Wunschanalyse E.ON AG

Herzlich Willkommen zur Wunschanalyse von Sharewise in Zusammenarbeit mit Stephan Heibel vom Heibel-Ticker.de Börsenbrief (www.heibel-ticker.de). Für die Chartanalyse haben wir Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com) um seine Meinung gebeten. Unsere Mitglieder haben sich diese Woche eine Analyse der E.ON AG gewünscht.

E.ON AG laut Sharewise.com:

Prognositiertes Kursziel kaufen halten verkaufen
26 Mitglieder Ø 33,09 € 24 2
15 Analysten Ø 35,09 € 11 4 0

E.ON AG (WKN ENA G99, ISIN DE000ENAG999)


Firmenlogo der E.ON AG

1.) Fundamentale Analyse

Diese Woche haben Sie sich also eine Analyse der E.ON AG gewünscht. Hier in der Region Trier ist zwar eher der E.ON Konkurrent Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke AG, kurz RWE AG, tätig und daher wäre eine Analyse der RWE AG mir naturgemäß noch etwas leichter gefallen, aber nun gut – das ist ja nicht Saschas Wunschanalyse, sondern die Sharewise Wunschanalyse und daher ist mir der Wunsch unserer Mitglieder natürlich Befehl. Und somit bekommen Sie heute, wie gewünscht, eine ausführliche Analyse der E.ON AG, wie immer unterteilt in eine fundamentale Analyse des Unternehmens, eine charttechnische Analyse des Aktienkursverlaufes sowie eine sentimenttechnische Analyse der Stimmung zu der E.ON Aktie, sowohl unter den Sharewise Mitgliedern als auch unter den professionellen Analysten.

Unternehmensgeschichte – aus VEBA und VIAG entsteht

Die E.ON AG ist eine im DAX notierte Holding mit Unternehmenssitz in Düsseldorf, die überwiegend im europäischen Gas- und Elektrizitätsgeschäft tätig ist. Sie entstand im Jahre 2000 aus der Fusion beiden zuvor ebenfalls beide im DAX notierten Energiekonzerne VEBA und VIAG. Die Tochtergesellschaft E.ON Energie AG entstand dabei aus der Fusion von PreussenElektra und Bayernwerk.

Übernahme der Ruhrgas AG – gegen das Bundeskartellamt, dank Ministererlaubnis

Im November 2001 meldete die E.ON AG beim Bundeskartellamt die Übernahme einer Mehrheit an der Ruhrgas AG mit Unternehmenssitz in Essen an. Diese wurde zunächst vom Bundeskartellamt abgelehnt, konnte dann aber dank einer Ministererlaubnis doch noch durchgeführt werden. Daraus entwickelte sich in der Folge ein Rechtsstreit, der sich bis zum März 2003 hinzog. Am Ende aber wurde die E.ON AG doch zum alleinigen Eigentümer der Ruhrgas AG – mit einem Marktanteil von ca. 60% im deutschen Gasversorgungsmarkt. Ab 1. Juli 2004 firmierte die Ruhrgas AG dann in E.ON Ruhrgas AG um und wurde so auch nach außen zu einem Teil des E.ON-Konzerns.


                               CEO der E.ON AG, Wulf Bernotat

Desinvestitionen – konsequente Fokussierung auf die Tätigkeit als Energieversorgungsunternehmen

Seitdem hat die E.ON AG sich konsequent von allen Beteiligungen, die nichts mit dem Kerngeschäft Gas und Energie zu tun haben, getrennt. So wurde der Mobilfunkbereich VIAG Interkom an die British Telecom (heute: O2) verkauft. Und auch von dem österreichischen Mobilfunkanbieter one, dem überregionalen Wasserversorger Gelsenwasser AG (durch Verkauf an die Stadtwerke Bochum und Dortmund) und der Immobiliengesellschaft Viterra hat man sich getrennt. Im Gegenzug erwarb E.ON jedoch zahlreiche Beteiligungen an den nun privatisierten Energieversorgungsunternehmen in Osteuropa. Mit dem Verkauf von Ruhrgas Industries im zweiten Quartal 2005 bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der E.ON AG, Wulf Bernotat, schließlich den Umbau der E.ON AG zu einem „lupenreinen Energieversorgungsunternehmen“ als nahezu abgeschlossen. Zum 1. Juni 2004 hat E.ON 97,5% der Anteile an der Degussa an die RAG verkauft. Diese hatte man im Zuge der Ruhrgas Übernahme mitübernommen. Bis zum Frühjahr 2006 übernahm die RAG dann auch die restlichen von E.ON gehaltenen bzw. in Streubesitz befindlichen Anteile an der Degussa und wollte diese dann zum Standbein für den ursprünglich für 2007 geplanten RAG-Börsengang machen. Auf diese Weise wurden die Auflagen im Rahmen der Ministererlaubnis des Staatssekretärs Alfred Tacke unter Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) zur Übernahme von Ruhrgas bis Mitte 2007 umgesetzt.

