl der Entscheider im Euroraum mit einem gewissen wirtschaftlichem Weitblick immer kleiner wird, und die Gefahr eines politischen und wirtschaftlichen Verfalls der Eurozone dadurch weiter gestiegen ist.

Nach Bundesbank-Chef Axel Weber und Herrn Issing geht nun also auch Jürgen Stark. Offensichtlich sind die deutschen Vertreter in der EZB nicht bereit die dortigen Praktiken mit zu tragen. Konkret ging es immer wieder um die Ankäufe von Staatsanleihen maroder Staaten, einer Handlung die nicht in den Statuten der Europäischen Zentralbank verankert ist. Die EZB droht sich somit zu einer „Bad Bank“ Europas zu entwickeln, dies wollte auch Stark so anscheinend nicht hinnehmen. Zwar wurden für den Rücktritt offiziell private Gründe angegeben, glaubhaft ist dies in der jetzigen Situation aber nicht! Jürgen Stark war immer gegen den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, und hat sich während seiner Amtszeit massiv für die Stabilität des Euros eingesetzt.

Zuletzt kaufte die Europäische Zentralbank sogar italienische Papiere ohne einen triftigen Grund, was letztlich, wie auch in den anderen Fällen, einer Belohnung der Verfehlungen dieser Länder gleichkommt. Nun hat auch Stark aufgegeben, da er offensichtlich nicht mehr bereit ist die Fehlentscheidungen der europäischen Politik im Allgemeinen und der EZB im Speziellen mit zu tragen. Die offensichtliche Uneinigkeit Europas stürzt die EZB zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in eine erneute Krise, und somit auch den Euro. Dieser fällt weiterhin wie ein Stein und markiert heute ein 10-Jahres-Tief gegenüber dem Yen…Wie es beim Euro weitergehen könnte lesen Sie bitte hier…

Das Vertrauen in die europäische Währung und in eine gemeinsame und nachhaltige Wirtschaftspolitik hat seit letzter Woche somit erneut schweren Schaden genommen. Die deutschen Vertreter scheiden reihenweise aus den führenden Gremien der Währungsunion aus, und dass obwohl Deutschland doch den Karren für alle aus dem Dreck ziehen soll. Das kann nicht funktionieren! Am Wochenende wurde dann zusätzlich noch bekannt dass der Chef der Euro Gruppe, Jean Claude Juncker,  sein Amt zur Verfügung stellen will, da er der Meinung ist dass das Krisenmanagement in der Eurozone nicht mehr nebenamtlich zu machen ist. Ab Oktober soll der umstrittene Italiener Mario Draghi die Nachfolge von Jean Claude Trichet antreten. Alles keine unbedingt beruhigenden Perspektiven für die Märkte.

Als trauriges Fazit von meiner Seite bleibt, dass die politische Krise in Europa offenbar viel tiefer gehend ist als wir alle bereits angenommen hatten. Ich halte den Rücktritt von Jürgen Stark für ein Ereignis mit deutlicher Signalwirkung, und gehe davon aus, dass der Markt dies in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich einpreisen wird.  Ebenso wie auch die neuesten Nachrichten aus dem Krisengebiet Griechenland, die nicht gerade zuversichtlich stimmen. Das Land hat kürzlich mitgeteilt, dass die Schuldenproblematik nicht zu lösen ist. Die griechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 7,3 Prozent eingebrochen, die Schulden des Landes werden nicht sinken sondern voraussichtlich im Jahr 2011 um vier bis fünf Prozent steigen. Die Verzinsung für einjährige Staatsanleihen Griechenlands liegt inzwischen bei sagenhaften 96Prozent. Damit werden kurz und knapp zwei Dinge klar, Griechenland ist faktisch bankrott und auch nicht mehr zu retten.

Der Markt preist den wahrscheinlichsten Ausgang der griechischen Tragödie in Form einer nun unkontrollierten Pleite des Landes bereits jetzt voll ein, und rechnet innerhalb der nächsten 12 Monate (eher wohl deutlich weniger!) mit diesem Ereignis. Dennoch halten manche Politiker immer noch krampfhaft an einer Rettung des Mittelmeer-Staates fest, und sind bereit „unser“ Geld ohne Aussicht auf Erfolg, weiterhin in einem großen schwarzen Loch zu versenken, um Zeit zu gewinnen. Zeit wofür fragt man sich?? Ein geordneter und freiwilliger Ausstieg Griechenlands würde bei weitem nicht soviel Schaden angerichtet als das was jetzt wahrscheinlich kommen wird. Wiedermal…!

