E.ON – Vom richtigen Setzen eines Stops und dem Ärger über Entgangenes

Die E.ON Aktie tauchte gestern erwartungsgemäß unter die Marke von 13,- Euro, erholte sich aber im Anschluss wieder etwas und konnte den Handel dann einigermaßen komfortabel über dieser Marke beenden. Der offizielle Grund: Zu allem operativen Übel drohen die Gewerkschaften nun auch noch mit einem Generalstreik auf unbefristete Zeit. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 30.000 Beschäftigten des Unternehmens in Deutschland haben die Gewerkschaften Verdi und IG BCE gestern nun zur Urabstimmung über den Arbeitskampf aufgerufen. Sie fordern 6,5 Prozent mehr Gehalt für die Mitarbeiter und man darf sich als geneigter Leser solcher Nachrichten schon fragen ob es den Leuten ansatzweise bewusst ist in welcher Lage sich das Unternehmen befindet, und damit auch die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Ich persönlich halte den Zeitpunkt und die Höhe der Forderung für völlig falsch gewählt, aber das ist nur meine Meinung…Erste Ergebnisse der Abstimmungen werden nun für Freitag erwartet. Demnach könnte ein möglicher Streik bereits in der kommenden Woche beginnen.

Natürlich sind solche Meldungen nicht unbedingt dazu geeignet Jubelstürme bei den Anlegern hervorzurufen, aber man sollte auch berücksichtigen wo sich die Aktie nach dem letzten Absturz inzwischen befindet. Ich gehe mal davon aus das die Gewerkschaften sich mit E.ON nach dem publikumswirksamen Säbelrasseln schließlich irgendwo in der Mitte treffen werden – wie immer. Die Meldung über einen möglichen Streik ist also aus meiner Sicht weder dazu geeignet den Aktienkurs auf diesem ermäßigten Niveau noch weiter nach deutlich unten zu drücken, noch diesen nach einer Einigung deutlich nach oben zu treiben. Zumal das Thema ja bereits seit Tagen bekannt ist… aus börsentechnischer Sicht somit ein alter Hut.

Eigentlich wollte ich heute aber auf etwas ganz anderes hinaus, und das ist der wohl wahre Grund für den kleinen Kursrutsch gestern. Der Kursverlauf der E.ON Aktie war aus meiner Sicht exemplarisch um etwas für die Zukunft zu lernen…Die Aktie tauchte kurz und heftig unter die Marke von 13,- Euro und schoss dann wieder darüber. Die Antwort auf das „Warum?“ ist aus meiner Sicht schnell gefunden… Ein großes deutsches Anlegermagazin schreibt seit mehreren Wochen dass man unbedingt den Stopp bei 13,- Euro beachten sollte. Zudem haben zwei eine große Banken ihr Kursziel gestern auch auf 13,- Euro gesenkt. Das war dann die Steilvorlage, denn professionelle Investoren beobachten solche Nachrichten sehr genau…glauben Sie mir. Es war somit sehr wahrscheinlich dass diese runde Marke noch einmal unterschritten werden musste, alle Stopps abgefischt werden, und der Kurs anschließend wieder anzieht.

EON Chart Baerenflagge

Genau das ist der Grund warum ich hier auf Investors Inside keine Stopps bekannt gebe. Wir haben das hier schon mehrfach diskutiert – es macht einfach keinen Sinn. Denn Sie können sich im Anschluss sicher sein dass dieser Stopp dann auch erreicht wird! Unerfahrene Anleger neigen dazu das Geschriebene dann auch sofort in die Tat umzusetzen und den Stopp genau bei 13,- Euro zu platzieren. Erfahrenere Anleger würden einen Stopp niemals auf eine runde Marke bei 13,- Euro setzen…entweder knapp darüber, oder ein ganzes Stück darunter – je nach Fall! Es war somit für mich nicht weiter verwunderlich dass diese Marke nun gestern unbedingt noch getestet werden musste. Gleichzeitig besteht dadurch nun aber die berechtiget Aussicht darauf das der Aktienkurs nun weiter nach oben laufen wird.

