EMTV Aktionär erhält Schadensersatz

Das sollte alle getäuschten Aktionäre und Anleger dubioser Fonds aufhorchen lassen. Wichtig ist aber die rechtzeitige Wahrung der Fristen, bzw. das Einreichen der Klageschrift!…“Manchmal muss man einfach einen langen Atem haben“, bringt Anwältin Petra Dietenmaier von der Kanzlei Tilp Rechtsanwälte es knapp auf den Punkt. Im Fall ihres Mandanten, eines geschädigten Ex-EM.TV-Aktionärs, drohte den Beteiligten immer wieder die Puste auszugehen. Knapp neun Jahre hat es gedauert, bis jetzt das Oberlandesgericht München das erlösende, letztinstanzliche Urteil sprach und dem klagenden Aktionär Schadensersatz zusprach.
Er hatte im Herbst 2000 eine vermeintlich vielversprechende Ad-hoc-Mittelung von EM.TV zum Anlass genommen, um Aktien von dem ehemaligen Neuer-Markt-Unternehmen EMTV zu kaufen. Einige Wochen später korrigierte das Unternehmen, das jetzt Constantin Medien heißt, jedoch die Mitteilung. Der Aktienkurs brach ein, Spekulationen über möglicherweise falsche Unternehmensinformationen machten die Runde, und eine Welle von Klagen rollte an.
Bereits im Frühling 2001 fanden sich innerhalb nur eines Monats mehr als 2000 geschädigte Anleger zusammen, die sich einer Sammelklage anschließen wollten. Diese hatte der Prozessfinanzierer Foris initiiert. Einer der Ansatzpunkte war damals, dass EM.TV-Chef Thomas Haffa eigene Aktien trotz der noch geltenden Sperrfrist verkauft hatte – und dies auch im Nachhinein zugab. Die Sammelklage scheiterte jedoch.
Auch jene, die sich durch einen falschen Emissionsprospekt von den Haffa-Brüdern getäuscht fühlten, mussten vor den Gerichten stets Niederlagen einstecken. Richtungweisend war dabei ein Urteil aus dem Frühsommer 2004. Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte damals die Prospekthaftungsklage einer EM.TV-Anlegerin gegen das Medienunternehmen abgewiesen und gleichzeitig den Weg zum Bundesgerichtshof (BGH) versperrt.
Dietenmaiers Mandant versuchte es mit einer dritten Variante: Er reichte im April 2001 Klagen wegen falscher Ad-hoc-Mitteilungen ein. Und obwohl der BGH bereits im Jahr 2004 in einem Strafprozess festgestellt hatte, dass die Ex-EM.TV-Vorstände Thomas und Florian Haffa die Vermögenslage ihres Unternehmens in der Ad-hoc-Mitteilung falsch dargestellt hatten, musste der Kläger in seinem Zivilprozess auf die gleiche Erkenntnis noch sechs Jahre warten.
Allein für den Kläger haben sich in den neun Jahren rund 8500 Euro Prozesskosten angehäuft. Bei mehr als 10.000 Euro lägen die Kosten für alle Beteiligten, sagt Dietenmaier. Und: „Für mich hat sich dieser Fall finanziell nicht gerechnet.“ Für den Kläger schon: Zwar liegt der Schadensersatz, den er von Constantin Medien bekommt, bei vergleichsweise mageren 16.584,60 Euro, aber er bekommt seinen Schadensersatz üppig verzinst – mit rund fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz für neun Jahre. In Summe erhält er damit rund 30.000 Euro. Das dürfte die rund 150 EM.TV-Kläger motivieren, deren Fälle noch vor dem Oberlandesgericht München anhängig sind. Hunderte andere Kläger haben indes bereits entnervt aufgegeben. FTD

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