Bleibt nur zu hoffen das es den führenden Köpfen in Europa doch noch kurzfristig gelingen wird sich von der romantischen Vorstellung eine ewig währenden Liebesbeziehung aller europäischer Staaten zu lösen. Beziehungen scheitern, aus mangelnder Liebe oder weil einer der Partner betrogen hat, manchmal auch am Geld. Treffen alle drei Gründe zu ist spätestens dann eine Trennung unvermeidlich! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche Woche. Bleiben Sie weiterhin vorsichtig, das dicke Ende kommt wohl noch, denn die Märkte werden den Druck auf die Politik so lange aufrecht erhalten bis die richtigen Entscheidungen getroffen werden!

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22 Comments

  1. Franks Aktientipps said:

    Die Kurse steigen ja auch wieder…. früher oder später. Aus meiner Sicht sollte jetzt schon langsam wieder zugekauft werden…. Schließe mich Lars in seiner Meinung an… wobei im Moment noch keine Lösung in Sicht ist. und somit auch noch Platz nach unten bei den Kursen

  2. Thomas said:

    … und direkt @Ramsi

    Palladium? Jetzt? Bloß die Finger weglassen. Da wirst Du in ein paar Tagen/Wochen in das fallende Messer hinein gelangt haben. Ich kaufe dann nach (in meinem Depot) – eventuell Dein Palladium :-). Klar, kann mich auch irren … Wetten will ich hier nicht.

  3. Thomas said:

    „Platin wird daher auch nie so eindeutig im Fokus stehen wie Gold und Silber“
    „Junger Mann…“

    Wenn es unverständlich war: Ich wollte sagen, Gold und Silber waren ganz früher, so vor ca. 30 Jahren (?!), Langweiler. Wenn man mehr „Pep“ im Depot haben wollte, war die Frage eigentlich immer: Palladium oder Platin? Und wenn die durch die Decke gingen, haben die es dann auch, früher, mal auf die Titelseite der Bildzeitung gebracht.

    Und Ramsi? Was sucht er? Inflationsschutz? Wenn man vermögend ist, braucht man doch keinen Inflationsschutz. Also sorry und mal im Ernst! Angst vor Inflation? Stell Dir halt so was wie einen neuen Porsche, „physisch“, in die Garage und schließ die Garage 5 Jahre ab. Dann solltest Du Inflationsschutz haben. Gute Idee? Hast Du auch den den Rostschutz dabei gedacht? Ein Wasserbüffel (s.o) in der Garage (bloß nicht in den Garten lassen!) macht erfahrungsgemäß andere Probleme :-).

    Rohstoffe? Braucht Geduld. Will sagen, ich will hier nicht „Tips“ geben, aber rein gefühlsmäßig, kann man gerade durchaus, wir haben ja schon an anderer Stelle darüber gesprochen, an so etwas wie von Rhodium (A1KJHG – danke für den Hinweis, Lars 😉 bis Kartoffeln reichendes denken. Die sind – gefühlt – gegenwärtig ziemlich weit unten. Es ist nur die Frage des späteren Verkaufs – Zertifikat auf Kartoffeln?! Alles exotisch und daher schwierig beim Verkauf.

  4. Thomas said:

    „Platin wird daher auch nie so eindeutig im Fokus stehen wie Gold und Silber…“

    Junger Mann! Platin hatte das schon! Vergessen? I.ü. junger Mann, ihre Beschreibung triff heute eigentlich eher Palladium. Auch der Begriff Palladium geht in ihrem Beitrag doch „deutlich nicht erkennbar auf“. Könnten Sie diese, Ihre, Meinung charttechnisch begründen?

    Komm, lass es sein, mein Orang Utan ist auch nicht besser als dein Gorilla.

