Rheinmetall im Krisenmodus?

Der Kursverlauf der Rheinmetall Aktie ist seit Tagen nicht mehr überzeugend. Zudem wartet bei 35,- Euro immer noch ein großes Gap im Chart darauf eventuell noch geschlossen zu werden. Auch die heutige Meldung dass der Rüstungskonzern trotz guter Auftragslage plant seine Panzersparte einer intensiven internen Prüfung zu unterziehen lässt mich aufhorchen. Soll heißen die Sparte könnte eingedampft werden, viele Mitarbeiter fürchten nun die baldige Entlassung. Vom Unternehmen hingegen war heute zu hören… „das Ziel der Überprüfung sei eine wirtschaftlich optimale Struktur der Rheinmetall Landsysteme GmbH“, was wiederum darauf hindeuten könnte dass die erzielten Margen zu gering sind und der Gewinn des Unternehmens in dieser Sparte entsprechend schwach ausfällt. Am Freitag will die Rheinmetall über das abgelaufene Quartal berichten, man darf also gespannt sein ob die gesteckten Ziele erreicht wurden.

Rheinmetall hatte erst Anfang 2012 die Produktion von militärischen Radfahrzeugen aus der RLS ausgegliedert und in ein Joint Venture mit MAN eingebracht. Nun geht es um die Zukunft der verbleibenden Panzersparte. Die Rheinmetall Landsysteme GmbH entwickelt und der baut gepanzerten Radfahrzeugen, Kampfpanzern, Panzerhaubitzen und Spezialpanzern zum Legen von Brücken, dem Räumen von Minen oder dem Bergen beschädigter Fahrzeuge. Eigentlich der Bereich den ich persönlich mit am interessantesten bei dem Unternehmen finde, denn der Bedarf an solchen Spezialfahrzeugen sollte weiterhin hoch bleiben. Insbesondere bei den zunehmenden Friedenseinsätzen und bei Spezialeinheiten werden Rheinmetall Panzerfahrzeuge verstärkt eingesetzt.

Rheinmetall wollte sich nicht weiter zu den einzelnen Details des Konzernumbaus äussern. Für mich passt das alles nicht so ganz zusammen. Die Konzentration auf andere Unternehmensteile wäre aus meiner Sicht nur bedingt sinnvoll, denn gerade der Bereich „Defence“ war immer eine tragende Säule des Konzerns. Die hochprofitable Automobilsparte wird wahrscheinlich erst im Jahr 2013 an die Börse gebracht, fällt aber damit dann künftig mindestens zur Hälfte aus der Bilanz des Mutterkonzerns. Zuletzt konnte Das Unternehmen einen Großauftrag verkünden an dem es zusammen mit Krauss Maffei 800 Leopard 2 Panzer nach Saudi Arabien liefern soll. Weitere Großaufträge aus Katar sollen Gerüchten zufolge schon in der Pipeline sein. Diese Panzergeschäfte sind aber alles andere als unumstritten, da die Wahrscheinlichkeit eines Weiterverkaufs der Panzer in Krisengebiete laut Fachleuten sehr hoch ist.

Ob der neu eingeschlagene Weg der Geschäftsleitung nun sinnvoll ist oder nicht werden die kommenden Monate zeigen. Erste Fragen hierzu dürften wohl auch mit der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal am kommenden Freitag beantwortet werden. Die geplante Verschlankung des Konzerns stimmt mich im Vorfeld dieser Zahlen zumindest etwas nachdenklich. Meistens geschehen solche weitreichenden Veränderungen eher aus der Not heraus. Zudem hinterlassen Restrukturierungsmaßnahmen wie diese meistens hässliche Spuren in den Bilanzen der kommenden Quartale. Die eigentliche Frage die man sich als Aktionär von Rheinmetall wohl demnächst stellen muss ist aber viel mehr eine moralische. Bislang war Rheinmetall mit seinen Produkten aus meiner Sicht ein Unternehmen dass sich vorrangig mit „Friedenssicherung“ beschäftigt hat. Die Großaufträge aus dem arabischen Raum, die eventuell geplante Konzentration auf solche Geschäfte, ebenso wie eine Gewinnmaximierung in einzelnen Sparten zu Lasten von Mitarbeitern, würden meine persönliche Sichtweise auf das Unternehmen aber deutlich verändern…!

Mehr zum geplanten Panzer Deal mit Saudi Arabien auch hier:

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