Wunschanalyse Euro

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de). Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse des Euro gewünscht.

Euromünzen

1.) Fundamentale Analyse

Was ist der Euro?

Nun, diese Frage ist sehr einfach zu beantworten! Der Euro (€) ist die offizielle Währung  der Europäischen Union (EU) und fungiert somit als gemeinsame Währung in derzeit 22 europäischen Staaten, von denen 16 der EU angehören. Damit ist der Euro nach dem US-Dollar ($) und noch vor dem japanischen Yen (¥) die zweitwichtigste Währung der Welt. Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld und am 1. Januar 2002 schließlich erstmals als Bargeld eingeführt und löste damit die nationalen Währungen der Euroländer als gesetzliches Zahlungsmittel ab. Die Euromünzen  werden von jedem der 16 Staaten der Eurozone, sowie von 3 weiteren Staaten, mit jeweils landesspezifischer Rückseite, geprägt. Die Eurobanknoten hingegen unterscheiden sich europaweit nur durch verschiedene Buchstaben der Seriennummer.

Die Geschichte des Euro

Der Ursprung des Euros als einheitliche Währung der Europäischen Union ist in erster Linie der Geschichte der Europäischen Union zu suchen. So plante der damalige luxemburgische Premierminister Pierre Werner in seinem sogenannten „Werner Plan“ zusammen mit Experten eine Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) mit einer einheitlichen Währung. Dieser Plan wurde jedoch nie umgesetzt und stattdessen im Jahr 1972 der Europäische Wechselkursverbund und schließlich im Jahr 1979 das Europäische Währungssystem (EWS) gegründet. Dieses EWS sollte allzu starke Schwankungen der nationalen Währungen untereinander verhindern und gründete zu diesem Zweck eine Europäische Währungseinheit namens ECU, eine Verrechnungseinheit, die man heute als den Vorläufer des Euros bezeichnen könnte. Ab dem Jahr 1988 erarbeitete der Ausschuss zur Prüfung der Wirtschafts- und Währungsunion unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden der Europäischen Kommission, Jaques Delors, den sogenannten „Delors Bericht“, der die Schaffung einer Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion in drei Schritten vorsah.

Die erste Stufe der Währungsunion begann dann zum 1. Juli 1990 mit der Herstellung des freien Kapitalverkehrs zwischen den einzelnen EU-Staaten. Zum 1. Januar 1994 begann dann die zweite Stufe der Währungsunion, in deren Zuge das Europäische Währungsinstitut (EWI) als Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) gegründet sowie die Haushaltslage der Mitgliedsstaaten überprüft wurde. Darüber hinaus legte der Europäische Rat am 16. Dezember 1995 auf seiner Sitzung in Madrid den Namen der neuen Währung, nämlich „Euro“, fest. Nachdem alle anderen vorgeschlagenen Namen wie „europäischer Franken“, „europäische Krone“ oder „europäischer Gulden“ oder auch „ECU“ an den Vorbehalten einzelner Staaten scheiterten, schlug der damalige deutsche Finanzminister Theo Waigel (CSU) den Namen „Euro“ vor, der schließlich akzeptiert wurde.

Im Jahr 1992 einigten sich die EG-Mitgliedstaaten im Vertrag von Maastricht auf die sogenannten „Konvergenzkriterien“, die Staaten erfüllen müssen, die der dritten Stufe der Europäischen Währungsunion beitreten und damit letztendlich den Euro einführen wollen. Auf Initiative des damaligen deutsche Finanzministers Theo Waigel (CSU) wurden zwei dieser Kriterien im Jahr 1996 auf dem EG-Gipfel in Dublin auch über die Einführung des Euro hinaus festgeschrieben. Dieser Stabilitäts- und Wachstumspakt fordert von den Euroländern in wirtschaftlich normalen Zeiten einen annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt, damit in wirtschaftlich ungünstigen Zeiten die Möglichkeit besteht durch eine Erhöhung der Staatsausgaben die Wirtschaft zu stabilisieren („Deficit Spending“ nach Abba P. Lerner und nicht etwa wie häufig fälschlicherweise unterstellt nach John Maynard Keynes).

