Solarhybrid, SunConcept, Solar Millennium, Solon und Q-Cells – war die Krise vermeidbar?

Gastkommentar: PhotovoltaikBranche und Managementfehler: war die Krise vermeidbar?

Das Jahr 2012 markiert eine Wende in der Förderpolitik der vom Bundestag und Bundesrat im Jahr 2003 verabschiedeten Subventionen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und hat zugleich zu starken Verwerfungen in der Solar-Branche geführt. Das EEG 2003 legte zunächst den Grundstein für den wirtschaftlichen Betrieb von Solaranlagen in Deutschland. Seit 2006 gibt es neue Bedingungen für die Stromeinspeisung. Hier wurde festgeschrieben, dass Energieversorger 20 Jahre lang die Stromeinspeisung pro Kilowattstunde fest vergüten müssen. Diese besonders attraktiven Subventions- und Fördergarantien und das Programm zur CO² Reduzierung durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau machten diese Investition für Eigenheimbesitzer und Investoren sehr interessant.

Die Mindestvergütung für Solarstrom betrug 35,49 Cent pro Kilowattstunde, bei einer Solaranlagen-Dachinstallation für die Erzeugung von weniger als 30 KW wurden 46,75 Cent und bei einer Fassadeninstallation für die Erzeugung von weniger als 30 KW sogar 51,75 Cent vergütet. Im Jahr 2011 folgte die Ansage der Änderung in der Subventionspraxis mit besonderen Auswirkungen auf die mittelständisch ausgerichteten Solarunternehmen. Der Deutsche Bundestag hatte am 30. Juni 2011 die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und damit eine Umkehr in der bisherigen Förder- und Subventionspraxis beschlossen. Die Bundesregierung hatte erkannt, dass sie diese enormen Kostenlasten der Förderpolitik pro Photovoltaik nicht mehr länger wird tragen können, schon gar nicht in diesem Umfang. Das hatte Folgen:

Nach Solarhybrid, SunConcept, Solar Millennium, Solon und nun auch First Solar (Fabrik Frankfurt Oder), geriet auch das zweitgrößte Vorzeigeunternehmen Q-Cells deutlich unter Druck. Das Q-Cells Management hatte kürzlich sein Sanierungskonzept für gescheitert erklärt, deshalb kommen zunehmend Fragen zur Art und Weise der Unternehmensführung auf. Management und Managementqualitäten stehen auf dem Prüfstand. „Hintergrund sei ein Rechtsstreit mit Gläubigern“, wiegelte Q-Cells ab. Das Unternehmen, das einst an der Frankfurter Börse als Neuling gefeiert worden war und mehrere Preise für unternehmerisches Handeln bekommen hatte, wies 2011 einen Verlust von 846 Millionen Euro aus. Q-Cells war von einem starken Preisverfall betroffen, wie andere Unternehmen der Solar-Branche auch, der freilich auf die Billig-Konkurrenz aus China zurückgeht, aber wohl auch seine Ursache in strategischen Fehlern des Managements der vergangenen Jahre hat.

Kenner der Branche meinen, dass auch SunConcept in seiner strategischen Ausrichtung schwere Fehler gemacht hat. „Wenn man einen so großen Laden hat, dann muss man flexibler sein“, kommentieren Analysten. Das deckt sich mit den Recherchen anderer Nachrichtenblogs, nach denen Insider in erster Linie betriebswirtschaftliche Fehler der vier Chefs für die Pleite verantwortlich machen. Die Nassauische Neue Presse zitiert beispielsweise einen Beteiligten mit den Worten: „Bei Sun-Concept herrschte ein unglaubliches Durcheinander, in dem keiner den Überblick hatte. Die Geschäftsführer sind an ihrer Überheblichkeit gescheitert.“ So sollen bis Ende vergangenen Jahres alle Hinweise auf die wirtschaftliche Schieflage konsequent ignoriert worden sein. Erst auf konsequentes Drängen einer Bank erklärte sich das Unternehmensmanagement bereit, einen Unternehmensberater mit Branchenausrichtung und Affinität zum Mittelstand zu Rate zu ziehen: zu spät! berichtet die Rhein Zeitung

Schwere Managementfehler führten nach Ansicht der Experten auch den Erlanger Solarkraftwerkherstellers Solar Millennium in die Zahlungsunfähigkeit.

