Aktien, Gold, Inflation, Deflation – was denn nun?

Bislang wurde angenommen, dass wir uns in einer inflationären Phase befinden. Die Zinsen sind niedrig wie selten zuvor, und Geld ist auf der permanenten Suche nach guten Anlagemöglichkeiten. Das Tagesgeldkonten und Staatsanleihen nicht unbedingt dazu gehören, dürfte dem meisten klar sein, sie wägen sich aber dadurch in der vermeintlichen Sicherheit, dass Ihr Geld nahezu risikolos angelegt ist. Ebenso verhält es sich mit Gold. Das Edelmetall ist und bleibt der Inflationsschutz Nummer eins. Nachdem wir in den letzten Monaten eine Rally bei Gold und auch Silber gesehen haben, mussten die Kurse in der vergangenen Woche deutliche Abschläge hinnehmen. Wie immer und bei nahezu jeder Anlageklasse passiert auch hier das gleiche wie bei jeder anderen Blase. Wenn die Nachfrage plötzlich sprunghaft ansteigt, und die Goldhäuser sogar ernsthafte Lieferprobleme haben, kann man eigentlich darauf warten, dass das Ende des Booms nicht mehr allzu fern ist. Zudem sei noch einmal erwähnt das sich inzwischen insgesamt 38% aller frei zugänglichen Goldvorräte in spekulativen Händen befinden. Ein Umstand den man nicht vernachlässigen sollte, und der alleine für sich schon eine gewisse Aussagekraft hat.

Viele Wirtschaftsdaten deuten derzeit darauf hin, dass es nicht zu einer ernsthaften Inflation kommen dürfte, und schon gar nicht zu einer sogenannten Hyperinflation. Zumindest nicht in den nächsten 5 Jahren. Diese fünf Jahre sind an den Finanzmärkten , und gerade momentan eine lange Zeit, und es gibt wohl niemandem auf diesem Planeten, der genau vorhersagen kann was in den nächsten fünf Jahren passieren wird. Viel mehr wird nun langsam auch ein deflationäres Szenario immer wieder, auch von den Medien die nun monatelang den Weltuntergang in Form einer Inflation heraufbeschworen haben, aufgegriffen. Wer unseren Newsletter regelmäßig liest, weiß was wir von solchen Szenarien halten..

Doch was bedeutet das nun genau für den Goldpreis? Nun, kurzfristig ist also mit keiner nennenswerten Inflation oder gar einer Hyperinflation zu rechnen, mittel- bis langfristig wäre das zwar möglich, erscheint uns aber auch eher unwahrscheinlich. Die „Inflationisten“ vergessen nämlich gerne, dass zur Entstehung von Inflation eben nicht nur die Geldmenge an sich gehört, sondern dieses Geld auch in den Wirtschaftskreislauf gelangen muss, was solange kaum der Fall sein dürfte, so lange die Banken noch ihre eigenen Bilanzen „bereinigen“ müssen und dies dauert eben nach Einschätzung nahezu aller Experten noch einige Jahre. Daher sehen wir derzeit eine massive Überbewertung der „sicheren Häfen“ („safe haven“) wie Staatsanleihen „erstklassiger Schuldner“ wie Deutschland oder den USA, und auch Gold. Zugleich scheint sich eine massive Unterbewertung von Risikoanlagen wie Aktien aufzubauen.

Gerade auch bei Staatsanleihen dürfte den Anlegern in den letzten Wochen klar geworden sein, dass diese, je nachdem wer diese ausgegeben hat, alles andere als sicher sind. Der Anleihenmarkt ist deutlich größer als der Aktienmarkt. Dieser Vertrauensverlust und die schlechten Renditen werden mittelfristig dazu führen, dass das Kapital dort abwandert und in die unterbewerteten Aktienmärkte, aber auch in die Immobilienmärkte und in Rohstoffe zurückkehrt. Es war schon immer so und es wird immer so sein. Geld sucht sich den Weg der besten Rendite. Wir glauben nicht an eine Hyperinflation oder an eine Deflation, sondern viel mehr an eine baldigen Ausgleich in der Bewertungen verschiedener Anlageklassen. Kurzfristig kann es natürlich auch dabei immer wieder zu Exzessen kommen. Gold und Staatsanleihen dürften sich in einer solch exzessiven Phase befinden. Den Immobilienmarkt sehen wir weiter etwas kritisch. Bei Aktien sehen wir deutliche Unterbewertungen, hier wird die „goldene Zeit“ wohl sehr bald kommen.

Ich habe in den vergangenen Wochen von Anlegern gehört, die Ihr gesamtes Vermögen in Gold umgeschichtet haben. Das halte ich schlicht und ergreifend für extrem gefährlich. Gold ist kein Allheilmittel, und dies wird Ihnen auch nichts nützen, wenn morgen die Finanzwelt untergeht, oder wir eine Währungsreform bekommen, oder was sonst noch so alles in den Köpfen verängstigter Anleger rumgeistert…. Das einzige was dann hilft ist ein Acker auf dem Sie Gemüse anbauen, und Nutztiere züchten können.  Dann werden Sie mit Ihrem teuren Gold Eier, Brot und Fleisch von den Leuten kaufen können die über diese Nahrungsmittel verfügen, und Ihre Bestände dürften sehr schnell „aufgezehrt“ sein. Seien wir mal ehrlich, der Goldpreis lebt von der Angst, und diese wird wieder nachlassen. Der Mensch neigt dazu schlechte Erfahrungen eben zu verdrängen. Wir halten einen Goldpreis in ein paar Monaten von deutlich unter 1.000,- Dollar für gerechtfertigt. Diese Erkenntnis gewinnen wir auch bei einer genaueren Betrachtung des Charts…Ein Rückgang auf ca. 870,- Dollar würde uns also nicht weiter wundern.

Wer also kürzlich Gold zu Preisen von 1.250,- bis 1.265,- Dollar gekauft hat, und dies eventuell  noch bei einem Euro/Dollar Wechselkurs von 1,19, der dürfte bereits auf einem Verlust von 10 Prozent oder mehr sitzen. Der Euro scheint das gröbste zunächst hinter sich zu haben, und auch eine weitere Erholung ist durchaus wahrscheinlich, auch das wird sich weiter negativ auf die bestehenden Goldpositionen auswirken.. Bei einer vernünftigen Risikokontrolle im Aktienhandel sollten solche Verluste nicht entstehen, und ich kann mein Investment sekündlich wieder zu Bargeld machen. Auch das ist ein Faktor, den Goldanleger meistens unterschätzen…

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