Kleinanleger treiben die Börsen

Eine Meldung die jeden Trader aufhochen lassen sollte war die gestrige auf BörseARD das in Großbritanien die Kleinanleger nicht nur aufs Parkett zurückgekommen sind sondern sich mit ähnlich hohen Volumen an den jüngsten Kursanstiegen beteiligen wie zur Zeit der Dotcom Blase. Die immer weiter steigenden Kurse locken die Anleger in Scharen an die Börsen. Dies dürfte zum einen an dem Mangel an Alternativen liegen, da die Zinsen auf historischen Tiefstständen verweilen, Anleihen ebenfalls damit als unattraktiv gelten und Immobilien erst einmal den Status der sicheren Anlage verloren haben. Zum anderen ist es mal wieder die Gier die die Menschen in Aktien treibt. Viele dürften die bisherige Rally verpasst haben und wollen auch noch ein Stück vom großen Kuchen abhaben.

Auf der anderen Seite sollte man, anlässlich der drohenden Inflation, auch nicht zu kritisch mit diesen Anlegern umgehen. Eine Investition Aktien ist eine Investition in Sachwerte und damit neben dem viel gepriesenem Gold eine der besten Anlageformen gegen eine drohende Inflation. Eine direkte Beteiligung an einem Unternehmen dürfte, vorausgesetzt man hat auf die richtigen Pferde gesetzt, sogar im Falle einer Hyperinflation noch ordentliche Renditen abwerfen. In einem liquiditäts-getriebenen Markt um so mehr! Ganz anders sieht aber immer noch das Verhalten deutscher Anleger aus. In Deutschland war die Aktienkultur wohl auf Grund unserer Mentalität schon immer etwas schwächer ausgeprägt. Sicherheit geht vor und da ist das eigene Häuschen oder die Lebensversicherung ohne nennenswerte Rendite immer noch die erste Wahl. Hauptsache sicher! Wie sicher eine LV ist werden wohl einige erst nach Ablauf Ihres Vertrages merken…

Wie auch immer…“Wir Deutschen lassen erst die Meute laufen, dann laufen wir mit“, erklärt Robert Halver von der Baader Bank. „Der deutsche Kleinanleger ist der Sicherheitstyp. Das ist fast ein wenig schade.“ Zwar zeige sich nach dem ersten Schock durch die Finanzkrise nun eine leichte Stabilisierung. Aber im Vergleich zu früheren Zyklen sei der Kleinanleger hierzulande immer noch schwach vertreten.

Natürlich haben auch diese Aktien in der Krise stark verloren. Daher ist das Vertrauen des Durchschnittsanlegers in diese Form der Geldanlage empfindlich gestört. Selbst bei den Marktexperten schwingt permanent die Sorge mit. Sie warnen: Wir erleben einen künstlichen Aufschwung, das Wachstum ist schwach. Dennoch spricht auch der zaudernde Kleinanleger dafür, dass sich die Börse noch eine Weile gut hält. Erst wenn die breite Masse wieder Mut fasst und Aktien kauft, wenn die Börse an der Bushaltestelle und in der Bild wieder Einzug hält, dann ist Vorsicht geboten…war gestern zu lesen. Ja, aber genau das ist doch gerade in Großbritannien passiert…wen interessiert da schon Deutschland?

3 Comments

  1. Joerg said:

    Kann ich mich nur anschliessen, die Kleinanleger in den USA bzw. England sollten sehr viel eher als Warnhinweis gelten als die Deutschen. Der deutsche Kleinanleger taucht wirklich meist erst dann auf, wenn Werbespots im Fernsehen zum Einstieg in ehemalige Staatskonerzne trommeln.
    Daran wird sich so lange nichts ändern wie Aktien und spekulieren in der Politik und den Medien hier immer wieder verteufelt werden.

  2. Lars said:

    Hallo Börsenphilosoph,

    genau das trifft wohl den Nagel auf den Kopf, gewisse Themen und Entwicklungen laufen immer nach den gleichen Mustern ab, und es wird auch dieses Mal so sein. Noch sind die Umsätze an den Börsen verhältnismäßig dünn und ein breiter Einstieg nicht erkennbar. Dennoch sollte einen die Entwicklung in England, als Mit-Hauptverursacher der Krise zumindest aufhorchen lassen. Die Volumina und und Umsätze sollten also auch in den USA (wo unbestritten die Musik spielt) genau beobachtet werden. Die Rückzahlung der Kredite von AIG BAC und Citigroup haben wieder neue Euphorie entfacht, ob diese begründet ist oder nicht…

  3. Der Börsenphilosoph said:

    Vielen Dank für Ihren Artikel!

    Herr Schnödewind hat ganz Recht.
    Insbesondere sein letzter Absatz ist zu betonen:
    „Erst wenn die breite Masse wieder Mut fasst und Aktien kauft, wenn die Börse an der Bushaltestelle und in der Bild wieder Einzug hält, dann ist Vorsicht geboten.“

    Ich möchte hinzufügen, dass unsere Beobachtungen bei der amerikanischen Breite Masse liegen sollten. Dort spielt die Musik.

    In diesem Sinne, hochachtungsvoll

    Ihr Börsenphilosoph

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