Wunschanalyse Husqvarna AB

Husqvarna AB (WKN A0J 2R3, ISIN SE0001662230, Marktkapitalisierung: ca. 2,3 Mrd. Euro)


Firmenlogo Husqvarna AB

 

NR. 1 WELTWEIT FÜR WALD & GARTEN

Husqvarna AB hat im Jahr 2007 einer deutschen Investorengruppe „unseren“ allseits bekannten Gartenspezialisten Gardena abgekauft. Damit verfügt das schwedische Unternehmen nun über insgesamt drei Unternehmensbereiche: Gartenarbeitsgeräte (Rasenmäher, Wasserschläuche), Straßenbaugeräte (Diamant-Steinsägen) und Waldarbeitsgeräte (Kettensägen). In den meisten Produktgruppen, in denen Husqvarna unterwegs ist, bezeichnet sich das Unternehmen selbst als weltweiter Marktführer.

Mit einem Jahresumsatz von 3,6 Mrd. Euro und einer Marktkapitalisierung von 2,3 Mrd. Euro gehört das Unternehmen sicherlich schon zu den größeren Mittelständlern und kann sich ein weltweites Produktions- und Vertriebsnetz leisten. Die fahrbaren Rasenmäher – also die, auf die Sie sich drauf setzen können – werden insbesondere in den USA verkauft. Darum hat Husqvarna auch in South Carolina, USA eine entsprechende Produktion für diese Geräte aufgebaut.

Ihr Autor hat sich kürzlich einen handbetriebenen Spindel-Rasenmäher von Gardena gekauft. Es ist schon erstaunlich, wie sich solche Geräte unterschiedlicher Hersteller im Detail unterscheiden und ich war überrascht, wie leichtgängig das Gerät ist. Kein Vergleich zu dem, was ich in meiner Kindheit über den Rasen drücken musste.

Seit sechs Wochen wird vor dem Fenster Ihres Autors eine Straße gebaut: Gepflastert und mit Bürgersteig. Sie glauben gar nicht, wie viele Steine zurecht gesägt werden müssen. Den ganzen Tag läuft die Stein-Kreissäge und raten Sie mal, welche Marke darauf steht: Husqvarna. Diamantbesetzte Scheiben sorgen dafür, dass die benzinbetriebene (höllisch laute) Kreissäge durch den Stein geht wie durch Butter.

Wir haben hier also eine Firma entdeckt, die Produkte anbietet, mit denen viele von uns schon einmal in Berührung gekommen sind. Komisch, dass man von der Firma Husqvarna fast nie etwas hört. Die Schweden arbeiten leise vor sich hin und behalten ihre Aktien zu Hause.

 

NOTIERUNG DER AKTIEN ÜBERWIEGEND IN SCHWEDEN

Da haben wir auch schon den Haken an der Geschichte: die Aktien werden Sie hier an den deutschen Börsen oder auch in den USA zwar notiert sehen, aber es findet kaum ein nennenswerter Handel (und damit Börsenumsatz) statt. Wenn Sie die Aktien also kaufen möchten, müssen Sie direkt über die schwedische Börse ordern. Und das kann durchaus teuer werden, je nachdem bei welcher Bank Sie sind. Erkundigen Sie sich unbedingt zunächst nach den geschätzten anfallenden Ordergebühren.

Auch über Xetra werden täglich Aktien von Husqvarna gehandelt, doch in einer so geringen Anzahl dass Sie bitte nur mit streng limitierten Orders arbeiten sollten und nicht enttäuscht sein dürfen, wenn Sie trotz großzügigem Kauflimit nicht zum Zuge kommen. Aber sollte man die Aktie überhaupt kaufen?

 

PRODUKTIONSPROBLEME IN SOUTH CAROLINA, USA

Im März diesen Jahres hat Husqvarna die Produktion der fahrbaren Rasenmäher von Nebraska, USA nach South Carolina, USA, verlegt. Dabei kam es zu Problemen mit der Einkaufslogistik sowie mit der sprunghaft gestiegenen Komplexität der Produkte. Wenn ich mir die unterschiedlichen Berichte darüber so durchlese, dann komme ich um die Vermutung nicht herum, dass bei dieser Verlegung der Produktion nach South Carolina Planungsfehler gemacht wurden.

In der Konsequenz konnten weniger Rasenmäher produziert und damit auch verkauft werden. Die Auswirkung der Probleme erstreckt sich noch über das laufende zweite Quartal hinsichtlich der verminderten Produktionsmenge und hat einen unliebsamen Effekt der Kostenerhöhung für das gesamte Jahr 2011 zur Folge. Um die Probleme zu beheben sind zusätzliche Investitionen erforderlich, die das Ergebnis des Geschäftsjahres 2011 belasten werden.

Der Kurs der Aktien war im April nach Bekanntwerden der Probleme von 6,00 Euro auf 4,80 Euro eingebrochen. Für einen Umsatzausfall von geschätzten 100 Mio. Euro und einem Gewinnausfall von geschätzten 15 Mio. Euro wurde der Unternehmenswert um 350 Mio. Euro vermindert. Zu viel in meinen Augen, denn bei einem KGV von 16 wäre ein Kursverlust von 5% angemessen gewesen und nicht von 20%.