Eine vernünftige Stopptechnik ist und bleibt natürlich wichtig, auch wenn ich bei meiner Swing-Trading-Strategie eher dazu neige, diese lediglich im Kopf , bzw. meinem Trading Tagebuch zu haben, und nicht ins System einzugeben. Im Falle E.ON hätte der automatische Ausstieg also bereits spätestens mit dem Abrutschen aus der > hier < mehrfach erwähnten Bärenflagge, unter 14,11 Euro erfolgen müssen. Die dann neu entstandene kleine Flagge um die 14,- Euro wäre eine weitere Möglichkeit gewesen. Spätestens mit dem Unterschreiten des letzten Tiefs bei 13,61 Euro hätte aber die Reißleine gezogen werden müssen und nicht erst bei 13,- Euro, denn da ist die Aktie bereits wieder so überverkauft dass man erneut über einen Einstieg nachdenken muss.

Der eigentlich spannende Teil bei der Aktie kommt somit erst jetzt. Heute konnte die E.ON Aktie bereits wieder zwei Prozent zulegen, ein weiterer Anstieg bis auf 13,60 Euro wäre nun wieder ein sehr positives Zeichen das man unbedingt beachten sollte…!

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11 Comments

  1. Lars said:

    Die heutige Eröffnung bei der K+S Aktie hat somit mal wieder eindrucksvoll bewiesen was passiert wenn man öffentlich über Stopp Loss Marken berichtet…!

  2. Lars said:

    An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal kurz zur K+S Aktie melden, weil ich schon wieder überall lese man solle bei 30,- Euro eine StoppLoss Order einstellen. Wie schon geschrieben sind solche runden Marken tödlich für jedes Depot. Natürlich kann K+S nun bis unter 30,- Euro fallen, aber dann wäre der Stopp an dieser Stelle äusserst ungünstig. Stellen Sie sich eher die Frage wo Ihre persönliche Schmerzgrenze liegen würde, bzw. welchen Anlagehorizont Sie bei der Aktie haben.

    Aus charttechnischer Sicht ist bei 32,80 Euro eine wichtige Marke. Sollte diese nachhaltig fallen dann wäre wohl ein vorübergehender Ausstieg um die 32,50 Euro eher empfehlenswert als bis auf 30,- Euro zu warten. Nach oben scheint man ohnehin gerade nicht allzu viel zu verpassen…ein Wiedereinstieg falls man falsch liegen sollte ist also nicht allzu schmerzhaft, ein Kursrutsch bis 27,- Euro hingegen schon.

    Man sollte traden was man sieht und nicht das was man gerne hätte 😉 …was aber ausdrücklich NICHT heißen soll das man jetzt sofort die Reißleine ziehen muss! Wo auch immer Sie Ihren Stop hier setzen möchten, bitte tun Sie das nicht bei 30,- Euro 😉

  3. Lars said:

    Hallo Wolle,

    zu Wacker und Dürr habe ich ja heute schon etwas geschrieben…bei beiden Aktien erst einmal noch unentschieden, aber durchaus interessante Ausgangslagen. Bei RIM wurde gestern das Gap geschlossen aber auch ein neues dickes Gap auf der Oberseite hinterlassen. Hier warte ich jetzt erst einmal auf Schließung bei 13,70 Dollar, und dann schaun wir mal. Die Reaktion des Marktes halte ich für völlig überzogen, man sollte aber auch nicht vergessen das die Aktie zuvor über 170 Prozent zulgelegt hatte…Nun warte ich mal was heute passiert…bin seit gestern wieder long.

    Apple sehe ich ähnlich wie Du, allerdings ist auch hier zu erwähnen das es die Aktie bis jetzt nicht zurück in den langfristigen Aufwärtstrend geschafft hat. Erst ab diesem Punkt kann man sich wohl wieder etwas zurücklehnen. Im Moment läuft auch noch EUR/USD etwas gegen uns was man berücksichtigen sollte. Aber langfristig glaube ich an ein Comeback bei Apple. Mal schaun ob ich in den kommenden tagen Zeit finde das etwas genauer auszuführen…bin diese Woche auch etwas unter Druck und viel unterwegs.