Allen Unternehmen ist schlichtweg nicht gelungen, sich auf die neue Situation umzustellen und sich einer veränderten Marktlage mit neuen, innovativen Strategien anzupassen. Neue Absatzmärkte wurden nicht erschlossen, jedenfalls nicht in einem Rahmen, der für diese Unternehmen relevant gewesen wäre. Der Schutz von Markenrechten, der Wettbewerbsschutz und andere, wichtig, rechtliche Rahmenbedingungen wurden außer acht gelassen. „Man hätte beispielsweise früh genug auf die Vermittlung von Zeitarbeitern umsatteln sollen“, vermerken Analysten. Die Strategie „wir können die Dumping-Preise aus China nicht unterbieten, aber mit Qualität und Innovation überzeugen“, ging nicht auf.

Die chinesischen Produzenten haben in Deutschland mittlerweile einen Marktanteil von mehr als 50 % erobert und die Aussicht auf einen hohen Absatz dürfte Anleger wie Investoren ermutigt haben, zumal die „Konkurrenz“ im eigenen Land in die Insolvenz geht. Die Zuwächse bei den chinesischen Solarproduzenten beim Absatz von Solarmodulen in Deutschland sind im ersten Quartal auf 1,9 GW gestiegen. So verwundert es Analysten nicht, dass die Aktienwerte der chinesischen Solarproduzenten wie etwa Trina Solar, Jinko und Yingli am Mittwoch, 18.04.2012, in einem starken Gesamtmarkt deutliche Kursgewinne verzeichnen können. Wettbewerber aus China haben konsequent den Deutschen Absatzmarkt „aufgerollt“, diese Aktien profitierten von der wachsenden Risikobereitschaft der Investoren, die unter anderem ausgelöst wurde von der Anhebung der Wachstumsprognosen und der konsequenten Wirtschaftsexpansionspolitik Chinas.

Ein besonders großes Managementversage der Deutschen Unternehmen lag wahrscheinlich in der Vernachlässigung, neue Joint Ventures zu gründen. China kann das, China macht das und China verschaffte sich damit Absatzmärkte im Bereich der Schwellenländer. Andere Länder, wie etwa Kanada, vermeiden diese Fehler. Der globale Wettbewerber Canadian Solar hat heute mitgeteilt, sich in sechzehn kanadische Projekte eingekauft zu haben, die in den kommenden Jahren einen Absatzwert von 800 Mio. USD erreichen  dürften. Weiterhin hat das Unternehmen die Gründung eines Joint Ventures beschlossen, welches dem Ausbau der Geschäftstätigkeiten in den wichtigen Schwellenländern dienen soll. Aber wer dachte in Deutschland schon an Kanada, wenn es um die Solar-Branche geht?

Es blieb in Deutschland leider nur das Fundament der Subvention und dieses Fundament war bereits erkennbar brüchig: Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) durchgeführte Befragung von mehr als 1.000 Unternehmen in Deutschland hatte ergeben, dass diese Form der Förder- und Subventionspolitik unangemessen und ineffektiv ist. Rund 51 % der Unternehmen gaben an, dass das neue Energiekonzept durch steigende Energiepreise und eine schwankende Versorgungssicherheit ihr Investitionsverhalten negativ beeinflussen wird. Demgegenüber dürfte die Energiewende lediglich 20 % zu steigenden Investitionen führen. Klar benachteiligt ist die gesamte Dienstleistungsindustrie in Deutschland, insbesondere die Branchen, deren Geschäftsmodell und Geschäftszweck (Solarien; Wellness; Fitness; Friseure; Shopping-Center) auf Lichttechnik ausgelegt und erhöhten Stromkonsum angewiesen ist. Im Prinzip handelt es sich um (kleine) Großverbraucher, die jedoch nicht durch die Bundes-Härtefallregelungen aufgefangen werden, weil sie keine sog. produzierenden Betriebe sind, aber dennoch als energieintensives Gewerbe bilanzieren (wegen erreichen der Stromkosten von 15 % plus X der Wertschöpfung, d.h. Umsatz minus Energie- und Materialkosten).