    (((Hari, nicht persönlich angegriffen fühlen, einfach drüber lachen. Als Begründung, die ich oben erbeten hatte, werde ich auch auch die Meinung Deines Astrologens akzeptieren :-))))

  5. Thomas said:

    Hari, meintest Du jetzt eigentlich Cis- oder Carbo-platin? Gibt es da einen ETF drauf? Zertifikate in so randständige Theman mag ich nicht. Oder meinst Du, ich sollte direkt in Cisplatin, oder doch eher Carboplatin investieren?

    War nur als Scherz gemeint. Aber DU wirst ihn schon verstehen 😉

  6. Hari Seldon said:

    Platin hat eine ganz breite Verwendung. Von stark konjunkturabhängigen Verwendungen wie Katalysatoren oder in der Elektronik bis kaum konjunkturabhängigen wie in der Medizin oder sehr selten auch als Münze. Allerdings macht die Verwendung in Katalysatoren mehr als 50% der Platinproduktion aus. Platin ist also eher ein Konjunktur-Metall das mit der Autoindustrie korreliert, wenn auch nicht eindeutig.

    Platin wird daher auch nie so eindeutig im Fokus stehen wie Gold und Silber und kann in meinen Augen kein Ersatz für die beiden Edelmetalle sein. Beimischung ja, Ersatz nein.

    Eine Chance ergibt sich bei Platin dadurch, dass auf Südafrika 3/4 der weltweiten Produktion entfallen. Und Südafrika wird zunehmend politisch instabil. Ein Ausfall der Förderung dort würde den Preis durch die Decke schicken. Man darf das dann aber natürlich nicht mit Südafrikanischen Minen spielen. Entweder Platin als ETC oder zb Stillwater Mining die ich hier ->Rohstoffaktien schon erwähnt hatte.

  7. Thomas said:

    Hallo Ramsi, und schönen guten Abend,

    da war ein Malheur passiert…

    Ich versuche den gelöschten Beitrag erneut (eventuell jetzt mit anderen Worten) darzustellen:

    „Den Gedanken, in “Rohstoffe” zu investieren, weil sich die (Welt-?) Konjunktur abschwächt (Deine Prognose), halte ich für sehr verwegen.“

    Deutlicher:

    Den Gedanken, in >>>“Rohstoffe”<<< zu investieren, WEIL sich die (<<>>) Konjunktur abschwächt <<>>, halte ich für sehr verwegen.

    Was Du und ich unter „Rohstoff“ oder „Rohstoffen im Allgemeinen“ verstehen, wissen wir beide nicht. Wenn wir uns, im Sinne von Traden, Anlegen etc. darauf verständigen könnten, dass wir im Allgemeinen so etwas wie einen breiten Index, der RICI fiele mir hier ein, meinen?

    Charttechnisch befindet sich der RICI in einem leicht nach unten geneigten, aber deutlich zu erkennenden Abwärtstrend. Ich bin kein Volkswirt, aber Volkswirte interpretieren dies als „Konjunkturrückgang“ oder benutzen so etwas wie Rohstoffe im Allgemeinen (RICI) als ein Argument dafür, dass sich die Weltwirtschaft in einem Konjunkturrückgang befände. In Rohstoffe im Allgemeinen, in dem vorhin definierten Sinne, hinein zu investieren, in einen fallenden Trend, nennt man häufig „antizyklisch“. Antizyklisch halte ich für relativ chancenreich (eine „Meinung“, die ich hiermit veröffentliche), wenn man die Zeit und die Nerven dafür hat, und der Begriff Zykus eine richtige Grundannahme hat: In jedem (runden! Ist wichtig für Stochastiker) Kreis gibt es ein oben und ein unten. Mir ist bei Dir allerdings noch nicht aufgefallen, dass Deine Strategie antizyklisch ist oder antizyklisch genannt werden sollte. Den GEDANKEN, antizyklisch zu investieren, ohne es erkennbar zu wollen, halte ich für etwas verwegen. Das ’sehr‘ aus meinem zitierten Beitrag nehme ich hiermit gern zurück.