Oder zeigt das Problem in den USA die Unfähigkeit des Managements, ordentlich zu planen? Wenn ich also im Folgenden positiv gegenüber der Aktie von Husqvarna eingestellt bin, dürfen Sie diese Möglichkeit nicht aus den Augen verlieren. Ich habe keine weiteren Anhaltspunkte dafür gefunden, im Großen und Ganzen macht das Unternehmen sowie das Management eigentlich einen guten Eindruck. Doch da ich kein Schwedisch kann und die Informationen über das Unternehmen sehr spärlich gesät sind würde ich wachsam bleiben.

 

FAIRE BEWERTUNG, GUTE DIVIDENDE

So wird für das laufende Jahr ein Umsatzrückgang um 3% erwartet. Dies schlägt sich proportional im erwarteten Gewinn nieder. Nach der Aussage des Unternehmens, dass die Produktionsprobleme Folgekosten verursachen dürften, würde ich ein schwächeres Ergebnis als derzeit allgemein erwartet im laufenden Jahr nicht ausschließen.

Doch kurzfristige Probleme wirken sich nur selten auf die langfristige Wachstumsgeschichte eines Unternehmens aus. Der in diesem Jahr entgangene Umsatz wird im nächsten Jahr vermutlich wieder aufgeholt. Es wird ein Umsatzanstieg um +7% erwartet, der Gewinn könnte Analysten zufolge soagr um +50% steigern. So sieht das aktuelle KGV 2011e von 16 noch recht teuer aus, aber schon das KGV 2012e ist mit 11 sehr günstig. Wenn Sie nun auch noch die attraktive Dividendenrendite von 3,5% für das Jahr 2010 sowie 4,3% für das Jahr 2012 hinzu addieren, so ergibt sich eine langfristig aussichtsreiche Investmentgelegenheit.

Die Bilanz sieht gut aus. Der Schuldenstand ist mit 600 Mio. Euro niedrig. Insbesondere die Ergebnisentwicklung ist überproportional positiv und sollten dem Aktienkurs helfen.

 

AUSBLICK: INFORMATIONSTECHNOLOGIE UND AKKUGERÄTE

Wenn Sie glauben, der Markt für Motorsägen, Rasenmäher und Gartenbewässerung sei langweilig und berge kein Wachstumspotenzial, dann sollten sie sich die jüngsten Entwicklungen in einem Baumarkt einmal anschauen: Immer mehr elektrische Geräte werden mit Akkus ausgestattet. Das lange Stromkabel bei der Heckenschere ist stets ein Ärgernis für den ängstlichen Gärtner, der sich vor dem versehentlichen Durchschneiden des Kabels fürchtet.

Husqvarna hat kürzlich einen Roboter-Rasenmäher auf den Markt gebracht. Das Gerät für etwa 1.500 Euro beschäftigt sich selbst im Garten und fährt kontinuierlich den Rasen ab, der zu mähen ist. Ist der Akku leer, fährt das Gerät in seine Basisstation zurück und lässt sich aufladen.

Und Bewässerungssysteme, die über diverse Messpunkte sowie eine Zeitschaltuhr die optimale Bewässerungsmenge und Bewässerungszeit bestimmen, lassen sich ebenfalls noch weiter verbessern. Ich sehe hier aktuell jedenfalls noch genügend Entwicklungspotenzial, um die Nachfrage nach immer neuen Geräten weiter aufrecht zu erhalten.

 

CHARTTECHNIK

Hier finden Sie eine ausführliche charttechnische Analyse der Aktie des schwedischen Anbieters von Gartenarbeitsgeräten, Husqvarna AB von unserem Kooperationspartner in Sachen Charttechnik LRT-Finanzresearch.de.

 

FAZIT: VIELLEICHT EINE SOLIDE ANLAGE AUF LANGE SICHT, ABER KURZFRISTIG NOCH TURBULENT

Ich werde den Titel nicht in mein Portfolio aufnehmen, denn mir gefällt die spärliche Informationslage nicht. Ich kann das Management nicht abschließend einschätzen und würde die Aktie daher eher für einen kurzfristigeren Zeithorizont in Erwägung ziehen. Doch kurzfristig lasten die erforderlichen Investitionen in South Carolina auf dem Unternehmen, insbesondere auf dem Gewinn, so dass die Aktie derzeit keine allzu großen Sprünge machen dürfte.

Grundsätzlich finde ich das Unternehmen jedoch überaus attraktiv und ich werde mich darum bemühen, Näheres über das Management und die Hintergründe der Probleme in den USA in Erfahrung zu bringen. Sollten sich die Probleme tatsächlich als einmalige Probleme entpuppen, so ist die Aktie langfristig sicherlich interessant. Denn das gegenwärtige Bewertungsniveau der Aktie ist günstig und die Dividende erscheint mir recht attraktiv.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet. Sie können sich unter:

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