Stoppt den Wahnsinn!!!

Die US-Investmentbank Morgan Stanley macht kurzfristig orientierte Spekulanten für den Kurseinbruch ihrer Aktien verantwortlich. „Wir stecken mitten in einem Markt, der von Angst und Gerüchten geprägt ist“, erklärte Vorstandschef John Mack in einem in der Nacht zu Donnerstag bekanntgewordenen internen Schreiben. „Investoren, die mit ungedeckten Leerverkäufen auf Kursverluste setzen, treiben derzeit unsere Aktien herunter.“ Solche so genannte Short Seller verkaufen mehr Aktien als sie besitzen. Sie hoffen dabei darauf, dass sie sich später zu niedrigeren Preisen eindecken können, wenn sie das Geschäft dann tatsächlich abschließen.

Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte an, die Regeln für Spekulanten wie etwa Hedgefonds zu verschärfen, um Missbräuche zu verhindern. Ab Donnerstag müssen Verkäufer und Broker unter anderem mit dem Abwicklungstermin – drei Tage nach der Kaufvereinbarung – die verkauften Aktien tatsächlich vorlegen. Ansonsten drohen Strafen. „Die neuen Regeln machen sehr deutlich, dass die SEC null Toleranz für den Missbrauch von Leerverkäufen hat“, sagte Aufsichtschef Christopher Cox.

Wegen Befürchtungen, nach dem Kollaps des Rivalen Lehman Brothers könne auch Morgan Stanley vor ernsten Problemen stehen, waren deren Aktien am Mittwoch um 24 Prozent eingebrochen. Die Papiere der anderen verbliebenen US-Investmentbank, Goldman Sachs, stürzten um 14 Prozent ab. Beide Institute hatten zuvor allerdings mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen von Analysten übertroffen. Ein Goldman-Sprecher betonte daher, dass es keine fundamentalen Gründe für den Kursverfall gebe. „Völlig irrationale Ängste“ von Investoren seien vielmehr ausschlaggebend.

„Stoppt den Wahnsinn“, lautet der Titel einer Analystenstudie der Schweizer Großbank UBS zu den jüngsten Kursverlusten in den USA. Die US-Börsen sackten am Mittwoch wegen Ängsten vor weiteren Hiobsbotschaften aus der Finanzbranche so stark ab wie seit den Anschlägen vom 11. September nicht mehr. Morgan Stanley und Goldman hätten eine starke Kapital- und Liquiditätsposition, erklärten die UBS-Experten. Zudem hätten beide ihre Risikopapiere deutlich reduziert und die Refinanzierung über Monate gesichert. Es gehe letztlich um das richtige Risikomanagement, betonte die Schweizer Großbank. Eine erzwungene Fusion mit einer größeren Bank sei nicht die geeignete Lösung. Morgan Stanley hat kürzlich Finanzkreisen zufolge unter anderem mit der US-Bank Wachovia über einen Zusammenschluss gesprochen.

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