    „Ich habe vielmehr an einen Alternativrohstoff zu Gold gedacht, aber einen der sich bitte nicht konträr entwickelt. Solche Hedge-Investments ergeben für mich keinen Sinn.“

    Gold ist im RICI enthalten. Gegenwärtig verhält sich Gold ‚diagnostizierbar‘ >>>anders<<< als der RICI, man könnte auch sagen "konträr". Etwas allgemeiner formuliert könnte man sagen, dass Gold und RICI in den vergangen Monaten nicht direkt korreliert waren (obschon Gold im RICI enthalten ist). Ähnliches Verhalten in den vergangen Monaten im RICI, Rohstoffe im Allgemeinen, hatten … mir fällt dazu im wesentlichen Silber und Platin ein. Ein Paar Jahre zurückgedacht, ohne Chart, verhielt sich Platin aber eher wie der RICI, also eher positive korreliert. Die geringe Korrelation von Gold und Silber mit dem RICI in der Vergangenheit … alles nett.

    Nur, wenn Du mich fragst, was morgen, Prognose, am ehesten mit Gold korreliert, also fast so sicher nach unten geht wie Gold, wenn Gold morgen nach unten geht… wenn ich tippen oder wetten sollte, private persönliche Meinung, oder nenn's meine Prognose, oder die Prophezeiungen des Börsenastrologen Thomas, (wär Deine Frage meine Wettervorhersage würde ich auf die Tageschau von heute Abend verweisen) ich würde Silber und Platin in meinem Beitrag unterbringen und als Begründung die derzeit günstige Stellung von Mars zu Jupiter angeben.

    Wenn Du einen "Rohstoff" (XYZ) benötigst, der sicher (r=+1,0, p<0,00000001) mit Gold korreliert, so dass meine Prognose auch sicher eintreffen würde: XYZ fällt, wenn Gold morgen fällt? Also um wirklich sicher zu gehen, würde ich XYZ einfach durch Gold ersetzen (erfüllt auch unsere gemeinsame Definition von "Rohstoff").

    Wenn Du eine Alternative zu Gold suchst, Gold hast und die Alternative ergänzt ohne Gold in die Alternative zu investieren, dann hedge-st Du im Sinne der Portofoliotheorie. Du hast dann nach dieser Entscheidung 2 unterschiedliche Assets die mehr oder weniger (Wunsch: überhaupt nicht oder eng oder sicher?), von nun an, miteinander korrelieren sein werden.

    "Erfahrungsgemäß" sind es wenige, die bisher davon reich geworden sind, alles auf eine Karte gesetzt zu haben.

    Ein Trader hedged auch. Er schichtet halt in dieser oder jener Geschwindigkeit mal diesen oder jenen Anteil einer Assetklasse in eine andere um (Bargeld/Verrechnungskonto) und zurück – aber niemals alles auf eine Karte/Gefühl/Nachricht/Meinung setzend.

    Macht die Deutsche Begrifflichkeit auch: Händler.

    Ein Händler schichtet auch mal einen Wasserbüffel in Bargeld und dann mal wieder in eine Kuh um. Meine Schwiegermutter in Thailand ist/war Viehhändlerin. Wirklich reich ist sie davon nicht geworden, aber immerhin, alle ihre Töchter haben in Bangkok studiert – und sie ist stolz darauf, keine Reisbäuerin zu sein. Altersvorsorge mache ich – Reisfarmland in Thailand haben wir eigentlich reichlich – weil: Wenn alles schief geht … ooops, dann muss ich wohl mit 65 und kaputten Rücken doch noch ins Reisfeld in Thailand und selbst die Saat setzen. Richtig Angst davor habe ich nicht. Wird schon gehen, irgendwie. Bin eher sicher, dass mir diese Perspektive sogar Spaß, trotz der Rückenschmerzen, machen würde. Wogegen hedge ich eigentlich?

    Früher gab's zum Handeln die Seidenstraße, heute gibt es halt das Internet. Na und?

  8. Ramsi said:

    Ach ja, die Alternative zur Notenpresse wären meiner Meinung nach übrigens die Eurobonds. Damit würden wir uns nochmal 10 Jahre erkaufen aber gleichzeitig würden wir damit den Untergang Europas in dieser Form als Folge besiegeln. Ich bin mir absolut sicher, wenn die Eurobonds kommen wird Europa am Schluss scheitern.

