Völlig aussichtsloses Gezocke bei Escada..

Um die Escada Story abzuschließen bevor der Kurs irgendwann wohl dahin geht wo er hingehört hier der aktuelle Kommentar von Engelbert Hörmannsdorfer, Chefredakteur und Mitherausgeber Herausgeber des Börsenbriefs BetaFaktor zu dem Thema: Was Fehlinterpretationen, journalistisch falsch kommentierte Meldungen kombiniert mit einem Herr von Shortsellern auslösen können, konnten Sie Anfang der Woche am Kursverlauf der Escada-Aktien beobachten: Nach dem Einstieg des indischen Milliardärs Mittal mittels eines Asset-Deals – er kaufte die meisten wesentlichen Aktiva aus der Insolvenz heraus! – schoss die Aktie im Hoch bis auf 2 EUR! Das entsprach einem Börsenwert von 42 Mio. EUR – wohlgemerkt: für einen völlig wertlosen und überschuldeten Börsenmantel. Shortseller die die Situation korrekt analysierten, mussten trotzdem reihenweise auf erhöhtem Niveau eindecken.

Nicht ganz unschuldig waren die Finanzmedien, die nicht konsequent genug herausstellten, dass die Aktionäre in dieser Konstellation verloren sind. Hinzu kam eine unglücklich interpretierte Aussage des Insolvenzverwalters. Dieser sagte, dass für die Anleihegläubiger noch eine separate Lösung gefunden werden müsse. Gemeint waren einige Vertriebsgesellschaften von Escada, die Mittal gerne haben wollte aber noch nicht kaufen konnte. Denn sie sind Garantiegeber der 200-Mio.-EUR-Anleihe. Zuvor muss also ein Deal mit den Bondholdern her.

Völlig unabhängig davon geht aber kein Cent der wohl rund 80 Mio. EUR, die Mittal für Escada hinblätterte, an die Aktionäre. Neben den Anleihegläubigern gibt es noch zahlreiche andere, darunter Banken und die Arbeitsagentur (Insolvenzgeld!). Die Quote für die Anleihe sieht inzwischen eher nach unter 20% aus, wobei man abwarten muss, was Mittal für die Vertriebsgesellschaften als Angebot unterbreitet.

Die Aktie könnte nur mittels Insolvenzplan noch mal etwas werthaltig werden. Das ist aber extrem unwahrscheinlich. Mittal selber hat bestimmt kein Interesse daran, sich mit vergrätzten deutschen Aktionären auf Hauptversammlungen herumzuschlagen, zumal er den Fokus deutlich auf Internationalisierung legen wird. Ob eine »neue« Escada überhaupt jemals wieder an die Börse gehen wird ist fraglich. Selbst die jetzige Marktkapitalisierung von rund 27 Mio. EUR ist noch hoffnungslos zu viel für den überschuldeten Börsenmantel. Der Höllenritt der Escada-Aktie vergangene Woche dürfte jedenfalls für Deutschlands Short-Seller als Mini-Volkswagen-2.0-Desaster in die hiesige Börsengeschichte eingehen.

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