    Über ein Update zum Thema Derivate/Zertifikate wenn Du Zeit hast würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße, Lars

  4. Wolle said:

    oh, du hast in der zwischenzeit zu wacker und dürr gepostet… da hat sich was überschnitten… danke…

  5. Wolle said:

    hi lars,
    für eine ausführliche einführung, fürchte ich, fehlt mir momentan die zeit. nach meiner frühjahrssaison ab ende mai (ich bin veranstalter), wird’s bei mir wieder etwas ruhiger, da könnte ich mich mal hinsetzen und ein bißchen was zusammenschreiben…
    bei dürr wurde bei mir gestern der stopp loss ausgelöst, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, wie’s weitergeht – heute scheint sich ein hammer zu bilden.
    wie siehst du gerade r.i.m. und wacker? haben beide kräftig federn gelassen – meinst du, man kann schon wieder einsteigen?
    und ich bin sehr gespannt auf deine angekündigte analyse zu apple: ich sehe eine bodenbildung bei 450, von der es nun wieder aufwärts geht. ich bin aber aufgrund der vergangenen Wochen etwas ratlos…
    hrzl. grüße
    w.

  6. Pingback: Aus anderen Blogs – KW 5 / 2013 | Kapitalmarktexperten.de

  7. Lars said:

    Hallo Wolle und vielen Dank für Deine Ausführungen zum Thema Ko Zertifikate, etc. Ich kann natürlich bestens verstehen dass Du die Ergebnisse Deiner Recherche hier aus genannten Gründen nicht publizieren willst. Konkrete Empfehlungen geben wir ja hier eh nicht 😉 Viel mehr geht es darum den Leseren die vielleicht noch nicht soviel Erfahrung mit gehebelten Produkten haben eine kleine Einführung in dieses Thema zu geben. Nach welchen Kriterien werden die Scheine ausgewählt, etc…. Ich möchte Dich aber natürlich in keinster Weise hier zu irgend etwas drängen. Deine Ausführungen zum Thema ob und wann überhaupt fand ich bereits sehr lehrreich. Auch oder insbesondere unter dem Gesichtspunkt der zur Verfügung stehenden Zeit – Vielen Dank nochmal dafür!

  8. Wolle said:

    Hi Lars,

    ebenso wie Du verfolge ich i.d.R. eine Swing-Trading-Strategie und halte meine Trades meist mehrere Wochen bis Monate. Ab und zu mal mit Knock Out Zertifikaten long oder short zocken ist ein Nervenkitzel und für mich das Salz in der Suppe. Das kann gut gehen, muß aber nicht, und anders als bei Aktien ist das Geld nach Erreichen der KO-Schwelle futsch. Ist mir neulich erst passiert, da geht ein Wert über Nacht in den Keller und 1000 Euro waren weg. Da hilft dann auch kein Stopp Loss mehr.

    Gott sei Dank liege ich in ca. 70% der Fälle richtig bzw. im Plus und kann in über 20% zumindest einen Teil meines eingesetzten Kapitals retten, so daß unterm Strich ein schöner Gewinn übrig bleibt.

    Jedoch scheue ich mich sehr davor, in dieser Richtung Tipps zu geben, u.a. aus dem gleichen Grund, warum Du keine Stopps veröffentlichst. Zudem möchte ich nicht verantworten, daß jemand den Trade nachvollzieht und – warum auch immer – einen Totalverlust erleidet. Ich mag hier nur allgemeine Tipps geben: KO-Zertifikate immer nur mit einem geringen Prozentsatz des Gesamtkapitals kaufen, max 1%. Möglichst geringer Spread. Chance-Risiko-Verhältnis genau abwägen, im Zweifel lieber ein niedrigerer Hebel und weniger Gewinn. Halt, im Zweifel lieber gar nicht :-D. Man sollte sich des Trades so sicher sein, wie irgend möglich, sprich 100% sicher (subjektiv), dann kann man es wagen, z.B. war ich bei RIM long, war ich neulich im DAX long, war ich nun bei E.On short.