  9. Ramsi said:

    Thomas, gehören ETF’s nicht zur Risikoklasse E? Dafür bin ich nicht freigeschaltet.
    Warum hälst du den Gedanken mit der Konjunktur für verwegen? Das musst du mir begründen. Vielleicht sollte ich da etwas mehr differenzieren. Ein genereller Konjunkturrückgang so wie er im Buche steht, mag vielleicht den Goldpreis nicht unbedingt in die Höhe schießen lassen (Ich weiß es nicht, da ich mich mit Rohstoffen vorher noch nie so richtig auseinandergesetzt habe), allerdings versuche ich mir auszumalen, was die Politik tut WENN wir in die Rezession zurückschlittern. Dann wird wieder Geld ohne Ende gedruckt, ist doch klar. Denn ihr Pulver haben die Staaten längst verschossen (z.B. staatlich gestützte Konjunkturprogramme). Das einzige Mittel ist jetzt noch den Steuerzahler oder eher gesagt den typisch deutschen Sparer für die Verfehlungen der Politik bluten zu lassen. Und wie macht man das? Geld drucken. Das ganze wird dann natürlich so hingestellt, als wäre die Inflation ein Phänomen das mit der schwierigen Wirtschaftslage einherging und die Politiker stehen uns dann in dieser schweren Zeit händchenhaltend bei. Wenn ich mir anschaue, wie hart meine Eltern gearbeitet haben für das was sie heute haben (als Nachkriegskind ein Medizinstudium mit 1,0 bestehen würde ich nicht schaffen) und ich mir dann anschaue, wie diese jahrzentelangen Leistungen durch irre politische Verfehlungen auf Wochenbasis gefährdet werden, möchte ich den Verantwortlichen Dinge antun, deren Beschreibung nicht in diesen Blog passt. Aber ich schweife total ab 😀 …
    Ich glaube also dass das „Gegenmittel“ für einen Konjunkturrückgang die Notenpresse sein wird und das der Goldpreis in dem Umfeld weiter steigen wird, oder sich zunächst einmal auf diesem Niveau halten wird (was bei mir ja schon die Kasse klingeln ließe) trifft unseren Konsens, oder?
    Ich finde das ja sehr interessant, dass du so ein Verfechter von Platin bist 😀 Ich weiß nur leider nicht, wofür Platin verwendet wird, wie konjunkturabhängig es ist und welche Rolle es in der Rohstoffwelt spielt, wenn die Leute anfangen schreiend in ihre „sicheren Häfen“ zu laufen, wenn du verstehst was ich meine.

  10. Thomas said:

    @Ramsi … ein allerletztes: Den Gedanken, in „Rohstoffe“ zu investieren, weil sich die (Welt-?) Konjunktur abschwächt (Deine Prognose), halte ich für sehr verwegen.

    „… allerdings wird sich J&J einer möglicherweise rückläufigen Konjunktur schlussendlich auch nicht ganz entziehen können.“

    Es gibt auch breit aufgestellte Rohstoff ETCs, oder breit aufgestellte „Rohstoffaktienfonds“, oder ETFs auf Pharmafirmen. Filmanns kommt durch die Lage gut, da „wir Deutsche“ halt immer älter werden – konjunkturunabhängig. Langfristig werden „wir Deutsche“ aber auch immer weniger, nicht nur älter …

  11. Thomas said:

    Ramsi – ich wollte vorhin nicht damit nerven, aber es passt jetzt zu dieser hier eher politischen Überschrift von Lars:

    „der Goldpreis in diesem Umfeld“

    Mich interessiert hier, was aus Deiner Sicht das „Umfeld des Goldpreises“ sei?

    Ich verstehe das Umfeld gegenwärtig nicht (eher noch den Goldpreis).

    Heute: „Französische“ Bankenkrise? Wenn das das Umfeld wäre, was hat das mit dem Goldpreis heute in der Chinatown von Bangkok zu tun?

    Da ich schon länger in Gold und Silber bin, möchte ich Dir (und sei’s nur als ‚von „Häuslebauer“ zu Student‘ ;-)) sagen, dass ich mir um Gold keine wirklichen Sorgen machen würde. Das läuft (unter „normalen Umständen“) sehr langsam in die eine oder andere Richtung. Als ich Student war, hätte man Dir/mir einen Vogel gezeigt, wenn wir in Gold gegangen wären 🙂 🙂 Schiss der Elterngeneration vor der Inflation? Kinderkram! Und Gold konnte man in der Weimarer Republik/nach dem 1. oder 2. Weltkrieg auch nicht essen. Gefahrlos essen schon, es machte nur nicht satt.

