MAN Kurs leidet unter VW Führung! Wählt Piëch ab!

Kommentar VW-Lenker Ferdinand Piëch hat im Alleingang drei der fünf MAN-Vorstände abgesägt. Das sollten ihm seine Kollegen im Aufsichtsrat des Lastwagenbauers nicht durchgehen lassen. von Angela Maier, Financial Times Deutschland:

Was VW-Patriarch Ferdinand Piëch derzeit bei MAN veranstaltet, ist auch auf den zweiten Blick kaum zu glauben. Da bestellt ein Aufsichtsratschef ein paar seiner Vorstände an seinen privaten Wohnsitz nach Salzburg ein, um ihnen zu eröffnen, dass sie bei ihrem Unternehmen keine Zukunft mehr haben. Die Betroffenen wissen: Gegen einen Piëch an seinem Posten festhalten zu wollen wäre blanke Selbstvernichtung. Jeder, der das täte, müsste auch noch öffentliche Diffamierung fürchten. Und so gehen drei Manager binnen einer einzigen Woche: Vorstandschef Hakan Samuelsson, Finanzvorstand Karlheinz Hornung, Lkw-Vorstand Anton Weinmann.

Das eigentlich Ungeheuerliche dabei ist: Es handelt sich hier nicht um eine Würstelbude, sondern um den Dax-Konzern MAN. Ein Unternehmen mit weltweit 48.000 Mitarbeitern, das im vergangenen Jahr sein 250-jähriges Bestehen feierte – mit viel Prominenz und einer Festrede von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Samuelsson und Karlheinz Hornung haben den Traditionskonzern in den vergangenen Jahren ohne viel Aufhebens umgekrempelt, verschlankt und die zuvor nur in Europa tätige Lkw-Sparte erfolgreich in den wichtigsten Schwellenländern verankert. Kein Wunder, dass der einst so muffige MAN-Konzern zum Liebling der Börse wurde.

Piëch tut mit seinem Vormarsch nicht nur dem MAN-Management unrecht, dessen erfolgreicher Kurs von niemandem bestritten wird. Er führt auch die anderen Aufsichtsräte vor – an denen die Enthauptung von MAN allem Anschein nach völlig vorbeigeht. Ja, die Korruptionsaffäre belastet den Konzern derzeit schwer. Man muss dem Vorstand ankreiden, dass er zwar seit Jahren die Kontrollmechanismen weiter verschärfte, dies aber zu wenig Wirkung zeigte. Auch ging das Management vor allem intern gegen solche Verstöße vor, statt diese an die Staatsanwaltschaft zu geben und damit an die große Glocke zu hängen. Doch ist die Dimension nach allem, was bekannt ist, eher klein: 50 bis 80 Mio. Euro sollen die Bestechungsgelder umfasst haben, über einen Zeitraum von sieben Jahren. Bei Siemens betrugen die fragwürdigen Zahlungen 1,4 Mrd. Euro.

Dass ausgerechnet Piëch MANs Schmiergeldaffäre zum Anlass für eine Tabula rasa im Management nimmt, wirkt wie ein Treppenwitz der Geschichte. Vor vier Jahren erschütterte den VW-Konzern ein viel schlimmerer Skandal um Schmiergeldzahlungen und gesponserte „Lustreisen“ für Betriebsräte – wovon der damalige VW-Chef Piëch nichts mitbekommen haben wollte.
Vor allem aber liegt eine abschließende Beurteilung der Vorgänge bei MAN noch nicht vor: weder der Öffentlichkeit noch dem Aufsichtsrat. Erst am 11. Dezember wird die mit der Aufklärung beauftragte Kanzlei Wilmer Hale dem Aufsichtsrat ihren Bericht präsentieren. Ist den Vorständen wirklich etwas vorzuwerfen, wäre dann der Zeitpunkt für ihren Rauswurf gekommen. Und zwar als Entscheidung des gesamten Aufsichtsrats – statt eines Alleingangs Piëchs, der damit offenbar Partikularinteressen verfolgt.

Als VW-Chefaufseher und -Aktionär treibt Piëch eine Fusion von MAN mit der VW-Tochter Scania unter seiner Führung voran. Doch VW hält nur 29,9 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien von MAN. Die weit überwiegende Mehrheit liegt in der Hand freier Aktionäre. Aus deren Sicht wäre die Lkw-Allianz zwar ebenfalls sinnvoll, aber womöglich unter ganz anderen als den von Piëch gewünschten Bedingungen. Dass nun das erfolgreiche Management mitten in einer schweren Branchenkrise Hals über Kopf geht, ohne dass adäquater Ersatz bereitsteht, ist auf gar keinen Fall im Interesse der MAN-Aktionärsmehrheit. Das belegt die MAN-Aktie, die seit Tagen im Sinkflug ist.

Dass sich Piëch das überhaupt leisten kann, liegt daran, dass er bei MAN längst ein zweites System VW installiert hat. Zum Durchregieren reicht dem Aufsichtsratschef die Arbeitnehmerbank – und das ist faktisch die machtbewusste IG Metall. Traditionell ist die Gewerkschaft bei MAN sehr stark vertreten, stellt sogar den Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden. Normalerweise ist dieser Posten dem Betriebsratschef des Konzerns vorbehalten. Bei MAN hat Piëch den Gewerkschaftern zudem erst kürzlich einen Gefallen getan und erstmals einen Personalvorstand installiert. Die anderen Vorstände von MAN erfuhren davon erst, als es so weit war. MAN ist bereits der zweite Fall der jüngeren Vergangenheit, in der ein Großaktionär mit nur 29 Prozent den Durchmarsch gestartet hat. Geschafft hat das auch das Familienunternehmen Grenzebach beim im SDax notierten Roboterbauer Kuka.

Als absehbar war, dass der zähe Kampf des Vorstands aussichtslos wurde, zogen die Kapitalvertreter in Kukas Aufsichtsrat die richtige Konsequenz: Sie demonstrierten ihren Protest gegen diese Missachtung jeglicher Regeln für ordnungsgemäße Unternehmensführung durch geschlossenen Rücktritt. Dies sollten auch die MAN-Aufsichtsräte am 11. Dezember tun. Oder noch besser: Piëch vom Aufsichtsratsvorsitz abwählen….

One Comment;

  1. Sue Massey said:

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