Sommerrally trotz Moody´s & Co. ?

Der Markt befindet sich nach dem starken Anstieg in der vergangenen Woche in einer gesunden Konsolidierungsphase. Nach den vorangegangenen Verlusten seit Mai war diese Erholung dringend notwendig, da die Indizes vor dem Start der Rallye allesamt charttechnisch auf der Kippe standen. Inzwischen sieht das große Bild somit wieder deutlich freundlicher aus, und auch eine kräftige Sommerrallye ist erneut im Bereich des Möglichen. Die Griechenland-Krise scheint vorerst „verarbeitet“ zu sein was den US Ratingagenturen wohl offenbar nicht so recht schmecken will. Kaum ist ein Loch gestopft reißen die Amerikaner mit Portugal ein neues auf, ich behaupte mal das hat System. Nun, ich habe bereits vor Monaten etliche Artikel über das Thema Ratingagenturen und deren Macht verfasst. Dieselben Institute die uns alle vor den Risiken warnen sollten bevor die größte Finanzkrise aller Zeiten ausbrach, und dabei kläglich versagt haben. Die selben Agenturen ergehen sich heute, wohl teilweise auch aufgrund der gemachten Fehler, in Übereifer und machen so manches Problem damit schlimmer als es eigentlich sein müsste.

Die EZB, Kanzlerin Merkel, Wolfgang Schäuble, die portugiesische Regierung und der Rest Europas zeigten sich gestern entrüstet und fordern eine Aufspaltung der Macht dieser Institute. Dies ist angesichts der Bedrohung für unsere Währungsunion durch solche Aktionen auch nicht weiter verwunderlich. Und so bleibt die Frage ob die Agenturen sich momentan, neben dem wirtschaftlichen Chaos das sie anrichten, nicht selber am meisten schaden. Der Markt hat die Nachricht über die Herabstufung Portugals heute bereits verdaut, für Moody`s Standard &Poors und Fitch könnte die Probleme nun aber erst anfangen. Bereits vor Monaten habe ich hier den Wunsch geäußert, dass es in Zukunft drei Ratingagenturen geben sollte. Eine amerikanische, eine europäische und natürlich eine asiatische Ratingagentur muss her.

Das Vertrauen in die drei großen Ratingagenturen wurde durch die 2008er Immobilien- und Finanzkrise stark erschüttert. In den vergangenen Monaten gerade im Zusammenhang mit der Krise hier in Europa ist dieses noch verblieben Vertrauen nun noch weiter gesunken. Es ist wohl abzusehen, dass sie in den kommenden Jahren einen weiteren, erheblichen Machtverlust erleiden werden. Zumindest dann, wenn es tatsächlich zu einer europäischen Ratingagentur kommt und auch chinesische Ratingagenturen, wie zum Beispiel die Dagong Global Credit Rating Co. LTD,  mehr und mehr Gewicht auf den Finanzmärkten erhalten. Diese hatte sowieso vor einigen Wochen bereits die US-Konkurrenten scharf kritisiert und dabei gleichzeitig bekannt gegeben, dass es ihr Ziel sei, die Monopolstellung der drei großen zu brechen. Es kommen schwere Zeiten auf die US-Ratingagenturen zu. Und die vorschnelle Entscheidung zur Herabstufung Portugals beschleunigt diesen Prozess nur noch.

Nach der Kritik an den Ratingagenturen hat heute der Deutschlandchef von Standard & Poor’s, Torsten Hinrichs, bereits wieder sehr sanfte Töne angeschlagen und versucht zu beschwichtigen. „Ich glaube, dass die Sparmaßnahmen und die Fiskalmaßnahmen, die die Staaten inzwischen getroffen haben, durchaus irgendwann greifen werden“, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk. „Ich hoffe, dass wir in der Lage sind, in der nahen Zukunft auch durchaus positivere Kommentare geben zu können.“ Na wenn er hofft, dann hoffen wir das doch auch mal, denn mit einem bisschen Hoffnung wäre ja der gesamten Menschheit geholfen 😉

Aber kommen wir noch kurz zum Markt, der unter „normalen Umständen“ eventuell endgültig nach oben ausgebrochen wäre. Hierzu habe ich hier mal den Chart des S&P 500 eingestellt. Deutlich zusehen ist der ungewöhnlich starke Anstieg in den letzten Handelstagen, der nun erst einmal verarbeitet werden musste. Es ist nicht nur normal, dass die Widerstände bei 1341 und 1345 nicht im ersten Anlauf genommen wurden, sondern sehr gesund und begrüßenswert für die Bullen.