Am 31. Dezember 1998 wurden die Wechselkurse zwischen den einzelnen Währungen der Mitgliedsstaaten und dem Euro vom damaligen Ratsvorsitzenden der EU-Finanzminister, dem österreichischen Finanzminister Rudolf Edlinger unwiderruflich festgelegt. Damit wurde der Euro am 1. Januar 1999 gesetzliche Buchungswährung und ersetzte damit die ECU in einem Umrechnungsverhältnis von 1:1. Dabei erfolgte die Festlegung der Umtauschkurse der nationalen Währungen in den Euro nicht etwa auf Basis der Wechselkurse der Währungen gegeneinander, sondern auf Grundlage des letzten amtlich festgestellten Wechselkurses gegenüber dem US-Dollar. Ab dem 2. Januar 1999 wurden daher alle an den europäischen Börsen gehandelten Wertpapiere in Euro notiert.

Europäische Zentralbank (EZB)/European Central Bank (ECB) – die „Hüterin“ des Euro

Der Euro wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main kontrolliert, welche ihre Arbeit am 1. Juni 1998 aufnahm. Die eigentliche Verantwortung ging jedoch erst mit dem offiziellen Start der EWU zum 1. Januar 1999 von den nationalen Notenbanken auf die EZB/ECB über. Die EZB/ECB ist dabei nach Artikel 105 des EG-Vertrages in erster Linie zur Sicherung der Preisstabilität in der Eurozone verpflichtet, soll daneben aber auch die Wirtschaftspolitik der Eurostaaten unterstützen. Darüber hinaus gehören die Festlegung und Durchführung der Geldpolitik, die Verwaltung der offiziellen Währungsreserven der Eurostaaten, die Durchführung von Devisengeschäften, die Versorgung der Volkswirtschaft mit Geld und die Förderung eines reibungslosen Zahlungsverkehrs zu den Aufgaben der EZB/ECB. Um die Unabhängigkeit der EZB/ECB zu wahren, darf weder sie noch eine der nationalen Notenbanken Anweisungen einer Regierung der Mitgliedsstaaten erhalten oder einholen. Diese juristische Unabhängigkeit ist notwendig, weil die EZB/ECB das ausschließliche Recht zur Ausgabe von Banknoten innehat und damit natürlich direkten Einfluss auf die Geldmenge des Euro. Dies wiederum könnte Regierungen in Versuchung bringen, eventuelle Haushaltslöcher durch eine Erhöhung der Geldmenge zu stopfen, was wiederum zu einer erhöhten Inflation bis hin zur Hyperinflation führen könnte, sprich das Vertrauen in den Euro erschüttern und die Währung instabil machen würde.

Organisatorisch bildet die EZB/ECB zusammen mit den nationalen Notenbanken (wie z.B. der Deutschen Bundesbank) das Europäische System der Zentralbanken und hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. Beschlussorgan der EZB/ECB ist dabei der Rat der EZB/ECB, der aus dem Direktorium der EZB/ECB sowie den Präsidenten der nationalen Notenbanken gebildet wird. Das Direktorium besteht wiederum aus dem Präsidenten der EZB/ECB (zunächst Wim Duisenberg, aktuell Jean-Claude Trichet), dessen Vizepräsidenten und vier weiteren Mitgliedern, die allesamt regelmäßig für eine Amtszeit von acht Jahren von den Mitgliedern der EWU gewählt und ernannt werden und für die eine Wiederwahl ausgeschlossen ist.


Präsident der EZB/ECB, Jean-Claude Trichet

Die Vorteile des Euro

Von der Einführung des Euro versprach man sich einen verstärkten Handel sowie eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern der Eurozone, weil die bisher bestehenden innergemeinschaftlichen Wechselkursrisiken und die damit verbundenen Währungsabsicherungen für europäische Unternehmen wegfielen, was sich in der Folge auch bestätigte. Darüber hinaus kann der Euro auch als Vollendung des europäischen Binnenmarktes (freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen) gelten – man könnte im Umkehrschluss auch konstatieren, dass dem europäischen Binnenmarkt ohne eine gemeinsame Währung eine wichtige Komponente fehlen würde.

