Die Fed foppt die Märkte

Das Zinsgespenst ist seit gestern wieder überraschend an den internationalen Börsen aufgetaucht. Die amerikanische Notenbank hat am Donnerstagabend den Diskontsatz erhöht und diese Nachricht kam trotz der letzten Ankündigungen Ben Bernankes für die Märkte ein wenig überraschend. Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der Fed unmittelbar Geld leihen können, steigt also ab heute von 0,5 auf 0,75 Prozent. Der Notenbankchef betonte aber das eine Erhöhung des eigentlichen Leitzinses in absehbarer Zeit zu befürchten sei, Dennoch sehen Marktbeobachter dies als ersten, und logischen Schritt in diese Richtung. Die erste Zinsanhebung seit Beginn der Krise im Jahr 2007 hat auch Ihre Spuren an den asiatischen Börsen hinterlassen. Nikkei und Hang Seng notieren zum Handelsende über zwei Prozent im Minus.

Die Notenbank begründete den Schritt aber in erster Linie mit einer Verbesserung der Lage an den Finanzmärkten was auch nachvollziehbar ist. Es sei nicht zu erwarten, dass sich dadurch auch die Kreditkosten für Haushalte und Unternehmen erhöhten hieß es weiter. Man werde im Laufe der Zeit entscheiden, ob der Abstand zwischen dem Diskontsatz und dem Schlüsselzins, der Fed Funds Rate, mehr ausgeweitet werden müsse. Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 hatte der Diskontsatz üblicherweise einen vollen Prozentpunkt über der Federal Funds Rate gelegen. Alles in allem also kein wirklicher Grund sich als Anleger in dieser Phase des neu gewonnenen Optimismus ernsthafte Sorgen zu machen. Dieser Erhöhung kann also auch durchaus als positives Signal einer weiteren Stabilisierung der Finanzmärkte gesehen werden..

Nein, die Zinserhöhungsangst ist lächerlich. Das Einzige, was in Sicht ist, ist die Anhörung von Fed-Präsident Ben Bernanke vor dem amerikanischen Kongress, die am 24. Februar beginnt. Weil die Politik der gesamten Institution misstraut – den einen tut sie zu wenig, den anderen viel zu viel -, signalisiert Bernanke Aktivität und Wachsamkeit, ohne wirklich etwas zu unternehmen. Man könnte auch sagen: Er spielt ihnen etwas vor.Von strafferer Geldpolitik kann keine Rede sein. Das gilt wohlgemerkt nicht nur für die Fed. Wennn die People’s Bank of China unter Fanfarenklang den Mindestreservesatz erhöht, die Europäische Zentralbank den zwölf- und sechsmonatigen Kredit auf Eis legt und die Bank of England mit Wertpapierkäufen pausiert, dann ist das keine Zinswende, sondern nur eine langsame Rücknahme der Überschussliquidität im Bankensystem.

Die Gefahr ist inzwischen nicht mehr, dass die Notenbanken damit zu früh beginnen. Sondern dass sie sich zu lange Zeit lassen und ihre technischen Fertigkeiten überschätzen. Die Fed beispielsweise will die gesamte Liquidität mithilfe des Einlagenzinses und Reverse-Repo-Geschäften aufsaugen. Der Grundgedanke: Statt das Geld zu verleihen, parken es die Kreditinstitute lieber hübsch verzinst bei der Notenbank. Der Diskontsatz spielt in der Geldpolitik keine große Rolle. Mit einem ausstehenden Kreditvolumen von 17,1 Mrd. $ ist er vernachlässigbar. Die Futures in den USA signalisieren heute genau das – nach anfänglichen Unsicherheiten dürften die Märkte dann bald wieder zum normalen Tagesgeschäft übergehen. Wir befinden uns in einer Erholungsphase! Wie weit diese gehen kann, oder ob sogar wieder an die alten Höchststände angeknüpft werden kann sei dahingestellt. In keinem Falle aber ist dies die Zeit nun erneut panisch und unüberlegt Aktien in den Markt zu schmeißen!

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