Solarworld – Angst vor der „Gelben Gefahr“

Solarworld warnt vor der „Gelben Gefahr“…und damit ist nicht die FDP gemeint, um das gleich mal voraus zu schicken. Der Chef des größten deutschen Solarkonzerns Solarworld, Frank Asbeck, schlug in der abgelaufenen Woche Alarm. Nicht zuletzt der rekordverdächtig niedrige Aktienkurs der Solarworld Aktie dürfte Herrn Asbeck dazu veranlasst haben sich mal etwas Luft zu verschaffen und seinen Unmut über das politische Versagen kund zu tun. Asbeck sieht seine Branche wegen der chinesischen Konkurrenz ernsthaft bedroht und fordert die Politik zum Handeln auf. Der Solarworld-Chef rechnet damit, dass sich der Solarmarkt bis 2020 etwa verfünffachen wird. Die Frage dürfte nun sein wer von dieser Entwicklung in Zukunft profitieren wird…

Asbeck kritisierte in diesem Zusammenhang insbesondere die „unfairen Methoden“ der Konkurrenz. Gemeint sind natürlich die Chinesen. Chinas Konzerne werden, seiner Meinung nach, vom Staat mit günstigen Krediten gepäppelt und könnten auf diese Weise riesige Mengen zu extrem niedrigen Preisen anbieten, die teilweise bis zu 30 Prozent unter den Herstellungskosten liegen sollen. Unter den deutschen Herstellungskosten war hier wohl gemeint. Weiter befürchtet Asbeck, das nun Großkonzerne wie Foxxcon oder Samsung bald massiv in den Wettbewerb eingreifen werden, und das wohl nicht zu Unrecht. Die Konzerne stehe in den Startlöchern und werden in den Markt eingreifen, was für Solarworld dann konkret heißt das man in Zukunft nur noch einer der mittelgroßen Player am Markt sein könnte.

Selbst der Branchenprimus Solarworld sieht seine Existenz nun offenbar ernsthaft bedroht, und weiß sich offenbar keinen anderen Ausweg als nach der Politik zu rufen. Das hat aber so nach unserer Auffassung wenig Sinn, zumal die Chinesen gerade als potenzieller „Retter Europas“ um weitere Freiräume „gebeten“ habe. Unsere Politik dürfte an der ganzen Misere nicht ganz unschuldig sein. Der Sektor Solarwirtschaft wurde in den vergangenen Jahren regelrecht kaputt-subventioniert statt der freien Marktwirtschaft ihren Lauf zu lassen. Nicht wenige der deutschen Steuergelder sind genau dadurch in China gelandet und haben es erst möglich gemacht das diese Industrie dort so enorm wachsen konnte. Wir haben bereits vor Jahren vor genau diesem Szenario gewarnt…

Ich möchte hier heute mal den 10-Jahres Chart der Solarworld AG einstellen, der eindrucksvoll den steilen Aufstieg, und den tiefen Absturz einer Branche dokumentiert. Auch in diesem Falle gilt – ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Anleger müssen sich mental von den „guten alten Zeiten“ verabschieden, denn die werden aller Voraussicht nach nicht wieder kommen! Die Solarworld Aktie notiert aktuell bei 3,40 Euro, der Börsenwert der Firma ist von Zig-Milliarden auf nur noch 390 Millionen Euro geschrumpft. Eine Trendwende scheint vorerst auch nicht in Sicht zu sein, und es steht zu befürchten das der Kursverfall, auch bei einer Solarworld Aktie, weiter gehen wird.

Charttechnisch betrachtet liegen die nächsten Zielmarken nun bei 2,88 und 2,65 Euro. Der aktuelle Widerstand, den es zu überwinden gilt liegt bei 4,11 Euro. Solarworld dürfte aber aufgrund der Größe und der „Marke Solarworld“ zu den Unternehmen gehören die die zu erwartende Marktbereinigung überleben werden. Vielleicht wird das Unternehmen auch irgendwann ein interessanter Übernahmekandidat für einen ausländischen Konzern… Kurzfristige Kurssprünge sind natürlich, bei positiver Nachrichtenlage, immer mal wieder drin, da die Aktie deutlich überverkauft erscheint. Langfristig bleiben die Aussichten aber wohl eher negativ. Solarworld ist für uns , auch auf diesem Niveau, immer noch kein Kauf, wäre aber zu gegebener Zeit, eine schöne Trading-Aktie mit relativ überschaubarem Risiko.

