Deutsche Bank, Nordex, Bilfinger – Nach der FED ist vor dem Brexit …

Zum Beginn einer turbulenten Handelswoche ein kurzes Update zum aktuellen Marktgeschehen. Mit den heutigen Kursbewegungen in Japan, China und natürlich auch Europa dürfte uns eine turbulente Woche ins Haus stehen. Die US-Indizes haben bereits am Freitag deutliche Schwäche signalisierte, bzw. der innere Markt zeigte sich nicht unbedingt von seiner besten Seite. Viele Sektoren gerieten ernsthaft unter Druck, nur ein paar wenige Aktien konnten sich diesem Trend entziehen…

Kurz zusammengefasst sind die zuletzt hier auf Investors Inside veröffentlichten Short-Setups allesamt aufgegangen. Die Deutsche Bank Aktie fällt unter die wichtige Marke von 14,- Euro, die Dürr Aktie markiert ein neues Tief und kämpft gerade um die Nackenlinie einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation und Bilfinger ist gar unter die wichtige Unterstützung bei 31,60 Euro gefallen. Die Long-Setups sind leider erst einmal hinfällig in diesem äusserst schwachen Umfeld. Der Ausbruch auf der Oberseite bei Nordex hat sich als Fehlausbruch herausgestellt, was aber schon im Vorfeld des aktuellen Kursrutsches nahe lag, da die Aktie einfach nicht über 28,40 Euro ansteigen wollte. War also nix mit dem großen Sprung… Und auch der Chart von Dialog Semiconductor ist inzwischen wieder ein einziges Trauerspiel…

Biotechnologie Aktien bleiben ebenfalls deutlich unter Druck, womit mein hier skizziertes Szenario einer weiteren Abwärtswelle immer mehr Formen annimmt. Gerade im Zusammenhang mit den anstehenden US-Präsidentschaftswahlen ist insbesondere in diesem Segment erhöhte Vorsicht angeraten und aktuell kein Handlungsbedarf auf der Long-Seite erkennbar. Aktien wie BB Biotech bleiben somit gefährlich…

Ebenfalls kräftig unter Druck bleibt der Solar-Sektor, auch wenn einige Daueroptimisten dies offenbar einfach nicht wahr haben wollen. Der Solar-Index Guggenheim Solar ETF, TAN signalisiert bereits seit geraumer Zeit deutliche Schwäche und hat am Freitag nun eine sehr wichtige Unterstützungs-Marke nach unten verletzt. Der wieder nachgebende Ölpreis dürfte hierzu ebenfalls einen gehörigen Beitrag geleistet haben. Rohstoff-Aktien sind seit Freitag ebenfalls auf dem Rückzug, womit einer der wesentlichen Kurstreiber der letzten Wochen als Unterstützung für die Märkte nun ausfallen könnte.

Die spannende Frage bleibt aber, abgesehen von einigen Sektoren mit einer gewissen „Sondersituation“, ob die US Märkte jetzt wirklich nach unten abdrehen werden, oder es sich bei dem am Freitag gesehenen Kursrücksetzer lediglich um eine kleine Zwischenkorrektur gehandelt hat. Die Chancen auf einen Ausbruch auf der Oberseite sind nach wie vor da, wenn auch inzwischen deutlich eingetrübt. Ich persönlich halte es aber für durchaus vorstellbar, dass die aktuelle Schwäche der US Indizes mal wieder vorrangig mit der anstehenden Zinsentscheidung der FED zusammenhängt  – zumindest was die US Märkte anbelangt!

Am Mittwoch Abend gegen 20:00 Uhr wird Janet Yellen bekannt geben, ob oder wann der Zinssatz erhöht wird. Der Markt erwartet keinen Zinsschritt in absehbarer Zeit und übt im Vorfeld durch fallende Kurse einmal mehr Druck auf die Notenbank aus um dieser „Forderung“ entsprechend Nachdruck zu verleihen. Ein Spiel dass wir schon so of beobachten konnten, und das immer wieder nach dem gleichen Muster abläuft! Am Donnerstag folgen dann die Bank of England, die Schweizer Nationalbank und die Japanische Zentralbank mit ihren jeweiligen Zinsentscheidungen…(!)

Hierzulande wird zusätzlich noch der mögliche BREXIT eingepreist, nachdem den Marktteilnehmern nun offensichtlich bewusst geworden ist, wie eng die Entscheidung über den Verbleib der Briten ausfallen wird. Das Risiko dann mit einem vollen Depot auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, ist vielen Anlegern einfach zu groß und diese Handlungsweise sicherlich auch vernünftig und nachvollziehbar. Noch ist es zwar zu früh um sich wegen der aktuellen Kursschwäche nun vollständig aus dem Markt zu verabschieden, dennoch kann eine Reduktion der Aktienquote und entsprechender Aufbau der Cash-Quote kurzfristig betrachtet sicherlich nicht schaden!

