Solar Millennium – wars das jetzt?

Die Solar Millennium Aktie kommt nicht zur Ruhe. Erst gestern wurde bekannt, dass sich das Unternehmen nun nach dem eigentlichen Strategieschwenk in den USA dazu entschlossen hat das US Geschäft komplett an den Mitbewerber Solarhybrid AG zu verkaufen. Die Verhandlungen laufen noch, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die jetzige Vereinbarung sieht aber vor, dass Solar Millennium neben den gesamten US-Projektinvestitionen einen maßgeblichen Anteil am Gewinn bei Realisierung der Photovoltaik-Kraftwerke erhalten werde. Wie hoch dieser Anteil ausfallen werde wurde indes nicht bekannt.

Damit fehlt dem Wert nach unsrer Auffassung nun wohl jegliche Phantasie für die Zukunft. Um so erstaunlicher war dann auch die gestrige Reaktion des Marktes. Die Solar Millennium Aktie konnte im gestrigen Handel kräftig zweistellig zulegen. Dieser Kursanstieg wurde allerdings nach der heutigen Meldung über den überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Christoph Wolff wieder negiert. Das bisherige Vorstandsmitglied Jan Withag ist kurzfristig zum neuen Vorstandschef berufen worden. Im Aufsichtsrat wird  Marc Van Herreweghe die Position von Hannes Kuhn einnehmen, der Ende September alle Mandate aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte.

Alles in allem ist dies wohl eine Gemengelage die bei Anlegern ein gewisses Stirnrunzeln verursachen sollte. Hier ist auch nach unserer Auffassung äusserste Vorsicht geboten. Solaranalyst Sebastian Zank kommentierte die Ereignisse kürzlich wie folgt: „Es gibt für Solar Millennium zeitnah keinen Markt für größere Projekte mehr“ Die Solarthermie, bei der Sonnenwärme in Energie umgewandelt wird, habe gegen die Photovoltaik, wo Licht zu Strom wird, das Technologierennen wohl verloren. Zank sieht die Erlanger binnen ein bis zwei Jahren in die Pleite rutschen. (mz-web.de) Ob diese Prognose eintreffen wird können wir nicht beurteilen, sicher ist aber dass das Vertrauen der Anleger, durch die zahlreichen Ereignisse der letzten Monate stark belastet sein dürfte, und sich dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im Aktienkurs dauerhaft niederschlagen wird.

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7 Comments

  1. P.A. said:

    Die Gemeinsamkeit zw. PV und CSP besteht darin, dass Strom produziert wird, wenn die Sonne scheint. Der Unterschied besteht darin, dass CSP Strom einspeisen kann, auch wenn keine Sonne mehr scheint (thermische Speicher bieten zusätzliche Einspeisung von bis zu 8 Stunden unter Vollast). Damit ist PV hauptsächlich auf Märkten sinnvoll, die nur eine Spitzenlastabdeckung nachfragen, so wie z.B. zur Mittagszeit in Kalifornien und CSP auf Märkten, wo planbar der Strom bereitgestellt werden muss, also wie in z.B. Spanien bzw. dem europäischen Netz.
    Von Kalifornien also auf Europa zu Schulssfolgern zeigt eigentlich nur Fachfremde auf. Das sind zwei Märkte, die nichts gemein haben.

    Ein verlorenes Technologierennen zu postulieren ist kreativ. Warum sind nochmal PV-Modulpreise so niedrig? Weil die Nachrage so groß ist? Haha…ich glaube, da wird jemand anderes eher Pleite gehen.

    Zeitnah keinen Markt für große Projekte mehr? Sehr witzig. Solar Millennium ist an Ausschreibungen in Marokko und China beteiligt. In Indien schloss die Technologietochter Flagsol unlängst zwei Verträge für zwei 50 MW Kraftwerke ab. In Spanien sind gerade 2 50 MW Kraftwerke in Bau gegangen.

    „Zank sieht die Erlanger binnen ein bis zwei Jahren in die Pleite rutschen.“ Und da sage noch einer die PV-Industrie habe keine Lobby. Und seien es nur Glaskugelleser.

    • Lars said:

      Naja, momentan geht es bei der Aktie eben nicht mehr um operatives. Ausschreibungen haben wenig Aussagekraft und die anderem Projekte müssen erst einmal erfolgreich realisiert und auch finanziert werden. Solar Millennium hat Anlegervertrauen verspielt, und das wirklich nach allen Regeln der Kunst. Hinzu kam noch eine besch…eidene Informationspolitik, fragwürdige Vorstandsverträge, permanenter Führungswechsel, und nun noch die Aufgabe des wesentlichsten Betätigungsfeldes, sowohl inhaltlich als auch regional. So etwas werden Anleger keinem Unternehmen dieser Welt verzeihen, und das ist auch (fast) nicht wieder gut zu machen. Die Aktie dürfte verbrannt sein…

    • Lars said:

      Tja nun, was soll ich sagen. Es ist ja nicht so dass ich nicht schon seit Kursen um die 20,- Euro davor gewarnt hätte, das so etwas bei Solar Millennium durchaus möglich ist. Hier wird wohl jetzt die Insolvenz des Unternehmens durchgespielt! Ob es dann auch so kommt werden wir sehen, aber die Aktie ist definitiv verbrannt…Nächste Kursziele sind nun wohl 1.06 / 0,81 und 0,66

  2. Ramsi said:

    Das sehe ich ganz genau so wie du Lars. Ich habe mich mit SM ja nun über mehrere Jahre eingehend beschäftigt. Der Laden hat fertig.

    • Lars said:

      Ich weiß Ramsi, aber das macht es ja nicht besser 😉 Alles in allem ist das was bei dem Unternehmen so in den letzten zwei Jahren gelaufen ist eine Katastrophe. Viele Anleger dürften wegen der interessanten Story dabei geblieben sein oder sind immer wieder eingestiegen. Die Story scheint nun aber vorbei zu sein, und das dürfte dann wohl letztlich auch zum Ende dieser Firma führen. Zumindest würde ich hier nicht investieren!

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 7. Oktober 2011 | Die Börsenblogger

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