Durch diese zahlreichen Desinvestitionen sowie durch die langjährigen Gewinne verfügte die E.ON AG über einen hohen Barmittelbestand von zum Teil mehr als 16 Mrd. Euro. Dieser, sowie der ebenfalls hohe freie Cash Flow führten immer wieder zu Spekulationen um eine bevorstehende größere Übernahme. Schließlich wollte E.ON auch zuschlagen und bot 570 Pence je Aktie zur Übernahme des britischen Energieunternehmens Scottish Power, was das Unternehmen mit ca. 18 Mrd. Euro bewertete. Dieser Übernahmeversuch scheiterte jedoch, was umso erstaunlicher war, da man eigentlich davon ausging, dass E.ON das Übernahmeangebot notfalls erhöhen würde, wogegen sich das E.ON Management jedoch standhaft weigerte und dafür viel Lob von Anlegern und Analysten bekam.

In der Folge gab es dann jedoch immer wieder Forderungen, dass E.ON seine hohen Barmittelbestände in Form einer Sonderdividende ausschütten solle, was jedoch ebenfalls vom Management zurückgewiesen wurde. E.ON befindet sich daher bis heute in einer finanziell exellenten Position, denn der Cashbestand liegt im zweistelligen Milliardenbereich, so dass dieser alleine schon fast die Hälfte der Nettoverschuldung des Konzerns abdeckt. Ferner schreibt die E.ON AG Jahr für Jahr Milliardengewinne – alleine der operative Cash Flow liegt derzeit bei fast 10 Mrd. Euro – so das es wohl keinerlei Probleme bei der Refinanzierung geben dürfte. Zumal die E.ON AG trotz ihrer bereits beachtlichen Größe immer noch Wachstumsraten von bis zu 10% beim Umsatz und Gewinn vorweisen konnte bzw. kann.


Hauptquartier der E.ON AG in Düsseldorf

Atomausstieg durch die rot-grüne Bundesregierung, (k)ein Problem für E.ON?

Allerdings ist auch bei der E.ON AG nicht alles Gold was glänzt. So produziert der Konzern derzeit etwa 50% seines Stroms mit Hilfe der Kernenergie und die rot-grüne Bundesregierung hat ja für Deutschland einen Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, was bis heute gültig ist. Somit sind hier ggfs. hohe Investitionen in neue Kraftwerke nötig. Und auch die nordeuropäische Gaspipeline durch die Ostsee ist ein Projekt, dass E.ON zunächst einmal Milliarden kosten dürfte. Es gibt hier jedoch durchaus Hoffnung für den Konzern, denn unter einer bürgerlichen Bundesregierung, so diese denn nach der nächsten Bundestagswahl im Herbst diesen Jahres zustande käme, könnte der beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie durchaus rückhängig gemacht werden, zumal die Kernenergie derzeit weltweit eine Renaissance feiert. Meine Meinung hierzu ist etwas zwiegespalten, denn einerseits sehe ich durchaus die Gefahren der Kernenergie (man denke nur an die Katastrophe von Tschernobyl), andererseits aber dürften deutsche Kernkraftwerke sicherer sein als die derzeit in China, Indien und sonstwo auf der Welt geplanten neuen Kernkraftwerke. Und klimafreundlich sind Kernkraftwerke (im Bezug auf den CO2 Ausstoß) wohl allemal.

