Non-Farm Payrolls: Warum ist der US-Arbeitsmarktbericht so wichtig für die Finanzmärkte?

Die New Yorker Wall Street und die übrigen Finanzzentren der Welt erleben eine der turbulentesten Wochen seit langer Zeit. Mit der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag und der Bekanntgabe der US-Arbeitsmarktdaten stehen gleich zwei Großereignisse bevor. Der am Wochenende veröffentlichte chinesische Einkaufsmanagerindex deutet erneut stark auf ein langsameres Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte hin, und über allem hängt nach wie vor das Damoklesschwert eines möglichen russischen Militärschlags gegen die Ukraine.

Die Veröffentlichung des amerikanischen Arbeitsmarktberichts ist normalerweise das unangefochtene Highlight einer Handelswoche. Jeden ersten Freitag des Monats gibt das US-Arbeitsministerium die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft („non-farm“) für den vergangenen Monat bekannt, sowie die Arbeitslosenquote, die durchschnittlichen Stundenlöhne und die im Durschnitt geleistete Wochenarbeitszeit. Die Daten gelten als zuverlässiger Indikator für die Wirtschaftslage in den USA, sowohl in puncto Industrieproduktion als auch einzelner Wirtschaftszweige sowie persönlicher Einkommen.

Die Reaktion der Märkte hängt vor allem aber davon ab, ob und wie stark die Daten von den Erwartungen abweichen, und ob diese Abweichung nach oben oder nach unten zeigt. Grob vereinfacht bedeutet dies, dass die Kurse umso mehr steigen, je näher die Zahlen am erwarteten Wert liegen, und fallen, je breiter sie daran vorbeischießen. Ganz so einfach ist dies zwar natürlich nicht, aber bei genauerer Betrachtung – und unter Berücksichtung der Tatsache, dass planbare Marktereignisse immer bereits eingepreist sind – sind die Zusammenhänge durchaus logisch.

Die Arbeitslosenquote beispielsweise ist ein zuverlässiger Indikator für die Gesamtwirtschaftslage, und wird von der US Notenbank Federal Reserve sorgfältig überwacht. Sinkt die Quote unterhalb der magischen 5%-Grenze, lässt ein Anstieg der Inflationsrate meist nicht lang auf sich warten, da Unternehmen für eine qualifizierte Belegschaft tiefer in die Tasche greifen müssen und die Mehrkosten dann auf ihre Abnehmer abwälzen. Wenn die Arbeitnehmer im Gegenzug höhere Gehälter fordern (besonders, wenn die Wirtschaft sich der Vollbeschäftigung nähert), verstärkt sich der Effekt, makroökonomisch als „Lohnpreisspirale“ bekannt, noch weiter.

Aufgeschlüsselt nach Sektoren kann die Anzahl neugeschaffener Stellen den Finanzmarktteilnehmern Hinweise geben, welche Industriezweige auf Wachstum ausgerichtet sind. Verzeichnet beispielsweise der Gesundheitssektor einen überdurchschnittlich hohen Zuwachs an Arbeitsstellen, ist davon auszugehen, dass Aktien von Pharmaunternehmen und Versicherern zu den Nutznießern gehören.

Am Freitag wird das US-Arbeitsministerium um 14:30 MEZ die Zahlen für den vergangenen Februar bekanntgeben. Die Analysten der Commerzbank erwarten, rund 150.000 neue Stellen, nach 113.000 im Januar. Hinsichtlich der Arbeitslosenquote rechnet man gegenüber dem Januar mit einer unveränderten Rate von 6,6 Prozent.

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