Wunschanalyse MTU Aero Engines

MTU Aero Engines (WKN A0D 9PT, ISIN DE000A0D9PT0, Marktkapitalisierung: ca. 2,51 Mrd. Euro, ca. 3,1 Mrd. US$)

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DÜSENTRIEBWERKE – FAST SO WICHTIG WIE DAS FLUGZEUG SELBST

MTU Aero Engines produziert und wartet (im Sinne von Instandhaltung, wobei man bei den Vertragsstreitigkeiten in der Luftfahrtindustrie den Begriff „warten“ auch anders auslegen könnte) Triebwerke für zivile und militärische Luftfahrt. Airbus setzt MTU-Triebwerke für den Militärtransporter A400M sowie den Riesenflieger A380 ein, Boeing verwendet MTU-Triebwerke beispielsweise für die Boeing 747. Tornado, Eurofighter oder Tiger Hubschrauber, überall werden Triebwerke von MTU Aero Engines eingesetzt. Wenn der Dreamliner von Boeing einmal fliegen wird, dann wird er ebenfalls mit Triebwerken von MTU Aero Engines fliegen.

So unterteilt sich das Geschäft von MTU Aero Engines in die Produktion von Triebwerken sowie die Instandhaltung von Triebwerken. Die Produktion liefert 1,5 Mrd. Euro Umsatz, die Instandhaltung 1,1 Mrd. Euro. Der Gewinn wird überwiegend (zwischen 75% und 80%) im Bereich der Produktion erwirtschaftet (EBIT: 292 Mio. Euro). Dort ist auch der Löwenanteil des Auftragsbestands zu finden: 4,24 Mrd. Euro für die Produktion, nur 177 Mio. Euro für die Instandhaltung.

Aus diesen Zahlen können Sie ersehen, dass das gut planbare Produktionsgeschäft von MTU Aero Engines das Kerngeschäft des Unternehmens ist. Die Instandhaltung ist zwar profitabel, jedoch muss Personal vorgehalten werden, um in der ganzen Welt auf verschiedensten Flughäfen ad hoc komplizierte Reparaturen durchführen zu können. Ist die turnusgemäße Instandhaltung von Triebwerken noch gut planbar, so reißen doch dringende Reparaturen immer wieder jegliche Planung auseinander.

In Europa hat MTU Aero Engines große Standorte in München, Berlin, Hannover sowie in Polen. Amerika wird mit einer ganzen Reihe von Standorten von der Ostküste bis nah an den Boeing-Standort Seattle bestückt. Für Boeing produziert MTU Aero Engines an der kanadischen Westküste, nur wenige Fahrtstunden von Seattle entfernt. Südostasien wird über zwei Standorte in China und einen in Malaysia abgedeckt.

An diesen Standorten wird nicht nur Instandhaltung und Reparatur angeboten, es handelt sich nicht nur um Vertriebsbüros, sondern ein wesentlicher Teil der Produktion wird jeweils vor Ort durchgeführt. Das wiederum führt dazu, dass der vermeintliche Währungseffekt nur sehr gering ist.

BILANZ SOLIDE MIT WENIG RISIKEN UND GERINGEN CHANCEN

MTU Aero Engines erwirtschaftet 80% seines Umsatzes in US-Dollar. Wenn wir in der Bilanz nachschauen, dann finden wir dort sogar die Aussage, dass die Währungsrisiken des Unternehmens abgesichert sind. Ähnlich wie bei Siemens ist also auch MTU Aero Engines nicht daran interessiert, zu Zeiten eines schwachen Euros zusätzliche Gewinne zu erzielen. Zu Zeiten des starken Euros war das gut. Jetzt aber, seit der Euro so schwach ist, nimmt es dem Unternehmen einen Teil der Verdienstmöglichkeiten weg. Denn Währungsabsicherungen eliminieren nicht nur Risiken, sondern auch Chancen und zusätzlich kosten sie Geld. Der Unternehmensgewinn wird geglättet, auf niedrigerem Niveau.