Gestern hat sich der Index nun nach zwei schwächeren Tagen wieder an die wichtige Marke von 1.340 Punkten heran getastet, der Schlusskurs lag bei 1.339,22 Punkten. Auch der Dow Jones und der Nasdaq tendieren wieder freundlicher. Alle Indizes hatten gestern nahezu exakt das gleiche Verlaufsmuster. Meiner Meinung nach wartet der Markt hier auf einen neuen Impuls der dann endgültig den Weg frei machen kann um neue Jahreshöchststände zu erreichen. Natürlich muss man auch das mögliche Szenario eines Fehlsignals im Auge behalten, der Kursverlauf spricht aber momentan eindeutig für das positive Szenario. Heute werden am Nachmittag mal wieder die neuen US Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, die die kommende Richtung weisen könnten. Gelingt es in dieser Woche noch die oben rot Markierte Widerstandszone zu überwinden ist der Weg frei. Wir lassen alle Positionen weiter laufen! Ein Trading Update folgt in Kürze…

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15 Comments

  1. Thomas said:

    Hallo Lars, ich habe Dir inzwischen eine Email geschrieben. Angekommen?

    A) Ich bin Dir dankbar, dass Du Deine Meinung zur Großwetterlage äußersts. Danke.
    B) Porsche ist auf meinem „Einkaufszettel“ (wie Du meiner Email entnehmen kannst). Als ich vorhin mit meiner Frau über alles sprach meinte sie: „Tu doch mal 10.000 in Porsche“. Hier eine Frage und eine Anmerkung: Macht es aus Gründen der Diversifizierung Sinn, sowohl Porsche als auch VW St. im Depot zu haben? Ich denke ja, da Porsche nicht ganz trivial 51 oder 53% VW ist. Anderseits, das ist Klumpenrisiko.
    Renault: Die läuft so bescheiden, da VW inzwischen 50% seines Umsatzes in China macht, Renault verkaufte dagegen dort etwa 1.600 Stück in einem Jahr. Renault/Dacia, die sind „Billigmarken“, die gibt es ja in China reichlich und noch billiger. Allerdings, KGV von Renault und VW sind vergleichbar. Renault mit einem super KBV „verdient“ pro eingesetzen Euro also genauso gut oder schlecht wie VW. Abhängig von Asien hat VW die bessere Story, nur, wenn’s schiefgeht wäre Renault die bessere (langfristige) Wahl. Ich tippe auf VW … sollte daher wohl auf meine Frau hören und 10.000 in Porsche tun… aber ich will traden und nicht pokern lernen 😉

    • Lars said:

      Hi Thomas, hab Deine Mail bekommen und melde mich dazu morgen. ist ja doch etwas umfangreicher 😉

  2. Pingback: Dax – die Ampeln stehen weiter auf grün | Investors Inside

  3. Thomas said:

    Falls das Wetter wieder schlechter wird… wie ist denn nun die Weltwirtschaftsgroßwetterlage?

    China – viel Staub aus der Wüste Gobi, den Spruch, die Inflation sei dadurch zu bekämpfen, dass man den Bonzen eine Obergrenze für den Erwerb eines Dienstfahrzeuge setze, finde ich lustig und wahrscheinlich einschlägig, und die Gegenrechnung der Verschuldung der Gemeinden und Städte vs. der Devisenbestände der Zentrale sei eher Null wenn nicht sogar minus ist logisch. Chinesische Aktien müssen inzwischen mit einem Abschlag hinsichtlich der Bilanzierungsmethode rechnen. In summary, a not sustainable growth. China hat Husten. Im Ernst: Die Immobilienblase dort wird sicherlich noch lauter knallen als die Subprime Bubble.

    Churchill soll gesagt haben: India is the country of the future – and it will be 🙂

    Ich bin mit der Globalisierung eigentlich sehr zufrieden. Es gibt inzwischen nicht nur 1 oder 2 Zentren, sondern New York, London, Tokio … Shanghai, Paris, Moskau, Singapur, Bangkok, Bangalore, New Dehli, Mexico City, Rio …
    Ich bin optimistisch, dass DE auch die nächsten 5-10 Jahre so im Mittel 2% wachsen wird. Bin ich zu bullish?

    • Lars said:

      Nein bist Du sicherlich nicht. da bin ich voll und ganz Deiner Meinung. Insbesondere die neue entstehende Mittelschicht in diesen Regionen wird den Aufschwung tragen und erstmal auf Jahre schön konsumieren wollen. Und genau da kommen wir Deutschen mit unseren Premium Produkten ins Spiel 😉

  4. Thomas said:

    Hallo Lars,

    da fehlt dann ja nur noch Audi 🙂

    Ne – Danke für die Klarheit. Ich habe jetzt mal richtig analysiert. Um’s kurz zu machen: Ich werde am Montag 15 VW Stämme ordern (Renaul kommt in meinen Analysen direkt dahinter).

