Deutsche Abgeltungssteuer als Bullen-Signal?

Gastbeitrag von Philipp Vontobel, PVI:

Im Gegensatz zum Schweizer Steuerrecht verlangt der Deutsche Staat (unter gewissen Bedingungen) von seinen Bürgern, dass Sie einen Teil ihrer Wertschriftengewinne dem Fiskus abtreten müssen. Die bisherige Praxis sah vor, dass wenn ein Deutscher Anleger zum Beispiel Aktien gekauft hatte und diese weniger als ein Jahr hielt, Steuern auf dem erzielten Ertrag bezahlen musste. All diejenigen Investoren, welche die Anlagen über ein Jahr lang hielten, durften die erzielten Kursgewinne jedoch steuerfrei einsacken.

Nun ändert sich dieses Gesetzt per 01.01.2009. Die Rede ist von der Deutschen Abgeltungssteuer. Da dieses Thema ein wenig komplex ist, beschränke ich mich in der nachfolgenden, kurzen Ausführung auf die zentralen Punkte dieser Gesetztesänderung:

Ab 01.01.2009 werden in Deutschland Kursgewinne auf Wertschriften pauschal mit 25% besteuert. Damit entfällt die 12 monatige Spekulationsfrist, welche bisanhin steuerfreie Kursgewinne ab 1 Jahr Haltedauer ermöglicht hatte. Durch diese neue Regelung werden kurzfristige Aktiengeschäfte besser gestellt, während der langfristige Vermögensaufbau mit Aktien benachteiligt wird. Ob diese Regelung nun Sinn macht oder nicht, lasse ich bewusst an dieser Stelle offen.

Da Deutschland nun noch bis 31.12.2008 nach dem alten “Versteuerungsmuster” vorgeht, ergeben sich spannende Rahmenbedingungen für den Aktienkauf. Das heisst, alle Deutschen Anleger, welche bis zum 31.12.2008 Aktien kaufen, können die dabei erzielten Kursgewinne 12 Monate später steuerfrei einnehmen. Wenn Sie jedoch ihre Aktien ab dem 01.01.2009 kaufen, fallen wie gesagt die unattraktiven neuen Steuern an.

Ich selbst habe Kenntnis davon genommen, dass die Deutschen Banken derzeit sehr aggressiv Werbung bei ihren Kunden betreiben und diese regelrecht auffordern noch bis Ende Jahr in Aktien zu investieren (Aktien übergewichten). Da man davon ausgehen kann, dass ca. 70% der Deutschen ihre Aktien im Heimmarkt kaufen, dürfte es nicht von der Hand zu weisen sein, dass durch die obige Steuerpraxis dieses Jahr vermehrt Kaufdruck aufkommen könnte, was insbesondere den Deutschen DAX stützen dürfte.

Anmerkung:

Dieser Text soll nicht dazu dienen eine generelle Investmentempfehlung in den Deutschen Aktienmarkt zu machen. Vielmehr ist es mein Ziel, Sie in einfachen Worten auf diese neue Steuerproblematik unseres Nachbarn aufmerksam zu machen. Somit halt ein typischer “Nice2know”-Artikel.

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