    Ein anderer (?) Rohstoff (?) (häufigst gehörte These ist eigentlich immer: Gold = Währung und kein Rohstoff! Sic! Q.E.D.!! Allein – die Thesen kommen ja aus den Wirtschaftswissenschaften – der behauptete Beweis fehlt), der sich wie Gold verhält???

    Mir fällt ehrlich keiner ein. Silber hängt gerade noch so an Gold. Der Schizo wird sich aber bald mal wieder entschließen müssen, ob er Gold oder Industriemetall spielen möchte (Silber als Student? Drei Vögel gleichzeitig hätte man uns damals gezeigt oder den Besuch eines Psychiaters ernsthaft angeraten). Soll heißen, Silber, gerade jetzt? Platin (nicht Palladium, Lars bittet mich da jeweils um Klarstellung, wenn ich die beiden verwechsele), letzter Satz dazu, ist gänzlich unbeachtet und verhält sich seit seinem letzten Hoch noch viel, viel langsamer als Gold (quasi „Gold in Zeitlupe“) und ist aus meiner Perspektive daher eher unterbewertet (Platin unter dem Goldpreis … das ist auch schon lange her, dass es das mal gab), gehörte mal früher in die Kategorie Rohstoffe, ist aber in den letzten Jahren mehr zum „kleinen (und langweiligeren) Bruder“ von Gold verkommen. Natural Gas ist derzeit ein absoluter Langweiler und wenn es wirklich „Rohstoff“ sein muss … unterbewertet schon über Jahre, längerfristige Futures zeigen nach oben wie bei Gold. Demnächst evtl. der große Bruder von Öl?

    Was tatsächlich, grob, dem Gold ähnliches, in den letzten Jahren, sind Emerging Markets Anleihen (= „Währungskorb“; siehe oben), aber so etwas ähnliches sagte Hari ja schon.

    Aber generell bitte Vorsicht… Wenn sich eine politische Lösung zum Euro ergibt, die auch wie eine Lösung aussieht (entweder Eurobonds oder ein deutlich kleinerer, dann unbedeutenderer Währungsverbund), ist meine Sorge eher, dass der dann die Rolle des CHF bis vor wenigen Tagen übernimmt – oder Yen – Fluchtwährung + Rezession + Deflation.

    Auch US-Amerikaner machen sich Sorge um ihre Währung.

    Sorry, ich war oben ungenau: Eurobonds würden die Frage spannend halten. Moodies „Prognose“ sagt Tripple C. Aber: Was wird Mr Market sagen?

    Ich überlasse Mr. Market i.ü. auch gern die Wahl der Waffen: Entweder er tritt gegen meinen würfelnden Orang Utan an oder er versucht sich lieber gegen den Dart werfenden Gorilla von Hari 😉

  12. Hari Seldon said:

    Ramsi, ein Position in Schritten zur Zielposition ab- bzw aufzubauen ist eine meiner regelmässigen Taktiken. Denn die „ganz oder gar nicht“ Entscheidung kann man oft nicht sauber treffen, zumal man den Top oder Bottom sowieso nie perfekt trifft. So skaliere ich oft in Long Positionen und erhöhe dann bis zur geplanten Positionsgrösse, wenn der Trade sich nach dem ersten Einstieg bestätigt. Wenn nein bin ich mit geringen Verlusten wieder draussen. Auch umgedreht kann man es so machen, wenn der Ausstiegspunkt unklar ist und so das Risiko managen.

    Risikomanagement ist weit mehr als nur Stops, es beinhaltet saubere Positionsgrössen und viele andere Techniken.