Gescheiterter Übernahmeversuch von Endesa in Spanien

Seit der Fusion von VEBA und VIAG zur E.ON AG im Jahr 2000 hat sich die Mitarbeiterzahl des Unternehmens von zuvor ca. 200.000 Beschäftigte auf aktuell ca. 78.000 Beschäftigte natürlich deutlich reduziert. Diese hätte sich jedoch zuletzt fast wieder deutlich erhöht, denn die E.ON AG versuchte die spanische Endesa zu übernehmen. Dazu legte man ein Kaufangebot über 27,50 Euro je Aktie vor und überbot den Konkurrenten Gas Natural um 20%. Der Übernahmeversuch scheiterte jedoch, auch aufgrund der spanischen Regierung. Wäre die Übernahme gelungen, so wäre damit der zum damaligen Zeitpunkt weltweit größte Energieversorgungskonzern mit etwa 50 Mio. Kunden, 75 Mrd. Euro Umsatz sowie 107.000 Beschäftigten entstanden.

Bewertung der E.ON Aktie

Die derzeitige Marktkapitalisierung von E.ON liegt bei etwa 40 Mrd. Euro. Demgegenüber steht ein Umsatz im Jahr 2007 in Höhe von ca. 70 Mrd. Euro sowie ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von über 9 Mrd. Euro. Im Geschäftsjahr 2008 dürfte E.ON nicht ganz so gut abgeschnitten haben, alleine schon weil man kürzlich eine Abschreibung von mehr als 3 Mrd. Euro auf übernommene Unternehmen sowie das US-Geschäft ankündigen musste. Nichtsdestotrotz dürfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern knapp 10 Mrd. Euro betragen. Ferner reagierte der Konzern auf die aktuelle Krise mit einem Sparprogramm über 1,5 Mrd. Euro bis 2011, was sicherlich positiv zu werten ist. Für das Geschäftsjahr 2008 will E.ON daher auch die Dividende auf 1,50 Euro je Aktie erhöhen, woraus sich eine Dividendenrendite von mehr als 7% errechnen lässt.

Ein KUV von etwas über 0,5, ein KGV von etwa 6, eine Dividendenrendite von über 7%, hohe Cashbestände sowie ein gigantischer operativer Cash Flow, so dass es keinerlei Refinanzierungsprobleme geben dürfte, eine Aktie, die sich in den letzten Monaten im Kurs halbiert hat, ein bestens aufgestelltes, klar fokussiertes Unternehmen und ein selbst in den aktuellen Krisenzeiten sehr sicheres Geschäft (denn Energie wird immer gebraucht, egal ob nun gerade Rezession ist oder der größte Wirtschaftsboom vorherrscht). Gibt es ein Unternehmen, dass aus fundamentaler Sicht ein klarerer Kaufkandidat sein könnte als die E.ON AG? Ich glaube nicht und somit kann die fundamentale Bewertung auch nur auf STRONG BUY lauten… aber das ist ja noch nicht alles!

Quellenverzeichnis: Die Unternehmensgeschichte der E.ON AG wurde auszugsweise entnommen bei: http://de.wikipedia.org/wiki/E.on

2.) Charttechnische Analyse

Die Chartanalyse wird in Zusammenarbeit mit Christian Kämmerer (www.TA4YOU.com) erstellt:

E.ON AG – erreicht maßgebliche Unterstützungszone

Einleitung:
Wie aus den letzten Analysen bekannt, möchte ich heute wieder mit einem so bezeichneten „Big Picture“ starten, was konkret bedeutet, dass ich mir den Chart von E.ON aus größerer Entfernung in Form eines 10-Jahrescharts betrachte um so mögliche Unterstützungs- und Widerstandszonen definieren zu können. Dem folgend ergänze ich dann diesen 10-Jahreschart mit einem 1-Jahreschart, um so Ableitungen zur zukünftigen Entwicklung anhand zweier Szenarien zu skizzieren. Hintergrund der Szenarien ist die Tatsche, dass die Technische Analyse nicht statisch ist und es sich zudem um eine Momentaufnahme handelt. Im Grunde müsste jedes Verhalten der Aktie fortlaufend kommentiert werden. Um dies zu vermeiden gebe ich daher dem Chart die Chance sich zu entwickeln und folglich entsprechende Szenarien abzuarbeiten.