Darüber hinaus ging man davon aus, dass Preisunterschiede für Produkte und Dienstleistungen in den Eurostaaten abnehmen sollten, da durch Arbitrage-Handel bestehende Unterschiede schnell ausgeglichen würden, was zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen Anbietern und damit zu einer geringeren Inflation und damit mehr Wohlstand für die Verbraucher führen sollte. Bisher muss man konstatieren, dass die EZB/ECB ihre Hauptaufgabe, die Sicherung der Preisstabilität, weitestgehend erfüllen konnte, sprich das Inflationsziel von nahe bei, aber unter 2% wurde meist erreicht bzw. nie langfristig überschritten.

Auch erwartete man, dass eine Spekulation gegen den Euro aufgrund seiner Größe viel schwieriger als gegenüber kleineren Währungen sei. Ob dies jedoch wirklich stimmt muss noch abgewartet werden…

Besondere Vorteile bringt der Euro für Reisende, da diese nun kein Geld mehr umtauschen und wieder zurücktauschen müssen und sich die damit verbundenen Gebühren sparen. Ferner können sie in ihrem Reiseland die Preise nun ohne Probleme mit den Preisen des eigenen Herkunftslandes vergleichen.

Investitionskapital kann sich innerhalb der Eurozone dank der Einführung des Euro freier bewegen, als dies in einem Wirtschaftsraum mit vielen nationalen Währungen der Fall wäre.

Nicht zu unterschätzen ist auch die wirtschaftspolitische Bedeutungssteigerung Europas durch den Euro im Weltmaßstab. Europas Stimme in Währungsfragen muss nun in höherem Maße gehört werden und auch der Druck auf die Eurostaaten, in diesen Dingen mit einer Stimme zu sprechen, ist gewachsen. In einer globalisierten Welt kann eine Gemeinschaftswährung die Wettbewerbsfähigkeit Europas gegenüber anderen Wettbewerbern (wie z.B. China oder den USA) erhöhen.

Last but not least manifestiert der Euro die Zusammenarbeit der europäischen Staaten und ist ein greifbares Symbol europäischer Identität. Politisch gesehen kann der Euro zur Konsolidierung der Europäischen Union beitragen.

Die Nachteile des Euro

Aufgrund der Tatsache, dass die EWU ohne gleichzeitige politische Union eingeführt wurde, äußerten schon einige Wirtschaftswissenschaftler ihre Bedenken zu den Gefahren einer Einheitswährung für eine so große und heterogene Wirtschaftszone wie das Euroland. Insbesondere bei asynchronen Konjunkturzyklen gebe es Schwierigkeiten für die EZB/ECB eine angemessene Geldpolitik zu betreiben. In der Praxis der Anfangsjahre hat sich tatsächlich vor allen Dingen die Geld- und Zinspolitik im heterogenen Wirtschaftsraum als schwierig erwiesen, da beispielsweise Wachstumsraten von über 5 % in Irland mit Wachstumsraten nahe 0% in den iberischen Staaten in Einklang gebracht werden mussten. Der irischen Situation wäre nämlich nach bisher angewandten Methoden mit Leitzinserhöhungen und Geldmengenverknappung zu begegnen gewesen, während im Gegenbeispiel Lockerungen üblich gewesen wären. Regionale Unterschiede lassen sich mit der einheitlichen Geldpolitik aber nicht hinreichend abbilden.

