Wunschanalyse Deutsche Post AG

Deutsche Post AG (WKN 555 200, ISIN DE0005552004, Marktkapitalisierung: ca. 16,18 Mrd. Euro, ca. 21,00 Mrd. US$)

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VOM BRIEFTRÄGER ZUM GLOBALEN LOGISTIKKONZERN

Das Austragen der Post, einst die wichtigste Aufgabe des ehemaligen Staatskonzerns, wird zunehmend zur Belastung für die Deutschen Post AG. So ist das Unternehmen die Flucht nach vorne angetreten und bietet inzwischen weltweit das breiteste Spektrum an Logistikleistungen an. Die Weltkonjunktur erholt sich und das globale Geschäft unter dem Mantel des Konzernbereichs DHL verzeichnet kräftige Zuwachsraten in Umsatz und Gewinn. Doch es ist fraglich, ob das ausreicht um das schrumpfende Briefgeschäft aufzufangen. Schauen wir und die Bereiche also einmal separat an.

ÄRGER MIT BRIEFEN: MINDESTLOHN, EMAIL, MEHRWERTSTEUER

Das Briefgeschäft ist schon fast ein Klotz am Bein der Deutschen Post AG. Geliebt als zuverlässiger Cashflow-Garant, aber auch gehasst wegen der immer neu aufkommenden Probleme. Sie werden sich noch an das Gezerre um den Mindestlohn erinnern: Wettbewerber hatten mit Dumpinglöhnen für Briefzusteller versucht, der Deutschen Post AG Marktanteile in der Briefbeförderung abzujagen. Erst nach mehreren Jahren Streit wurde entschieden, dass Mindestlöhne gezahlt werden müssen und Wettbewerber konnten so dem flächendeckenden Netz der Deutschen Post AG kein Paroli bieten.

Doch die Wettbewerber beklagten zu Recht das Privileg der Deutschen Post AG, keine Mehrwertsteuer für ihre Leistungen an andere Unternehmen berechnen zu müssen. Die Deutsche Post AG ist inzwischen nicht mehr nur ein Briefbeförderer sondern ein Logistikpartner großer Konzerne. Und so ist es nur zu verständlich, dass Beförderungsleistungen für andere Unternehmen der Märchensteuer unterliegen. Doch wie grenzt man die verschiedenen Leistungen gegeneinander ab? Briefe und kleine Päckchen sind weiterhin mehrwertsteuerfrei, doch wo wird die Grenze gezogen? Seit diesem Monat gilt die Mehrwertsteuerpflicht für die Deutsche Post AG und schon gibt es Streit über die korrekte Abgrenzung.

Analysten schätzen, dass die Deutsche Post AG künftig pro Jahr etwa 500 Mio. Euro an Vorsteuer aus mehrwertsteuerpflichtigen Leistungen zusätzlich abführen muss.

Während sich Preissteigerungen für Porto nur sehr schwer durchsetzen lassen, es geht jeder Preiserhöhung ein politischer Prozess voraus, steigen die Kosten für die Abwicklung kontinuierlich. Steigende Löhne und steigende Benzinkosten sind die Hauptverantwortlichen für die schwindende Gewinnmarge bei der Briefbeförderung.

E-POSTBRIEF SOLL BRIEFVERKEHR REVOLUTIONIEREN

Die Rettung soll der E-Postbrief bringen: Ein Brief, den Sie per eMail an die Post übermitteln und die von der Post nah am Ort des Empfängers ausgedruckt und sodann zugestellt wird. Sie können sich also das Ausdrucken, Unterschreiben, Eintüten und zur Post bringen sparen und zahlen dafür einen kleinen Aufpreis. Die Post steuert Papier und Umschlag bei, druckt selber aus und spart auf der anderen Seite Transportkosten.

Im ersten Schritt wird das nur mit Briefen gehen, für die keine Unterschrift benötigt wird (Werbesendungen). Die Königsklasse in diesem Umfeld wäre natürlich, wenn Sie die eMail über ein gesichertes Verfahren an die Post übermitteln und der Brief sodann Rechtsgültigkeit hätte, obwohl Sie nicht persönlich „unterschrieben“ haben. Aber auch das ist nur eine kleine technische Herausforderung.

DHL WORLDNET MIT GEWINNSPRUNG

Analysten erwarten einen Gewinnsprung des Express-Versandgeschäfts der DHL von 65 auf 180 Mio. Euro im zweiten Quartal 2010. Darin spiegelt sich insbesondere der starke Volumenanstieg wieder, der zu höheren Umsätzen führt und in den USA die noch immer anfallenden Verluste verringert. Damit wird im Express-Geschäft mehr Gewinn eingefahren als im wesentlich umsatzstärkeren aber margenschwächeren Geschäft mit der Briefbeförderung.

