BREXIT-Mania – Biotech, Finanzaktien, Automobilbauer, VW im Fokus

Auch ich möchte kurz ein paar Worte zum BREXIT abgeben, nachdem ja nun schon so einiges geschrieben wurde. Auch auf die Gefahr hin den fünfhundertachtunneunzigtausendsten Artikel zu dem Thema zu verfassen, denke ich schon es gibt ein paar erwähnenswerte Aspekte, die es in den kommendem Wochen und Monaten zu beachten gilt…

Die Überraschung war groß, dass die Briten es tatsächlich fertig gebracht haben sich massiv in das eigene Fleisch zu schneiden. Mag es überzogener Nationalstolz gewesen sein der zu diesem Ergebnis geführt hat, oder aber eben auch viele andere (persönliche) Gründe einzelner Politiker. Letztlich ist dies alles jetzt egal und wir haben endlich eine Entscheidung, die in vielerlei Hinsicht gar nicht mal so schlecht ist – die Frage für wen dieses Ereignis  am Ende besser sein könnte, lasse ich hier mal offen…!

Die Inselbewohner haben – wenn auch nur sehr knapp – mehrheitlich gegen einen Verbleib in der EU gestimmt. Deutlich über 70 Prozent der jungen Generation war dabei mit einer deutlichen Mehrheit für einen Verbleib, wurde aber von der konservativen älteren Generation glatt überstimmt. Damit haben die Briten ihren Kindern möglicherweise ein sehr schweres Erbe hinterlassen, dass vor allem diese mehrheitlich gar nicht haben wollen. Offensichtlich wurde die breite Masse auch falsch bis gar nicht über die mögliche Tragweite dieser Entscheidung aufgeklärt und mit falschen und nicht umzusetzenden Wahlversprechen geködert. Dass die Google Anfragen aus Großbritannien am Tag NACH der Wahl auf ein Vielfaches angestiegen sind ist dabei ebenso bezeichnend wie der offensichtliche Umstand dass die Briten selbst am meisten von diesem Wahlergebnis überrascht wurden.

All das Gejammer hilft jetzt aber nichts mehr, denn das Volk hat entscheiden und nun ist es eben so! Soziale Spannungen scheinen hier nun vorprogrammiert zu sein, was in einem Land das sich in zwei Lager aufteilt ja grundsätzlich immer der Fall ist. Wirtschaftliche Faktoren dürften nun wohl auch in einer Zunahme der Arbeitslosigkeit müden, was ebenfalls eher kontraproduktiv für  ist. Und nicht zu vergessen dass der Finanzplatz London wohl vor deutlichen Einbußen in punkto Bedeutung für die weltweiten Kapitalströme stehen wird. Die spannende Frage in diesem Zusammanhang ist wer der große Gewinner dieser Situation sein könnte…?

Einzelne Länder wie bspw. Schottland waren mehrheitlich für einen Verbleib und werden wohl demnächst intensiv über eine Abspaltung vom Königreich diskutieren. Andere Länder könnten mit einer baldigen Volksabstimmung zur Unabhängigkeit folgen. Die Briten spielen nun auf Zeit und tun das was sie immer getan haben… Auch beim gestrigen EU Gipfel ist das Bestreben, sich die Rosinen rauszupicken und die unangenehmen gemeinschaftlichen Aufgaben möglichst zu vermeiden, weiterhin groß. Das Thema Brexit wird uns somit zwangsweise erhalten bleiben, solange die Briten nicht ihre Einstellung grundlegend ändern – wovon nicht auszugehen ist! Die jüngsten Verhandlungen der EU zeigen aber auch deutlich, dass es dringend an der Zeit war etwas zu verändern! Bleibt nur zu hoffen das dieser neue Weg nun auch konsequent von allen Mitgliedern beschritten wird!

Fazit: Endlich ist ein Ergebnis da und das ist gut so! Der Bremser der europäischen Projektes ist damit raus, was für Resteuropa eine sehr positive Entwicklung bedeuten könnte, wenn es der Politik gelingt diese Steilvorlage nun entsprechend umzusetzen und auch ein paar Kinderkrankheiten der EU auszumerzen. Viel wichtiger als alles andere ist es nun aber ein deutliches Zeichen zu setzen und nicht in einer EU-Light-Vereinbarung mit Großbritannien zu enden. Diese Gefahr ist da und hat durchaus das größte Enttäuschungspotenzial für die Europäer und auch die Anleger. Denn nach allem was wir bisher so zum Erhalt des europäische Gedanken und natürlich auch zu Währungsunion gesehen haben, besteht die größte Gefahr wohl darin, dass die europäischen Politiker sich auch durch dieses Thema nun wieder irgendwie durchwurschteln wollen und wesentliche Entscheidungen eher aussitzen als umsetzen!

Was den Markt betrifft darf man die starke Erholung der Kurse am Freitag, nach dem Rücksetzer um über 1.000 Punkte, wohl nicht überinterpretieren. Hier hatten ganz klar die Notenbanken ihre Finger im Spiel und nicht etwa die „Schnäppchenjäger“, denen diese Kursbewegung mehrfach zugeschrieben wurde. Diese sitzen immer noch auf Bergen von Cash und warten auf den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg. Der Montag hat dann deutlich gezeigt, dass wir mit einem Kursrutsch noch lange nicht aus dem Schneider sind und der anschließende Turnarround-Tuesday fiel, für diese Situation, auch eher gemäßigt aus…!