    Ich ziehe einfach den erst für September vorgesehen Kauf vor. Der Punkt ist einfach: Die Autos sind alle irgendwie unterbewertet und die 26 für 2000 Pseudoeuro gekauften VW Stämme stehen bei mir seit Oktber letzten Jahres in einem meiner 3 Musterdepots, + 70% und fundamental sieht sie immer noch genauso gut wie im Oktober letzten Jahres da. Wird Zeit, dass ich mal zugreife.

    Wie’s weitergeht: Ich lass mich mal überraschen. Ob ich neben meinem „ausgewogenem“ (incl. Rhodium und geleveragten HypothekenREITS :-)) „Altersvorsorgedepot“ noch ein Art „Zockerdepot“ für den Herbst oder nur eins zusätlich für meine Frau einrichte… Jedenfalls ab Montag hab ich dann auch Aktien.

    • Lars said:

      ich würde auch mal über porsche nachdenken, denen gehören 55% der VW Stämme, wenn man also alleine 55% vom aktuellen VW ST. Kurs animmt, ohne die Bewertung des operativen Porsche Geschäftes…;-)

  5. Thomas said:

    Moin, moin,
    ich selber denke, dass man KEINE Europäische Ratingagentur einrichten sollte, sondern Ratings am besten ignoriert (Methode Trichet).
    Die eleganteste Lösung des Problems ist immer noch, EZB kauft alle EURO-Bonds auf, die unter 90% notieren und verbrennt sie.

    Art. 125 AEUV kann man ja eh schon in der Pfeife rauchen 🙂

    Zum Thema selbst: Sommerrally. Ich hatte gestern ein sehr lustiges Gespräch mit meiner Frau. Es ging um Porsche, VW Stammaktie bei 1000 Euro und ähnliches.
    In Thailand trägt man das Geld eher nicht zur Bank sondern trägt es um den Hals in Form von Gold. Ich hatte ihr daher schon lange empfholen, das Geld nicht aufs Sparbuch, sondern in einem Gold-ETC anzulegen. Wir haben dann aber viel über Silber diskutiert und seitdem ist sie Silberfan und will in ein paar Monaten wohl wirklich mal ne größere Menge davon kaufen… Sie selbst hatte auch schon in der Zeit in Bangkok selbst Aktien – nicht sonderlich erfolgreich. Unser Gespräch zu BMW, Volkswagen und Porsche endete für mich überraschend damit, dass sie sagte: Gut, dann „spielen“ wir im Winter zusammen Aktien :-). Sie kicherte dann richtig und meinte: Das Geld von den Gutscheinen (sie hat ein Geschäft) muss ich doch unbedingt irgendwie verzocken und lachte laut.

    Langer Rede kurzer Sinn: In meinem Depot versuche ich langfristid, solide, strategisch, Risikobewußt, Regel orientiert etc. zu investieren – zur Zeit ohne Aktien, kann aber noch kommen. Meine Frau hat mir aber Mut gemacht, es doch mit Aktie durchaus zu versuchen. Sommerrally – ich selbst muss nicht auf meine Frau warten, um im Winter Aktien zu spielen (Thai „len hun“). Neben meinem comdirect Depot habe ich noch ein leeres bei der ingdiba. Und dort habe ich auch einen ungenutzen Rahmenkredit…

    Sommerrally…

    Darf ich Dir 3 konkrete Fragen stellen:

    1. Global und so, wie siehst Du eigentlich die Lage: 2000 dot.com, 2008/09 Lehman brothers: Wann platzt die nächste Blase? Meine Meinung: Das Wachstum ist real, China, Indien, Brasilien, Russland, Afrika, der nahe Osten … eigentlich ist da noch viel Luft nach oben. Die Energiewende in Deutschland müsste eigentlich auch nachhaltig einen großen Wachstumsimpuls geben. Und das mittlere KGV des DAX? Nehmen wir BMW: Seit März 2009 ca. verdreifacht, KGV heute 10 … das ist gesundes Wachstum und der DAX alles ander als überbewertet. Summa summarum: Blase in sehr weiter Ferne?!
    2. Einstieg in Aktien jetzt, Juli (August und September werden eher schwierig…), oder doch erst Ende September.
    3. Magst Du mir helfen – Aktien kaufen traue ich mir zu, nur wann verkaufen – ein kleines Depot (5 Werte, 10.000 Euro) zusammenzustellen und laut zu rufen wann ich raus soll. Ich nenn Dir mal ein paar Werte, auf die ich Lust hätte

    1. BMW/Porsche/VW (Stämme)/(((Renault)))
    2. Dr. Hönlein
    3. Barrick Gold/Silvercrest
    4. Indus/((Gesco))
    5. Grammer
    6. Asian Bamboo
    7. Hanwah/SolarWorld
    8. Helma
    9. Kinghero
    10. Einhell (ja verdammt, wann kommt den die mal ins Laufen?)