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9 Comments

  1. Hari Seldon said:

    Matthew, Danke für Deinen inhaltsreichen Kommentar ! Ich kann alles gut nachvollziehen.

    Ein Satz von Dir hat mich zu einem kurzen Blogbeitrag inspiriert. Schau es Dir mal an.

  2. Matthew said:

    Ich erinnere mich noch daran, daß Thomas mal geschrieben hatte, daß Porsche bei 25 landet und Lars dazu meinte, daß er dann einen Kredit aufnehmen würde um die Dinger zu kaufen. (Da stand die übrigens noch hoch in der fünfzig!)

    So ändern sich die Zeiten!
    Porsche würde ich aber alleine schon wegen dieser Optionsverflechtungen erstmal nich mehr kaufen, gerade auch in der Hinsicht, daß eben genau dieser Punkt sich bei VW positiv niederschlagen wird und auch die VW-Aktie sehr günstig ist.

    Wobei günstig?! Hmmmm, weiß man eben nicht!?

    Stark konjunkturabhängige Titel möchte ich im Moment aber auch nicht mehr haben, auch wenn man damit spielen könnte.

    Ich denke aber auch wie Lars dass wir uns immer noch zwischen den Punkten sieben und acht bewegen, aber das uns der große Tiefpunkt noch bevorsteht.
    Zum Quartalsende schließe ich mich aber dem beschriebenen Szenarie von Hari an, in dem Sinne, daß zum Ende des Monats ein bißchen Kurs-Kosmetik betrieben werden könnte und wir ein positive nächste Woche sehen werden!

    Dieses Szenario spiele ich dann jetzt auch.

    Bin dann am Freitag sehr schön aus meinem Put raus gekommen und auf der suche nach ein bißchen Sicherheit, hab ich mal ganz unspektakulär die Apple für 295 gezogen. Ich denke, dann aber, wenn das so eintrifft, daß man Anfang nächsten Monats den Dax vielleicht lieber putten sollte und daß das kein schöner Oktober wird!
    Ma gucken wie sich das dann darstellt.

    Und noch zu Hari:

    Ich wollte keine unnutze Diskussion auslösen. Sorry for that!

    Wir haben halt im Grunde seit 95/96 eine Seitwärtsbewegung im Dax und wenn man beispielsweise vor zehn Jahren den für 6000 Punkte gekauft hätte, wären wir heute bei einem Minus von ca. 15%. Keine schöne Performance!

    Für mich war und ist die Entwicklung des Gesammtmarktes maximal ein bedingter Maßstab.

    Wenn ich in einem Jahr 10% Rendite hatte und der gesammte Markt aber mit 30% performte war mir das im Grunde relativ wurscht, weil ich mit meinem Ergebnis ja zufrieden war.
    Wenn hingegen der Markt um 25% fällt und ich ein Minus von 20% in meinem Depot stehen habe, ist die Entwicklung des ganzen Umfelds für mich maximal ein kleines Trostpflaster.

    Ich wollte eigentlich auch eher zum Ausdruck bringen das gerade ehemalige Kollegen aus dem Bankbereich dazu tendieren ihre negativen Ergebnisse schön zu reden. Oder es werden solange Graphiken hin und her gezogen, bis das irgendwie positiv aussieht.

    Gerad das schätze ich an Dir und Lars, daß ihr so ein Schöngerede hier nicht betreibt!!!!!

    Und ja klar ist die Depotgröße sehr entscheidend wie locker man gewisse Risiken eingehen kann.

    Viele Gesetze, die die Börse in der Vergangenheit einfacher gemacht haben existieren einfach auch nicht mehr. Wie wir gerade sehen haben politische Börsen eben keine kurzen Beine, und daß wir von einer durchschnittlichen Rendite von 7% ausgehen können, haben eben auch die letzten 15 Jahre widerlegt. Kostoljanis ich leg mich dann mal zehn Jahre Schlafen Ding, würde eben heute zu keinem schönen Erwachen führen.

    Soooo, wünsche allen eine schöne Woche und gutes Handeln.

