VW, Samsung, BASF und Apple – Die Luft wird dünn..!

Es war ohne Zweifel eine bewegte Börsenwoche, die da hinter uns liegt. Ob die neue Woche ähnlich verlaufen wird bleibt abzuwarten, denn der starke Intraday-Bouncen an den US Märkten vom Freitag hat durchaus das Zeug dazu kurzfristig wieder für höhere Notierungen zu sorgen, auch wenn ich persönlich noch nicht davon überzeugt bin, dass diese dann nachhaltig sein werden. Denn wie erwartet waren es insbesondere die Verlierer des letzten Quartals die von diesem Bouncen profitiert haben. Sie erinnern sich vielleicht an den Artikel in dem ich dieses Phänomen beschrieben habe…  Die großen US Blue Chips konnten diesem Kursanstieg aber ebenso wenig folgen wie so manche Branche, die zuvor für einen sechs Jahre währende Rallye gesorgt hatte. Allen voran ist die Schwäche bei Apple auffällig, die – falls meine Beobachtungen richtig sind – deutliche Auswirkungen auf die Wall Street haben könnte. Vorsicht bleibt somit weiterhin geboten, auch wenn man aus anderen Gründen durchaus verhalten optimistisch sein darf.

Allen voran wäre hier der zur Zeit gerne zitierte Vergleich mit dem Börsenjahr 2011 zu nennen, der gewisse Parallelen mit der heutige Situation aufweist. Die Aktienkurse fanden Ihren Boden nach einer ausgedehnten Korrektur Anfang Oktober, stiegen dann stark an und kamen im November noch einmal zurück, bevor die eigentliche Jahresendrally startete. Die daraus möglicherweise resultierende inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation wäre der Startschuss für einen kräftigen Jahresendspurt. Diese Wette des Marktes auf einen Gleichlauf mit dem Jahr 2011 ist sicherlich auch ein Grund für die teilweise kräftigen Kursgewinne einiger Aktien am vergangenen Freitag. Vorrangig aber ist dieser wohl der Annahme des Marktes geschuldet, dass die US Notenbank bis auf weiters keine Zinserhöhungen durchführen kann. Die am Freitag veröffentlichten Daten hierzu waren deutlich schlechter als erwartet.

Für den Volkswagen-Konzern scheint die Luft indes immer dünner zu werden. Die Nachrichtenlage um den Abgasskandal kann man durchaus als düster bezeichnen und heut noch nicht sicher sagen, ob sich dieser nicht doch als existenzgefährdend erweisen wird. Auch am Samstag erreichten weitere Ungereimtheiten die Leser durch diverse Medien. Mögliche Investitionskürzungen sind hier wohl nur als das kleinste Übel zu nennen. Somit bleibe ich bei meiner Aussage, dass sich der VW-Skandal als echter „Schwarzer Schwan“ erweisen könnte, der nun auch schon auf andere Branchen überzugreifen scheint. Der tatsächliche Stromverbrauch von Fernsehgeräten, wie im aktuellen Falle bei Samsung, könnte demnächst ebenso das Interesse verschiedener Institute auf sich ziehen wie der anderer Unterhaltungselektronik- oder Haushaltsgeräte.

Für die VW Aktie als unfreiwilliger Vorreiter in Sachen Schummeleien, zeigen sich auch die Analysten inzwischen lange nicht mehr so optimistisch wie zur Bekanntgabe der Verfehlungen. Die Kursziele werden reihenweise nach unten angepasst. Erste Zielmarken liegen nun schon unterhalb der 80,- Euro Marke, weitere dürften erfahrungsgemäß folgen. Noch immer offen ist zudem, ob sich eventuell auch bei dem ein oder anderen Mitbewerber von VW demnächst irgendwelche Leichen im Keller finden lassen. Die Prüfungswut verschiedenster Behörden in diesem Zusammenhang sollte keinesfalls unterschätz werden! Dementsprechend hoch bleiben die Risiken in der gesamten Automobil-Branche, teilweise auch branchenübergreifende wie im Falle BASF. Der Chemieriese ist einer der größten Lieferanten des Volkswagen Konzerns…

Es wird also möglicherweise erst einmal einen positiven Start in die Woche geben, der aber nicht für alle Branchen gut laufen muss. Ab Mittwoche erwarten wir neue Impulse von der Berichtssaison für das abgelaufene dritte Quartal. Hier werden sich ggf. bereits erste Bremsspuren in den Bilanzen einiger Unternehmen andeuten, die direkt oder indirekt von dem Abgas-Skandal, der Schwäche in China oder aber der deutlichen Kaufzurückhaltung in verschiedenen Regionen dieser Welt, betroffen ein könnten. Zudem darf man wohl extrem gespannt darauf sein, wie sich insbesondere die Gewinnsituation bei den großen Geldhäusern, aber auch den Versicherern, entwickelt hat. Nach einem so schwachen Quartal mit extrem hoher Volatilität ist nicht zwingend mit guten Ergebnissen zu rechnen.

Fazit: Die nächsten zwei Wochen bleiben auch statistisch gesehen noch mit die gefährlichsten des Jahres. Insbesondere die Unternehmensdaten zum dritten Quartal sehe ich als ernsthaften Risikofaktor. Sich bei der Geldanlage auf einen Vergleich mit einem in der Vergangenheit liegenden Börsenjahr zu verlassen, ist mir persönlich zu dünn. Darauf zu setzen dass es keine Zinserhöhung in den USA geben wird auch, da das Thema insgesamt langsam etwas lächerlich und unglaubwürdig ist. Vorsicht und Gelderhalt bleiben somit auch weiterhin die oberste Devise… Die neuerliche Destabilisierung Europas durch die Flüchtlingsfrage, aber auch Griechenland, die angestrebte Eigenständigkeit Kataloniens und den drohenden Austritt der Engländer, finde ich da schon deutlich interessanter. Auch hier sehe ich langsam ernsthaft den ein oder anderen schwarzen Schwan anflattern…!

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