Was ist ein Schnelltender, und wie funktioniert`s?

Der Schnelltender ist ein seit Jahrzehnten bewährtes Instrument der Offenmarktpolitik, dessen sich die Zentralbanken zur geldpolitischen Feinsteuerung bedienen. Dabei handelt es sich um Kurzfristkredite. Mit einem schnellen Tender (englisch für „Ausschreibung“, „Angebot“) können im Gegensatz zum regelmäßig durchgeführten Haupt- oder Basistender Liquiditätsschwankungen besonders rasch ausgeglichen und dem Markt Geld zugeführt oder überschüssige Liquidität abgeschöpft werden.

Wann wird er eingesetzt?
Immer dann, wenn es zu unerwarteten Liquiditätsschwankungen kommt, beispielsweise in Krisenzeiten, wenn die Banken kein Vertrauen mehr in ihr Gegenüber haben und immense Risikoaufschläge verlangen. Dann schnellen die Zinssätze für Tagesgeld, also sehr kurzfristige Kredite, die oft von großen Konzernen und Banken genutzt werden, in die Höhe. Normalerweise liegen sie knapp über dem jeweils aktuellen Leitzinsniveau. Für viele Investoren und Banken wird es dann schlichtweg zu teuer, sich mit ausreichend Liquidität zu versorgen. So hatte im August 2007 die Angst vor faulen Krediten in überall auf der Welt verteilten Anleihepaketen den Geldmarkt kurzfristig „ausgetrocknet“: Die Zinsen für Tagesgeld waren damals von 4,1 auf 4,6 Prozent geschossen.

Wer bekommt das Geld?
Die Zuteilung bei einem Tenderverfahren ähnelt einer Auktion. Die Zentralbank kann die Vergabe auf eine bestimmte Zahl von Kreditinstituten begrenzen und legt auch die Konditionen fest, zu denen sie die Finanzmärkte mit frischem Geld versorgen oder überschüssige Liquidität abziehen will. Soll Geld abgegeben werden, bietet die EZB Geld zu einem Mindestsatz an, in der Regel in Höhe des Leitzinses. Banken und Sparkassen können dann ihre Gebote dafür abgeben. Nach Ablauf der Angebotsfrist teilt die Zentralbank so lange Geld zu, bis der Gesamtbetrag erreicht ist, den sie als Liquidität in den Markt pumpen will. Dabei kommt diejenige Bank als erstes zum Zuge, die den höchsten Zinssatz bietet.

Wie werden die Gebote abgegeben?
Fast wie bei Ebay. Seit November 2005 nutzt die EZB das „OffenMarkt Tender Operations-System“ (OMTOS) für die Durchführung von Offenmarktgeschäften wie etwa eines Schnelltenders. Die Bieter geben ihre Gebote auf einer Java-basierten Online-Plattform ab, die mit User-ID und Passwort geschützt ist. Im Gegensatz zu Auktionen bei Ebay können sie ihre Gebote jederzeit einsehen, ändern oder löschen – bis zum Ablauf der Gebotsfrist. Dann werden sie umgehend über die Zuteilungsergebnisse informiert.

Wie schnell geht die Geldzuteilung?
Kommt darauf an, wie schnell die Geschäftsbanken das frische Geld bekommen sollen. Je nachdem gibt es eine kürzere oder längere Frist von der Ankündigung eines Tenders bis hin zu dessen Abwicklung: Bei einem Schnelltender sind es in der Regel nur 90 Minuten. Dagegen wird ein Standardtender innerhalb von 24 Stunden durchgeführt.

Wann ist Zahltag?
Doch das ist alles nur geliehen: Genau das Geld, das die Notenbanken zuvor den Geschäftsbanken zu günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt hatten, muss nach Ablauf einer bestimmten Frist wieder zurückgezahlt werden; die Geschäfte werden rückabgewickelt. Bei einem Schnelltender muss auch die Rückzahlung des zugeteilten Geldes sehr schnell erfolgen, oftmals beträgt die Laufzeit für einen solchen Offenmarktkredit der EZB nur einen Tag: Die Papiere valutieren zum Beispiel am Montag und verfallen bereits wieder am Dienstag.

Und wie entzieht die Notenbank dem Markt Geld?
Um überschüssige Liquidität aus dem Markt abzuschöpfen, bedient sich die Notenbank ebenfalls eines Schnelltenders und bietet Zinsen über dem gerade üblichen Niveau an. Geschäftsbanken und Sparkassen geben ihre Gebote ab. Bei der Zuteilung werden die Gebote mit den niedrigsten Zinsen zuerst berücksichtigt.

Quelle: boerseARD

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