Genauso schnell wie die Kurse aber abwärts gepurzelt sind, werden sich die Börsen möglicherweise auch wieder erholen, falls die Zinsentscheide der Notenbanken im Sinne des Marktes ausfallen und der BREXIT dann doch eher ein BREMAIN wird. So oder so versprechend die kommenden zwei Wochen die spannendsten des gesamten Jahres zu werden. In diesem Zusammenhang  spielt natürlich auch der am Freitag anstehende große Verfallstag (Hexensabbat) eine gewichtige Rolle. Erste Interpretationen der Stillhalter-Positionen legen nahe dass der DAX bis dahin nicht wesentlich unter 9.500 Punkte fallen sollte..!

In diesem Sinne wünsche ich nun allen Investors Inside Lesern die richtigen Entscheidungen in den kommenden zwei Wochen und werde versuchen Sie dabei zu dem jeweils relevanten Terminen bestmöglich zu unterstützen.

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18 Comments

  1. Paul said:

    Hallo Lars,

    auch wenn es wahrscheinlich ein Blick in die Glaskugel ist:

    Meinst du es geht einmalig Tief runter oder ist es eher ein mehrphasiger Event über mehrere Tage/Wochen.
    Gibt es hier vergleichbare Muster aus der Vergangenheit?

    Vielen Dank vorab!
    Paul

    • Lars said:

      Moin Paul,

      ehrlich gesagt habe ich keinen Schimmer… hier ist jetzt alles möglich! Wobei normalerweise der erste Schock dann doch übertrieben ist. Aber wer weiß das schon… erste einmal beobachten!

      viele Grüße

      Lars

  2. Micha said:

    Vor der Abstimmung am Do sind Bankaktien aber überaus riskant.

  3. Loenz said:

    Hallo Lars,

    siehst du die 5. Welle der Abwärtsbewegung bei der Deutschen Bank charternden sich nun als abgeschlossen an? Auch wenn bei dem Umfeld Prognosen aktuell sehr schwierig sind

    • Lars said:

      Hallo Loenz,

      Grundsätzlich ja… Zumal die jetzige Bewegung nach oben mit einem Island Reversal begonnen hat, stehen die Chancen dafür nicht schlecht. Die 13,- Euro Marke wurde abgearbeitet und aktuell wird gerade der alte Keilformation (kurzfristig) wieder von unten getestet. Einen Durchbruch nach oben würde ich als Bestätigung werten…dann war das wohl ein klassisches Fehlsignal auf der Unterseite!

      Grüße

  4. Robert said:

    Hallo Lars, hallo Micha,

    vielen Dank für Eure Rückmeldungen.
    Aktuell spiele ich wie egsagt mehrere Szenarien Intraday durch. Hierzu habe ich den 5min Chart mit einem BB (20,2) von Dax, Öl und Gold offen unter dem ich mir den aktuellen RSI (14) anzeigen lasse. Setup wäre dann vorhanden, wenn das BB „deutlich“ geschnitten wird und der RSI über oder unter 30 liegt. Haltedauer wäre für diese Strategie 15min bis zu ein paar Stunden. Ich habe gelesen, dass die Position glatt gestellt werden sollte, wenn nach zwei Zeiteinheiten nicht die „richtige“ Richtung eingeschlagen wurde. Ansonsten würde ich je nach Bauchgefühl und aktuellem Abwärts- bzw. Aufwärtsdruck wohl einen Punkt zwischen Mitte und anderem Ende des BB als Verkaufspunkt aussuchen. Ich weiß man soll den Austiegszeitpunkt vorher definieren, bin mir dennoch nicht sicher ob das so viel Sinn macht.

    Da ich mich tagsüber nur sporadisch mit den Kursen Beschäftigen kann, passt dieser Ansatz eigentlich nicht so richtig zu mir. Dennoch bin ich erstmal dabei hängengeblieben. 🙂
    Swing-Trading als 1-3 Wochen wäre viel mehr etwas für mich, aber auf der Zeitebene bin ich mir doch noch sehr unsicher was die Tendenzen des Marktes betrifft.
    Aktuell ist das wohl generell schwer einzuschätzen und intraday habe ich aktuell das Gefühl, dort anhand der Charts rationalere Entscheidungen fällen zu können und das Depot wäre nicht dauerhaft den Marktschwankungen ausgeliefert.

    Am liebsten hätte ich wohl eine Aktie die ich lange liegen lassen kann. Ich denke da an viele die hier auch schon durch Lars vorgestellt wurde (Lufthansa, DB, Nordex, Daimler, Beate Uhse, Heidelberger Druckmaschinen), aber es fällt mir schwer hier einen guten Einstiegszeitpunkt auszumachen und auch langfristiges Vertrauen aufzubauen.

