Gefangen im Politik-Wirtschafts-Börsen-Nirvana

Ich will es mal so beschreiben…gestern haben die Märkte gerade noch einmal die Kurve gekriegt…vorerst! Die Lage an den internationalen Aktienmärkten ist weiterhin höchst instabil, und auch wenn die US Indizes gestern gegen Handelsende noch einmal kräftig angezogen haben bleibt die Unsicherheit, ob dies lediglich eine technische Erholung war, oder sich die Märkte nun an den entscheidenden Marken wieder fangen werden. Mal ganz ehrlich…bei der momentanen politischen Lage in Europa kann man es den Anlegern nicht einmal verdenken, dass sie aktienmüde geworden sind. Bei mir schleichen sich nun auch erste Anzeichen einer „Ich habe keine Lust mehr“ Mentalität ein. Der tägliche Kampf gegen die politische Willkür und deren wundersame Blüten erscheint ein wenig sinnlos.

Dennoch, heute haben wir dann im späten Handel noch eine kräftige Erholung an den asiatischen, insbesondere den chinesischen Börsen gesehen. Das ist zunächst ein gutes Zeichen, da auch der Verlauf der Börsen dort, in den letzten Wochen eher besorgniserregend war. Es wurde und wird immer wieder über eine Überhitzung der chinesischen Märkte berichtet. China gilt unverändert als Wachstumsmotor, und wenn dieser stottert, dann fürchtet der Rest der Welt wieder Schlimmstes. Zwei Dinge gibt es dazu vielleicht an dieser Stelle noch zu sagen..erstens belegen wohl die neuesten Absatzzahlen, gerade auch von Volkswagen, recht deutlich, dass zumindest von der Konsumseite in China gar nichts stottert. D.h. als Absatzmarkt für exportstarke Länder und Unternehmen bleibt China erste Wahl, und wird bei manchen Aktionären noch für viel Freude sorgen!

Zweitens, sehe ich die Konsolidierung an den chinesischen Börsen eher positiv, denn genau eine solche Konsolidierung verhindert eine Überhitzung, oder bremst diese zumindest ein. Die Situation auf den chinesischen Immobilienmarkt, und auch die Fiskalpolitik des Landes bleiben aber ein deutlicher Unsicherheitsfaktor. Auch hier werden irgendwann drastische Einschnitte erforderlich sein, das kann aber noch eine ganze Weile dauern. Aber zurück zum US Markt…

Der Dow Jones konnte gestern ebenfalls wieder etwas Boden gut machen, befindet sich aber immer noch unter der so wichtigen Marke von 10.000 Punkten. Von Entwarnung kann also keinesfalls die Rede sein! Gestern zeigte der Nasdaq deutliche Schwäche, dies dürfte aber in erster Linie mit den zahlreichen Herabstufungen einiger Internettitel zu erklären sein, die auch entsprechend an Wert verloren haben. Beim S&P 500 ist die Lage ähnlich angespannt. Wie bereits in den letzten Newslettern berichtet ist hier die Marke von 1.040 Punkten extrem wichtig und sollte nicht dauerhaft unterschritten werden, denn dann droht wirklich ein weiterer Absturz der US Börsen mit deutlich tieferen Kurszielen. Ich persönlich gehe immer noch davon aus, dass es auch in dieser schwierigen Situation möglich ist, dass die Märkte wieder nach oben drehen,

Es sind mehrere Gründe die mich immer noch optimistisch stimmen. Zum einen der unglaubliche Pessimismus der meisten Marktteilnehmen, der inzwischen teilweise seltsame Blüten treibt. Dann wäre da noch die Tatsache, dass inzwischen einige Aktien, gerade in den USA, neue Tiefststände ausgebildet haben, sprich noch unter den damals völlig übertriebenen Ausverkaufskursen nach dem Crash notieren. Gerade dieser Umstand ist sicherlich ein nicht ganz zu vernachlässigender Punkt! Es könnte sich also durchaus lohnen, wenn man sich demnächst, und vor allem langfristig, zu diesen Grabbeltischkursen ein paar interessante US Werte ins Depot legt.

Die Charttechnik bei den meisten Indizes spricht ebenfalls eine deutliche Sprache, die man wohl salopp mit „Hopp oder Topp“ bezeichnen könnte. Soll heißen, dass sich der weitere Weg der Börsen an diesem Punkt nun entscheiden muss! Selbst ein weiterer Verlauf  seitwärts auf diesem Niveau würde wohl früher oder später, dann in einem Absturz enden. Die Börse braucht eben klare Signale, ebenso wie die Bürger eines Landes von Ihrer Regierung. Solange wir beides nicht haben, schweben wir irgendwo im Politik-Wirtschafts-Börsen-Nirvana!

Ich erwarte also demnächst ein klares Signal in die ein- oder andere Richtung, das politische Rumgeeiere sollte bald ein Ende haben, dann erholt sich auch der Euro wieder und damit die Börsen. Vielleicht hilft es ja auch schon, wenn unsere Politiker einfach mal zwei bis drei Wochen gar nichts sagen 🙂 Dennoch sei zum Abschluss noch erwähnt, dass auch mein Optimismus seine Grenzen kennt. Sollten die Börsen weiter abtauchen, und die Politiker weiter so agieren, wie dies in den vergangenen Wochen der Fall gewesen ist, werde ich wohl mal eine Sommerpause einlegen, und empfehle Ihnen dann dasselbe. Bis dahin alles Gute..

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2 Comments

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  2. Tim said:

    Die Nervosität an den Märkten hat etwas Gutes. Wer Geduld und Mut hat, kann jetzt bei rund 10.000 Punkten im Dow Jones billig Aktien auflesen. So viele solide Großkonzerne sind mit einem schönen Abschlag zu haben. Allein die Dividendenrendite lohnt sich wieder richtig.

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