Von einem Missverhältnis sprach auch die Forschung in Deutschland unter Auswertung der Energieeffizienz von Windkraft und Solarenergie: für Windkraft sprechen sowohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die Effizienz der Anlagen, die deutlicher höher seien, als bei der Photovoltaik-Energie. Deshalb sei die Kürzung der Förderung der Solarenergiegewinnung durch die Bundesregierung durchaus nachvollziehbar, zumal die Photovoltaik in Deutschland nur einen Anteil von 3 % an der gesamten Stromerzeugung hat, aber über die Hälfte der jährlichen Kosten in Höhe von 14 Milliarden Euro in Form von ausgezahlter Einspeise-Vergütung verursacht. Dieses Missverhältnis wird nun korrigiert und diese Runde ging im internationalen Wettbewerb klar an China.Ein Gastkommentar von Sandro Valecchi

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4 Comments

  1. Nixda said:

    Bei Solon wird zwar gerne kolportiert, dass man versäumt hätte, die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern, aber das war nicht ursächlich für die Insolvenz. Tatsächlich war die Materialkostenquote bei über 90% des Umsatzes, während die Personalkostenquote sich deutlich unter 20% befand. In diesen 20% sind bereits die Gehälter für Management, Backoffice und F&E enthalten. Eine Produktonsverlagerung nach Asien wäre wahrscheinlich sogar teurer gewesen, wenn man Logistik- und andere Overheadkosten mitgerechent hätte.

    Der Managementfehler von Solon war es, langfristige Take-or-Pay Verträge abgeschlossen zu haben, die Solon gewzungen hat, überteuerte Zellen für die Modulproduktion einzukaufen. Zudem kam eine offensichtliche Ineffizienz in der Logistikkette, die immer wieder zu hohe Lagerbestände verursachte, die wertmäßig abgeschrieben werden mussten.

    Der Schlingerkurs der Bundesregierung zum Schutz der großen Energiekonzerne war auch nicht hilfreich.

    Für das Solon Management und die Mitarbeiter in Berlin war zudem die Insolvenz eine strategische Option, um selber (als Personen) relativ ungeschoren aus der Sache herauszukommen. Säuberlich und Podlovski (sp?) sind jetzt bei Microsol beschäftigt.

  2. markus said:

    Machtgefüge !

    Das Ende der deutschen Solarindustrie ist vorallem ein „wunderbares“ Beispiel für die Machtgefüge im Land und eine Lehre,wie man miachellistische Machtentfaltung ausübt !

    Die Macht hatten und haben die 4 Energiekonzerne !

    Die wird einem insbesondere dann klar (oder sollte es -wäre man nicht ideologiegesteuert),wenn man -wie immer von der Seite der Politik,von der Seite der der Wirtschaft,von der Seite sogenannter „Fach“journalisten-den Vergleich zwischen den konkurrierenden Erneuerbaren Energieen“ Wind versus Sonne als Reißbrett für „verfehlte“ Subventionspolitik darstellen möchte :

    Zunächst ist schlicht festzustellen,daß China -im Hinblick auf die technisch völlig unterschätzte Solarenergie- deswegen gewonnen hat ,

    weil :

    die gesamte Solarindustrie in China eine EINZIGE staatliche Maschinerie ist.

    Es gibt in China keine chinesischen Firmen,welche mit den anderen Firmen im Land (weil alle chinesischen Solarfirmen direkt staatlich gefördert werden) sowie mit ausländischer Konkurrenz konkurieren müßten (weil in China keine ausländischen Solarfirmen tätig werden dürfen,während es in Deutschland andersherum eben andersherum war und ist!).

    Im Vergleich zwischen Wind und Sonne schließlich spielen (etwa) in Deutschland die großen Energiekonzerne ihre Macht allein zugunsten der Windenergie aus .
    Warum ?

    Im Bereich der Solarenergie kommen verschiedenste Mitspieler verschiedenster Größe zum Tragen : Privatpersonen,kleine Investorengruppen,Kommunen,Landwirtschaftliche Betriebe,…

    alle diese sind -voneinander unabhängige Stromproduzenten mit keinen oder wenig Machtinteressen.

    Windkraftwerke aber können (schon allein aufgrund der großen Vor-Investitionen,der technischen Mittel,der juristischen Gegebenheiten beim Antrags- und Genehmigungsverfahren,der aufwendigen Wartung, undundund)
    NUR die großen Energiekonzerne bauen und betreiben.

