Heidelberger Druckmaschinen AG, Angst vor den Zahlen…

Morgen muss die Heidelberger Druck AG die Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal bekannt geben und die Erwartungen sind eher bescheiden. Die Hersteller von Druckmaschinen stecken in ihrer bislang schwersten Krise. Infolge des Einbruchs im Print-Werbemarkt sind Neuaufträge und Umsätze der Unternehmen drastisch eingebrochen. Aber nicht nur die Flaute ist die Ursache für die schlechte Lage, in der sich Heidelberger Druckmaschinen, Manroland und König & Bauer befinden. Die Industrie ist angesichts einer dauerhaften Verlagerung von Kommunikation in Richtung Internet von nachhaltigen Überkapazitäten geprägt. Ob sich dies bald ändern wird darf angesichts dieser Verlagerung bezweifelt werden. Der Online Werbemarkt floriert, und das zu Recht und nicht zuletzt wegen einer erheblich besseren Transparenz und Meßbarkeit der werblichen Maßnahmen.

Was sich bereits seit Jahren abzeichnet ist nun traurige Gewissheit geworden. Die deutsche Druckindustrie steckt in der vielleicht schwersten Krise die es je gab. Wie verheerend die Entwicklung ist, zeigt der Druckmaschinenhersteller Wifag. Die Schweizer sind zwar die Nummer vier der Branche, können aber im Wettbewerb mit den drei deutschen Unternehmen nicht mehr mithalten. Die Hoffnung der Wifag auf ein eigenständiges Fortbestehen der wurde durch den „nie da gewesenen Auftragseinbruch“ und Preiskampf zunichte gemacht.

Im laufenden Geschäftsjahr werden die Umsätze von Heidelberger wohl um rund ein Drittel auf etwa zwei Mrd. Euro einbrechen und unter dem Strich tiefrote Zahlen stehen. Vorstandschef Bernhard Schreier rechnet mit einem Ebit-Verlust von 110 bis 150 Mio. Euro. Heute will Schreier die Bilanz für das erste Halbjahr 2009/10 vorlegen. Die Investoren werden dabei auch Antworten auf die Frage haben wollen, wie es weitergeht. Zuletzt betonte das Unternehmen, dass es eigenständig durch die Krise manövrieren will. Ob das realistisch ist? Der Preisverfall bei Druckerzeugnissen schreitet seit Jahren stetig voran. Dementsprechend sind die Margen und Gewinn der Druckereien oft überschaubar und man arbeitet hier mehr für den Umsatz und Marktanteile als für alles andere. Neuinvestitionen werden weitestgehend zurückgestellt. Wovon sollten diese auch bezahlt werden?

Ein weiteres Problem dürfte sicherlich die Finanzierung solcher neuen Druckmaschinen sein. Schon eine „normale“ Offsetdruck. Maschine mit fünf oder sechs Druckwerken kostet 1,3 Millionen Euro. Mit etwas Zubehör oftmals mehr. Früher wurden solche Investitionen, je nach Auftragslage innerhalb von 2-3 Jahren locker eingespielt. Heute sieht diese Rechnung leider ganz anders aus. Die Nachhaltigkeit des jetzigen Aufschwungs der Weltwirtschaft ist ungewiss. Sollte sich der Trend bestätigen werden zunächst wohl erst einmal andere Werbeformen wie die Onlinewerbung und eventuell auch TV-Werbung wieder in Gang kommen. Wann und in welcher Form und Umfang sich dann die Druckindustrie wieder erholen kann ist noch offen. Nahezu sicher ist wohl aber das es noch eine ganze Weile dauern wird. man sollte sich also von den Quartalszahlen von Heidelberger Druck morgen und vielleicht auch in den nächsten Quartalen nicht allzu viel erhoffen..

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