In diesem Geschäftsbereich sieht die Deutsche Post AG ihre Zukunft. Der Konjunkturaufschwung insbesondere in Asien und Südamerika führt zu einer hohen Auslastung der Transportkapazitäten. Hier steigt der Gewinn überproportional, da eine höhere Auslastung der Flotte nicht zu proportional mehr Kosten führt.

DIENSTLEISTUNG BESCHAFFUNGSLOGISTIK MIT ANLAUFPROBLEMEN

Na, ob die Probleme bei der Deutschen Post AG liegen oder bei dem prominenten Kunden, der kürzlich in die Insolvenz ging, bleibt ungeklärt. Die Insolvenz von Arcandor (KarstadtQuelle) hat zu hohen Zahlungsausfällen bei der Deutschen Post AG geführt. In wie weit die Beschaffungslogistik (Supply Chain) die Insolvenz verzögert oder gar beschleunigt hat können wir heute kaum abschätzen. Eine alte Managementweisheit besagt: „Der Gewinn liegt im Einkauf!“. Ob also die Auslagerung der Beschaffungslogistik eine strategisch erstrebenswerte Strategie zum Kostensparen ist sei dahingestellt.

BEWERTUNGSNIVEAU FAIR

Der erwartete Gewinnsprung im Express-Bereich wird im laufenden Jahr Analystenschätzungen zufolge zu einem Gewinnanstieg um +33% führen. Für das Jahr 2010 wird so ein KGV von 13 erwartet. Für ein Umsatzwachstum von 3% ist das jedoch in meinen Augen bereits ein faires Bewertungsniveau. Und vor dem Hintergrund, dass bereits im nächsten Jahr deutlich weniger Gewinnwachstum erwartet wird (+12%) lässt sich ein höheres KGV kaum rechtfertigen.

Auf der anderen Seite zahlt die Deutsche Post AG eine attraktive Dividende in Höhe von 0,60 Euro je Aktie, was einer Dividendenrendite von 4,6% entspricht. Versuchen Sie mal, eine solche Verzinsung für Ihr Festgeld zu bekommen – das ist derzeit unmöglich. Und diese Dividende ist steuerfrei, denn (stark vereinfacht gesagt) aufgrund des hohen Verlustvortrags der Deutschen Post AG zum Zeitpunkt der Privatisierung wird bis heute noch kein Gewinn ausgewiesen, die Dividende kann dennoch aus dem freien Cashflow ausgeschüttet werden – und somit steuerfrei. Aktionäre sparen sich also 25% Abgeltungssteuer plus Soli.

FAZIT: FAIR BEWERTETER DIVIDENDENTITEL OHNE KURSPHANTASIE

Kursphantasie könnte nur dann aufkommen, wenn der E-Postbrief einen überraschend schnellen Siegeszug erfährt oder wenn die Weltkonjunktur überraschend stark anzieht. Ersteres ist nach meiner Einschätzung nicht zu erwarten, die Adaption dieses Dienstes wird zwar erfolgen, jedoch nicht so schnell, wie die Deutsche Post AG sich das wünscht. Dem ersparten Ausdrucken und Eintüten steht die für Laien zunächst komplizierte Einrichtung entsprechender gesicherter Postfächer im Weg. Letzteres kann meiner Einschätzung nach tatsächlich erfolgen und so gibt es tatsächlich ein klein wenig Kursphantasie für die Aktie der Deutschen Post AG.

Aber wenn Sie sich FedEx Corp. und United Parcel Service (UPS) anschauen dann werden Sie feststellen, dass dort ein Großteil des weltweiten „überraschenden“ Konjunkturwachstums eingefangen wird. Deren Wachstumsraten waren in den vergangenen Quartalen wesentlich größer als die von DHL. Ich würde den diesbezüglichen Überraschungseffekt also als eher klein einstufen.

Dennoch ist das Geschäft stabil und das Kursrisiko gering. Es bleibt somit die Aktie der Deutschen Post AG als Dividendentitel. Für einen defensiv ausgerichteten Anleger, der die Freigrenzen bei seinen Kapitaleinkünften überschritten hat, stellt die steuerfreie Dividende eine sehr attraktive Verzinsung dar.

Über den Autor

Stephan Heibel ist Autor und Herausgeber des Heibel-Ticker Börsenbriefes, der wöchentlich kostenfrei per E-Mail verschickt wird. Darin werden die Hintergründe zu Kursbewegungen an den Finanzmärkten aufgezeigt und erklärt. Interessante Tradingideen werden daraus abgeleitet.

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