Solarworld und Conergy – Die Hoffnung stirbt zum Schluss !

Es ist ruhig geworden um die einstigen Highflyer im Deutschen Solarmarkt…Auch wenn Frank Asbeck am Wochenende zu einer Großoffensive blies. „Man will uns kaputt machen“ lautete die markige Überschrift der verschiedenen Aktikel. Darin beschwert sich Asbeck ganz offen über die, seiner Meinung nach enormen Fehlleistungen unserer Politik, und den Einfluss den die Energie-Lobbyisten auf die Entscheidungen unserer Staatsführung. Weiter sprach Asbeck in dem Interview von einem Wirtschaftskrieg den China begonnen hätte, mit dem Ziel alle ausländischen Anbieter durch Dumpingpreise aus dem Markt zu verdrängen. Tausende von Arbeitsplätzen sein durch die Förderkürzungen in der Solarindustrie Deutschlands gefährdet….

Ansich sind das ja keine neuen Erkenntnisse. Auch wir haben in der Vergangenheit schon des öfteren über gewisse Diskrepanzen auf dem weltweiten Solarmarkt, und die Rolle gewisser politischer Entscheidungen dabei, hingewiesen. Dass Asbeck sich nun öffentlich klar dazu äussert, und die Bundesregierung auffordert diesem Treiben mittels Strafzöllen oder ähnlichem Einhalt zu gebieten, zeugt in meinen Augen eher davon dass auch dem deutschen Branchenführer das Wasser inzwischen bis zum Hals stehen könnte. Wie sinnvoll oder gerecht es ist an dieser Stelle öffentlich gegen die Bundesregierung zu schießen, darüber kann man sicherlich streiten. Das sich unsere Regierung aber auf ein Modell mit Strafzöllen einlassen wird, und die ansonsten so fruchtbaren Beziehungen zu China damit auf eine ernsthafte Belastungsprobe stellt, wage ich ehrlich gesagt zu bezweifeln.

Heute leidet die Aktie von Solarworld erneut an einem Schwächeanfall, der mit der aktuellen Herabstufung der UBS begründet wird. Das Schweizer Bankhaus hat das Kursziel von 3,- auf 1,50 Euro glatt halbiert, und würde die Aktie aktuell nur noch „Halten“ und nicht mehr „Kaufen“, und verweisen dabei auf das, trotz des geringen Kursniveaus extrem hohe KGV für das laufende Geschäftsjahr von 70. Für das kommende Jahr rechnen die Experten nun mit einem KGV von 38. Ob wir in den nächsten Jahren überhaupt ein KGV bei Solarworld sehen werden ist aber keinesfalls gewiss.

Der einstige Vorzeige Konzern der Branche ist zuletzt auch in die roten Zahlen gerutscht und hat weiterhin mit deutlich sinkenden Margen und dem Verlust von Marktanteilen zu kämpfen. Hinzu kommt dass Solarworld inzwischen Schulden in Milliardenhöhe angehäuft hat, während das Unternehmen nur noch mit aktuell 212 Millionen an der Börse bewertet wird. Auch die Charttechnik verheißt nichts Gutes…Mit dem heutigen Rutsch unter die Marke von 1,80 Euro dürfte das Kursziel der UBS schneller erreicht werden als so manchem Anleger lieb sein kann. Echte Unterstützungen sind in diesem Chart sowieso nicht mehr zu finden. Es bleibt also weiterhin das traurige Fazit, dass auch beim Branchenprimus nicht in ein fallendes Messer gegriffen werden sollte!

Etwas kurios fand ich auch die Meldung vom Wochenende dass Conergy bald wieder schwarze Zahlen schreiben will. Beim Lesen dieser Zeilen musste ich etwas schmunzeln, denn der Artikel klingt für mich doch eher etwas nach Zweckoptimismus als nach einem echten Plan sich aus der tiefen Krise zu befreien. Vorstandschef Philip Comberg beteuert dass man aus der Krise gelernt habe, und nun wieder „voran komme“. Unterstrichen wurde diese Aussage mit der Tatsache das das Unternehmen zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahre 2005 mehr eingenommen als ausgegeben habe. Na doll! Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen.

Wer auf das Comeback der beiden Unternehmen setzen will der sollte dies wohl nur mit ganz kleinen Beträgen und einem laaaangem Atem tun. Oder Sie kaufen sich eine dieser spottbilligen Solaranlagen aus China für das Geld 😉

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3 Comments

  1. Ramsi said:

    Hallo Lars,

    bei Schulden in Milliardenhöhe und einer niedrigen dreistelligen Marktkapitalisierung ist in diesem geschäftlichen Umfeld der Fortbestand einer Solarworld in dieser Form doch schon mehr als fraglich. Warum also nicht mal auf fallende Kurse spekulieren? Ich merke, du gehst bei solchen Pleitekandidaten eigentlich nie auf Chancen in Richtung Süden ein. Liegt das daran, dass du dir bisher nie ganz sicher warst, was den Fortbestand angeht oder hast du eine generelle Abneigung gegen Short-Spekulationen? Vielleicht ist das nur meine Wahrnehmung aber ich habe das Gefühl, wenn es um Papiere mit Potential geht, positionierst du dich „eindeutiger“.

    Mal anders gefragt: Kannst du dir ein Szenario vorstellen, in dem Solarworld noch einen blühenden Fortbestand erleben könnte und zwar so, dass die jetzigen Anteilseigner als Aktionäre durch Verwässerung oder Insolvenz nicht auf der Strecke bleiben?

    Gruß aus Frankreich

    • Lars said:

      Hallo Ramsi, Diene Beobachtungen zu meinem Anlageverhalten sind natürlich richtig 😉 Ich bin grundsätzlich eher Bulle und suche nach Aktien deren Kurse in nächster Zeit steigen sollten. Ganz selten setze ich auf fallende Kurse bei Einzelaktien. Eher noch bei ganzen Märkten/Branchen oder Indizes. Hinzu kommt aber noch eine weiter Komponente die mir wichtig ist. Als Blogbetreiber mit einer gewissen Reichweite hat man auch Verantwortung – zumindest ist das meine Meinung. Und da passt eine Shortstrategie bei Werten wie Solarworld nicht wirklich rein. Denn die Aktie kann jederzeit wieder, getrieben durch irgendwelche Nachrichten, um 20 bis 30 Prozent zulegen. Was ja auf dem Niveau auch nicht weiter schwer ist.

      Zu Deiner Frage also, Ich kann mir durchaus vorstellen dass sich Solarworld noch am längsten halten kann, letztlich wird es aber wohl auch auf ein für Aktionäre trauriges Endergebnis rauslaufen, in welcher Form auch immer. Wer heute noch daran glaubt dass die Solaraktien ihre alten Höchststände jemals wieder sehen werden der irrt gewaltig. Auch wenn ich der Branche grundsätzlich ein Überleben zutraue wird die Musik künftig woanders spielen, aber das ist ja keine neue Erkenntnis.

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 16. April 2012 | Die Börsenblogger

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