    Würde sich aber ,hätte sich aber die Solarenergie gegnüber der Windenergie durchsetzen können,verlören die 4 Besatzugnsmächte der Energie -die Energiekonzerne- ihre absolutistische Machtposition,würden weitestgehend obsolet !

    Insofern stand die deutsche Solarindustrie nicht nur durch die (staatlich zu 100% geförderten) Chinesen unter Druck,

    sondern es wurde dieser von der Politik( CDU/CSU und FDP) bewußt und vorsätzlich auf Geheiß der Energiekonzerne ihre Lebens- und Entwicklungschancen entzogen -um die (energiepolitisch) absolutistische Machtposition der herrschenden Energiekonzerne nicht zu gefährden !

    Das Ende der deutschen Solarindustrie wird in einiger Zeit historisch betrachtet werden ,

    wie man mit machiavellistischer Machtentfaltung seine absolutistische Herrschafts-Position verteidigt und mögliche Konkurrenz gänzlich vernichtet.

    Und dies sowohl im Inneren -die vier herrschenden Energiekonzerne versus eine Vielzahl kleinerer Konkurrenzproduzenten-

    als auch im Äußeren -die chinesische Machtbehauptung gegen die schon in Deutschland gegen ihre Unbeliebtheit kämpfende ,also per se auf sehr schwachen Pfeilern stehende deutsche Solarindustrie.

  3. Sandro Valecchi said:

    Hallo lieber Herr Schmidt,
    ein guter Kommentar: die Frage nach dem Grad (Anteil) des Managementversagens haben wir hier auch intern kontrovers diskutiert. Wahrscheinlich lassen sich hierbei auch weiterhin gut und gerne unterschiedliche Positionen vertreten. Anbei ein kleiner Track-Back zu einem von mir im letzten Jahr verfassten Kommentar „Intervention aus China“:

    Solarfirmen im Übernahmevisier Chinas

    Quelle: Sky Finanz AG, Berlin, 28.06.2011

    Bereits vor Beginn der ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen im Rahmen des Staatsbesuches des Ministerpräsidenten der Volksrepublik China, Wen Jiabao, standen deutsche Solaraktien wie Solarworld und Q-Cells im Focus der Analysten. Grund dafür ist ein Interview von Jack Lai, dem Finanzvorstand des Photovoltaik-Unternehmens LDK Solar.
    „Wir sind sehr interessiert, bei deutschen Firmen einzusteigen. Dabei ist vor allem die Technologie wichtig“ erklärte Jack Lai. Chinesische Solarkonzerne wollen deutsche Firmen übernehmen. Es geht um Technologietransfer. Die Wirtschaftsdelegationen gehen heute ins Detail. Aus gut unterrichteten Kreisen sollen Aufträge in Milliardenhöhe abgeschlossen werden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler erklärte, er sehe im Wachstum des chinesischen Markts „enorme Chancen“ für deutsche Unternehmen.
    Zu den Wirtschaftsbeziehungen mit China sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle, er sehe im Handel mit China eine „enorme Chance auch für die deutsche Wirtschaft“. Wichtig sei dabei allerdings auch, dass geistiges Eigentum geschützt werde.
    Für Fragen betreffend Versicherungsschutz im Rahmen von Streitigkeiten über den Schutz geistigen Eigentums, Patent- und Urheberrechte, Wettbewerbsrecht, wenden Sie sich bitte an das Team SKY FINANZ AG.

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  4. Sebastian Vincent Schmidt said:

    Ich bezweifle, dass der Untergang der Solarunternehmen lediglich an Managementfehlern festzumachen ist, wobei sie natürlich ihren Teil dazu beigetragen haben. Mitschuld an der Misere trägt sicherlich auch der Staat durch das Fördermodell der Einspeisevergütung. Indem die Preise staatlich festgelegt werden, setzt sich nicht die effizienteste Technologie am Markt durch, sondern die mit der attraktivsten Rendite beruhend auf den Vergütungssätzen. Hinzu kommt, dass die Vergütungssätze sogar entsprechend ihres Wettbewerbsdefizits gegenüber anderen Technologien festgelegt werden.
    Hier sollte das Fördersystem erneuerbarer Energien grundsätzlich überdacht werden.

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