  3. Thomas said:

    „Moin Thomas, das wurde ja so nicht geschrieben ;-)“

    Lars, ja, sorry, das habe wohl ich da hinein gelesen. Allerdings hat sich Hari zu den „subventionierten deutschen Solarunternehmen“ sehr negativ geäußert. Ich habe den Artikel, nicht verstanden und hatte ihn auch nicht kommentiert. Mich würde dennoch interessieren, wer da deutsche Solarunternehmen subventioniert. Gibt es dazu konkrete Angaben?

    Danke!

    • Lars said:

      Hallo Thomas,

      Nur ganz kurz weil ich noch weg muss. Ich habe mir erlaubt den ersten Teil Deines Kommentars zu löschen, weil ich befürchte dass wir sonst in alte Verhaltensmuster zurückfallen. 😉 Du weißt ja es ist nur gut gemeint. Das du eventuell übers Ziel hinausgeschossen sein könntest hast Du ja mit dem zweiten Kommentar indirekt auch bestätigt und eingesehen. Deshalb bin ich froh das der noch kam, sonst hätte ich mich vielleicht doch angegriffen gefühlt.

      Die Antwort auf Deine Frage muss ich aber dennoch aus Zeitgründen etwas schieben. So aufregend und neu ist die aber eigentlich auch gar nicht 😉 Vielleicht hat ja auch Hari kurz Lust sich dazu zu äussern? Ich wünsche Dir erst einmal einen schönen Abend, muss jetzt los… viele Grüße, Lars

    • Hari Seldon said:

      Thomas, ich mache es auch kurz (für meine Verhältnisse zumindest ;-)). Ich will trotz des von Lars erwähnten, wenig hilfreichen ersten Teils mal antworten.

      Natürlich geht es um das EEG und die Einspeisevergütung wenn ich von Subvention rede. Das ist das, was auch Lars oben kritisiert. Worum geht es wohl sonst ?
      Das EEG ist geradezu das Musterbeispiel einer Subvention. Subventionsgeber sind wir alle als Stromkunden mit Multi-Milliarden. Und Empfänger unseres Geldes sind schon heute primär chinesische Massenproduzenten. Fett und träge gemacht wurden dadurch aber vorher unsere Solarworlds und Co. mit nun zu besichtigenden Folgen.

      Auf Deutsch, wir alle zahlen deutlich erhöhte Strompreise, damit im Yangtse Delta gigantische Fabriken entstehen, die ihre Umwelt mit Schwermetallen und anderem Dreck vergiften. Und mit den Produkten dieser Fabriken, die ohne unseren mit dem EEG künstlich aufgeblasenen Markt gar nicht existieren würden, „retten“ wir dann die Welt vor der „Klimakatastrophe“ und fühlen uns dabei ganz toll, „nachhaltig“ und gut. Prost !

      Das erlaube ich mir Unfug zu nennen um nicht schlimmere Begriffe benutzen zu müssen. Abgesehen davon ist der industriepolitische Effekt für Deutschland Null um nicht zu sagen Negativ. Es gibt bei den Modulproduzenten eigentlich nur ein Unternehmen in D, dass in meinen Augen die Chance hat dauerhaft im Wettbewerb zu bestehen und das ist Solarworld. Über den Rest rede ich lieber nicht. Komisch nur, dass deutsche Unternehmen in anderen vergleichbaren Industrie-Branchen, wo keine durch den Staat erzwungenen Milliarden mit dem Hubschrauber abgeschmissen werden, unglaublich stark und wettbewerbsfähig sind und keineswegs von Chinesen überrannt werden.

      Und damit das nicht gleich in die falsche Schublade gesteckt wird, es geht nicht um die Frage Solar ja oder nein, sondern nur um das WIE. Du wirst erstaunt sein, das gerade namhafte Personen der politisch korrekten Weltanschauung völlig meiner Meinung sind.
      Nur als Beispiel Palmer von den Grünen hier schon im März 2010 Palmer zum EEG
      Palmers „Lösung“ ist wie erwartet so dirigistisch wie das EEG und deshalb Unsinn. Aber zumindest das Problem wird erkannt, obwohl er aus politischen Gründen (wer hats erfunden ?) lieber nicht sagt, dass die auf Massenproduktion ausgelegte Konstruktion des EEGs selber das Problem ist. Denn dort werden die falschen Leistungsanzeize gesetzt, ändert man das, braucht man auch keine blödsinnigen Handelsschranken. Das EEG ist schlicht völlig verfehlte Industriepolitik.