SOLIDES GESCHÄFT OHNE PHANTASIE

Der Umsatz ist im Krisenjahr 2009 kaum rückläufig gewesen, MTU Aero Engines hat sich aufgrund des hohen Auftragsbestands und der guten Planbarkeit als extrem krisenfest erwiesen. Doch dafür hat man das Unternehmen mit geringer Wachstumsfantasie bereits mit einem KGV 2010e von 12 bewertet. Das ist schon recht hoch. In der Bilanz werden zudem noch hohe Pensionsverbindlichkeiten offensichtlich, die in der Zukunft die Verdienstmöglichkeiten beschneiden. Die Liquiditätssituation ist solide, dennoch ist bei MTU Aero Engines kein besonderer Ergebnissprung zu erwarten. Die Eigenkapitalquote von nur 23% ist für meinen Geschmack zu gering.

Ich erwarte, dass die Luftfahrtbranche in den nächsten Jahren kräftig anzieht, und auch MTU Aero Engines wird von dem Aufschwung profitieren. Der Kurs ist seit März 2009 bereits um mehr als 100% angesprungen, und ich kann mir durchaus auf Sicht von 12 bis 18 Monaten einen weiteren Kursanstieg um 10% bis 15% vorstellen. Die Aktie ist nicht überbewertet und wenn die Luftfahrtbranche sich positiv entwickelt, ist vielleicht auch das eine oder andere Prozentpünktchen mehr drin.

POSITIVE ENTWICKLUNG IM KURS ENTHALTEN

Die zivile Luftfahrt entwickelt sich derzeit sehr positiv. Viele neue Flugzeuge befinden sich nun kurz vor oder nach ihrer Markteinführung. Die Probleme und Ungewissheiten der Entwicklungsphase nehmen ab und wenn für die neuen Flieger einmal die Routine in die Produktion eingekehrt ist, dann ist es ein profitables Geschäft. So zeigte die jüngste Nachbestellung der Fluglinie der Arabischen Emirate über 58 Airbus A380, dass diese sodann selbstverständlich genau wie die zuvor bestellten und hart verhandelten 32 A380, die durch diese Fluglinie bestellt wurden, dann auch mit den MTU-Triebwerken ausgestattet werden.

Eine ähnliche Entwicklung erwarte ich für die Transportmaschine A400M oder den Dreamliner von Boeing. Aus Seattle (Standort von Boeing) wurde in den vergangenen drei Monaten gleich dreimal eine Beschleunigung der Produktionsstraßen für die Boeing 737 vermeldet. Auch Airbus hat wiederholt von einem anziehenden Geschäft gesprochen und fuhr die Produktion ebenfalls herauf. Diese gestiegene Nachfrage setzt sich eins zu eins in eine gestiegene Nachfrage nach MTU-Tiefwerken um.

SPARZWANG DES VERTEIGIGUNGSMINISTERIUMS TRIFFT MTU AERO ENGINES KAUM

Ja, natürlich würde sich MTU Aero Engines wünschen, dass die Bundeswehr mehr Kampfflieger nachfragt und mehr Helikopter einsetzen möchte. Doch das ist wohl bei der aktuellen Budgetdiskussion im Bundestag kaum möglich. Auf der anderen Seite sind die Verträge so langfristig und militärische Engagements in Krisenregionen so nachhaltig, dass kaum eine Kürzung der aktuell geplanten Anschaffungen zu fürchten ist. Von Deutschland wird weltweit ein Engagement in Krisenregionen erwartet und so wird die Bundeswehr auch ein Mindestmaß an Ausrüstung erhalten. Wenn gespart werden muss, dann nicht an der Hightech-Ausrüstung für Kriseneinsätze sondern vermutlich eher bei den Wehrdienstlern.

FAZIT

An MTU Aero Engines können Sie sehr schön die unterschiedliche Entwicklung an Börse und Geschäft ablesen. Während sich das Geschäft von MTU Aero Engines in der Finanzkrise stabil halten konnte brach der Kurs um 60% ein. Die anschließende Erholung des Aktienkurses auf das ursprüngliche Niveau von vor der Krise (Mitte 2007) bedeutete eine Verdreifachung des Aktienkurses. Die Aktie wurde also während der Finanzkrise 2007/2008 stark ausverkauft, hat zum heutigen Tage jedoch ihr Vorkrisenniveau wieder erklommen.

Ich halte das aktuelle Niveau für fair, könnte mir noch einen Kursanstieg von 10% bis 15% vorstellen. Das ist jedoch zu wenig, um in dieser Aktie zu spekulieren. Daher würde ich die Aktie derzeit nur halten.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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