Ein weiteres wesentliches volkswirtschaftliches Problem stellt zudem die Festlegung der Wechselkurse der an der Einheitswährung beteiligten Währungen dar. Denn eine Volkswirtschaft, die mit einer überbewerteten Währung dem Euro beitritt, wird im Vergleich ein höheres Vermögen, aber auch höhere Kosten und Preise aufweisen als Staaten, die unterbewertet oder fair bewertet dem Euro beitreten und ein volkswirtschaftlicher Ausgleich dieser Überbewertung ist in der Folge nicht mehr erreichbar. Bei einer überbewerteten Wirtschaft wirkt der zusätzliche Importanreiz bei den höheren Preisen dann jedoch deflationär, denn die höheren Kosten vermindern die Exportchancen im gemeinsamen Währungsraum und begünstigen die Verlagerung der Produktion in kostengünstigere Staaten, so dass Kostensenkungen (in prozentualer Höhe der Überbewertung) unausweichlich sind. Zur Finanzierung dieser Kostensenkungen kann dabei nur die Abschöpfung des durch die Überbewertung gestiegenen Vermögens herangezogen werden.

Politisch war und ist fraglich, ob EZB/ECB und Europäische Kommission die Mitgliedstaaten der Eurozone zu hinlänglicher Haushaltsdisziplin anhalten können: Entziehen sich einzelne Staaten jedoch ihrer haushaltspolitischen Verantwortung, werden Inflationsrate und Finanzierungskosten für diese Länder solange relativ niedrig bleiben, wie sich der Großteil der restlichen Eurostaaten nicht zu stark verschuldet. Dies könnte jedoch verspätete oder aber nicht ausreichende Korrekturen der Haushaltspolitiken fördern und somit zu Wohlstandseinbußen führen.

Die Befürchtungen wurden wahr – die aktuelle Eurokrise und der Rettungsschirm

Wie wir inzwischen leidvoll erfahren haben, haben sich die Befürchtungen der Euroskeptiker inzwischen fast allesamt bewahrheitet. So konnten in den letzten Jahren weder EZB/ECB noch Europäische Kommission solche Staaten wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal oder Spanien (PIIGS) zur Haushaltsdisziplin anhalten. So lebte insbesondere Griechenland weit über seine Verhältnisse, so dass die Finanzmärkte berechtigterweise Zweifel an einer Rückzahlung der griechischen Schulden bekommen haben. In der Folge stiegen die Zinsforderungen für griechische Staatsanleihen exorbitant in die Höhe, so dass sich das Land ohne Hilfe nicht mehr hätte refinanzieren können. Da die griechische Tragödie auf die anderen angeschlagenen Länder überzuschwappen drohte, wurde schließlich von der Europäischen Union ein 750 Mrd. Euro schwerer Rettungsschirm für den Euro initiiert. Das Problem dabei ist jedoch, dass durch die EWU durch diesen Rettungsschirm zu einer Transferunion zu werden droht, bei der starke Staaten  die Sünden der schwachen Staaten ausbügeln müssen. Oder anders ausgedrückt: In Deutschland muss die Bundesregierung nun Sparprogramme auflegen, weil Deutschland etliche Milliarden Euro in die angeschlagenen Länder wie insbesondere Griechenland pumpen muss.

Dies birgt eine enorme politische Sprengkraft, denn insbesondere rechtsgerichtete, nationalistische Parteien könnten dies nutzen, um auf Stimmenfang zu gehen. Und wie ein Blick in die Geschichte zeigt, hat genau so etwas in der Vergangenheit schon einmal dazu geführt, dass rechte Rattenfänger in Deutschland an die Macht kamen, bis heute das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte!

Im Zuge des Rettungsschirms hat die EZB/ECB zudem beschlossen, Staatsanleihen von Ländern mit schlechter Bonität wie eben Griechenland aufzukaufen. Damit folgt die EZB/ECB der Politik der „quantitativen Lockerung“ („quantitive easing“), den die Bank of Japan, die Federal Reserve (FED) oder auch die Bank of England schon vor einiger Zeit beschritten haben. An sich ist dies kein Problem, nur entstand der Eindruck, dass sich die EZB/ECB erst auf politischen Druck dazu entschlossen hat dies zu tun, so dass um die Unabhängigkeit der Zentralbank gefürchtet werden muss. Zumal die EZB/ECB damit entgegen ihrer eigentlichen Aufgaben in die Staatsfinanzierung maroder Eurostaaten eingestiegen zu sein scheint. In der Folge befürchten daher nicht wenige Experten mittelfristig ein deutliches Anziehen der Inflationsrate in der Eurozone.