      Aber abgesehen vom Lösungsansatz, decken sich Palmers Aussagen von vor 1,5 Jahren vollständig mit meiner Sicht. Insofern muss ich auch gar nichts mehr erklären, in dem Artikel steht von weltanschaulich unverdächtiger Stelle alles, inklusive der Erwartung, dass die deutschen Unternehmen untergehen und 45 Milliarden € unseres Geldes verplempert wurden.
      Zitat: „Chinas Industrie könnte also ohne das Deutsche EEG nicht existieren“. Amen !

      So und nun, Ruhe, Frieden und Wochenende ….. mein vorläufig letztes Statement zum Thema.

    • Lars said:

      Für Thomas, auch wenn er uns verlassen hat 😉 habe ich heute eine Erklärung gefunden die es auf den Punkt bringt: „Die Schwäche des deutschen Solarmarktes könnte ausgerechnet an den Milliarden-Subventionen der Bundesregierung liegen, mit denen eine ganze Branche seit Jahren gemästet wird. Denn dieses leicht verdiente Geld hat die Gesetze des Marktes ausgeschaltet. Es hat dazu geführt, dass deutsche Solar-Unternehmen weniger in Forschung und Entwicklung ihrer Produkte investieren. Nach Jahren satter Gewinne kommt jetzt das böse Erwachen. Die Konkurrenz aus dem Ausland zieht vorbei. Weil Forschung Zeit braucht, wird sich an der Dominanz der ausländischen Firmen so schnell auch nichts ändern“ (Neue Osnabrücker Zeitung)

  4. Thomas said:

    Moin moin, Lars,

    Zum Silber… Fairer Preis? Wenn es den gibt eher 20 denn 16 US$ – wenn als Industriemetall gewertet. Es hängt aber auch an Gold. Gold würde jetzt in der Tat kräftig weiter fallen, wenn eine saftige Rezession mit Deflation kommen würde. Rezession ohne Deflation? Warum sollte man da sein Gold verkaufen – Miniinflation und Gold ist besser als jede Anleihe… Silber bei 26? Da müsste Gold am Montag weiter nach 1500, 1400 laufen, ja, alles möglich – aber wenn dann wegen eines Deflationsgespenst. Und da ist Silber bei 26 wirklich keine gute Idee, dann lieber Bund Future gehebelt 🙂

    (((Konkret, mein Börsenastrologe, … mit dem Widerstand bei 1650 lag ich nicht völlig daneben, bei Gold rechne ich zu Wochenanfang eher mit einer leichten Gegenbewegung))))

    Mit Porsche wollte ich mich nicht „loben“. Meine Aussage sollte in die Richtung gehen: Wenn schon Buy-and-hold („Stop loss bei 10 ;-)): Porsche hat seit Juli ca. 30-40% verloren. Wenn Palladium oder Silber das jetzt nachholen? Na und. Kein Grund für mich Porsche als buy-and-hold Position – jetzt- ins Depot zu nehmen. In den nächsten Monaten wird halt Silber, Palladium (MSCI Emerging Markets etc.) nachgekauft – nicht Porsche.

    Wozu benötige ich Aktien? Ich habe doch Palladium. Und das fällt zur Zeit auch 🙂 🙂 🙂

  5. Thomas said:

    Wer mal jemand so nett, mir zu erläutern wer in welchem Umfang Solarworld subventioniert?

    • Lars said:

      Moin Thomas, das wurde ja so nicht geschrieben 😉 mir fehlt auch heute etwas die Zeit für ausschweifende Erklärungen, ich bitte um Entschuldigung! Aber eins interessiert mich dann doch „Silber bei 26? Da kann ich Dich nur warnen. Bei “gesunder” Konjunktur sind 16 Dollar ok. Bei Deflation? Ich rechne eher, dass irgendwann mal jemand mir eine Unze Palladium für 3 US$ an den Kopf werfen will.“ Soll heißen Du als Edelmetall-Bulle denkst an deutlich niedrigere Kurse bei Silber? Oder habe ich da was falsch verstanden? Und ja, bei Porsche hattest Du ein klasse Händchen, ich bin gestern zu knapp über 30 wieder mit der letzten Position rein. Allerdings hat sich durch die vorerst gescheiterte Fusion mit VW doch einiges in meiner Sichtweise verändert…vielleicht gehts ja doch noch auf 10,- 😉 Achtung Ironie!!!

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