Dax Kursziel 8322 Punkte und dann? – Oder warum offene Gaps doch relevant sind!

Der Dax korrigiert heute ein wenig die Exzesse der letzten Handelstage. Die spannende Frage an dieser Stelle bleibt ob es nun zu einer längerfristigen Konsolidierung oder gar zu einer Korrektur kommen kann, oder aber auch dieser Dip erneut wieder gekauft wird. Wie ich ja bereits in der letzten Woche berichtet habe, zeichnet sich diese nie enden wollende Rallye unter anderem dadurch aus, dass sie von relativ dünne Umsätzen „getragen“ wird und die Stimmung insgesamt keinesfalls euphorisch ist. Ersteres ist aus meiner Sicht weiterhin ein Zeichen das zur Vorsicht mahnen sollte, der zweite Punkt hingegen eher etwas das für weiter steigende Kurse sprechen würde. An dieser Stelle würde es noch viele Faktoren – für und wider – einer Fortsetzung der Hausse geben, die aber den meisten Lesern ohnehin bekannt sein dürften. Somit erspare ich mir und Ihnen hier eine nochmalige Aufzählung.

Denn, letztlich bringen all diese Überlegungen herzlich wenig, weil der Markt seine Bodenhaftung offensichtlich verloren hat. Soll heißen: Wir befinden uns nach wie vor nicht mehr in einer normalen Börsenphase in der althergebrachte Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Asset-Klassen funktionieren. Auch bei der Charttechnik bin ich mir da im Moment nicht mehr so sicher, denn es gab in den letzten Tagen bereits einige Verkaufssignale, die aber zunächst komplett ignoriert wurden. Dennoch möchte ich heute einen erneuten Versuch unternehmen aufzuzeigen wo wir aktuell stehen könnten…

DAX Stundenchart mit Gaps

 

Wie Sie in den obigen Chart sehen können hat der Dax, nach dem überraschend starken Tag gestern, auf dem Absatz kehrt gemacht. Selbstverständlich sind die paar Pünktchen noch keinesfalls ein ernstzunehmendes Zeichen für eine Trendwende, aber… Wenn man die letzten Kursbewegungen etwas genauer unter die Lupe nimmt könnte sich daraus nun eine Top-Buldung ableiten lassen, die nicht untypisch wäre. Grund für diese Annahme ist unter anderem die Anhäufung von Kurslücken/Gaps die ein erstes Zeichen für eine Erschöpfung des Marktes sein könnten.

Das erste Gap (links) könnte demnach ein sogenanntes Exhausting-Gap gewesen sein, oder auch Erschöpfungslücken genannt. Dieser Kurslücke folgte dann fast umgehend eine Ausbruchslücke nach unten, die zudem noch den aktuellen Trend unterschritten hat. Das nun folgende Aufwärtsbewegung gestern schloss zum einen diese Kurslücke des Abwärtsgaps, hinterließ aber gleichzeitig zwei weitere kleine Gaps auf dem Weg nach oben, die nun wiederum geschlossen werden sollten. Das erste bei 8392 Punkten wurde heute bereits geschlossen und wird gerade, während ich das hier schreibe, erneut getestet. Die zweite Kurslücke wartet bei 8.322 Punkten auf Schließung, was dann auch das Ziel für meinen gestern eröffneten Short-Trade (kleiner Pfeil) wäre.

Der eigentlich spannende Teil folgt aber erst nach dem Erreichen dieses Kursniveaus. Denn, mit dem heutigen Kursrutsch wurde ein weiteres Gap hinterlassen, dass aber nicht zwingend sofort geschlossen werden müsste. Möglicherweise folgt also im Anschluss ein erneuter Anlauf auf die Höchststände, anderenfalls droht ein weiteres Abrutschen des Dax in Richtung der 8.000 Punkte Marke. Im S&P 500 ist die aktuelle Situation nun ebenfalls sehr kritisch zu sehen. Das gestrige Aufwärts-Gap dürfte aller Voraussicht nach heute mit einem Down-Gap beantwortet werden, was dann ein sogenanntes Island-Reversal (..wenn auch ein etwas schiefes!) produzieren würde. Diese Chartformation stellt nicht selten den Beginn einer Trendwende dar! Wie oben schon erwähnt kann man sich darauf aber im Moment nicht mehr verlassen, und so halte ich mich erst einmal an die Gaps.

Nun weiß ich ja auch dass es durchaus Anleger oder selbsternannte Börsen-Gurus gibt, die nicht viel, oder nur bedingt etwas von Charttechnik und noch weniger von Gap-Trading halten, dennoch möchte ich an dieser Stelle gerne noch einmal darauf hinweisen, dass gerade dieser Ansatz mir persönlich in den letzten Jahren die besten Gewinne beschert hat. Das gilt sowohl für den Handel von Indizes also auch (oder insbesondere) für den Handel von Einzelaktien. Gehen Sie ruhig mal auf die Suche bei welchen Aktien noch offene Kurslücken zu finden sind, die höchstwahrscheinlich noch geschlossen werden müssen. Ein paar interessante Beispiele für die Wirksamkeit des Gap-Tradings finden Sie hier im Blog…

Fazit: Für den Gesamtmarkt sollte aus meiner persönlichen Sicht nun somit erst einmal vorsichtiger auf der Long-Seite werden…!

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5 Comments

  1. Mario said:

    Ja, das mit den Computerprogrammen hatte ich in meinem ersten Kommentar erst auch noch drin. Ich hab es dann wieder rausgenommen, weil ich das Gefühl hatte mich zu verzetteln. Bin aber deiner Meinung.

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  4. Lars said:

    Hallo Mario, also für mich funktionieren solche Analysen wie heute hervorragend, was man schonmal daran sehen kann dass das Ziel fast punktgenau getroffen wurde…allerdings gebe ich Dir bedingt recht was die typischen Verhaltensmuster der Marktteilnehmer anbelangt…mit einer Einschränkung. Ich würde das „Verhalten“ eines Charts inzwischen eher mit dem „Verhalten“ der Computerprogramme assoziieren, denn die sind es die unseren heutigen Handel bestimmen. Aus meiner Sicht muss man also eher lernen wie ein Computer zu „denken“, und weniger Rücksicht auf Massen-Psychologie legen, solange das Marktumfeld stabil ist. In turbulenten Phasen sieht das natürlich ganz anders aus!

  5. Mario said:

    Ich halte persönlich eigentlich tatsächlich nicht sehr viel von Chartanalyse. Nichts desto trotz glaube ich, dass sie zumindest zum Teil durchaus funktioniert, schon alleine, weil genügend Marktteilnehmer sie anwenden und sich danach richten. Außerdem glaube ich, dass Charts typisches Verhaltensmuster der Marktteilnehmer wiedergeben. Blasen mit ihrem exponentiellen Verlauf kann man z.B. auf Charts in meinen Augen wunderbar erkennen. Bei kleineren Anzeichen und komplizierteren Formationen bin ich skeptischer. Das ändert aber nichts daran, dass hier chartlastige Beiträge zu Werten, die mich ohnehin interessieren, trotzdem gerne lese. So bekomme ich eine andere, zusätzliche Sicht der Dinge.

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