Der VW Skandal – Immer schön langsam…!

Man darf sich grundsätzlich wohl darüber wundern, dass der VW-Krisenstab bei Volkswagen erst am Mittwoch zusammentreten will. Angesichts der äusserst angespannten Nachrichtenlage und des dramatischen Verlaufes des Aktienkurses hätte man ein spontanes Treffen der Verantwortlichen wohl deutlich früher erwarten können. Alleine gestern wurden 14 Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Da ist hektischer Aktionismus durchaus auch mal angesagt…!

Zudem steht nicht weniger als die Reputation der Marke VW auf dem Spiel. Die Auswirkungen des Skandals um die möglicherweise manipulierten Abgaswerte von ca. 480.000 Dieselmotoren lastet schwer auf dem Image des Konzerns und dem Vertrauen der künftigen Käufer dieser Autos. Je eher und je schneller man hier aktiv um Aufklärung bemüht ist, desto besser. Daran muss auch Firmenchef Winterkorn ein berechtigtes Interesse  haben, denn bereits nach wenigen Stunden wurden die Diskussionen über seine persönliche Verantwortung an dem VW Desaster immer lauter. Zugegebener Maßen sind die Fragen diesbezüglich nicht ganz unberechtigt. Denn ein Vorgang solchen Ausmaßes im Unternehmen sollte dem obersten Chef bekannt sein. Wenn nicht, dann stellt sich zumindest die Frage nach den Führungsqualitäten und der Kontrolle der nächsten Führungsebene…

Darüber zu spekulieren ob Martin Winterkorn nun seinen Hut nehmen sollte oder nicht halte ich persönlich aber nicht nur für verfrüht sondern schlicht anmaßend. Denn, weder liegen irgendwelche harten und belastbaren Fakten zu dem Skandal auf dem Tisch, noch sind die tatsächlich Verantwortlichen gefunden. Eine Wiederkehr von Firmenpatriarch Piech halte ich somit ebenso für sehr spekulativ und möchte an dieser Stelle gerne mahnend den Finger in Richtung einiger „Autoexperten“ heben, die sich anmaßen hier vorschnelle Urteile zu fällen!

Martin Winterkorn hingegen ist offensichtlich aktiv um Schadensbegrenzung bemüht. Er sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die volle Unterstützung bei der Aufklärung der Vorwürfe zu und versicherte, dass „…alle aktuellen Neufahrzeuge frei von unzulässiger Beeinflussung durch Software oder andere Veränderungen sind!“ Das Kraftfahrtbundesamt ist angewiesen worden bei den VW Dieselmotoren eine entsprechend engmaschige und strenge Prüfung durch unabhängige Gutachter zu veranlassen. Die US Behörden denken indes laut über strafrechtliche Verfolgung, der für diesen Schlamassel Verantwortlichen, nach…

Mein Fazit: Die Vorwürfe gegen VW und die Konzerntochter Audi sind ohne Frage sehr schwerwiegend. Der VW Konzern stellt den Inbegriff der Deutschland AG dar, sprich DAS deutsche Unternehmen schlechthin. Sowohl der Staat und insbesondere das Bundesland Niedersachsen dürften aber ein Interesse daran haben, dass die ganze Geschichte nun höher kocht als unbedingt notwendig. Ich gehe davon aus dass VW ab einem gewissen Punkt somit auch diplomatische und politische Unterstützung erfahren wird. Man wird seitens der Bundesregierung wahrscheinlich nicht untätig zusehen wie einer der größten Arbeitgeber Deutschlands in Schieflage gerät!

Der mögliche Imageverlust der Produkte „Made in Germany“ ist ohnehin schon groß genug. Verlorengegangene Vertrauen muss schnellstmöglich wieder hergestellt werden indem man nicht nur Aufklärungsarbeit betreibt sondern sich umgehend Gedanken darüber macht, wie man den Schaden für den Einzelnen/Kunden wieder beheben kann. Ich selber fahre einen „Clean Diesel“ und bin in diesem Punkt sehr gespannt!

Ich rate an dieser Stelle aber dringen davon ab voreilige Schlüsse zu ziehen. Gestern bereits gelesenen Spekulationen um eine mögliche Pleite des Unternehmens, ob der immensen Strafzahlungen, würde ich eher in die Schublade Sensationspresse legen und diese Blätter oder Seiten künftig meiden. Verunsicherte VW Anleger benötigen jetzt etwas Vertrauen und Ruhe und nicht diese Panikmache. Versuchen Sie als VW, Audi oder Porsche-Aktionär also den medialen Rummel etwas auszublenden, vor allem aber zu filtern. Denken Sie ruhig und besonnen darüber nach ob Volkswagen ein Unternehmen ist dass pleite gehen kann oder wird?! Welchen Wert die Aktie darstellen könnte, auch wenn hohe Strafzahlungen auf das Unternehmen zukommen sollten, und ob Sie gewillt sind diese Krise mit dem Konzern durchzustehen oder nicht? Danach treffen Sie dann Ihre Entscheidung!

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 22. September 2015 | Die Börsenblogger

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