E.ON AG, Chart, 10 Jahre

Zum 10-Jahreschart:
Der heutige Big Picture Chart stellt in beeindruckender Art und Weise die noch immer anhaltende Korrekturbewegung von E.ON seit Januar 2008 dar. Unter Berücksichtigung der erfolgten Aktiensplits markierte die E.ON Aktie am 10. bzw. 11. Januar 2008 ihr vorläufiges Allzeithoch mit Kursen um 51,35 Euro. Seither kennt die Aktie nur einen Weg und dieser führt (welch Überraschung an dieser Stelle) leider nicht Richtung Norden, sondern entgegengesetzt in Richtung Süden mit erst gestern neu markierten Jahrestiefstkursen im Bereich um 20 Euro. Interessant ist hierbei die Tatsache, dass E.ON derzeit exakt im Bereich einer maßgeblichen Unterstützungszone sowie dem 61,8%-Fibonacci-Retracement des Kursverlaufs der vergangenen 10 Jahre notiert. Eine alte und dennoch weise Börsenregel lautet zwar: „Greife nie in ein fallendes Messer!“, dennoch erscheint die aktuelle Chartkonstellation durchaus interessant für – zum einen – kurzfristig spekulative Trader sowie durchaus auch für mittel- bis langfristig ausgerichtete Anleger.

E.ON AG, Chart, 1 Jahr

Zum 1-Jahreschart und Fazit:
Chance/Risiko-Verhältnis: 70/30 – unter Berücksichtigung des spekulativen Charmes, gebe ich der Aktie aus heutiger Sicht die Chance eine Bodenbildung im Bereich um 20 Euro zu vollziehen. Im Falle eines weiter nachgebenden DAX bis zum nächsten Unterstützungslevel im Bereich um 3.600 Punkte sind zwar bei E.ON durchaus Kurse unterhalb von 20 Euro denkbar, sofern jedoch das 20-Euro Niveau auf Wochenschlusskursbasis gehalten werden kann, erschließt sich durchaus die Möglichkeit einer Gegenbewegung bis 24 und folglich 29 Euro. Stop-Loss bei 15,95 (aufgrund der noch immer anhaltenden Volatilität bewusst etwas weiter gesetzt).

LONG Szenario:
E.ON vollzieht die Stabilisierung im Bereich um 20 Euro und liefert unter Berücksichtigung eines stabilen Marktumfeldes kurz- bis mittelfristiges Aufwärtspotenzial bis zur tertiären Abwärtstrendlinie im Bereich um 24 sowie bis zur sekundären Abwärtstrendlinie im Bereich von ca. 29 Euro. Ein Tages- bzw. Wochenschlusspreis oberhalb von 30 Euro eröffnet der Aktie die Chance zur Beendigung der Korrekturbewegung mitsamt Kursen oberhalb von 38 Euro.

SHORT Szenario:
Die mögliche Stabilisierung im Bereich von 20 Euro vollzieht sich nicht und stattdessen wird mit einem weiteren Kursrutsch unter die Region von 18,90 Euro zusätzliches Rückschlagspotenzial bis zunächst etwa 16,20 Euro generiert. Unterhalb von 16 Euro per Tages- bzw. Wochenschlusskurs werden die Verlustschleusen weiter geöffnet und Kurse nahe dem Allzeittief aus dem Jahr 2003 im Bereich von 11 bis 12 Euro sollten unabwendbar auf die Agenda rücken.

© Christian Kämmerer

Die dargestellten Charts wurden mit TradeSignal -Webedition- erstellt.

Technische Analyse für Ihre gewünschten Werte unter: www.TA4YOU.com
TA4YOU bietet individuelle und exklusive Chartanalyse für Ihre Wunschwerte.

Haftungssauschluss:
Die vorgestellten Szenarien dienen lediglich der Information und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar. Jedes Geschäft mit Derivaten und sonstigen Finanzprodukten ist mit entsprechenden Risiken behaftet. Eine Haftung für Vermögensschaden wird nicht übernommen. Jeder Anleger handelt auf eigenes Risiko.

3.) Sentimenttechnische Analyse

Fundamental erscheint die E.ON Aktie stark zu sein, charttechnisch mag sie etwas angeschlagen sein, aber bietet nach Auffassung meines Kollegen Christian Kämmerer zumindest etwas Hoffnung auf eine Kurserholung. Aber schauen wir uns mal das Sentiment an.