    Aber gräme Dich nicht. Man kann nicht alles in ein paar Wochen lernen. Erfolg beim Trading braucht Jahre an Erfahrung und jede Krise wie jetzt ist eine Gelegenheit zu lernen und zu wachsen. Theoretische Erfahrung ist fast wertlos, denn es braucht echtes eigenes Geld im Markt, in einer Grösse die einem etwas bedeutet und weh tut, um wirklich lernen zu können. Es gibt viele die mit Spielgeld oder kleinen Summen mal locker ein paar erfolgreiche Trades machen und dann voller übersteigertem Selbstbewusstsein mit grossem Geld einsteigen. Das endet meistens böse. Denn erst mit Summen die für einen bedeutsam sind, schlägt Mr. Market so richtig zu und knete die eigenen Ängste mal so richtig durch 😉 Auch wenn es sich blöd anhört, sei froh über jeden Fehler den Du jetzt machst. Wenn Du daraus lernst wirst Du immer besser und kannst später mit grösseren Summen wirklich umgehen.

  13. Ramsi said:

    Hari, Johnson & Johnson mag eine kluge Langfristinvestition sein, allerdings wird sich J&J einer möglicherweise rückläufigen Konjunktur schlussendlich auch nicht ganz entziehen können. Und langfristige Wetten möchte ich wie gesagt erst wieder eingehen, wenn ich meine Verluste der letzten beiden Jahren durch vernünftiges Risk-Management und kluge Trades oder auch mittelfristige Investitionen wieder einigermaßen ausgeglichen habe. Ich erinnere mich an deinen Beitrag zu J&J so wie eigentlich an ziemlich jeden anderen. Aber ich habe auch eine gewisse Rechenschaftspflicht gegenüber einem innerfamiliären Geldgeber 😀 Und der will im Moment einfach nicht hören, dass ich Geld in konjunkturempfindliche Papiere stecke. Diamanten sind allerdings für mich gerade noch eine Idee zum drüber nachdenken.
    Du sagst, du hast 50% der Gewinne mitgenommen. Warum habe ich da mal wieder nicht dran gedacht? Ich habe heute mit der Frage gehadert, ob ich mich erstmal verabschiede, oder das Spiel mit dem Goldpreis noch einen Tag länger mitspiele. Allerdings ist mir die Möglichkeit, die Position schlicht zu reduzieren nicht in den Sinn gekommen. Das ist schon fast peinlich…

  14. Hari Seldon said:

    Ramsi, ich hatte das schon gesagt:

    Hochkapitalisierte Aktien ausserhalb des Euroraumes die nicht direkt konjunkturabhängig sind. Ich nannte das berühmte Beispiel Johnson&Johnson. Die sind aktuell gegenüber dem 01.08. im Plus ! Schau Dir den Chart in EUR an. Vergleichbare Namen wären Merck & Co., Kraft Foods, Microsoft etc. ´

    Alternativ Anleihen aus Emerging Markets Ländern oder dem asiatischen Raum, ideal den Renminbi, aber da gibt es leider bisher kaum was.

    Investitionen in Agrar im US Raum sind auch eine Überlegung wert, Namen wie Bunge oder Archer Daniels Midland.

    Über Diamanten kann man als kleine! Beimischung auch mal nachdenken. Harry Winston ist da der grösste PurePlay.

    Von den Rohstoffen her gibt es sonst nichts was mit Gold vergleichbar wäre, Silber ist eher volatiler und hat mehr Luft nach unten. Die Liste oben, dass ist der funktionierende Hedge gegen den Euro.

  15. Hari Seldon said:

    Die Action in Gold und in den Minen gefällt mir heute nicht. Ich habe am Vormittag zur Sicherheit 50% der Gewinne mitgenommen. Für die anderen 50% ist entscheidend ob der HUI über 600 bleibt. Wenn das der Fall ist und wir von hier wieder nach oben drehen ist alles in Ordnung. Dann bleibe ich mit den 50% long und erhöhe mglw auch wieder. Wenn nein bin ich ganz raus und warte erst einmal ab was passiert.

    Sollte eine Korrektur in Gold kommen, ist wie gesagt 1400-1500 mein Kursziel. Spätestens dort bin ich aber wieder long. Ich rechne damit dass die Überperformance der Minen erhalten bleibt, sollte Gold aber derart zurück kommen werden sie sich dem Sog auch nicht entziehen können so dass es sich wahrscheinlich nicht lohnt darin zu bleiben.

    Nochmal, es ist noch nichts passiert. Ich bin nur aufmerksam und vorsichtig. Erst der morgige Tag wird zeigen ob das eine Eintagsfliege war oder der Auftakt für mehr.

