Nach der Krise ist vor der Krise

Die Lehman Pleite ist nun bereits ein Jahr her und die Banken haben offensichtlich nicht viel dazu gelernt. Zurück in den alten Verhaltensmustern der spekulativen Geschäfte, hohen Renditen und überzogenen Boni kann man sagen das die Krise wohl nicht heftig genug ausgefallen ist und es den Bankhäusern in jedem Falle zu leicht gemacht wurde sicht davon wieder zu erholen. Die Lehman-Pleite und ihre Folgen haben das Vertrauen in die Banken erschüttert. Banker werden schon als „Bangster“ verhöhnt. Früher, weiß Andreas Treichl, Chef der Ersten Bank aus Österreich, sei Banker einer der angesehensten Berufe gewesen – heute liege der Ruf auf dem Niveau von Politikern. Deshalb forderte HSBC-Verwaltungsratschef Stephen Green in Frankfurt „eine neue Wertvorstellung“ der Banken. “ Sprich: eine neue Moral. „Moralisches Handeln in unserer Branche ist nicht nur möglich, sondern notwendig“, forderte Goldman-Sachs-Direktor Alexander Dibelius.

Denn die nächste Krisenwelle kommt bestimmt. Zwar meinte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein auf der Banken-Konferenz in Frankfurt, „das Schlimmste in dieser Krise ist überstanden“. Doch die Krise könnte in den nächsten Monaten an anderer Stelle zuschlagen: im Kreditgeschäft. Viele Unternehmen und Privatleute werden bald ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Deutschen Geldinstituten drohen Ausfälle von 120 Milliarden Euro bis 2011, prophezeien Experten. Dazu kommt dann automatisch auch noch eine weitere Korrektur der Immobilienpreise, zumindest in den USA. Dieser Coktail könnte dann noch einmal brandgefährlich werden. Das Gute an der Sache wäre dann aber vielleicht doch das die Politik sich etwas mehr um die Reglementierung der Finanzgeschäfte von Banken kümmern müsste…

Schließlich hat die Finanzkrise die Bankenlandschaft, insbesondere die Landschaft der Privatbanken gründlich umgekrempelt. Von den großen Playern sind inzwischen nur noch zwei übriggeblieben, die Deutsche Bank und die Commerzbank. Als neuer Mitspieler mischt der Staat mit – bei der Commerzbank ist der Bund zu einem Viertel beteiligt, bei der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) gar zu 90 Prozent. In der Not ist der Staat als Retter eingesprungen. 480 Milliarden Euro stellte er für das Banken-Hilfspaket bereit.

„Wir sind eigentlich heute da, wo wir vor der Krise standen“, gab Deutschlands mächtigster Banker Ackermann auf der Banken-Tagung in Frankfurt zu. Das heißt: Nach der Krise ist vor der Krise. Deutlichere Worte findet Bankenexperte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. „Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisiert er. Bis heute gebe es weder eine effiziente Aufsicht noch die Konsolidierung bei den Landesbanken, die sich mit Schrottpapieren verspekulierten. Die Eitelkeiten von Landespolitikern und Verbandsfürsten haben Fusionen maroder Landesbanken verhindert.

Kommentar verfassen

Top