    So viel erstmal zu mir.
    Ich bin froh dass es Deinen Blog gibt Lars! 😉

    Beste Grüße
    Robert

    • Lars said:

      Hallo Robert,

      vielen Dank für Deinen Kommentar…es gibt sicherlich viele Anleger denen es ähnlich geht wie Dir und auch ich suche immer noch nach DER Aktie die man einfach mal liegen lassen kann. Wäre viel stressfreier und am Ende wahrscheinlich auch lukrativer. Nur, leider gibt es nicht viele von diesen Aktien. Zumindest wenn man das auf einen sehr langen Zeitraum ansetzt, denn letztlich macht jede Marktkorrektur dann irgendwann die schönen Gewinne wieder kaputt. Dennoch gibt es sehr wohl Titel mit denen man einigermaßen ruhig schlafen, und beruhigt in die Arbeit gehen kann. Dazu dann gerne mehr nach der nächste Krise um dann das ultimative Depot zusammenzustellen 😉

      Beate Uhse und HeidelCement gehören für mich aber ganz klar NICHT in diese Kategorie 😉 sondern eher die klassischen Konsumgüter-Hersteller o.ä. Bei der Lufthansa tue ich mich da im Moment auch etwas schwer – ist aber durchaus unter langfristigen Gesichtspunkten interessant, wenn man den Einstieg halbwegs richtig timed. Die hohe Dividende und die äusserst günstige Bewertung sind auf jeden Fall interessant! Die Deutsche Bank war mal eine Aktie die man liegen lassen konnte, ist es aber nun nicht mehr und das dürfte sich ebenfalls nicht so schnell ändern. Auch wenn man hier schöbe Trading-Gewinne erzielen kann. Ich bin gestern mal wieder mit einer ersten Position eingestiegen…

      Dieses Jahr bleibt generell schwierig und ich persönlich gehe davon aus das der Anlagehorizont nicht länger als ein paar Wochen sein sollte. nach dem Brexit wartet dann Donald Trump als möglicher US Präsident auf uns. Auch das wird die Börsen sicherlich in Atem halten….Somit finde ich Deinen Ansatz grundsätzlich sehr gut und richtig! Wenns dann noch funktioniert ist das doch der beste beweis dafür dass Du damit richtig liegst;-)

      viele Grüße
      Lars

  5. Robert said:

    Hallo Lars,

    was hälst Du beim Thema „überkauft und überverkauft“ von einem Indikator wie dem RSI? Ich beobachte das seit geraumer Zeit in Intraday Chart und im Zusammenspiel mit dem Bollinger Band.
    Sieht für mich nach einem guten Anhaltspunkt bezüglich etwaiger Ein- und Ausstiege aus. Ich habe angefangen mich damit etwas näher zu befassen, weil ich wohl den Hang dazu habe meine Aktien zu Tageshöchstkursen zu kaufen. 😀

    • Lars said:

      Guten Morgen Robert,

      ich persönlich halte sehr viel von diesem Indikator, wobei das leider auch kein Allheilmittel dagegen ist zum falschen Zeitpunkt in eine Aktie einzusteigen. Es kommt eben auch immer etwas auf die Zeitebene an in der Du den Chart betrachtest und natürlich auch darauf wie lange Du eine Aktie halten willst. Auf Minutenbasis ist das meist eher relativ, zumal wir uns in einem eher schwierigen Marktumfeld befinden. Aber grundsätzlich ist der RSI zusammen mit dem MACD und auch den Bollinger Bändern ein sehr hilfreiches Instrument um eine erste Einschätzung zu treffen.

      viele Grüße , Lars

  6. Micha said:

    Danke für diese Einschätzung Lars. Zuvor fehlte noch etwas kaufe VIX Long wenn VIX unter 12 fällt und verkaufe wenn er über 20 steigt. 😉 aber das muss ich wie gesagt nochmal in Ruhe betrachten, zumal wohl die Short Seite mehr Sinn macht 😉

  7. Micha said:

    Eben! TVIX ist crazy, vorgestern +17% und gestern +30%, aber hier bin ich mir noch unklar über eine etwaige Strategie auf den VIX. Hatte so etwas wie kaufe TVIX (oder anderes VIX Long Produkt) wenn VIX 20 in Erwägung gezogen (oder analog Short-Seite nur kaufe wenn VIX bspw. > 40 was m.E. durchaus mehr Sinn macht, da Panik generell kürzer anhält, zumindest in dieser krassen Form), aber das wollte ich demnächst mal in Ruhe backtesten. Momentan bin ich ja nur mit einem kleinen Testballon unterwegs, im Gegensatz zu bspw. Adva, daher auch die Überlegung, wobei rein charttechnisch alles recht positiv ausschaut was weiter fallende Kurse angeht. Die Frage ist nur ob ich die Gegenbewegung ggf. mit einer derlei großen Posi aussitzen kann/will. Ich erwarte generell fallende Kurse nach dem BREXIT bzw. überhaupt im weiteren Jahresverlauf, aber ich bin mir uneins ob wir nach morgen bis zur Entscheidung in GB weiter fallende oder eher kurzzeitig bouncende Kurse sehen.

