E.ON und RWE – wenig Phantasie aber viel Euphorie

Wie erwartet schlecht könnte man auf den ersten Blick bei den heute veröffentlichten E.ON Zahlen sagen, ich würde sogar meinen dass die Zahlen grottenschlecht waren. Aber offensichtlich hat sich der Markt hier noch Schlimmeres erwartet, anders ist der heutige Kursanstieg für mich nicht zu erklären. Für das Geschäftsjahr 2011 musste E.ON unterm Strich einen Konzernfehlbetrag von knapp 1,9 Milliarden Euro ausweisen. Noch im Vorjahr hatte der Konzern einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro erzielt. Erstmals in der langen Firmengeschichte schriebt der Energiekonzern also tief rote Zahlen. Natürlich wurde dieser Einbruch durch die plötzliche Energiewende unserer Bundesregierung, und der damit verbundenen sofortigen Stilllegung einiger Atomkraftwerke initiiert, der Ergebnisrückgang im Gashandel um 630 Millionen Euro trifft den Konzern aber nicht unbedingt schuldlos.

Die Tatsache dass nun alle Fakten auf dem Tisch liegen kann ja bekanntlich manchmal schon wahre Wunder an der Börse bewirken…Wie auch immer, ich bin noch gespannt ob die heutige Erleichterungs-Rally wirklich nachhaltig sein wird, oder ob sich der Anstieg auf über 18,- Euro eher mit dem allgemeinen Börsenumfeld erklären lässt. Konzernchef Johannes Teyssen geht davon aus dass E.ON die Talsohle durchschritten hat. Hohe Ergebniszuwächse bei den erneuerbaren Energien, im russischen Kraftwerksgeschäft und in der Gasproduktion zeigten, dass der Konzern die richtigen Wachstumsfelder definiert habe, so Teyssen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Firmenchef wieder eine Verbesserung des Ergebnisses die sich in den Folgejahren fortsetzen soll. Ob E.ON das Versprechen eines besseren operativen Ergebnisses halten kann bleibt dabei abzuwarten, denn der Konzernüberschuss soll mit 2,3 bis 2,7 Milliarden Euro nur auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Auch wenn die Aktie heute aus charttechnischer Sicht ausgebrochen ist besteht meiner Meinung nach keine Eile sich nun in diesen Titel hinein zu stürzen. Für spekulative Naturen kann ein kurzfristige Trade sehr interessant sein, für Langfristanleger ist die Aktie in meinen Augen weiterhin ein heißes Eisen. Denn es ist keinesfalls in Stein gemeißelt dass die großen Energiekonzerne der Vergangenheit auch die führenden Anbieter in der Zukunft sein werden. Kleinere und flexiblere Unternehmen werden höchstwahrscheinlich mittelfristig Teilbereiche effizienter und flexibler abdecken können. Ich denke es ist wichtig sich gedanklich von dem „alten Modell“ zu verabschieden und die Urgesteine der deutschen Stromversorgung nicht über zu bewerten. Wie immer gibt es im Laufe der Geschichte eine Zeit vor und nach einem bedeutendem Ereignis. Und wer darauf setzt dass E.ON oder RWE ihre alten Höchststände wiedersehen, könnte bitter enttäuscht werden. Denken Sie bspw. an die „Volksaktie“ der Telekom…!

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2 Comments

  1. Sebastian Vincent Schmidt said:

    Ich muss dem Autor hier zu Teilen widersprechen. Die hohe Marktmacht der vertikal integrierten Energiekonzerne Eon und RWE führt auch in Zukunft zu einer daraus resultierenden Marktposition auf den Energiemärkten. Natürlich wurde in der Vergangenheit versäumt, wichtige Investitionen in die erneuerbaren Energien zu tätigen. Es wurde allerdings bereits angekündigt 6 Milliarden Euro in diesem Jahr zu investieren. Bevor sich diese noch nicht auszahlen werden natürlich auch nicht die Gewinne – und damit einhergehend die Börsenkurse – aus alten Tagen erreichen. Allerdings war die neue Strategie zwingend notwendig und kann mittelfristig den Kurs zuminest bis auf 25 Euro treiben. Dies würde immer noch eine traumhafte Rendite bedeuten.

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. März 2012 | Die Börsenblogger

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