Dieses ist heute, da die E.ON AG ein vielbeachteter DAX Titel ist, sehr aussagekräftig. So haben wir heute sage und schreibe 26 Empfehlungen unserer Mitglieder sowie 15 Empfehlungen der professionellen Analysten. Und unter diesen insgesamt 41 Empfehlungen gibt es ganze zwei Verkaufsempfehlungen. So sagen 24 Mitglieder „kaufen“ und eben nur zwei „verkaufen“ und bei den Analysten sieht es ähnlich aus. Hier empfehlen 11 Analysten die Aktie zum Kauf, 4 sagen „Halten“ und keiner sagt „Verkaufen“.

Und auch beim Kursziel sind sich Mitglieder und professionelle Analysten weitestgehend einig. So sehen die Sharewise Mitglieder ein durchschnittliches Kursziel von 33,09 Euro und die Analysten sogar ein durchschnittliches Kursziel von 35,09 Euro. Unter der Berücksichtigung, dass die E.ON Aktie heute bei knapp über 20 Euro notiert, wäre das selbst im schlechteren der beiden Fälle, sprich bei Erreichung der 33,09 Euro, ein Kurspotential von mehr als 60% vorhanden und das bei einem DAX Wert!

Wenn Sie dies alles lesen, so wissen Sie schon wie die Stimmung zu der E.ON Aktie derzeit aussieht, nämlich mehr als positiv. Und wie wir wissen, ist dies okay, solange denn auch der Kursverlauf der Aktie zuletzt positiv war. Doch davon kann bei E.ON, siehe auch die Chartanalyse von Herrn Kämmerer, ja absolut keine Rede sein. So hat die E.ON Aktie ja alleine seit dem 1. Januar 2009, um die 30% an Wert verloren. Und gegenüber ihrem Allzeithoch Anfang 2008 hat sie sogar mehr als 50% verloren.

Wir haben hier also den klassischen und sehr kritischen Fall einer Aktie, die sich zuletzt mehr oder weniger im freien Fall befand und zu der die Stimmung trotzdem erstklassig ist. Das ist nicht nur ein Warnzeichen, sondern schlimmer geht es eigentlich nimmer. Denn positiv gestimmt zu einer Aktie sind ja in der Regel diejenigen, die diese Aktie bereits in ihrem Depot haben, wohingegen negativ gestimmt diejenigen sind, die die Aktie noch nicht haben und ggfs. kaufen wollen. Dies würde aber bedeuten, dass die E.ON Aktie derzeit in vielen Depots bereits vorhanden ist und es wohl eher wenige potentielle Käufer gibt, die es aber wiederum benötigen würde damit die Aktie steigen kann.

4.) Zusammenfassung

Die Zusammenfassung wird sie heute sicher überraschen, denn nach einer eher positiven fundamentalen Einschätzung sowie einer auch leicht positiven charttechnischen Einschätzung von Herrn Kämmerer bei einer kontraindikativ eher negativen Einschätzung des Sentiments, würden sie wohl mindestens eine Hold Empfehlung von mir zu der Aktie von E.ON erwarten. Doch dem wird heute nicht so sein… vielmehr habe ich einen „Fahrplan“ für die E.ON Aktie entwickelt, den ich Ihnen gleich vorstellen werde!

Fundamental und damit langfristig, da gibt es keinerlei Zweifel, wäre E.ON schon jetzt ein Kaufkandidat. Charttechnisch sieht das aber schon wieder ein klein wenig anders aus. Klar, E.ON ist auf eine starke Unterstützung zurückgefallen und die kurzfristige Hoffnung auf einen „Rebound“, die Herr Kämmerer zum Ausdruck bringt, mag berechtigt sein. Aber was kommt danach?

Wenn ich mir den DAX ansehe, so stelle ich nüchtern fest, dass dieser zuletzt unter die wichtige Marke von 4.000 Punkten gefallen ist und damit ein Verkaufssignal generiert hat. Zwar besteht, wie es ja auch Herr Steffens hier auf Sharewise beschrieb, durchaus noch die Möglichkeit eines „False Break“, aber diese Möglichkeit ist mir derzeit zu vage, als dass ich darauf eine Spekulation aufbauen möchte. Und sollte der DAX, wie es Herr Kämmerer ja richtig andeutete, womöglich noch bis auf 3.600 Punkte oder gar tiefer fallen, so sehe ich auch eine E.ON Aktie unter 20 Euro. Oder um es mit den Worten meines Kollegen, Herrn Heibel, zu formulieren: Fundamental mag E.ON bereits jetzt ein Kaufkandidat sein, aber die derzeitige Börsensituation ist alles andere als normal und daher ist nach unten hin zur Zeit wohl auch weiterhin alles möglich.

