Der Flug des Phönix, oder des Ikarus?

Der Phönix ist ein Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. Noch heute findet die Redewendung „Wie ein Phönix aus der Asche“ für etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint häufig Anwendung. Ob dies aber auch zur jetzigen Zeit auf den deutschen und internationalen Aktienmarkt angewendet werden sollte sei dahingestellt. Viel mehr erinnert mich die derzeitige Situation an eine andere Mythologie. „Der Flug des Ikarus“. Dieser endete verhältnismäßig schlecht für den Piloten. Ikarus, der Sohn des Dädalus, wurde zusammen mit seinem Vater von König Minos im Labyrinth des Minotaurus auf gefangen gehalten. Da der Seeweg versperrt war erfand Dädalus Flügel aus Wachs und Federn für eine Flucht. Der Plan gelang, bis Ikarus übermütig wurde und immer höher flog. Schließlich lösten sich also die Flügel durch die Hitze der Sonne auf und Ikarus stürzte ins Meer. Der Ikarus-Mythos wird im Allgemeinen so gedeutet, dass der Absturz und Tod des Übermütigen die Strafe der Götter für seinen unverschämten Griff nach der Sonne ist.

Warum erzähle ich das hier alles? Weil ich finde das es gewisse Parallelen zwischen der griechischen Mythologie und der jetzigen Situation an den Börsen gibt. Worüber ich mir noch nicht so genau im Klaren bin ist die Frage „sind wir schon abgestürzt und ins Meer gefallen oder kommt das erst noch?“ Grundsätzlich habe ich eigentlich geglaubt wir haben das Schlimmste der Krise hinter uns gelassen. Nachdem aber die Politik auch heute komplett versagt um solche leichtsinnigen und übermütigen Höhenflüge der Banker in Zukunft zu verhindern, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Der Kapitalmarkt wurde mit Geld geflutet um die Wirtschaft wieder anzukurbeln und die Finanzierung der Unternehmen zu gewährleisten. Stattdessen haben die Banken mit den Geldern der Steuerzahler fröhlich weiter gezockt und Milliardengewinne eingefahren. Die Regierungen haben bislang nichts dagegen unternommen und so konnten auch die Märkte – getrieben durch diese neue, wundersame Liquidität – wieder in ungeahnte Höhen steigen.

Je nachdem wie viel Geld nun in das System gepumpt wird kann die aktuelle Hausse erst einmal immer weiter laufen. Schon heute muss ich mir teilweise verwundert die Augen reiben wenn ich die Entwicklung der Märkte sehe, aber Börse ist eben manchmal irrational. Irgendwann werden die Banker dann wieder satt sein und ihre Schulden abgetragen haben, natürlich mit dem Geld der Bürger. Die Kurse werden fallen und wieder zahlen die Kleinanleger die Zeche für die Großen. Fliegt also der Ikarus noch, oder klatscht er gerade aufs Wasser und wird dann langsam auf den Meeresgrund sinken? Ich denke unser aller Ikarus hat nachdem er sich die Flügelspitzen verbrannt hat knapp über der Wasseroberfläche nochmal die Kurve gekriegt und ist gerade dabei wieder zu übermütig zu werden. Ob er im zweiten Anlauf vernünftiger sein wird und in sicher Sizilien ankommt wie sein Vater Dädalus darf bezweifelt werden. In jedem Falle aber hat er dann wohl noch einen längeren Flug vor sich. Am Ende bleibt noch die Frage „Wer ist eigentlich unser aller Ikarus?“

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