  16. Ramsi said:

    Hat noch jemand eine Idee für mich, wie ich mich außer Gold noch gegen die Unsicherheiten der momentanen Situation für den Euro schützen kann? Ich möchte kein Häusle bauen 😀 Ich habe vielmehr an einen Alternativrohstoff zu Gold gedacht, aber einen der sich bitte nicht konträr entwickelt. Solche Hedge-Investments ergeben für mich keinen Sinn.

  17. Thomas said:

    Noch was: Zieht man ne Linie durch den Nadir der dot.com Blase und die Haus-Blase… ich komme da auf 4300/4400, entspricht auch irgendwie noch weit längerfristigen Trends.
    Ich frage mich nur, welche Blase gerade platzt. Die Haus-Blase verstand ich wenigstens noch…

  18. Thomas said:

    Hari, ich möchte Dir mal so darauf antworten:

    Die 3650 Tagesline des DAX befindet sich im Steigen und liegt heute bei ca. 5300 :-). Für den mittel- bis langfristig ausgerichteten Anleger haben wir also Einstiegskurse erreicht. Kurzfristig kann man aber doch noch etwas warten, da die empirische Sentimentanalyse sagt, dass noch zu viele Optimisten am Markt sind. Für die wirkliche Weltuntergangsstimmung fehlt noch, dass sich die Aktienmärkte wirklich auf die Stimmung der Realwirtschaft niederschlagen. Die Deutschen Umlaufrenditen haben aber schon diese Depression vorweggenommen 🙂

    Aua, hast Du in Deinem langen Anlegerleben schon mal in DE Umlaufrenditen von 1,53% gesehen? Man wird bescheiden und demütig.

  19. Hari Seldon said:

    Mal etwas aufbauendes für alle die im Markt sind und nun an den Nägel kauen.

    Ich habe am 04.08.11 hier als Kommentar das folgende geschrieben:

    „An dem Punkt wo Ihr und die Mehrzahl dann sagen werdet “ich gebe auf, der Dreck interessiert mich nicht mehr”. An dem Punkt wird der Markt drehen und mit Gewalt nach oben ziehen. Aber erst dann und wie das Sentiment im Moment aussieht, gibt es noch zu viele die noch verkaufen werden wenn es noch weiter runter geht. Und solange noch jemand verkauft fällt der Markt bis zu einer finalen Panik. Das ist eben Mr. Market, er säuselt um Dich herum und setzt Dir Flöhe in den Kopf von schnellem Reichtum. Und dann, wenn Du am wenigsten darauf vorbereitet bist rasiert er Dich.
    Wenn hier und in Foren die Stimmen verstummen und die Aufregung einer ausgebombten, desinteressierten Stille weicht, dann – GENAU DANN – wird das sogenannte “Smart Money” massiv einsteigen. So bösartig kann und wird Mr. Market sein.“

    Ich finde aktuell es wird sehr still. Ich lehne mich deshalb jetzt mal weit aus dem Fenster. Uns fehlt in meinen Augen vielleicht jetzt noch ein letzter panikartiger Abverkauf der uns im Dax in die Region 4500-4800 treibt. Danach würde ich mich mit meiner folgenden Prognose sicherer fühlen. Aber dann kann es gut sein, dass wir dann mittelfristig Kaufkurse im DAX haben.

    Ja ihr hört richtig, der Bär Hari Seldon fängt an von Kaufkursen zu reden ! Ich sage nicht, dass man jetzt schon unbedingt kaufen muss, da geht vielleicht noch was nach unten. Aber ich denke jetzt sollte sich der Blick vom Gedanken der Absicherung langsam und vorsichtig wieder auf die Chancen richten. Versucht einfach der stillen Verzweiflung der anderen zu lauschen. In diese Stille hinein wird der Hahnenschrei des neuen Morgens erklingen.

  20. Tom said:

    Hi Lars, hast du eigentl die banktitel noch ?! Gruß tf

    • Lars said:

      …ach ja Tom, ich bin Dir noch eine Antwort schuldig…Ja ich habe meine Bankaktien noch. Wie gestern schon im Blog geschrieben gehe ich davon aus, dass neben den Zyklikern die Finanzwerte richtig rocken werden, wenn es wieder nachhaltig aufwärts geht! 😉

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