Und besonders die E.ON Aktie dürfte bei einem weiter fallenden DAX zu den Verlierern gehören. Nicht, nein ganz sicher nicht, weil E.ON schlecht wäre, aber weil diese Aktie derzeit noch in vielen Depots zu sein scheint und sich daher noch viele Anleger von dieser Aktie trennen können und bei weiter fallenden Kursen wohl auch werden. Und die positiven Einschätzungen der Analysten zeigen dabei, dass dies nicht nur für die privaten Kleinanleger, sondern ganz besonders auch für die institutionellen Anleger, die E.ON (eigentlich ja zu Recht) als ein Basisinvestment ansehen, gilt.

Daher stufe ich, zumal das Datenmaterial zur E.ON Aktie ja alles andere als „dünn“ ist, die Sentimentanalyse als sehr, sehr wichtig ein. Und die Sentimentanalyse zeigt nunmal eine „superbullishe“ Stimmung zu der Aktie, die absolut nicht zum Kursverlauf zuletzt passen will.

Ich erwarte daher folgenden Kursverlauf: Ganz kurzfristig, also auf Sicht von wenigen Tagen, sollte die E.ON Aktie nach dem Aufprall auf der wichtigen Unterstützung bei 20 Euro etwas steigen können, maximal bis etwa 24/25 Euro. Dann aber erwarte ich eine Fortsetzung des unverändert intakten Abwärtstrends unter die 20 Euro Marke. Das Kursziel auf Sicht von einigen Wochen liegt dabei zwischen 15 und 16 Euro. Und je nachdem wie tief es im DAX noch gehen mag, wären durchaus noch Kurse von 12 Euro möglich, so dass der von Herrn Kämmerer vorgeschlagene Stoppkurs auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte.

Langfristig hingegen, davon bin ich genauso wie Warren Buffett überzeugt, setzen sich immer die Fundamentaldaten bei einer Aktie durch. Natürlich wäre es besser zu 16 Euro oder im Extremfall sogar 12 Euro einzusteigen, aber auf lange Sicht ist der Kaufkurs fast egal, denn die Aktie dürfte in einem normalisierten Markt weit höher als 20 Euro notieren. Ja selbst alte Kurshöhen von über 50 Euro wären dann wieder drin und wenn Sie als Anleger in 5 Jahren 50 Euro für eine E.ON Aktie bekommen, ist es Ihnen sicherlich fast egal ob Sie nun zu 12 Euro, 16 Euro oder 20 Euro eingestiegen sind, zumal man das absolute Tief sowieso niemals erwischt.

Die Einschätzungen zur E.ON Aktie lauten daher auf TRADING BUY, SHORT TERM SELL und LONG TERM BUY. Dabei liegen die Kursziele bei kurzfristig erstmal 24/25 Euro, in der Folge bei 16 Euro (wenn nicht sogar 12 Euro) und auf lange Sicht in normalisierten Märkten bei mindestens 40 Euro. Diesen „Fahrplan“ würde ich dann und nur dann ändern, wenn die weltweiten Leitindizes wie der Dow Jones und besonders der DAX ihre Abwärtsbewegung beenden sollten, was dann auch zu einer Beendigung des Abwärtstrends bei E.ON führen dürfte. Dazu notwendig wäre jedoch ein DAX von über 5.000 Punkten (ja, Sie lesen richtig, 5.000 Punkte und nicht 4.000 Punkte), was dann wohl auch einen E.ON Kurs von über 30 Euro implizieren würde. Wie Sie feststellen können, gehe ich also in der Chartanalyse mit Herrn Kämmerer absolut konform, nur bin ich deutlich pessimistischer was die weitere Entwicklung angeht und möchte nicht wie Herr Kämmerer so stark auf das „Prinzip Hoffnung“ setzen… denn ein Verkaufssignal, wie wir es zuletzt im DAX gesehen haben, ist nun einmal ein Verkaufssignal! Und das E.ON sich entgegengesetzt zum DAX entwickelt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen…

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