Doch trotz aller berechtigter Kritik an dem Rettungsschirm muss man auch konstatieren, dass die Politik nur die Wahl zwischen Pest und Cholera hatte. Denn ohne einen solchen Rettungsschirm hätte der Druck der Märkte auf die sogenannten PIIGS-Staaten wohl immer weiter zugenommen, was letztendlich dazu geführt hätte, dass ein Land (wahrscheinlich Griechenland) aus der Eurozone ausgetreten wäre. Dies wäre an sich noch kein Problem gewesen, aber ist der Anfang erst einmal gemacht, wären wohl auch andere Eurostaaten dem Beispiel gefolgt. So wären vielleicht Italien und Spanien ebenfalls aus der Eurozone ausgeschieden, hätten Lire und Peseten wieder eingeführt und ihre Währung dann abgewertet. In der weiteren Folge wäre somit der Euro wohl letzten Endes ganz gescheitert…

Dem Rettungsschirm zum Trotz – warum der Euro eigentlich zum Scheitern verurteilt ist!

Fürs Erste hat der Rettungsschirm den Euro gerettet, Kanzlerin Angela Merkel gibt jedoch selbst zu, dass sich die Politik damit eigentlich nur Zeit erkauft habe und nun notwendige Reformen durchführen müsse. Allerdings wagt sich weder die Bundeskanzlerin noch sonst ein hochrangiger Politiker auszusprechen, was wirklich nötig wäre um den Euro langfristig zu retten, nämlich eine politische Union. Ohne die Vereinigten Staaten von Europa (USE) kann man noch soviele Rettungsschirme aufspannen, noch soviel Finanzmarktregulierung betreiben und noch soviel diskutieren, ohne politische Union kann der Euro langfristig nicht überleben. Und wie wenig gewollt diese Vereinigten Staaten von Europa derzeit politisch sind, kann man schon alleine daran erkennen, dass viele Eurostaaten nicht einmal dem Vorschlag von EU-Währungskommissar Olli Rehn (Finnland) zustimmen, frühzeitig ihre Budgetplanung in Brüssel vorzulegen, so dass die EU-Kommission kontrollieren könnte, wer zu viele Schulden macht.

Daher gehen wir nicht davon aus, dass es innerhalb der nächsten Jahre zu einer politischen Union kommen wird und somit sehen wir den Euro auf Sicht von drei bis fünf Jahren vor dem Aus. Da die Politik jedoch dabei ihr Gesicht wahren will und muss, wird man den Euro nicht ganz aufgeben. Vielmehr werden die Schuldensünder à la Griechenland oder Portugal die Eurozone wohl verlassen und es wird am Ende ein „Kern Euro“ mit den Benelux Staaten, Deutschland und Frankreich übrig bleiben. Dieser düfte dann auch wieder eine stabilere Währung darstellen, hat aber dann international längst nicht mehr diese Bedeutung wie sie der Euro derzeit hat. Langfristig kann man daher auf fallende Kurse des Euro gegenüber den meisten wichtigen Währungen spekulieren, insbesondere natürlich gegenüber einer harten Währung wie dem Schweizer Fanken!

Die fundamentale Bewertung des Euro anhand der Kaufkraftparitätentheorie

Grundsätzlich ist es natürlich sehr schwierig Währungen zu bewerten. Doch es gibt einen Ansatz, der ganz klar die Unter- oder Überbewertung einer Währung gegenüber einer anderen Währung anzeigt und nach der sich daher der Wechselkurs langfristig ausrichtet, die sogenannte Kaufkraftparität. Am einfachsten zu erklären ist die Kaufkraftparitätentheorie dabei an dem bekannten „Big Mac Index“. Man nehme ein weltweit verfügbares Produkt (eben der „Big Mac“ von McDonald’s) und vergleiche die Preise. Tut man dies, so stellt man fest, dass der „Big Mac“ hier in Deutschland aktuell ca. 3,25 Euro kostet, in den USA hingegen liegt der Preis bei ca. 3,75 US$. Daraus würde sich ein fairer Wechselkurs von 3,75/3,25 = 1,15 errechnen. Natürlich reicht der „Big Mac“ alleine nicht aus, um die wirkliche Kaufkraftparität zu bestimmen, aber für eine Richtungsbestimmung eignet er sich schon. Übrigens wurde bei ETFSuche.de – der Sharewise ETF/ETC Blog schon frühzeitig auf die Überbewertung des Euro hingewiesen, wie Sie hier und auch hier nachlesen können.