    Wenn Du Lust hast … such mal 5 aus 🙂

    • Lars said:

      Hallo Thomas, nur kurz, das Wetter ist heute zu schön 🙂 Von deiner Aktienauswahl würde ich momentan wenn ich fünf wählen könnte BMW, VW Stämme, VW Vorzüge, Porsche und eventuell auch Ranault nehmen. 🙂 Wenn Du in den Aktienmarkt einsteigen willst und etwas mehr Sicherheit brauchst ist es vielleicht ratsam noch bis September zu warten.

  6. Thomas said:

    Ich möcht mal ne saublöde Frage aufwerfen:

    Is’n Moodies Rating von Caa1 jetzt ne Kauf- oder ne Verkaufsempfehlung:

    GRIECHENLAND EO-NOTES 1999(14) WKN: 276701, 62,73%, Coupon 6,5% Rendite p.a. daher 28,184% Moodies Rating Caa1 („Ramsch“)
    LANDESBANK BADEN-WUERTTEMBERG WKN: LBW6DN, 62,00%, Coupon 4,0%, Rendite p.a. daher 21,640% Moodies Rating Aaa („Tripple A“).

    Wir werden uns hier nicht fragen, was mit dem Griechenbond los ist. Aber, ernsthafte Frage, was ist mit der LBW „high yield“ Anleihe los? An der LBW kann’s nicht liegen.

    Unernster Nebengedanke dabei: Ich habe einmal in meinem Leben ne echte (Unternehmens-) Anleihe besessen. Moodies Rating hat mich NICHT dabei geleitet (eher so nen Kurs wie ihn die LBW-Anleihe gerade hat;-)).

    Interessant ist zudem noch der Trend, bei Unternehmensanleihen ist die „Zertifizierung durch eine Ratingagentur“ ja kostenpflichtig, dass Unternehmen zunehmend auf ein Rating verzichten – und die Anleihen lassen sich trotzdem (zunehmend) gut platzieren. Kredit ohne Schufa-Auskunft :-).
    Bei Rating von Staaten lässt sich ein Rating halt noch nicht vermeiden – ist zudem kostenlos (und wohl daher auch unverbindlich :-)).

    • Lars said:

      Moin Thomas, ich bin mir relativ sicher, dass in das „Thema Ratingagenturen“ nun Bewegung reinkommen wird. Euroland kann es einfach dauerhaft nicht riskieren die Entwicklung der Gemeinschaft von solchen Ratings anhängig zu machen. Die Institute haben vor der Krise druch Nichtstun geglänzt und nur kassiert, heute versucht man diese versäumnisse offenbar durch Übereifer wieder auszubügeln, und richtet damit erneut merh Schaden an als irgendwelche Mehrwert zu prodizieren. das die Unternehmen inzwischen geren auf ein rating verzichten ist vielsagend und dürfte der Anfang vom Ende der Ratinagenturen in ihrer jetzigen Form sein…

  7. Thomas said:

    Hallo Lars, auch ich habe ein „Bravo Jean Claude“ dafür auf meinen Lippen. Ich würde aber noch weiter gehen: Ankauf und (umweltschonendes) Verbrennen von griechischen und portugiesischen Bonds, soweit sie sich noch in privater Hand befinden.

    Eine Zentralbank darf, im Tausch gegen frisch gedrucktes Geld, Anleihen nihilisieren. Nennt sich neudeutsch Quantitative Easing. Darf die EZB aber eigentlich nicht, da sie nur der Stabilität, eigentlich, verpflichtet ist.

    300-350 Mrd (x 65-70%, aktueller Kurswert von bald maturierenden Griechenbonds) frische Euros auf dem Markt (für griechische Bonds allein) — das wäre doch von uns Eurozonesiern auszuhalten? Vielleicht nicht sofort verbrennen sondern als „moralische Strafe“, besser als Anreiz zur weiteren Straffung des griechischen Staatshaushaltes den griechischen Steuerzahler zumindest noch die Coupons (4-6,5%) bis zur umweltschonenden Verbrennung weiter zahlen lassen… Was meinst Du?

  8. Lars said:

    Nachdem die Ratingagentur Moody’s Portugal den Ramsch-Status verpasst hat, hebt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die Rating-Anforderung für Portugal kurzerhand auf, und straft die Ratingagentur mit Nichtachtung! Das ist wohl auch der einzig richtige Weg diesen dubiosen Ratings zu begegnen. Bravo Jean Claude!

  9. Pingback: Kleine Presseschau vom 7. Juli 2011 | Die Börsenblogger

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