Kurzum, wir befinden uns weiter im börsentechnischen Niemandsland!  Jetzt und hier wieder von massiv steigenden Kursen auszugehen, halte ich somit für extrem gefährlich, wenn natürlich auch nicht völlig ausgeschlossen. Einzelne Positionen nun mit Erstkäufen einzusammeln, die man dann zu einem späteren Zeitpunkt weiter aufstockt (Pyramidisieren), schein hingegen auf mittlere Sicht vielversprechend zu sein, wenn man die Nerven dafür mitbringt.

VW Vorzugsaktie vor neuer Abwärtsbewegung?

Dies sind vor allem Aktien aus Sektoren die übermäßig verprügelt worden sind, wie bspw. die Lufthansa, die mein charttechnisches Kursziel auf der Unterseite nun sauber abgearbeitet hat. Die französischen Automobilhersteller Peugeot und Renault gehören ebenfalls in diese Kategorie. VW eher nicht, nachdem die Nachrichtenlage um den Diesel-Skandal sich weiter zuspitzt und der Chart aktuell eher auf Kurse um oder unter 100,- Euro (siehe Chart) hindeutet. BMW und Daimler sind wieder attraktiv, dürfte aber dann auch noch einmal ca. 5 – 10 Prozent abgeben, wenn neue Schwäche im Markt (oder bei VW) aufkommt…!

Wie bereits gestern in einem Kommentar auf dieser Seite erwähnt, sind die US-Biotechs (mögl. Fehlausbruch auf der Unterseite?) jetzt wieder interessant, ebenso wie die US-Finanzwerte (inverse SKS-Formation?). Eine engmaschige Beobachtung in den nächsten Wochen sollte sich am Ende lohnen.  Grundsätzlich gilt für mich nun auch wieder verstärkt nach attraktiven Anlagechancen ausserhalb des Euro Ausschau zu halten! Genaueres dazu gibt es dazu in den kommenden Tagen mittels der gewohnten Einzelanalysen hier im Blog. Bis dahin wünsche ich Ihnen die richtigen Entscheidungen und vor allem eine ruhige Hand…!

5 Comments

  1. Loenz said:

    Peugeot heute mit einem guten Ergebnis, nur China macht ein wenig Sorgen. Aktie geht aktuell um 8% rauf

  2. Daniel said:

    Hallo Lars, ich bin ehrlich gesagt kein Freund von Referenden. Wir sehen ja, was dabei heraus kommt. Die breite Masse versteht es nicht sondern wird manipuliert und nutzt das für ihren Protest. Man muss das ernst nehmen. Ich habe ein Zitat von Petr Kratochvil, der das ganze in einem Artikel bei boell.de m.E. auf den Punkt bringt:

    Wir haben es mit einer Revolte der Verunsicherten gegen die postnationalen Eliten zu tun, mit einem Aufstand der Provinz gegen die Metropolen, mit einem Konflikt zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung. Das war schon bei der Präsidentschaftswahl in Österreich mit Händen zu greifen. Dabei wirkt die Flüchtlingsfrage als Katalysator für nationalpopulistische, antiliberale Bewegungen. Die Antwort darauf kann nicht in der Abschottung Europas liegen, sondern in einer gesteuerten Zuwanderung und einer langfristig angelegten Integrationspolitik.

    Das Votum der Briten heißt auch: wir müssen uns intensiver mit den sozialen und kulturellen Spaltungen in unseren Gesellschaften auseinander setzen, bevor sie uns über den Kopf wachsen.

    • Lars said:

      Hallo Daniel,

      das ist grundsätzlich natürlich auch richtig so. Grundsätzlich sind Referenden wohl mit die reinste Form der Demokratie. Jedoch ist die politische Bildung der „breiten Masse“ eher unterdurchschnittlich. Womit eigentlich eine Art „Führerschein“ für Wähler zwingen Pflicht wäre. Grundsätzliche Verständnisfragen sollten vor der Stimmabgabe beantwortet werden können… Aber das wird wohl nie kommen.

      Die letzten Wahlen in Europa zeigen auf jeden Fall deutlich das Populisten Hochkonjunktur haben – gerade weil die Aussagen dieser Damen und Herrn von den meisten Wählern nicht wirklich hinterfragt werden…!

      Die Flüchtlings-Thematik hat natürlich in vielerlei Hinsicht für Unruhe gesorgt und ist letztlich, aus meiner Sicht, auch ursächlich für den BREXIT.

      viele Grüße
      Lars

  3. Daniel said:

    Wenn man sich die Wahlbeteiligung nach Alter ansieht wird deutlich, dass die jungen Menschen den Brexit hätten verhindern können, wenn sie denn in größerer Zahl zur Wahl gegangen wären.

    18-24: 36%
    25-34: 58%
    35-44: 72%
    45-54: 75%
    55-64: 81%
    65+: 83%

    • Lars said:

      Hallo Daniel,

      tja, das ist irgendwie mal wieder ein Trauerspiel, wie wenig das Volk die wenigen ihm zur Verfügung stehende Mittel einer Demokratie tatsächlich nutzt. Ich wäre froh wenn bei uns Referenden vorgesehen wären. Andere haben die Möglichkeiten und nutzen sie nicht! Wie kann man als junger Mensch den erwarten dass sich etwas bewegt wenn man nicht bereit ist diesen kleinen Betrag zu leisten. So haben wieder einmal die „alten Säcke“ gewonnen und damit die Zukunft der „Jungen“ maßgeblich verändert…

      Allerdings kann ich eine gewisse Politikverdrossenheit und dieses offensichtliche Desinteresse, gerade in der EU, auch durchaus nachvollziehen.

      Grüße
      Lars

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