2.) Charttechnische Analyse

Euro – der lange Abstieg hat begonnen!

Auch heute habe ich Ihnen wieder zwei Chart mitgebracht und zwar zum Einen den 10-Jahres-Chart von Euro/US$ und zum Anderen den 1-Jahres-Chart von Euro/US$. Schauen wir uns die beiden Charts mal an!

Euro/US$, Chart, 10 Jahre

(Quelle: ProRealTime.com)

Wie man hier sehen kann, befand sich der Euro gegenüber dem US$ quasi seit seiner Einführung in einem intakten Aufwärtstrend. Dieser wurde jedoch bereits Ende 2008 verlassen, was ein klares Verkaufssignal darstellte. Doch in der Folge konnte sich der Euro dann noch einmal kurzfristig erholen, konnte dabei jedoch den zuvor gebrochenen Aufwärtstrend nicht mehr nachhaltig zurückerobern. Daher liegt bei Euro/US$ spätestens seit Ende 2008 ein klares Verkaufssignal vor und die aktuelle Talfahrt dürfte eigentlich keinen charttechnisch orientierten Anleger überrasschen!

Euro/US$, Chart, 1 Jahr

(Quelle: ProRealTime.com)

Der kurzfristigere 1-Jahres-Chart ist eigentlich gar nicht so wichtig, viel klarer ist das Verkaufssignal im oben vorgestellten 10-Jahres-Chart. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf den 1-Jahres-Chart auch, denn hier kann man nun die ganze Dramatik der Abwertung des Euro gegenüber dem US$ im kurzfristigeren Zeitfenster erkennen. So hat der Euro zum US$ alleine in den letzten 6 Monaten rund 20% an Wert verloren und der Abwärtstrend hat sich zuletzt sogar noch beschleunigt. Fundamental dürfte der Grund darin zu suchen sein, dass der beschlossene Rettungsschirm den Euro zu einer „Weichwährung“ macht, charttechnisch hingegen liegt der Grund darin, dass der zentrale Support im Bereich 1,25 durchbrochen wurde. Die kürzlich gesehenen Gewinne dürften daher einzig und allein auf eine technische Reaktion sowie Interventionen der Notenbanken zurückzuführen sein. Diese Interventionen dürften jedoch den weiteren Absturz des Euro nur verzögern und nicht aufhalten, so dass aus charttechnischer Sicht jeder Erholungsversuch mit dem Aufbau von Shortpositionen beantwortet werden sollte.

3.) Sentimenttechnische Analyse

Kommen wir damit zur Sentimentanalyse. Leider stehen uns dabei keinerlei Daten aus der Sharewise Datenbank zur Verfügung, aber auch so dürfte ja klar sein, wie die Stimmung gegenüber dem Euro ist, nämlich grottenschlecht. Nun, wenn die Stimmung aber doch so schlecht ist, so ist das ja eigentlich ein positives Zeichen und der Euro dürfte bald wieder steigen, wird nun sicherlich der ein oder andere denken. Aber leider kann ich auch hier keinerlei Hoffnung machen. Eine kleine technische Reaktion haben wir, wie eben in der charttechnischen Analyse bereits angesprochen, ja bereits kürzlich gesehen. Jedoch konnte Euro/US$ dabei die wichtige Marke von 1,25 nicht zurückerobern. Und auch ein anzizyklischer Einstieg in den Euro kann man derzeit nicht empfehlen, denn zwar mag das Sentiment für den Euro sehr negativ sein, aber diese negative Stimmung passt zur zuletzt gesehenen Kursentwicklung.

