Gastkommetar: Der Kampf um die Seltenen Erden hat begonnen

Seltene Erden sind ein begehrter, wichtiger Rohstoff für die Hightech-Industrie des 21. Jahrhunderts, der vor allen Dingen in China mit einer geschätzten Lager-Reserve von ca. 36 Mio. Tonnen vorkommt, gefolgt von Russland mit ca. 19 Mio. t, den USA mit etwa 13 Mio. t, Australien mit ca. 5,4 Mio. t und die anderen globalen Staaten zusammen mit etwa 22 Mio. t. Die Seltenen Erden bilden den Oberbegriff für eine Gruppe von 17 Metallen bzw. chemischen Elementen, die zur 3. Gruppe des Periodensystems (außer Actiniums) und die Lanthanoide gehören, darunter Lanthan, Europium und Neodym. Meist kommen sie am selben Standort, im selben Gestein, vor. Sie werden in kleinen Mengen verwendet, sind aber unverzichtbar unter anderem für die Herstellung von Computern und Computer-Monitoren, DVD-Spielern, leistungsstarken Akkus, Hybrid-Autos, Halbleitern, Handys, Windturbinen, Rüstungsgütern und Raketen. Autozulieferer nutzen Seltene Erden bei der Herstellung von Elektromotoren. Die größten Verbraucher dieser Rohstoffe sind China, Japan und die USA, die eine starke Technologiebranche haben. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Umwelttechnologien wird auch künftig mit einem weiter steigenden Bedarf gerechnet.

Im Jahr 2008 wurden in China  120.000 Tonnen der seltenen Rohstoffe gefördert, was immerhin etwa 97 % der weltweiten Fördermenge entspricht. China exportierte gut 30.000 Tonnen, senkt aber seit 2005 seine Exporte Seltener Erden, was zu einer künstlichen Verknappung des weltweiten Angebotes führt. Peking reguliert die Ausfuhr streng und brachte zuletzt mehrere Minen unter staatliche Kontrolle. Die Preise für die begehrten Rohstoffe stiegen infolge einer künstlich herbeigeführten Verknappung an den internationalen Rohstoffmärkten daraufhin weiterhin stark an. Auch in diesem Jahr ist die Ausfuhr von nur rund 30.000 Tonnen seltener Erden erlaubt.

Im Rahmen ihrer „Rohstoffinitiative“ stufte die Europäische Kommission kürzlich rund 14 Rohstoffe als besonders „kritische Metalle“ ein. Diese seien, so die Arbeitsgruppe der Kommission, besonders wichtig in ihrer Nutzung und selten in ihrer Verfügbarkeit. Darin enthalten ist die Gruppe der „Seltenen Erden.“ Gadolinium ist das einzige Element, das ferromagnetisch ist. Lanthan verliert als Supraleiter bei sehr niedrigen Temperaturen jeglichen Widerstand gegenüber dem Stromfluss. Diese Merkmale sind unverzichtbar für die Herstellung von Metalllegierungen, Spezialgläsern und Supraleitern.

Jetzt rächen sich die jahrelange Nachlässigkeiten der EU und anderer Industriestaaten, sich in jüngster Vergangenheit nicht um die Erschließung von Rohstoffmärkten in einem ausreichenden Umfang gekümmert zu haben. China hatte hierbei eine andere, offensive Expansionspolitik verfolgt und insbesondere in Afrika neue strategische Kooperationen geschlossen. Zwar sind aktuell weltweit neue Projekte in der Entwicklung, dennoch bleibt China die marktbeherrschende Stellung bei „Seltenen Erden“ bis auf weiteres vorbehalten. Vor Kurzem wurde bereits in Malaysia eine Mine genehmigt, die bis zu 22.000 Tonnen Seltene Erden jährlich produzieren soll. Weitere Projekte sollen jetzt in den Vereinigten Staaten folgen, wie z.B. die Wiedereröffnung der Mine Mountain Pass in Kalifornien, sowie in Australien die Mine Mt. Weld.

Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Japan haben jetzt ebenfalls auf politischem Wege reagiert und den Streit um die künstlich herbeigeführte Verknappung dieser Rohstoffe durch einseitige Handelsbeschränkungen und Restriktionen vor die Welthandelsorganisation (WTO) gebracht. Auch gegen Benachteiligungen bei den für die Stahlindustrie wichtigen Metallen Wolfrum und Molybdän geht die EU bei der WTO vor. Die EU habe ein Schlichtungsverfahren zu den Exportbeschränkungen Chinas bei der WTO beantragt, erklärte die EU-Kommission in einem ersten Statement. China hat diese Klage bereits scharf kritisiert und die Anschuldigungen zurückgewiesen. Jetzt droht zwischen China, selbst WTO-Mitglied und seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern ein Handelskrieg um die seltenen Rohstoffe.  China, der wichtigste Lieferant, hortet diese begehrten Bodenschätze und verwendet diese seit etwa 30 Jahren auch zur Düngung von Böden und zur Fütterung von Nutztieren, während diese dringend benötigten Stoffe teilweise nur schleppend ihren Weg in den westlichen Wirtschaftskreislauf finden.

Der US-amerikanische Geological Survey (USGS) schätzt die weltweiten Reserven aller Seltene Erden-Oxide, die wirtschaftlich genutzt werden könnten, auf ca. 99.000.000 Tonnen. Vom Wortlaut „Seltene Erden“ sollte man sich nicht irritieren lassen: Thulium, das seltenste aller Elemente aus der Gruppe der Seltenen Erden, ist bei weitem noch nicht so rar wie Gold oder Platin. Als Anlageform sind Seltene Erden nur mit großen Einschränkungen zu empfehlen. Weder die einzelnen Elemente der Gruppe Seltene Erden, noch die Gruppe selbst, werden als Rohstoff oder als Derivate (Futures, Optionen, Zertifikate) an internationalen Börsen gehandelt. Ein Investor kann demnach nur in Form von Aktienbeteiligungen an Bergbau-Unternehmen, die diese Metalle explorieren oder fördern, investieren. Die Zahl der ernstzunehmenden Anbieter ist noch überschaubar, einige davon könnten als Langfristinvestment sehr interessant sein. Man sollte aber immer bedenken dass dieser Sektor jederzeit durch politische Nachrichten beeinflusst werden kann – im Positiven wie im Negativen! Sandro Valecchi

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