EZB, Bank of China und Bank of England senken die Zinsen…

Man könnte es schon fast als konzertierte Aktion bezeichnen was am Donnerstag von den Zentralbanken geliefert wurde. Und in „normalen“ Börsenzeiten hätte ein solcher Schritt wohl ein Kursfeuerwerk von mindestens 3 Prozent Plus im Dax verursacht….Die EZB und die Bank of China senkten erneut die Zinsen, die Bank of England hat ihr Anleihekaufprogramm auf 375 Milliarden Pfund erweitert. Am Ende half das alles aber nichts, denn insbesondere der Ausblick auf weitere Maßnahmen der EZB blieb aus und enttäuschte damit die Anleger. Der Dax gab in den letzten beiden Handelstagen erst einmal deutlich nach. Bemerkenswert war in der anschließenden EZB Pressekonferenz auch das der  Zinssatz, den Geschäftsbanken die Geld über Nacht bei der EZB parken wollen nun auf 0 Prozent gesenkt wurde.

Damit versucht die EZB  nun zu erreichen dass es für die Banken immer unattraktiver wird Gelder zu horten und somit wieder mehr Kapital im wirtschaftlichen Kreislauf ankommt. Banken trauen sich untereinander nicht mehr und der Wirtschaft fehlen weiterhin dringend benötigte Kredite für Investitionen. Mario Draghi hat mit den jüngsten Maßnahmen versucht diesen Zustand nun zu ändern, was grundsätzlich wohl auch ein guter Ansatz ist. Der Markt zeigte sich dennoch nicht zufrieden weil Draghi weitere Anleihekäufe in Europa vorerst ausgeschlossen hat. Selbst IWF Chefin Lagarde hatte zuvor öffentlich vorgeschlagen dass man lieber den Zins stabil halten, dafür aber das Ankaufprogramm von Anleihen aus den angeschlagenen Periferieländern ausweiten solle. Diese indirekte Bitte wurde aber überhört – zumindest offiziell.

Ein kurzer Blick auf die Notenbank-Bilanz zeigt, dass Draghi wohl deswegen so zögerlich mit weiteren Maßnahmen umgeht da die Bilanzsumme des Euro-Systems erst vor wenigen Tagen auf den Rekordstand von 3,1 Billionen Euro gestiegen ist. Eine weitere Ausweitung dieser Bilanzsumme kann sich die EZB genau genommen schon lange nicht mehr „leisten“, weil mit jeder weiteren Milliarde auch das Misstrauen der Anleger gegenüber dem Euro wächst. Soweit die Theorie – in der Praxis gehe ich persönlich davon aus dass man nun erst einmal einen kleinen aber historischen (Zins-)Schritt gemacht hat um dann später zu rechtfertigen dass man doch Staatsanleihen europäischer Länder unlimitiert aufkauft. Schließlich hat die EZB dann zuvor alles versucht was in Ihrer Macht stand und kann als Notfallmaßnahme nur noch diesen Schritt gehen um Europa zu retten, obwohl dieser ja nicht rechtmäßig ist. Die Not heiligt eben die Mittel!

Und so bleibt uns Anlegern wiedermal nichts anderes übrig als darauf zu hoffen dass dieser unbeherzte Schritt der EZB das zarte Pflänzchen der Erholung an den Aktienmärkten nicht sofort wieder vernichten wird. Der Euro hat nach der EZB Sitzung geradezu dramatisch nachgegeben und notiert inzwischen unter der Marke von 1,23 Euro. Was für deutsche/europäische Exportunternehmen somit weiterhin sehr gut ist bringt die amerikanische Notenbank nun wieder in Zugzwang. Die neuen Arbeitsmarktdaten aus den USA sind erneut deutlich schlechter ausfallen als erwartet. Somit steigt wohl nach allgemeinem Marktverständnis die Bereitschaft der amerikanischen Notenbank demnächst weitere Lockerungsmaßnahmen zu beschließen. Der Ball liegt jetzt wieder in der anderen Hälfte des Spielfeldes…

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