    Wie oben erwähnt, spreche ich aus meiner Situation als Hobby Trader heraus: Traden funktioniert für mich nebenbei, ich bin beruflich immer wieder mal 2-3 Tage am Stück unterwegs (wie z.B. gestern, heute und morgen; an solchen Tagen kann ich mich nur wenig um mein Depot kümmern) und habe auch an Büro-Tagen immer nur zwischendurch Zeit, Kurse zu beobachten. Ich wäge daher mein Risiko sehr genau ab, auch vor dem Hintergrund der mir fürs Traden zur Verfügung stehenden Zeit, und oft entgehen mir, weil ich gerade einen Tag mit vielen Termin habe, gute Gelegenheiten. Bei Menschen mit anderem zeitlichen Background mag das natürlich ganz anders aussehen, im positiven, wie im negativen…

    Um abschließend nochmal auf Dürr zu kommen: ich sehe da auch die Abwärtsbewegung der letzten drei Tage, vermag jedoch noch nicht zu beurteilen, ob es sich hier nur um eine kurzfristige Pullback-Bewegung handelt, bevor es weiter Richtung 90 Euro geht, oder ob nun schon die Grenze erreicht ist. Die Aktie ist sehr weit gelaufen, das stimmt, das würde für mich jedoch (zumindest heute) noch nicht den Kauf eines Turbo-Shorts rechtfertigen (siehe oben: im Zweifel lieber sein lassen 🙂 ). Zum zweiten: zur Dürr Aktie gibt es nur eine Handvoll KO-Zertifikate von der DZ-Bank und der HVB, ich finde da irgendwie (für mich) nicht das Richtige. Allenfalls drei von der HVB mit KO zwischen 77,75 und 81,75 und momentanen Hebel von 6 – 10 könnten eine Überlegung Wert sein, wenn sich der Abwärtstrend als stabil erweist.

    Puh, das war nun sehr ausführlich, ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt oder mangels konkreter Tipps enttäuscht, aber Vorsicht ist ja bekanntlich die Mutter der Schatzkiste (will sagen: des wachsenden Depots 😀 😀 😀 )

    Ich wünsche allseits eine gute Nacht und weiterhin erfolgreiche Trades

    w.

  9. Pingback: Kleine Presseschau vom 30. Januar 2013 | Die Börsenblogger

  10. Lars said:

    Hallo Wolle, das freut mich natürlich sehr für Dich…ich habe diese Gelegenheit einfach ausgelassen und auf den richtigen Einstieg bei E.ON gewartet. Bin ja eher selten ein echter „Shortie“ bei Einzelaktien. Ein weiterer Kandidat war in den letzten Tagen 3D Systems und gestern auch Research in Motion. Hier war ich auch kurzzeitig mal in die Gegenrichtung aktiv, aber eher als Ergänzung/Absicherung zu meiner längerfristigen Longposition…

    Das Thema Turbos etc. ist sicherlich für den ein oder anderen Leser hier interessant. Wenn Du also Lust und Zeit hast beim nächsten Mal ein Scheinchen auf eine Aktie die man auch mal in die Gegenrichtung spielen kann hier vorzustellen, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Gerade bei E.ON war es ja schon sehr naheliegend kurzzeitig short zu gehen…also ein (fast) sicherer Trade. Obwohl es den ja nicht gibt, wie wir alle wissen! Schau Dir doch mal Dürr an, gute Aktie aber sehr weit gelaufen. Gibt´s da was schönes mit einer Basis über 80,-Euro? 😉

  11. Wolle said:

    Hi Lars,
    danke für die obigen Zeilen, daß mußte vermutlich mal wieder deutlich gesagt werden. Ich für meinen Teil bin bei E.on im vergangenen Mai eingestiegen (etwas zu früh) und im Oktober wieder ausgestiegen (etwas zu spät) und konnte dennoch einen angenehmen Gewinn mitnehmen. Danach hab ich die Aktie erst mal vergessen…
    Noch mehr dankbar bin ich jedoch für Deine Website hier, die mir nun schon mehrmals Aktien, mit denen ich mich nicht regelmäßig beschäftige (anders bei Dir ist das bei mir ja nur Hobby und nebenbei), ins Gedächtnis zurückgerufen hat. Im Falle E.on hieß das, nachdem ich mit Deiner Analyse d’accord gegangen war, habe ich letzte Woche einen Turbo Put gekauft und heute morgen 80% Gewinn mitgenommen… das Leben kann so schön sein und so ein kurzer „Zock“ ist das Salz in der Suppe. Klar sind Knock Out Zertifikate nicht für jeden, und ja, ich lag da auch schon mal daneben, aber, auch bei KO-Zertifikaten kann man einen Stop setzen 😉
    Daher lieber Lars, nochmals vielen Dank für Deine Arbeit,
    und mach weiter so…
    Herzliche Grüße
    w.

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