    • Lars said:

      Die heutigen Meldungen darüber dass es in GB offenbar inzwischen eine Mehrheit für den Ausstieg gibt und die Zeitungsberichte die dieses Szenario offensichtlich unterstützen, sind zumindest ein Anhaltspunkt dafür dass das ganze auch richtig in die Hosen gehen kann. Sprich nach dem Breit nochmal einen ordentlichen Abwärtsschub in Richtung der 8,800 Punkte im DAX. Hier ist im Moment alles möglich! Dennoch möchte ich mich eigentlich weder in die eine noch in die andere Richtung exponieren, da das wirklich nicht kalkulierbar ist. Ich persönlich gehe aber davon aus, dass wir dann spätestens den Boden gefunden haben sollten. Einzelne Aktien kann man sich jetzt auch schon mal vorsichtig ins Depot buchen um von einer Zwischenerholung zu profitieren, ist aber genauso gefährlich. Die Cola dürfte hoch bleiben womit der VIX eigentlich noch das beste Instrument ist…

  8. Micha said:

    Top, z.B. hatte 2015 auch der Russell 2000 (als marktbreiter Index) sein Tief VOR dem Dow, S&P durchbrochen und somit war der weitere Verlauf der großen Leidindizes frühzeitig vorhersehbar bzw. kam hier ein großes Warnsignal vom „inneren Markt“.

    Ich stelle mir heute eher die Frage, ob ich nun meine Shorts vor dem morgigen Tag auflösen/reduzieren sollte? Theoretisch wird wohl kein Zinsschritt folgen. Grundsätzlich sieht aber alles noch ganz nett aus, insbesondere ADV und der TVIX.

    • Lars said:

      Moin Micha,

      das ist natürlich echt eine spannende Frage. Ich behaupte mal dass hier schon viel Negatives eingepreist wurde und das Überraschungspotenzial eher auf der Oberseite zu finden ist. Das Janet nun doch die Zinsen anhebt halte ich eher für Harakiri, aber man weiß ja nie in einem Land in dem Donald Trump ernsthaft als nächster Präsident gehandelt wird ! 😉 Der Brexit wird natürlich noch ein paar Tage für Unruhe sorgen…womit erst einmal auch nicht von strak steigenden Kursen auszugehen ist. TVIX sieht wirklich interessant aus, ist aber auch ein heißes Eisen. Die Frage ist ja was Du Dir nach der Brexit-Entscheidung vom Markt erwartest…!

      viele Grüße

  9. Saschi said:

    Danke für die gelungene Zusammenfassung Lars! Verrätst du mir was ein Börsen-Profi wie du als inneren Markt versteht?

    • Lars said:

      Hallo Sascha,

      Die Philosophie des inneren Marktes geht davon aus, dass die Märkte auf verschiedenen Zeitebenen zwischen überverkauften und überhitzten Zuständen hin -und her pendeln. Es kommt also darauf an die Marktphasen in solche zu unterteilen, in denen wir eher investieren sollten, da die Chancen überwiegen. Und umgekehrt in andere, in denen es vorteilhaft ist die erhöhten Risiken zu vermeiden. Meist is dies speziell in den eher handelsschwachen Sommermonaten der Fall.

      Wenn also die Indizes noch relativ weit „oben“ stehen, die Charts der einzelnen Aktien aber ein ganz anderes Bild zeigen, wie es aktuell der Fall ist, dann ist der innere Markt deutlich angeschlagen. Sprich, das was die Indizes uns vermitteln entspricht nicht unbedingt dem was tatsächlich unter der Haube abgeht! …salopp ausgedrückt 😉

      Es hilft also nicht viel sich täglich ein Bild über den Gesamtzustand des Marktes zu machen, indem man sich nur den DAX, S&P oder den Nikkei betrachtet. Viel aussagekräftiger sind bspw. Statistiken darüber wie viele Aktien aktuell unter ihrem 200 oder 50 Tages-Durchschnitt liegen oder aber auch wie viele Aktien prozentual fallen und wie viele steigen und wie viele Aktien neue Hochs oder Tiefs ausbilden, etc.

      Ich hoffe ich konnte Dir das Thema damit halbwegs verständlich erklären.

      viele Grüße

      Lars

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