Und solange es keine Divergenz zwischen Sentiment und Kursverlauf gibt, solange gilt eben immer „the trend is your friend“. Auch aus sentimenttechnischer Sicht lautet die Empfehlung daher jedwede Kurserholung des Euro zum US$ oder anderen starken Währungen wie dem Schweizer Franken umgehend mit dem Aufbau von Shortpositionen zu beantworten.

4.) Zusammenfassung

Auf fundamentaler Sicht muss man klar konstatieren, dass der Euro auf mittlere Sicht womöglich vor der Auflösung steht – sofern es nicht doch noch zu einer politischen Union in Europa kommt, die wir derzeit aber nicht sehen. Nach Kaufkraftparität wäre ein Euro/US$ Wechselkurs von 1,15 schon vor knapp einem Jahr fair gewesen, durch den zuletzt beschlossenen Rettungsschirm, welcher den Euro zur „Weichwährung“ macht, dürfte der faire Wechselkurs eher sogar in Richtung Parität zum US$ (also einem Wechselkurs 1:1) liegen. Daher ist der Euro aus fundamentaler Sicht sowohl gegenüber dem US$ als auch und insbesondere gegenüber dem Schweizer Franken überbewertet.

Aus charttechnischer Sicht sieht es keinen Deut besser aus. Euro/US$ hat bereits Ende 2008 das große charttechnische Verkaufssignal geliefert, welches nach wie vor voll intakt ist. Mit dem Bruch der zentralen horizontalen Unterstützung bei 1,25 wurde zudem kürzlich das ohnehin bestehende Verkaufssignal nur noch einmal verstärkt. Und selbst die durch Interventionen der Notenbanken hervorgerufene Pullbackbewegung ändert an diesem negativen Chartbild absolut nichts, ganz im Gegenteil hatten die Interventionen nicht einmal die Kraft den Euro zum US$ wenigstens bis auf 1,25 ansteigen zu lassen.

Last but not least spricht auch das negative Sentiment gegenüber dem Euro nicht für ihn. Denn diese sehr negative Stimmung, die man oftmals antizyklisch positiv bewerten muss, wird hier ganz klar durch den Kursverlauf bestätigt, sprich es gibt keinerlei Divergenz zwischen Stimmung und Kursverlauf. Solange es diese aber nicht gibt, muss man gemäß dem Motto „the trend is your friend“ von einem weiter fallenden Euro ausgehen.

Langer Rede, kurzer Sinn, ein so eindeutiges Ergebnis wie bei der Analyse des Euro hatte ich im Rahmen der Sharewise Wunschanalyse wohl noch nie. Egal ob fundamental, charttechnisch oder sentimenttechnisch, ein weiter fallender Euro ist vorprogrammiert. Wir rechnen daher auf Sicht der nächsten 6 bis 12 Monate damit, dass Euro/US$ auf die Parität (1:1) fallen wird und empfehlen daher in jegliche Kurserholung hinein Shortpositionen im Euro zum US$ oder auch im Euro zum Schweizer Franken (CHF) aufzubauen!

Über den Autor

Sascha Huber, Jahrgang 1978 und wohnhaft in Trier, ist schon seit Zeiten des damaligen Neuen Marktes als intimer Kenner der Hightechbranche bekannt. Er betrieb in den Jahren 1998 bis 2001 zusammen mit einem Partner eine der damals führenden Börsenhotlines sowie eines der damals führenden Börsenportale und gehörte damit zu den Ersten, die das Potential von Aktien wie Amazon.com, eBay oder Intershop Communications erkannten. Im Gegensatz zu vielen anderen Experten riet er allerdings rechtzeitig im März 2000 zum Ausstieg aus dem Neuen Markt und warnte sehr frühzeitig vor Luftnummern wie ComROAD, Gigabell oder Infomatec. Mittlerweile gehört er zu den aktivsten Sharewise Mitgliedern und zeichnet sich dabei durch exzellentes Börsen Know How aus. Dabei liegt seine Spezialität unverändert im Hightechsektor, den er aufgrund eines Informatikstudiums auch bestens einschätzen kann.

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